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drei absolutistischen Großmächten herbeigeführt -was soll dann diese lahme Reichs-Kommission Deutschland ^en? . * ,

Sie vermag nur dann etwas, wenn bie österrei­chische und preußische Regierung einig sind, d. h. da die österreichische Regierung noch nie daran gedacht hat, der preußischen nachzugeben, am wenigsten, wenn diese unselbstständig sich ganz ihrer Leitung überlaßt wenn die preußische Regierung der gehorsame Die­ner des Kaiser!. Königl. Kabinets ist.

Die von der österreichischen und preußischen Ne­gierung befolgte gemeinsame Politik, die preußische Regierung am diplomatischen Leitseil des Wiener Ho­fes das ist nicht nur eine Gefahr für Deutschland, das ist Deutschlands größtes Unglück.

General von Nadowitz dagegen sieht darin eine Entfernung aller Gefahren für wen?

Wir leugnen nicht, daß der alte Bund eine inter­nationale Stellung eingenommen hat er ist die Schmach und die Schwäche Deutschlands nach Innen und nach Außen gewesen.

Deutschland, das nur ein österreichisches Armee­korps war, hatte keine Bedeutung in Europa; diese Bedeutung hatte nur Oesterreich, von dem ja Deutsch­land abhing.

Und nun vollends jetzt wo der österreichische Staat reorganisirt wird auf militärische Weise, wie Diokletian das in innere Unfreiheit und mehr und mehr in äußere Machtlosigkeit versinkende altrömische Reich organisirte, wo der ganze Staat in Armeekorps ge­theilt und Alles von Generalen militärisch geleitet wird.

Jetzt wird die Leitung der deutschen Politik von den deutschen Kabinetten durch einen neuen Akt die­sem reorganistrten Militärdespotismus in die Hand ge­geben!

Und dadurch soll Deutschland tüt Rechtssubjekt werden?

Nein! auf diese Weise kommt Deutschland weder zu seinem Recht, noch wird es so je ein Subjekt.

So lange die souveränen deutschen Negierungen mit Deutschland schalten wie ihnen beliebt, so lange ihre Souveränetät den Völkern die Unterwerfung un­ter die klägliche Abhängigkeit diktiern kann, in die sie selbst sich begeben, so lange bleibt Deutschland im Stande der Erniedrigung.

Nur das deutsche Volk kann Deutschland erheben.

(Nat.-Ztg.)

Deutschland.

Aus einem ultramontanen Kreis. Wie der Herbst in der Natur, erscheint das Wehen der kalten, selbstsüchtigen Reaktion im sozialen Leben. Kahl steht der Freiheitsbaum, den die Begeisterung im März 1848 gepflanzt, nnd alle seine Blüthen sind verweht, sind von der diplomatschen Bosheit zerknickt worden. Und die wenigen, welche unter den Stürmen im sonnen­armen Jahre gereift, haben verkümmerte Früchte ge­bracht. Zu diesen verkümmerten Früchten gehört unser Schwurgericht. Aber auch diese Frucht der Freiheit und Gerechtigkeit kann der Pharisäismus dem Volke nicht gönnen. Die Blutgier und Rache der Piusver- einler hatte ein Auto da gehofft, hatte die Ver­nichtung der freien Presse erwartet, und die Geschwor­nen haben den Redakteur derFreien Zeitung" frcige- sprochen. Das ist zu viel für die Piusvereinler. Und nun steigert der Jubel der Demokratie und der Bei­fall rechtlichdenkender Conservativen den Groll zur äußersten frommen Wuth. Die Piusver­einler wollen herrschen durch Schrecken; Standrecht, Zuchthaus und Entsetzung von Amt und Würde möch­ten sie allein noch frei walten sehen. Ueberall sehen sie Verbrechen, wo ein Mann sich nicht den listigen Heuchlern biegt. Das ganze Schwurgericht erscheint deshalb als eine Erfindung des Teufels. Seit Mo­

naten mühte man sich ab mit Angebereien und sieht mm in der Freisprechung Opper mann's die Früchte , aller Bemühungen zernichtet; denn wenn Opper­mann freigesprochen wurde, wie wird man hoffen dürfen, daß die Freunde derFreien Zeitung" wegen dieser Freundschaft verdammt werden!

