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Die Beseitigung der Marzminister.

-le Wiesbaden, 1. November.

Als die Nevolution im März vorigen Jahres aus­brach, da riefen die edlen Männer, die konstitutionellen Helden:Reihe dich um uns, Kern der Na­tion, in unserer Fahne kann Deutschland allein siegen: wie wir Feinde des ruhelo­sen Fortschritts sind, so sind wir erklärte Gegner des ruhigen Stillstands."

Die Nation glaubte den traurigen Helden, und übergab ihnen überall, in Frankfurt, in dem Brenn­punkt der deutschen Bewegung, wie in den Einzel- staaten die oberste Leitung der Negierungsgeschäfte. Um dieDemokratie aber, welche ruhelos den Fortschritt predigte, besiegen zu können, waren die Constitutio- ncUen gezwungen, vorläufig ihren versprochenen Kampf gegen den Absolutismus ganz einzustellen; ja noch mehr, die Gewalt der Verhältnisse und der ge­meinsame Kampf gegen dieverwegne" Demokratie vereinigte Constitutionalismus und Absolutismus als­bald in einem festen Bündnisse, dessen Loosungswort hieß:Tod der Demokratie."

Allein gar bald ward aus dieser Vereinigung eine totale Verschmelzung. Die zarten Nüanci- rungen, welche der Constitutionalismus prätenvirte, er­loschen über Nacht, und Jeder, der sehen wollte, konnte zwischen ihm und dem Absolutismus auch nicht den leisesten Unterschied mehr finden.

Der Verlauf dieses Prozesses war äußerst natür­lich: denn der von denEdlen" so sehr gepriesene Constitutionalismus ist in der That eben nichts anders, als der verschleierte A b s o l u t i s m u s."

Daß dieser Schleier der Heuchelei, welche der ko- guettirende Constitutionalismus vornahm, zerrissen, zer­fetzt worden ist: das ist das Hauptverdienst der unbe­siegbaren Demokratie; das ist die Haupterrüngenschaft, welche wir gerettet haben. Das Volk begreift, daß die bekannten Aussprüche der Kaiser Napoleon und Nico­laus richtiger sind, als alle fein ausgesonnenen Theorien der berühmtesten konstitutionellen Staatsrechtslehrer.

Die sogenannten März minister es sind dies die Helden, deren wir oben erwähnten haben auch als konsequente Männer größtenteils keinen Anstand genommen, dem unverkappten Absolutismus ihre Dienste zu weihen. Man erinnere sich nur an Stüve und Römers Was konnte es für so edle Männer auch Höheres geben, als der Besitz der liebgewonnenen Ministersessel?

Doch die Reaktion ist unerbittlich! Sic will nicht blos die Prinzipien der Demokratie vertilgen, eher aber könnte sie die Sterne vom Himmel reißen! sie mag auch nicht mehr die Umgebung der Märzlibe­ralen: wenn diese auch, von Nagern herab bis zu dem obscursten Gymnasialprofessor und Amtmann, vor dem

Todtengcrippe des Absolutismus überaus demüthig Ab- ! bitte gethan haben.

Vollblut, ächtes Vollblut ä la Brandenburg will die Reaktion: doch die Männer mit dem Fischblut, die faselnden Constitutionellen, welche keine seine Hofbil- dung haben, sind ihr schließlich ebenso zuwider, als die Demokraten selbst.

Auch Römer, der Held, welcher der gehetzten Nationalversammlung aus russisches Cominauvo den Gnadenstoß gab, muß weichen! Wenn wir Demo­kraten dieß Ereigniß auch als ein freudiges begrüßen müssen, so kommt es uns doch keineswegs unverhofft. Wir haben es schon lange den Constitutionellen vor­ausgesagt, daß der Absolutismus, wenn er siegt, sie alle, gleich ausgepreßten Citronen, zu anderm Kehricht werfen wird.

Auch der geschmeidige Stüve, mag er sich dem König noch so gefügig zeigen, wird bald dem Stifts­adel Hannovers das Feld räumen müßen: auch der kurhessische Eberhard wird bald abzutreten gezwun­gen sein.

In Würtemberg selbst nimmt man den Rücktritt Römers als ein höchst gleichgültiges Ereigniß hin. Und gewiß mit Recht! War doch der alte demokra­tische Römer schon lange abgetreten.

