„Freiheit und Recht!"
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Wissbaden. Dienstag, 6. November
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Der Ministerwechsel in Frankreich.
Paris, 31. Oktbr. Heute um 5 Uhr theilte der Präsident der legislativen Affeinblce die folgende Message^ (Botschaft) des Präsidenten der Republik mit:
Herr Präsident!
In der ernsten Lage, in welcher wir uns befinden, kann das Einvernehmen, welches zwischen den verschiedenen Gewalten herrschen soll, sich nicht halten, wenn nicht, belebt von einem wechselseitigen Vertrauen, sich eine der anderen gegenüber frei erklärt. Um das Beispiel dieser Aufrichtigkeit zu geben, benachrichtige ich dieAyemblee, welches die Gründe sind, die mich bestimmt haben , das Ministerium zu wechseln und mich von Menschen zu trennen, deren eminenter Dienste ich mit Vergnügen erwähne, und denen ich Freundschaft und Erkenntlichkeit gelobt habe. — Um die Republik, welche von so vielen Seiten durch die Anarchie bedroht ist, zu befestigen, und um die Ordnung, welche bis diesen Tag nicht gestört worden, noch gründlicher zu befestigen und zu stärken, bedarf es Menschen, welche von patriotischen Gedanken durchdrungen, die Nothwendigkeit einer einigen und festen Leitung, sowie einer genau bestimmten Politik begreifen, welche die Gewalt ; durch keine Unschlüssigkeit kompromittiren, welche eben- ' sowohl von meiner eigenen Verantwortlichkeit, wie von der ihrigen durchdrungen sind, sowohl der That als dem Worte nach. (Unterbrechung, lange andauernde Sensation.)
Seit bald einem Jahre habe ich so viele Proben der Entsagung gegeben, daß man wohl nicht an meinen wahrhaften Jutensionen zweifeln kann. Ohne Groll gegen irgend eine Partei, habe ich zu den Ge- schäslr.» Männer der verschiedensten Gesinnung zuge- lassen, aber ohne die glücklichen Resultate erlangt zu haben, welche ich von dieser Annäherung erwartete.
Anstatt die verschiedenen Nuancen zu verschmelzen, habe ich nur meine Kräfte neutralisirt. Die Einheit der Ansichten und Wünsche ist gehemmt, der Geist der Einigkeit für Schwäche ausgelegt worden. Kaum war die Gefahr auf der Straße vorüber, als auch gleich die alten Parteien ihre Fahnen erhoben, ihre Rivalitäten erwachten — während sie den Unfrieden ins Land säeten. Inmitten dieser Verwirrung beunruhigt sich Frankreich, weil es keine Leitung mehr gewahrt, und sucht es die Hand und den Willen des am 10. Dezember Erwählten. (Unterbrechung.) Nun kann aber dieser Wille nicht wahrgenommen werden, außer wenn eine gänzliche Gemeinschaft der Ideen, Ansichten und Ueberzeugungen zwischen dem Präsidenten und seinen Ministern herrscht und die Assemblee selbst sich ; dem nationalen Gedanken anschließt, dessen Ausdruck die Wahl der Exekutivgewalt war. Ein ganzes Sy- ! stem hat am 10. Dezember triumphirt, denn den Name ] Napoleon ist ihm allein ein ganzes Programm. Erwill ; sagen: im Innern Ordnung, Autorität, Religion, <
Der Menschenhandel. * ^«s«. um ^. M~
Die ministerielle (C. C.) Corrcspondcnz gab neulich SL?? ^ ^^'?â) ^ die amerikanische Besoldung vereine übersichtliche Zusammenstellung der Unterbaltunas- L.......s . 7
kosten für einen Soldaten in den verschiedenen Ländern, Freistaaten gegen die der preußischen
um damit den Klagen über die Kostspieligkeit unseres ,..... . ” . ". - ........- ,
Heeres zu begegnen. Angegeben, daß der einzelne preußische sErckaner wird wahrscheinlich dafür, daß er blos einer Soldat wirklich der wohlfeilste ist, so bleibt gerade - ^epubltk d.ent, i deßhalb die Thatsache, daß das preußische Heerwesen insgesammt so ungeheure Summen verschlingt, desto betrübender, und wir können nicht begreifen, wie das literatische Cabinet des Ministeriums die bedeutende
Kostspieligkeit des Heeres durch die geringe Besoldung des gemeinen Soldaten rechtfertigen will. Der nordamerikanische Soldat soll jährlich 180 Thl. *),
*) Diese Angabe ist nicht einmal richtig; denn der nordamerikanische Soldat erhält weit mehr. Der Kavallerist erhält Sold 96 Dollars — Cent.
Wohnung 43 „ 80 „
Kleidung 32 „ 43 „
Summa 172 Dollars 23 Cent.
Der Artillerist und Infanterist Sold 84 Dollars — Cent.
Wohnung 43 „ 80 „
Kleidung 27 „ 58 „
Summa 1&5 Dollars 25 Cent.