Schon seit Juni hatte man Verdächtigungen aller Art gegen den Lehrer Rühl, weil er in dieFreie" geschrieben, an die Regierung gebracht. Damals hoffte man Absetzung jedes Lehrers, welchen man alsWüh­ler" angab, und die unbegreiflicheVerstocktheit" der Regierung wollte gar nicht eingehen auf alle Anträge der Denunzianten. Man sagt, Pfarrer ..H«- habe sich zweimal vergebens an die Regierung und endlich an das Ministerium gewandt. Endlich kommt der Kreisamtmann von Idstein und fragt im Gemeinde­rath, was man gegen Lehrer Rühl habe: Und siehe da, der Gemeinderath ist schon abgefallen von dem Piusreif; denn man ist entrüstet über die Klage. Hätte nicht Herr von Schütz sich des geistlichen Denunzian­ten angenommen, keine Stimme wäre für ihn laut ge­worden ; allein selbst dergnädige Herr" wird nicht immer berücksichtigt. Der Pfarrer soll nun Thatsachen liefern, und diese sollen erst vom Gemeinderath begut­achtet sein, ehe solche der Regierung übersendet wer­den. Der Pfarrer aber hielt drei Tage lang Gericht, ließ seine Beichtkinder kommen und forschte, ob der Lehrer Rühl beim Turnerfest im Mai nicht etwa ge­gen den Herzog und die Regierung geredet. Aber Alle, die den Lehrer gehört, wollen nichts wissen, nur we­nige Frommen, die, so viel uns bekannt, den Wühler nie gehört, bescheinigen Alles, was der Pfarrer verlangt. Noch säumte man, die Protokolle des geistlichen Richters vor den Gemeinderath zu bringen, da kam die Nachricht von der Freisprechung Oppermann's und des Jubels der Demokraten. Sogleich wurde ein Schlüssel der Freisprechung verfertigt und ausposaunt, den Geschwornen würden aus einer geheimen Kasse Diäten bezahlt deßhalb hätten sie das Verbrechen freigesprochen. Herr Franz L. aber behauptete gerade zu:Alle diejenigen, welche Oppermann freigespro­chen haben, verdienen gehängt zu werden." Und Alle, so dieses hörten, glaubten es, bis auf zwei Un­gläubige, die da mit der von Gott verfluchten Natur sich beschäftigten und die Schwarzkunst Chemie treiben und benützen.

Man sieht mit Entsetzen sich den Geist der Freiheit erheben und man soll kein Beispiel statuiren, obgleich der Himmel zu folchen auffordet?

Mainz, 2. Nov. (Mz. Ztg.) Die Cholera ist im Arresthause ausgebrochen! Hundert und fünfzehn Menschen leben hinter diesen Manern, der Tod hat bereits ein Opfer gefordert und jeder der Verhafteten glaubt, in den verpesteten, über und über bevölkerten Räumen das nächste Opfer der Epidemie zu werden. Hier müssen rasche und ausreichende Maßregeln getroffen werden, will man nicht eines fürchterlichen Leichtsinns sich schuldig machen, ja noch strengeren Vorwurf auf sich laden.

Frankfurt. (Beob.) Als in Frankfurt jüngst der Prinz von Preußen die reformirte Kirche besuchte, predigte König, ein äußerst würdiger Geistlicher, der sonst nirgend, wie von den politischen Tagesereignissen in seinen Vorträgen Anlaß nahm. Das Evangelium vom Samariter aber riß ihn an diesem Tage unwill­kürlich in den heiligsten Eifer nnd ohne Furcht vor Menschen sprach er von den edelsten, unglücklichen Brü­dern, ^welche als Todtenopfer des Zeitgeistes fielen. Das Seitenstück hierzu gab nächsten Sonntag, eben­falls in Anwesenheit des Prinzen, Pfarrer Fried­rich. Während dieser den Weltgennssen in ziemlich weiten Schranken ergebene Redner bis in die neuere Zeit die Kanzel zu äußerst demokratisch gehaltenen Vor­trägen benützt hatte, schlug seine Wetterfahne rasch von Süd nach Nord, und gegen den Prinzen hin lieb- 1

äugelnd sprach er von milden Fürsten, die weise regie­ren und gerne die Milde am rechten Platze ein treten lassen, während sie andererseits berufen seien, mit dem Schwerte der Gerechtigkeit drein zu schlagen. Hier ein Pröbchen von preußischem Miethzins. Ein Frank­furter Einwohner besitzt in Bockenheim ein Haus, in I welchem seit kurzer Zeit zwei sonst vermietete Zim­mer leer stehen. Wie alle Bürger hatte auch er zwei Preußen im Quartier, für welche beide er per Tag 29 kr. erhielt, während ihm ihre Verköstigung beim Nachbar auf 1 fl 36 kr. per Tag zu stehen kam. Vor Kurzem wurde ihm nun das Anerbieten gemacht, wenn er diese zwei Zimmer für die preußische Feld­post unentgeldlich hergebe, so sei er von der Einquar- tirung befreit. Ihn zwischen zwei Uebeln das kleinste zu wählen, willigte er ein, und erhält also statt 80 fl. sonstiger Miethe Nichts. Trotzdem aber behaup­tet der wohlweise Schultheiß von Affaltrach, daß die lieben Preußen alles äquivalent entschädigen!