Die Ministertristö ist zu Ende schreibt der Stuttgarter Beobachter; sie dauerte geraume Zeit, und Niemand wußte, wann und wie sie enden werde. Die. Stadien der Unterhandlungen, die von einem Ministerium Römer bis zu einem Ministerium Schlayer den Uebergaüg bilden mußten, sind nun durchlaufen und die vormarzlichen Tone schlagen an unser Ohr. So lange tue Krisis dauerte, schwieg das Land; denn ob ein Ministerium Römer-Duvernoy bleibe oder gehe, es war ihr» gleichgcktig; es war keines von Beiden nach seinem Willen. War ja doch eine Ministerkrists von solcher Art und Nerunlaffung,- wie diese, nichts, was unmittelbar mit dem Wollen und Begehren des Volkes zusammenhing, keine nothwendige Entwicklung im konstitutionellen Leben einer freien Volksgemeinde, sondern nicht mehr und weniger, als das Resultat einer Berechnung dynastischer Interessen. Ja, ihr Va­terländer, Fanatiker für die konstitutionelle Monarchie und leidenschaftliche Bekämpfet' eurer eigenen vormärz­lichen Ansichten, dahin haben es die deutschen März- muüster, dahin hat es euer und eurer Gesinnungsge­nossen in Deutschland wahnsinniges Angstgeschrei vor der rothen Republik und dein badischen CommumSmus, euer Liebäugeln mit dein Säbelregnuent und mit Al­lem, was den Erdengöttern konvenirt, gebracht, daß von Ministern, die als der Willensausdruck des Lan­des anzusehen wären, überall in den sogenannten konstitutionellen deutschen Monarchieen nicht mehr die Rede ist, sondern, daß es sich bei der Auswahl dieser ersten Staatsbeamten, wie in der guten vormärzlichen Zeit, nur noch von der Frage handelt: .... ist. die Dynastie der brauchbarste Mann? wer weiß nun

> ihr schwankendes Schifflein am sichersten zwischen he Scylla der gefürchten Demokratie und der Charybdis der mediatisirungssüchtigen deutschen Großmächte hin­durch zu steuern? Für euch, die ihr im Angesichte der Aufopferungsfähigkeit so vieler Demokraten, der Schü sse, die in Baden knallen, und des Elends derer, die in der Fremde irren, das Wort eures Großmeisters von Hasenherzen mit Löwenzungen nachplappertet, ffür euch, ihr Vaterländer, die ihr einst Gut und Blut für euer Majoritätsministerium verschriebet und in euren Re­den euch im Honigseim der konstitutionellen Glückselig­keit badetet, wäre es nun Zeit zu zeigen, was ihr zu thun Willens seid, um eurem Programme gemäß der Reaktion entgegenzutreten wie der Anarchie. Nicht als ob wir im vorwurfsvollen Tone des gewesenen Justiz­ministers euch frügen, warum ihr nicht dreinschlagt? Nein, wir fragen euch nur, ob ihr nicht in einer blu­menreichen, volltönenden Adresse der Reaktion von Oben, die euch um eure Lieblinge bringt, entgegentre- ten und eure Unterschriften dabei kompromittiren wollt? oder ob ihr all' euer Pulver für den Dreikönigsbunv verschossen habt? Doch ihr seht vielleicht auch jetzt die Reaktion noch nicht. In dem konstitutionellen Ka­techismus eurer Magister und Kaufherrn steht viel­leicht, daß der konstitutionelle Fürst seine Minister wählen und wechseln könne, wann und wie er wolle, ohne sich im Mindesten darum zu kümmern, welche Willensmeinung das Volk in den Wahlen seiner Ver­treter ausgesprochen hat und welchen Geist es im Sy­steme seiner Regierung ausgedrückt zu sehen wünscht. Euer konstitutionelles Bewußtsein weiß vielleicht nichts von Majoritäten und Minoritäten. Freilich von dec Nothwendigkeit eines Majoritätsministeriums, so viel man früher davon hörte, ist seit dem Ergebniß der Wahlen zur revivirenden Versammlung nicht mehr die Rede gewesen. Ihr habt den Zweck eures Daseins erfüllt; ihr habt über euer Ministerium in jeder Hin­sicht vollständig gesiegt. So löst nun eure Reihen auf, ihr Vaterländer, und kriecht unter; die Fittige des Absolutismus decken euch; eine Freiheit, eine Selbst­regierung, ein gesichertes Recht des Volkes habt ihr ja doch nie gewollt. Ihr seid von faulem Holze, und wer eine gesunde Frucht je von euch erwartete, der kannte euch nicht. Allein, daß man in gegenwärtiger Zeit eine Ministerkrisis Wochenlang sich fortschleppm lassen konnte, das, gestehen wir, war uns unbegreiflich. UnD von welchen Namen als möglichen Kandidaten für die erledigten Portefeuilles war dabei die Rede! Wie? Im Augenblicke der Gefahr, die nicht bloß einer Verfassung, an die der Name des Königs geknüpft ist, sondern sogar der Selbstständigkeit des Landes und der Dynastie selber droht, glaubte man in solcher Weise schwanken zu dürfen, glaubte man Monate lang system­los laviren und jedes durchgreifenden Gedankens ent­behren zu können? Welche Aussicht bietet uns das für : wer ist für ! die Zukunft? oder fand man darin Methode, daß man ver weiß nun ' die Thatsachen an sich kommen ließ, wie sie eben ka-

Der Ministerpräsident, Nitter des Schwarzen Adlerordens.

