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Freiheit und Aeeht!""

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Wiesbaden. Sonntag, 4. November

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Aufruf.

Als am 28. März d. J. die Neichsverfassung von der Nationalversammlung in Frankfurt endgültig be­schlossen und mit dem Wahlgesetz öffentlich verkündigt worden war, liefen aus allen Gauen Deutschlands Adressen an die Nationalversammlung ein, wovon Die meisten energisch zur That aufforderten, um die Hin­dernisse zu besiegen, welche sich der Ausführung entge­gen gestellt hatten.

Fast alle Unterzeichner boten zur Erreichung dieses Zieles Gut und Blut an. Die Nationalversamm­lung hat durch ihre dem Volke treugebliebenen Mit­glieder in Stuttgart, durch ihre bekannten Beschlusse den in jenen Adressen ausgedrückten Wünschen ent­sprochen Der pfälzische und badische Volksstamm ha­ben durch ihre Erhebung gezeigt, daß sie ihrem gege­benen Worte getreu, wirklich Gut und Blut zur Er­reichung des hohen Zieles eingesetzt haben. Viele Pa­trioten ' aus den andern Stämmen Deutschlands ver­wirklichten ihr gegebenes Wort durch die That, indem sie den bedrängten Bruderstämmen der Pfalz und Badens zu Hülfe eilten, aber die größere Maße des deutschen Volkes sah dem ungleichen Kampfe in Baden und der Pfalz aus weiter Ferne passiv zu und hat statt des versprochenen Guts und Blut's höchstens fromme Wünsche für das Gelingen der badischen und pfälzischen Erhebung auf den Altar des Vaterlan­des niedergelegt. ,

Jetzt, wo der Kampf beendet, die Streiter für die Freiheit theils hülflos dem Auslande preisgegeben, theils den Blutgerichten ihrer eigenen Landsleute über­liefert worden sind, ist es eine heilige Pflicht der­jenigen, welche durch Eintausend vierhundert- ns zehn Adressen zum Kampfe aufgerufen haben und durch ihre Nichtbetheiligung das Unglück ihrer Brüder verschulden, wenigstens dafür zu sorgen, daß die aus dem Vaterlande Verbannten, nicht in Mangel und Elend auf fremdem Boden der Verzweif­lung "anheimfallen.

Es ist ihre heilige Pflicht bei Den fortgesetzten Blut- urtheilen in Baden laut und kräftig ihre Stimme im Vaterlande zu Gunsten jener Unglücklichen erschallen zu lassen. Statt dem Manne, der das große Unglück des Vaterlandes durch Selbstüberschätzung und Wort- bruch herbeigeführt hat, in Bremen Festlichkeiten zu bereiten, statt der unglücklichen ungarischen Nation zu spät durch Theaterdemonstrationen zu Hülfe zu kommen, statt die österreichischen Bluturtheile in allen Zeitungen und Blättern verdientermaßen zu brandmarkne, wäre es an der Zeit, einen Schrei der Entrüstung auszu­stoßen, die jeden Deutschen ergreifen muß, wenn er Die unaufhörlich fortgesetzten Standrechts-Erekutlonen tn Baden erfährt.

Deutsche, welcher politischen Meinung ihr auch an- gehören möget, füget der Schmach, das Vaterland und

Eine kolossale Bauwerkstätte

Ja wohl, London ist eine Mammuthstadt! Belässt sich doch die Zahl der Bewohner dieser Hauptstadt des brittischen Reiches schon auf nahe an dritthalb Mil­lionen Seelen l Man denke sich die Gesammtbevölkerung des Königreichs Hannover, des Herzogthums Braun­schweigs und des Kurfürstenthums Hessen auf einen Raum von wenigen Quadratmeilen zusammeugedrängt und man hat die Stimme der Londoner Bevölkerung. Alljähr­lich rückt die Riesenstadt weiter hinaus und bedeckt freie Felder mit Häusern, und wer zehn Jahre lang abwesend war, erkennt daS alte London gar nicht wieder.

Die neuen Stadtviertel erheben sich mit unglaublicher Schnelligkeit aus dem Boden: die weitm Paddington- Fields z. B. sind binnen fünf Jahren zu einem Stadt­theile erwachsen, den man etwa an Umfang mit Leipzig vergleichen kann; eben so hat sich das neue eleganteste Viertel Belgrave Square, mit seinen hunderten von Palästen in kurzer Zeit erhoben.

