beim Weggehen sagte Ney de la Moseowa: „Das Manifest ist mit der Spitze des Sabels geschneben , worauf Desmousseaur de Givre ries: „Ones hölzerne Säbels!" — Nach dem „Drott lag die Ursache der verzögerten Ausgebung des Supplements zum „Mom- teur" in der Weigerung F. Barrots, das Ministerium des Innern zu übernehmen. Der „National" behauptet gerade F. Barrot habe hauptsächlich die Entlassung seines Bruders und der Kollegen desselben betrieben.
Mehrere Journale der Linken warnen die Demokratie davor, sich durch Agitatoren auf die Straße locken zu lassen, damit ihnen der endliche Triumph ihrer gerechten Sache nicht entrissen würde, sie werden aufgefordert, nur wenn der Staatsstreich erfolge, bereit zu sein; weil bei dein unmittelbaren Kampfe zwischen dem Präsidenten der Republik und der Majorität, der eine oder die andern keinen andern Ausweg hätten. Die Aufregung in Paris ist übrigens außerordentlich und in den royalistischen Gesichtern liest man Arroganz und Hoffnung, Kühnheit und Misterien. Die monarchische Partei glaubt ihre Projekte nicht mehr- länger zurückhalten zu dürfen, die Presse und die Tribünen wiedertönen von ihrem heißeren Todeskrächzen. In der Narrenburg aber ist eine babylonische Verwirrung, Girardin wird gerufen, Kuriere gehen ab, dienstthuende Dragoner reiten mit halsbrechender Eile Treppen hinauf und hinunter und Ferdinand Barrot, der seinen Bruder aus dem Sattel geworfen, treibt sich mit Achille Foulv und einigen andern Lakaien des Elisees rathlos in den Gemächern des machtlosen Prinz- Regenten umher. La République honnéte, grande et sage liegt in Todeszuckungen und wahrlich, es ist endlich auch an der Zeit, daß die miserabelen Intriguen, welche seit so lange schon wie das cynisch-saty- rische Gelächter einer Orgie an die Ohren des sittlicheren Volkes schlugen, ein Ende erreichen, daß diese politischen Eunuchen, welche den verwunschenen Prinzen schweifwedelnd umtanzten, endlich mit einem Fußtritt für ihre treuen Hundedienste von ihm regalirt wurden. Es darf uns sehr gleichgültig sein, wie das neue Mi- nifterium heißt. Thiers und Mole haben schon ein ungeheueres Terrain dadurch verloren, daß sie sich durch die Message überraschen ließen, und dann, daß sie nicht mit Kühnheit gesagt haben: Im Namen unserer Partei nehmen wir die Angelegenheiten des Landes jetzt in die Hand und kämpfen. Aber das Terrain, was Thiers und Mole verloren, hat Bonaparte noch nicht gewonnen; sonst hätte er ein Ministerium wie er es braucht und wünscht. Für seine jämmerliche Politik, wie sie im Namen Bonaparte liegen soll, konnte er höchstens einen Fould, den Finanzier des Banqueroutte’s gewinnen, oder einen Schreiber wie Ferdinand Barrot. Das verloren gegangene Terrain hat Niemand anders gewonnen, als die Revolution. Ernst, entschlossen schreitet sie vorwärts auf gesetzlicher Bahn, siegesgewiß dem Treiben der Anarchisten und dem sich vorbereitenden Kampfe entgegensetzend.
Das Programm des neuen Ministeriums, welches in der Sitzung der Nationalversammlung vom 2. November von Hautpoul verlesen wurde, lautet:
„Meine Herren! Das in der Botschaft des Herrn Präsidenten der Republik enthaltene Programm ist hinlänglich bestimmt formulirt, um, entfernt von aller Zweideutigkeit, die Politik zu bezeichnen, die zu befolgen er uns berufen hat. Als er so gefällig war, unsere Unterstützung zu verlangen, hatte er bereits von seiner constitutionellen Initiative Gebrauch machen zu müssen geglaubt. Es wird uns sicherlich nicht verboten sein, in" den Akten des uns vorhergegangenen Cabinets mehr als Ein Beispiel rühmenswerther Ergebenheit für das Land and eines hohen Verständnisses seiner Interessen anfzusuchen.