DerStaatsanzeigcr" hat über das am 18. d. M. in^ Potsdam abgehaltene Kapitel des Schwarzen Adler- ordens berichtet. Er erzählt ausführlich die dem Grafen Brandenburg und dem General von Wrangel bereitete Ucberraschung. Ueber die Feierlichkeit selbst vermissen wir aber die diplomatische Gewissenhaftigkeit, die wir an den Schilderungen solcher Hof- und Staatsaktionen gewohnt sind.

Wir nahmen, um uns darüber zu belehren, die Stiftungsurkunde des Ordens zur Hand. Das ZeitungS» blatt vom 18. Oktober 1849, gefüllt mit Berichten über die Thätigkeit des Lerwaltungsansschusses , über das Interim (das Interim , das Zmerim, das hat den Schel­men hinter ihm singt Luther) , über Denunziationen und Eisenbahnen. über Hinrichtungen und Kammcrvcr- handltmgen, über Restauration und Demokratie, das lebendige Spiegelbild der Gegenwart, ihrer Arbeit, ihres Kampfes und ihres Elends! Daneben das Edikt vom 18. Januar 1701. Es weht uns an, wie den Reiseu-

den, der schauen,

von der Station abspringt, eine alte Burg zu

Wo das liebe Himmelslicht

Trüb' durch gemalte Scheiben bricht, und die verrosteten Schwerter und die vergilbten Ge­wänder betastet.

Die Urkunde hat aber nicht blos den Reiz des Fremd­artigen, Alkcrthümlichcn, als ein Denkmal der, übrigens für jene Zeit ungewöhnlich reinen Sprache und der An­schauungsweise aus dem Kindheitsalter der Monarchie. Sie führt auch auf eine interessante Betrachtung der Abweichungen, welche sich das Kapitel von den ursprüng­lichen Statuten in Betreff der Erfordernisse der Person, der Zeit und des Ortes gestattet hat, Abweichungen, die zum Theil so wesentlich sind, daß der Jurist sich erheblicher Zweifel an der Rechtsbestaudigkeit des Aktes nicht verwehren mag. Sie ist endlich geeignet und das ist die sehr ernste Seite der Sache jeden auf­richtigen Anhänger der constitutionellen Monarchie mit gerechten Besorgnissen zu erfüllen. Wir wollen durch einen Auszug des Ediktes nach allen diesen Seiten hin das Interesse zu befriedigen juchen.

Der Eingang lautet:

Wir Friedrich Wilhelm, König von Preußen ( die Formelvon Gottes Gnaden" fehlt, wahrscheinlich weil es dem Monarchen noch in zu frischer Erinnerung war, daß er dem Zugeständnis; des Kaisers und der Reichs- fürsten die Königskrone verdankte) thun kund und fügen hiermit zu wissen: daß wir bei Annehmung der Königlichen Würde des von uns gestifteten Königreichs Preußen, unter Andern auch für nöthig erachtet, einen Königlichen Preußischen Ritter-Orden darinnen aufzu­richten.

Unser Orden de la Générosité . den wir noch als

Prinz und in unserer zarten Jugend gestiftet, zeiget ge­nugsam, wie sehr wir auch schon damals geneigt ge­wesen, rittermäßige Personen und Thaten von Andern zu unterscheiden.

Und da cs nachgchcnds der Güte des Allerhöchsten gefallen, Uns zur Regierung zu bringen lind nunmehr gar in den Königlichen Stand zu erheben;

Co haben wir wenigstens bei unserer jetzigen Er­höhung nicht wohl ermangeln können, die in unserer Jugend gehabte gute Intention aujctzo völliger an den Tag zu legen und einen rechten, vollkommenen Nüter- orden einzuführcn.

Hierzu hat uns der Orden vom Schwarzen oder vom Preußischen Adler sehr bequem gedeucht, nicht allein, weil die meisten Königlichen Orden von einem gewissen Thiere den Linien führen, sondern, weil auch unter den Thieren der Adler sonderlich edel, weil er ein König des Geflügels und ein Sinnbild der Gerechtigkeit ist und bei dem Allen das preußische Reiche-wappen machet" u. s. w.

Unser und derer künftig in Preußen regierenden Könige Prinzen haben zwar ein Recht, dieses Ordens Mitglieder ju sein, zu dessen Bezeigung ihnen and) |o= fort nach ihrer Ankunft auf die Welt das Orange-Farbe Band, sammt dem blauen Kreuze, allermaßen solches unten beschrieben wird, angelegt werden so»; die »Neune Investitur aber und Einkleidung in den Orden geschieht erst alsdann, wenn sic zuvörderst zu der Kommunion des heiligen Abendmahles zngelasscn werden.