Aber wie bauet man auch in London! Auf dem Festlande macht man sich schwerlich davon einen Begriff, so rasch und in einander greifend geht alles von Statten. Was in einer kleinen Ortschaft von 100,000 Einwohnern etwa ganz am Platz wäre, die Vertheilung der Bauten unter einzelne Handwerker, - würbe in London | gar nicht ausreichen und dem Bedürfnisse nicht genügen. Denn

eure selbstgewählten Volksvertreter im Augenblicke der Gefahr im Stiche gelassen zu haben, nicht die neue Schmach hinzu, daß ihr dem Abschlachten wehrloser Gefangenen verstockten Herzens ruhig zusehen könnt; erhebet eure Stimme und »affet nicht zu, daß der Fluch der Uneinigkeit, der' auf unserm unglücklichen Vaterlande lastet, sich bis dahin erstrecke, daß er auch die heiligsten Gefühle, Mitleid und Erbarmen aus eurer Brust vertilge.

Straßburg, im Oktober 1849.

Franz Raveanx.

Die Nassauer in den Kasematten zu Rastatt.

# Wiesbaden, 3. November.

Wir hatten zwar bisher schon öfter gehört, daß auch Angehörige unseres Staates in den Kanonen- kellern zu Rastatt schmachten sollten: allein Näheres und Zuverlässiges, namentlich über die Zahl nnv die Namen der Unglücklichen konnten wir bisher nicht in Erfahrung bringen.

Nunmehr liegen aber zwei Schreiben eines Ge­fangenen in Rastatt vor uns, die uns genauen Auf- schluß über die Zahl und die Namen der Naffauer, welche in den Rastatter Kasematten verkümmern, geben.

Wir beeilen uns im Interesse der Humanität, im Interesse der nothleidenden Brüder, diese Angelegen­heit sofort öffentlich zur Sprache zu bringen.

Zwölf dem nassauischen Staatöverband Angehörige müssen dermalen ihr Einstehen für die Neichsverfassung mitGut und Blut" in den Kasematten büßen. Die Namen dieser 12 sind folgende:

1) Andreas Großmann von Höchst.

2)

3)

4)

5)

6) "7)

8) Z9)

Gottfried Lenz von Wiesbaden. Valentin Hirt von Schwalbach. Johann Großmann von Kirberg. Karl Nack von Wiesbaden.

Philipp Gerp-«F von Wellmich.

Christian Nied von Königstein.

Andreas Salzig von Camp.

Georg Maßmann von Geisenheim.

10) Christian Rado von Weilmünster.

11) Georg Michel von Idstein.

12) Heinrich Ketter von Waldhausen.

Ueber das namenlose; Elend, welches in den Kase­

matten seinen Sitz aufgeschlagen, und welches der rauhe Winter bis zur Unerträglichkeit steigern wird, haben wir wohl nicht nöthig, noch weiter ein Wort zu ver­lieren. Dieß Elend ist allbekannt, und das Loos der Bejammernswertheu wird von fühlenden Menschen jeder Parthei tief betrauert.

Es wäre aber wahrlich nicht ziemlich und ange­messen, wenn wir es bei einem thatenlosen Mit- leiden bewenden ließen. Es ist vielmehr die Pflicht

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in der reichenMammnthstadt" muß man einen kolossalen Maßstab anlegen, wie cs z. B- der jetzt unter die Lon­doner Berühmtheiten zählende Herr Thomas Cubitt gethan. Ohne Zweifel kaun sich mit der Bauwerkstätte dieses Mannes . den sogenannten T h a m e S - Ba n k b u i l - ding Works, keine andere in der Welt messen, und es ist wohl der Mühe werth, sie den Lesern dieser Zei­tung zu schildern.

In Cubitt's Werkstäte wird Alles und Jedes ohne Ausnahme, was irgend für den Häuserbau erforderlich ist, angefertigt, vom Plane und der ersten Zeichnung an bis zum Simse, vom Backstein bis zum Schlosse. Die Zahl der im Monate September beschäftigten Werkleute, die Köche mit eingerechnet, belief sich auf 1538, die au jedem Sonnabend einen Wochenlohn von reichlich 1600 Pfund Sterling oder mehr als el ft au send Thalern bezogen. ES ist aber auch schon vorgekommcu, daß 2400 Arbeiter beschäftigt wurden, die 2700 Pfund Sterling Lohn erhielten. Man rechnet, daß im Durch­schnitt der Arbeitslohn auf ein Drittel der Kosten des Baumaterials zu veranschlagen ist; der Geldumlauf in der Bauwerkstätte Cubitt's beträgt also jährlich zwischen 300,000 und 500,000 Pfd. Sterl, oder zwischen zwei bis drei Millionen Thaler! Es gibt aber in London noch 4 bis 5 andere Bauwerkstätten , die jener an Größe nahe kommen, und außerdem 770 kleinere Baumeister. Man mag sich also selbst sagen, welche ungeheure Sum­men jährlich den Bauhandwerkern zufließen.

aller nassauischen Staatsangehörigen, für die Verbesse­rung der drangvollen Lage ihrer Mitbürger werk- thâtig aufzutreten.