Karlsruhe, 28. Oktober. Nach einem amtlichen Verzeichnisse der im Großherzogthum Baden statttge- Habten standrechtlichen Verurtheilungen hat sich erge­ben, daß seit dem 1. August, dem Tag des Zusammen­tritts des Standgerichts bis zum 11. Oktober also in 72 Tagen 49 Verurtheilungen stattgehabt ha­ben.

Karlsruhe. Zu Nutz und Frommen der vater­ländischen Geschichte theilen wir die Namen der Opfer in der Reihenfolge mit, wie sie von preußischen Sol­daten erschossen worden sind:

1) Mar Dortu aus Potsdam, erschossen den 31. Juli zu Freiburg.

2) Elsen Hans, erschossen den 7. Aug. zu Rastatt. 3) v. Bied enfeld, den 9. August zu Rastatt.

4) Fr. Neff aus Rümmingen, den's. Aug. zu Freiburg. 5) Tiedemann, den 11. August zu Rastatt.

6) Heilig, den 12. August zu Rastatt.

7) v. Trützschler, den 14. Aug. zu Mannheim. 8) Höfer aus Altneudorf, 16. Aug. zu Mannheim. 9) Georg Böhning aus Wiesbaden, den 17. Aug.

zu Rastatt.

10) G. Kromer, den 21. August zu Freiburg.

11) Zenthöfer aus Mannheim, 25. Aug. zu Rastatt.

12) Lenziger, den 25. August zu Mannheim.

13) Mniewski (Pole), den 25. August zu Rastatt.

14) Peter Lache r aus Bruchsal, den 28. August zu Mannheim.

15) Iakob) aus Mannheim, 3. Sept, zn Rastatt.

16) Aug. L>tade, den 12. Sept, zu Rastatt,

17) Heinrich Dietz ans Schneeberg, den 20. Sept, zu Mannheim.

18) Güntard aus Konstanz und

19) Jäger aus Aglasterhausen, 22. Sept, zu Rastatt, 20) Bauer, den 7. Okt. zu Rastatt.

21) K l' llinarr und

22) Kohlbecker, den 8. Okt. zu Rastatt.

23) Valentin Streuber aus Mannheim, 11. Okt. zu Mannheim.

24) Jansen, 25) Schrader u. 26) B e r n i q a u, 20. Okt. zu Rastatt.

Gotha, 30. Oktober. Der am 20. d. M. ru Ra­statt erschossene August Bernigau schrieb kurz vor Vollstreckung des Urtheils an seinen hier wohnenden Schwager einen Brief, in dem er sich bitter darüber beklagt, wie er sechs Wochm lang auf die abschlägige Antwort deS preußischen Staatsministeriums auf das von ihm eingereichte Begnadigungsgesuch gewartet habe. Feuchtes Stroh fei in dieser langen und bangen Frist sein Lager gewesen; der Tod, der ihn endlich von seinen Leiden befreien würde, sei ihm willkommen. Lasten Sie mich über diesen Mann die Worte eines ehemaligen preußischen Lieutenants aus demMagde- Correspondenten" aufführen:August B e r n i g a it war einer der edelsten Menschen, treu und offen, " wie ein erzener Spiegel. Er war mein Freund. Im An-

bei Seite lassen. Bei jeder Küche befindet sich eine Waschanstalt mit heißem und kaltem Wasser, Seife und Handtüchern. Jedes Gewerk hat seinen besonderen Speisesaas; in jenem der Schmiede ist auch für geistige Nahrung gesorgt. Allabendlich, ein Viertel nach 5 Uhr - wird er in ein Schulzimmer umgewandelt, Lehrer, welche Cubitt aus seiner Tasche bezahlt, geben den in seinen Werkstätten beschäftigten Knaben Unterricht. Vor Anbe­ginn der Schulstunde erhält jeder Knabe eine große Schaale voll Kakao und einen großen Zwieback. Auch eine jetzt aus 1500 Bänden bestehende Bibliothek ist vor­handen; sie besteht aus unterhaltenden Werken, Büchern über Bauwesen, Chemie, Erdkunde, Geologie, Natur­geschichte, Geschichte, Physiologie und Zeitschriften. Die Arbeiter, welche dieselbe benutzen wollen, zahlen für laufende Bibliotheksansgaben wöchentlich nur einen Penny, allo nicht mehr als acht Pfennige. Doch klagt man, daß nur etwa 150 sich diese Büchersammlung zu Nutze machen.