„In der Lage, die uns geschaffen war, mußte jede individuelle Sympathie schweigen oder vielmehr sich fügen in der Zustimmung zu einem glänzende;, und
Der Fürst von Ansbach
Mann. Es blieben. Er erhielt für Für die Todten, die Gestellten.
1,641 461 49,320 Thlr. 64,540 Thlr. Der Fürst von Waldeck
1,225 720 36,750 Thlr. 100,800 Thlr. Der Fürst von Anhalt-Zerbst
1,160 176 34,800 Thlr. 24,640 Thlr.
Das herrliche churfürstliche Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel, welches mit jenem Gelde erbaut wurde, steht heute noch als bleibendes Denkmal dieser fürstlichen Werthschäyung der Soldaten und auch ein Brief ist von jener Zeit auf uns gekommen, der uns jagt, was Mancher wohl eigentlich meine, wenn er die Soldaten preiset, daß sie würdig seien, neben jenen 300 Spartauern, die bei Thermopylä fürs Vaterland fielen, genannt zu werden. Der Brief ist vom Fürsten von Hessen (dem Vater des österreichischen Feldherrn Hayn au!) am 8. Februar 1777 an den Oberbefehlshaber seiner Truppen geschrieben und lautet:
„Baron Hohendorf! Ich erhielt zu Rom bei meiner Zurückkunft von Neapel Ihren Brief vom 27 Deeem- bev letzten Jahres. Ich ersah daraus mit unaussprechlichem Vergnügen, welchen Muth meine Truppen bei Trenton entfalteten, und Sie können sich meine Freude denken; als ich las, daß von den 1950 Hessen, welche in dem Gefechte waren, nur 300 entflohen. Da waren denn gerade 1650 geblieben, und ich kann
feierlichen Zeugniß von Freundschaft und Dankbarkeit. (Gezisch.)
„Wir wurden auf die Zukunft hingewiesen, wir waren überzeugt von der Dringlichkeit, für sie Fürsorge zu treffen.
„Das neue Cabinet, unsere Antecedentien sagen es hinlänglich, ist nicht gegen die Mehrheit dieser Ver- jammlung gebildet. (Leichte Bewegung.) Im Gegentheil, es entwickelt mit Energie ihre eingestandenen Grundsätze; es hat keine anderen, und es kann keine anderen haben.
„Man muß die Einigkeit aller Schattirungen in einer einzigen Partei Zusammenhalten: jener, des zu rettenden Frankreich. Dazu wird man gelange» durch die Einheit der Ansichten, durch das Vertrauen in die Stärke der am 10. Dezember gewählten, auf die Mehrheit dieser Versammlung gestützten Macht, endlich durch das überall im Geiste der Staats-Beamten wieder erwachte gebieterische Pflichtgefühl. (Beifall rechts.)
„Das ist der Zweck, den mit ihm zu verfolgen das Oberhaupt der Regierung uns eingeladen hat (Bewegung), indem es, seinem edelmüthig begriffenen Rechte gemäß, seine Verantwortlichkeit in dieser schwierigen aber patriotischen Bemühung der mistigen zur Seite stellt.
„Friede nach außen, Bürgschaft für die Frankreich g e z i e m e n d e Würde, energische und ausdauernde Aufrechthaltung der Ordnung im Innern, mehr als je wachsame und sparsame Verwaltung der Staats-Finanzen — das ist das Programm, welches uns zugleich die Interessen des Landes, das Vertrauen dieser Versammlung und die persönliche Ueberzeugung des Oberhauptes der Regierung vorschreiben.
„In die erste Reihe unserer Pflichten stellen wir den Schutz der Arbeit in allen ihren Graden und in allen ihren Formen. Wir wollen, daß der Ackerer und der Arbeiter, mehr und mehr über den kommenden Tag beruhigt, endlich jenes Vertrauen vollständig wieder finden, das von Neuem zu entstehen beginnt. Jedoch wollen wir auch, daß diese Sicherheit, indem sie sich über die anderen Schichten der Gesellschaft erstreckt, dort die Arbeiten der Intelligenz wieder belebe und dem Vermögen und dem Credite einen nur zu lange entzogenen Aufschwung zurück gebe
„Das Cabinet, indem es die Bürde der Geschäfte, die es nicht suchte, übernimmt, mußte auf ihre Sympathie und auf Ihre Unterstützung rechnen. Ihre erhabene Einsicht und Ihr Patriotismus geben ihm dieses Recht." (Allgemeine Bewegung.)