Vor allen Dingen müssen wir es aber für eine Pflicht des nassauischen Gouvernements erklären, sich der nassauischen Staatsangehörigen kräftigst anzuneh­men, und insbesondere diese Gefangenen zu rekla- mireu. Andere Regierungen, namentlich diejenige Baierns, find hier bereits mit einem sehr lobenswer­theu Beispiele vorangegangen.

Sollte das nassauische Gouvernement zögern, die genannte ihm obliegende Pflicht zu erfüllen, so erwächst für alle nassauischen Staatsbürger die heilige Verpflich­tung, unser Gouvernement in Petitionen und Anspra- chen an die Erfüllung dieser Pflicht zu erinnern.

Was die Theilnahme des Volks für die Gefan­genen in Rastatt angeht, so hat insbesondere das Wür- tembergische eine sehr rührende und werkthätige an den Tag gelegt und in dieser Sache müßten sick also die Nassauer der Schwaben Auftreten bei ihrem Han­deln zum Muster nehmen. In Würteinberg haben selbst viele Gemeinderäthe als solche den Beschluß ge- faßt:sich für die Reklamation der würiembergischen Gefangenen bei dem Ministerium zu verwenden", und vor wenigen Tagen erst ist eine Deputation bei dem Minister Römer erschienen, und hat persönlich bei ihm die Verwendung der würiembergischen Regierung für Die würtcmbergßchen Gefangenen in Rastatt befür­wortet.

Außer dem kostbarsten Gute, der Freiheit, gehen den Geiangenen aus Nassau auch durchaus alle sonsti­gen Subsistenzmittel ab. Eine Unterstützung der Ge­fangenen mit Geld, möchte daher ebenfalls als drin­gend geboten erscheinen.

Wir sind überzeugt, daß man in Nassau, wenn man für die Erleichterung der Lage von Unglücklichen, welche in das Elend gekommen, weil sie ihr Blut für die Neichsverfassung, für die Freiheit des deutschen Volks, einzuseßen bereit waren, die öffentliche Stimme erhebt, sicher nicht tauben Ohren predigt,

Das Interim und der alte Bund.

General von Radowitz hat zur Beschönigung des Interims auf dieinhaltschwere" Thatsache hin« gewiesen^ daß der Bund von 1815 eine interna­tionale Stellung in Europa ciunahm, die nicht von einzelnen Gliedern ausgeübt werden könne, daß es also Deutschland an einem Nechtssubjekt fehlen würde, um es dem Auslande gegenüber zu vertreten. Er hat es als eine Gefahr für Deutschland bezeichnet, wenn ein europäischer Konflikt es in solchem Zustande ge­funden.

Sieht denn der General einen europäischen Konflikt so nahe?

Wenn aber ein solcher Konflikt einträte, von den

Den Grund und Boden, auf welchem die Werke Cubitt's stehen, umfaßt 20 Morgen. Die Gebäude nehmen 1000 Fuß Vorderseite ein, und die 4 Dampf- maschienen in denselben, deren Schornstein schon von Weitem her durch seine Zierlichkeit auffällt, haben 40 PserLekraft. Ranch sieht man nicht, weil er durch eine zweckmäßig angebrachte Vorkehrung gleich verzehrt wird.

Die Auszahlling der 1% Tausend Arbeiter geschieht am Svimbend binnen 20 Minuten. Für das Wohlbe­finden derselben sorgt Hr. Cubitt mit wahrhaft väterlichen: Wohlwollen. In allen Werkstätten sieht man, wie be­häbig komfortable sie sich fühlen. Zunächst ist für eine angenehme Temperatur in allen Räumen gesorgt und überall hängen Thermometer. Die Lüftung ist so beschaffen, daß ungcfnnüc Luft nirgends sich ansammeln kann. Für jedes einzelne Gewerk ist ein besonderer Koch vorhanden , und die Herde und die Oefen in Küchen und Arbeiterwci kstätten sind ganz von derselben Art, wie jene für die Häuser der reichsten Leute. Denn Cubitt hat den Grundsatz, daß er nichts aus seinen Werkstätten absendet, was nicht in denselben Die Probe bestanden. In einem besonderen Häuschen wird täglich eine nahr­hafte und wohlschmeckende Suppe bereitet, welche zum Postenpreise abgegeben wird, und auf jedem Ofen kocht den ganzen Tag über ein mit Kakao gefüllter Topf. Dieses Getränk wird zu jeder Zeit umsonst verabreicht, damit Die Arbeiter immer einen nahrhaften, gesunden . Trank haben, und starkes Bier oder gar Banntwein