Treten wir nun in die erste beste Abtheilung dieses Gebäudes ein, in jene der Tischler. Da steht Werkstatt neben Werkstatt; aber zwischen allen ist ein Raum ge­lassen , um Thüren und Fensterrahmen zusammen zu setzen. Die Vorsichtsmaßregeln gegen Feuersbrünste sind zweck­mäßig; das ganze Gebäude ist nicht feuerfest, wohl aber an beiden Enden und in der Mitte, und überall sind große, stets mit Wasser gefüllte Bütten , und die Spritzen immer in der besten Ordnung. Jeder Brand wird unfehl-

bar gleich im Entstehen gelöscht. In der Tischler-Werk­stadt lernt man begreifen, wie Häuser im Großen lind Ganzen fabricirt werden können. In den neuen Theilen Londons gleichen sie einander so ziemlich an Größe und äußerer Erscheinung: und Thüren und Fenster sind fast in allen so ziemlich übereins. Angenommen es handle sich darum, eine Straße für reiche Leute zu bauen nnd 50 große Straßenthüren zu machen. Dies ist die Auf- 1 gäbe einer Anzahl von Arbeitern, Andere verfertigen sechs Thüren für das Souterain, fünf für das Erdge­schoß, sieben für den zweiten und sechs für den dritten Stock, im Ganzen also etwa 600 Thüren. Das dazu erforderliche Holz liegt im Trockensaale überein­andergeschichtet ; etwa wie die Bohlen auf einem Zimmer- I Hofe oder bei einer Sägemühle. Die künstliche Heitzung ; hat ununterbrochen eine Temperatur von 70 bis 90 Grad Fahrenheit, und trocknet die Thüren auch, nachdem sie zusammengefügt und geleimt wurden. Dasselbe geschieht mit Fensterbänken, Fensterrahmen und was noch weiter dahin gehört. Alle einzelnen Stücke werden von einem besonders dafür angestellten Arbeiter bis auf die Linie j gemessen und geprüft, und nichts darf aus der Werk- I statt hinaus, was nicht ganz untadelhaft erfunden worden ist. Die Maschienensägen schneiden übrigens so genau, daß der Hobel nur wenig, und dann nur zum Nachglätten braucht wird,! Fußböden z. B. werden gleich so gelegt, .wie sie von der Säge kommen, und doch passen sie mit mathematischer Genauigkeit. Von

Klop fen und Hämmern hört man nichts, der Schraubstock leistet bessere Dienste als der Hammer. Ein Arbeiter hat Jahr ein Jahr aus zu thun, um den Tischlern das Werkzeug zu schärfen, und ein Anderer ist lediglich mit Leimkochcn beschäftigt. Alle Leimtöpfe sind von Kupfer und jederzeit so blank, daß eine recht- , schaffens Hausfrau ihre Freude an solcher Sauberkeit haben würde.

Da man in England die großen Vorzüge des Ei­sens beim Bau zu würdigen weiß, so ist es begreiflich, daß in Cubitts Werkstätten die Schmiede und die Gie­ßerei eine große Rolle spielen. Binde- und Querbalken' verfertigt man insgemein aus gegossenem Eisen, und I Bänder werden gleichfalls vielfach angewandt. Neben der Schmiede ist eine eigene Probierwerkstatt, in wel­cher die Stärke und Haltbarkeit eines jeden Stücks ver­möge einer hydraulischen Presse erprobt wird, die wun­derbar klein ist, und doch auf jeden unter sie gebrach­ten Gegenstand einen Druck ausübt, der jenem von 100 Tonnen (jede zu 2000 Pfund Gewicht gleich kommt, j Wenn ein eisener Bindebalkcn auf jeden Onadratfuß

I Fläche ein Gewirbt von bra Gentnern tragen kann, so wird er für gut und tauglich erachtet. Die Ziegel­steine Cubitts lind |o dauerbar, daß die hydraulische Presse ein Stück davon erst zerbrach, als ein Druck von 85 Tonnen angewandt wurde.

Die Metallarbeiter verfertigen neben den rohen Ge­genständen auch solche für den ausgesuchtesten Luxus.