Das heißt 230 bis |250 Thlr. Bringt man dabei noch in Anrechnung, daß in Amerika Brot und Fleisch durchschnittlich billiger sind, als bei uns, so stellt sich das Verhältniß für den amerikanischen Soldaten noch weit vortheilhafter heraus. Auf Taille geben die Nordamerikaner ivdeß wenig.
Wohlsein des Volks; nach Außen: Nationalwürde. Dies ist die Politik, welche durch meine Wahl die Weihe erhalten, welche ich zum Triumphe bringen will, mit Hülfe der Assemblee und des Volkes.
Ich will des Vertrauens der Nation würdig sein, indem ich die Konstitution aufrecht erhalte, welche ich beschworen; ich will dem Lande durch meine Loyalität, meine Ausdauer und Festigkeit ein solches Vertrauen einflößen, daß die Geschäfte wieder gehen und der Glaube an die Zukunft nicht fehle.
Der Buchstabe einer Constitution hat ohne Zweifel einen großen Einfluß auf die Geschichte eines Landes, aber die Art, wie er ausgelegt und ausgeführt wird, übt vielleicht einen noch größeren aus. Die größere oder geringere Dauer der Gewalt trägt mächtig zur Stabilität der Dinge bei; aber das Gouvernement muß auch durch Ideen und Prinzipien die Sicherheit der Gesellschaft geltend machen. Erheben wir daher die Autorität, ohne die wahre Freiheit zu beunruhigen. Beruhigen wir die Furcht, indem wir kühn die neuen Leidenschaften bändigen, und indem wir allen edlen Gefühlen eine nützliche Richtung geben, befestigen wir das religiöse Gefühl, ohne irgend wie die Errungenschaften der Revolution aufzugeben, und wir werden das Land, trotz der Parteien des Ehrgeizes und trotz der Unvollkommenheiten, welche unsere Institutionen enthalten dürften, erretten.
(gez.) Louis Napoleon Bonaparte.
— Nach den Abeuvjourualcu sind die Namen der neuen Minister:
General b'Hautpoul, Kriegsminister und Konseils- Präsident.
Ferdinand Barrot, Inneres.
ytoudjer, Justiz.
Romain des Fosses, Marine.
Bineau, öffentliche Arbeiten.
Achille Fould, Finanzen,
de Rayneval, Auswärtiges.
Parrieu, Unterricht und Kultus.
Dumas, Handel.
Der „Moniteur" veröffentlicht heute wirkich mit der ganz eigenthümlich kategorischen Einleitung: „Folgendes ist die Zusammensetzung des neuen Ministeriums", die schon bebannte Liste der neuen Minister.
Die neuen Minister sind sämmtich der Majorität, und zwar dem Repräsentantenverein entnommen, der im Staatsraths -Palaste seine Lersammlungen hält. Ueber ihre Persönlichkeit theilen wir die nachstehenden kurzen Notizen mit. Der General d'Hautpoul, der das Conseil nun in Abwesenheit Louis Bonaparte's präsidiren soll, war früher Legitimist und grollte fünf Jahre lang der Juli-Dynastie. Parrieu und Rouher gelten als eifrige Couservative; letzterer war sogar früher Guizot's Kandidat zur Deputirtenkammer gegen Eom- barel de Leyval, der jetzt auf der Rechten sitzt. Ferdinand Barrot, der Louis Bonaparte am meisten zur Entlassung seines Bruders Odilon getrieben haben soll,
als ob die russischen Soldaten diese Ehre nicht recht , , _ ,-------D — zu würdigen gewußt hättten, indem sie ihre öster- zuziehen, .zumal die Gelammtkosten für das Heer reichischen Waffengefährten mit Hohn und Verachtung der nvrdamerikanischen ftmtfaat™ preußische:: die ungarischen Feinde dagegen mit der größten Hoch-
Monarchie in gar keinen Betracht kommen. Der Nord- i achtung behandelten ; aber im orthodoxen Katechismus amerifnnn- mirb m^ffOcinlid) dafür, daß er blos einer , der Diplomatie kommt es auch auf die Gesinnung nicht durch höher» Sold entschädigt, | an, und man stellt sich, als hätten sich die Russen mit absolutistischen Staaten der Ueber- । hör n.^..^.. ^— ;.i, — - - •
während vielleicht in absolutistischen Staaten der Ucbex- schuß an Ehre den Ausfall an Geld ersetzt. Aber abgesehen von dieser kitzlichen Frage, deren Beantwortung wir den politischen Dogmatikern anheimstellen, ergibt sich aus der Verschiedenheit der Besoldungen, daß die Nordamerikaner den Soldaten als Individuum höher stellen, indem sie reichlicher für ihn sorgen, und diese höhere Werthschätzung dünkt und reeller, als alle die Redensarten, durch welche man die Opposition zum Schweigen bringen will. Da die nvrdamerikanischen Freistaaten auch nicht einen Soldaten mehr halten, als sie unumgänglich nöthig habe», so sind sic auch im Stande, auf die geringere Zahl größere Summen zu verwenden. In Monarchien ist das bisher anders gehalten worden. Hier dienen die Soldaten nicht blos für die Bedürfnisse des Staates, sie sind häufig nur Gegenstände des Luxus und werden bisweilen sogar weg- geborgt. So hat der russische Czar seinem Freunde in Oesterreich an hunderttausend Mann geliehen; damit sich diese zu dessen Vortheil in Ungarn tvdtschlagen ließen. Nach den und zugckommenen Nachrichten scheint eS zwar