— Man schreibt L. Napolen vielfach die Absicht zu, der National-Versammlung mehrere Gesetz-Entwürfe im Sinne seiner persönlichen Politik vorzuschla^. gen und, falls dieselben verworfen werden, zu eine1 Berufung an das Volk zu schreiten. Nach den Aeußerungen, die man heute in der Versammlung hörte, ist die Majorität keineswegs so abgeneigt, das neue Ministerium zu unterstützen, als es Anfangs schien. — Wenn Nayneval das Ministerium des Auswärtigen ablehnt, so soll dasselbe an de la Moseowa übertragen werden; nimmt Nayneval an, so wird Anton Bonaparte ihn als Gesandter zu Neapel ersetzen; der Oberbefehl über die französische Armee im Kirchenstaate ist dem General Magnan bestimmt. Zum General-Sekretär im Elisee an F. Barrot's Stelle ist der frühere Präfekt zu Marseille, Peanger, ernannt worden. Der Angabe von einer auf Sonntag anberaumten großen Revue wird heute widersprochen; dagegen ist von demnächstiger Verkündigung einer allgemeinen Amnestie stark die Rede. — Man erzählt sich Folgendes über die Art und Weise, wie Odilon Berrot seine Absetzung erfuhr und aufnahm: Vorgestern Nachmittags um 4 Uhr wußte er noch gar nichts, da eine Unpäßlichkeit ihn auf seinem Landsitze zu Bougival festhielt, und in seiner Umgebung glaubte Niemand, daß die Ministerkrisis ihn erreichen würde. Man hielt
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nicht genug Ihrer Klugheit anempfehlen, eine genaue Liste an meine Bevollmächtigten in London einzusenden. Diese Vorsicht würde um so mehr nöthig fein, als die lern englischen Minister zugesandte Liste aufweist, daß nur 1455 gefallen sein. Auf diesem Wege sollte ich 160,050 Gulden verlieren. Nach der Rechnung des Lords von der Schatzkammer würde ich blos 483,450 Gulden statt 643,450 bekommen. Sie sehen wohl ein, daß ich in meiner Forderung durch einen Rechnungs- fehler gekränkt werden soll, und Sie werden sich daher die äußerste Mühe geben zu beweisen, daß Ihre Liste genau ist, und seine unrichtig. Der brikische Hof wendet ein, daß, da 100 verwundet seien, für welche er nicht den Preis von todten Lemeu zu bezahlen brauche........Erinnern Sie sich daran, daß von den 300 Lacedämoniern, welche den Paß bei Thermopylä vertheidigten , nicht Einer zurückkam. — Ich wäre glücklich, wenn ich dasselbe von meinen braven Hessen sagen könnte. Sagen Sie Major Mindorf, daß ich außerordentlich unzufrieden mit seinem Benehmen bin, weil er die 300 gerettet hat, welche von Trenton entflohen. Während des ganzen Feldzugs sind nicht zehn von seinen Leuten gefallen')."
Sollte es Späteren vergönnt sein, die für uns noch
*) nach der Didaskalia, deutsche Jahresschrift, rcdigirt von
Mecklen zu Baltimore, in Genault's Memoiren veröffentlicht.
dies so wenig für möglich, daß mar im Hotel des Justizministers ganz ruhig mit den Anstalten zu einem großen Mittagessen fortfuhr, das O. Barrot am nächsten Sonnabend den Haupt-Magistratspersonen Frankreichs aus Veranlassung der neuen feierlichen Investitur geben sollte. Louis Bonaparte hatte sogar auch versprochen, diesem Essen beizuwohnen. Erst am 6 Uhr erfuhr Odilon Barrot durch Freunde, die der Verlesung der berühmten Botschaft beigewohnt hatten, seine Absetzung und die sie begleitenden wenig schmeichelhaften Seitenhiebe gegen das alte Ministerium. Barrot wollte noch nicht recht an die Nachricht glauben, als er auf einmal einen Brief von dem neuen Justiz- Minister Nouher empfing, worin dieser ihm ankündigte, daß er seinen Platz eingenommen habe, und ihn außerdem bat, das große Mittagsessen für Sonnabend nicht abzubestellen, mit dem Anerbieten, die Kosten desselben zu bezahlen. Hiermit hörte endlich Barrot's Ungläubigkeit auf. Er machte sich in einigen sehr energischen Ausrufungen Luft und setzte dann, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte, lächelnd hinzu: „Das ist doch wirklich zu stark! Der Herr schickte mich fort und der Diener will mein Mittagessen verzehren! Solche Manieren können nur die Leute im Elisee haben!" —
Deutschland.