ist seit längerer Zeit Sekretariats-Che f der Präsiden schaft und im Augenblicke das Factotum Louis Bonaparte's. Seine Stellung als Minister des Innern gestattet ihm, die Polizei und geheimen Fonds ganz in die Hände seines Herrn und Meisters zu bringen. Bineau, ein Eivil-Jngenieur, und Romain Desfosses, ein Admiral, sind Mittelmäßigkeiten. De Rayneval hat in der römischen Frage eher mit Oudinot, als mit dem Ministerium und dem Briefe Louis Bonaparte's eine und dieselbe politische Linie befolgt. Er ist Schwager des Haupt-Redakteurs des einflußreichen „Journal des Debats". Der „National" meint, das neue Ministerium bestehe aus unbekannten oder nur zu sehr bekannten Männern und aus compromittirten oder compromittirenden Nullitäten. Welches ist nun der Sinn dieser Minister-Revolution? Welches ist der Eindruck, den er bei den Parteien hervorbringt? Louis Bonaparte will selbst regieren und will ferner nicht länger dazu dienen, den Legitimisten, wie er sich ausgedrückt haben soll, die Kastanien aus dem Feuer zu ziehen. Ob er nun, wie die Journale der Opposition zu glauben und die Manifeste des „Dir Decembre", die im Elysee selbst angefertigt werden, anzudeuten scheinen, einen Staatsstreich beabsichtigt, nachdem er der Majorität der National-Versammlung durch die Willkürlichkeit und Rücksichtslosigkeit seines Verfahrens den Fehdehandschuh hingeworfen, oder ob er bloß seinen reformatorischen Absichten eine freiere Aussicht auf Erfolg hat verschaffen wollen, wird die nächste Zukunft lehren. Die conservativen Journale nehmen die Minister-Revolution mit dem Ausdrucke des Erstaunens auf, greifen jedoch die neue Liste, da sie aus den Reihen der Majorität genommen ist, nicht an. Die auf die Legitimisten bezügliche Stelle der Botschaft bringt bei den Organen dieser Partei große Entrüstung hervor. Auch verbergen sie sich nicht, daß hinter der conserva« tiven Farbe des Ministeriums doch die Absicht auf persönliche Regierung vielleicht auf die Einführung des Kaiserthums oder doch der erblichen Präsidentschaft, durchblickt. Am ernstlichsten von sämmtlichen Blättern nimmt der „National" diese Muthmaßung und die Gerüchte von einem nahen Staatsstreich, gegen die er nicht Anstand nimmt, die Drohung sofortiger Steuerverweigerung zu schleudern.
Der „Credit" will wissen, daß die Bildung des neuen Cabinets sowohl Thiers als Berryer sehr mißfalle, da sie doch mindestens darauf gerechnet hätten, einige ihrer Freunde in das Ministerium ausgenommen zu sehen.
Der von Straßburg her bekannte Oberst Vandrey war der Bote, welcher die Botschaft dem Präsidenten der National-Versammlung überbrachte, an dem man während der ganzen Sitzung eine auffallende Erregtheit bemerkte. Er soll das neue Cabinet als ein Ministerium des Vorzimmers bezeichnet haben. Berryer äußerte vorgestern, als er den Sitzungssaal verließ: „Ich benutze den Urlaub, ich gehe aufs Land." Ebenfalls
der höchsten Begeisterung auf die ungarischen Helden gestürzt. Vor ungefähr 80 Jahren ging es den Nordamerikanern, welche jetzt ihre Soldaten so gut besolden, mit Ausnahme des Endes fast gerade so, wie neulich den Ungarn. Als sie sich gegen ihren König empörten entlehnte die großbritannische Majestät zwar nicht vom Czar, aber von deutschen Fürsten um Geld deutsche Soldaten, um sie unter dem Scalpirmesscr der Indianer verbluten zu lassen. Für jeden deutschen Soldaten, welcher nach Amerika geschafft wurde, zahlte der König von England dreißig Thaler und für jeden Gebliebenen zwanzig Pfund Sterling oder 140 Thlr. So stellte
Manu.
16,992
5,723
2,422
der Fürst von Hessen
Es blieben. Er erhielt für Für die Todten, die Gestellten.
6,500 509,760 Thlr. 912,000 Thlr.
Der Fürst von Braunschweig
3,015 171,690 Thlr. 422,100 Thlr.
Der Fürst von Hanau
281 72,600 Thlr. 39,340 Thlr.