Z Vom Maine. Ueberall in Deutschland scheint jetzt wieder die alte vormärzliche Wirthschaft zu floriren. Der nachfolgende Fall dürfte leider einen Beleg hierzu liefern. — Seit einer langen Reihe von Jahren gelang cs keinem der hier domizilirt gewesenen Beamteten, sich die allgemeine Liebe und Achtung aller Amtsangehörigen, mehr aber noch der Bürger unserer Stadt in so hohem Grade zu erwerben, als dem nun nach Idstein versetzten Amtssekretär Lorsbach.
Fragt man nun nach der Ursache dieser Versetzung, so ist diese, nach allgemeiner Erzählung, eine solche kleinliche, daß sie wohl verdient vor das Forum der Oeffentiichkeit gezogen zu werden.
Die Versetzung ist zunächst auch gegen den Gese- tzesbuchstaben, denn die auch in unserem Herzogthum als Gesetz verkündeten Grundrechte des deutschen Volkes schreiben in §. 44 deutlich und klar vor, daß keiu Richter wieder seinen Willen, außer durch gerichtlichen Beschluß in den durch das Gesetz bestimmten Fällen ferner zu einer anderen Stelle versetzt werden dürfe.
Lorsbach war hier Richter. Der Beweis, daß ihn selbst die Negierung als solchen anerkannte, dürfte sich leicht aus der eigenen Antwort der letzteren, betreffend eine Ansrage wegen Wahl zu Geschwornen, leisten lassen.
Was soll man aber dazu sagen, wenn man das hiesige Publikum die kleinliche Ursache dieser Demonstration gegen die als Gesetz verkündeten Grundrechte sich erklären hört? Man erzählt sich nämlich allgemein:
Unser Kreisamtmann wünschte gerne, seinen früheren Sekretär Habel hier und um sich zu sehen. Der Anttssekretär Habel wünschte gerne in der Nähe seines Schwiegervaters und dessen Familie zu sein. Diese Wünsche sind gewiß bei der Betreffenden, sei es nun durch freundschaftliche oder verwandschaftliche Be- ziehungen, vollständig gerechtfertigt und Niemand wird sie ihnen verargen.
Daß aber die Staatsbehörde diesen Wünschen eine solche Triftigkeit beigelegt habe, daß Amtssekretär Lorsbach deßwegen hier Platz machen und nach Idstein wandern mußte, daß dem Lande durch doppelten Umzug einige hundert Gulden Kosten verursacht werden, daß d.e Grundrechte gekränkt, daß die Bürger durch Wegnahme eines beliebten Beamten verletzt werden mußten — das findet denn doch auch Jedermann ungemein auffallend.
Ist diese in Aller Munde umgehende Erzählung wahr, dann ist es Pflicht der freien Presse öffentlich
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geheimen Evrrespondenzeu zu lesen, wird sich da wohl Aehnliches finden, wie vorstehender Brief? Allerdings werden die Habsburger ans Mangel an Baarem ihre Erkenntlichkeit nicht in Geld abgemacht haben, aber wer weiß, welches Aequivalent der österreichische Patriot und der russische Soldat später noch einmal zu bewundern Gelegenheit finden. — In freien Staaten wird diese Theorie des Verbrauchs der Soldaten freilich nicht anerkannt , denn auch die Schweizer Kapitulationen mit dem König von Neapel und dem Papste überlassen es dem Gutdünken jedes Einzelnen, ob er fid) an werben lassen will; aber dafür begeben sie sich auch des Vortheils, die Tapferkeit ihrer Soldaten auf Schlachtfeldern, die sie gar nichts angchen, bewundern und in klingender Münze ausbeuten zu können. Vielleicht hat den Gegnern der Militär-Vereidigung auf die Verfassung die schon von Fallstaff gutgeheißeue Ansicht vorgeschwebt, daß der Soldat nicht blos zum Dienste des Vaterlandes sondern überhaupt dazu da ist, um veebraucht zu werden. ((N.'O. Z )