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Wiesbaden. Mittwoch, 1, November

Freiheit und Neeht!"

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, _ . mit Ausnahme des Momaaö, täaltch in einem Bogen. Der Abonnrmentsprèts betragt Vierteljährig hier in L3iesba-en 1 fL 45 fr., auswärts

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Nassau und EmS, oder

dieguten Bürger" und dieWühler".

7 0. W.R. Nassau. Jetzt, nachdem die Früchte des Herbstes größtentheils eingescheuert, nnd für die nächste Erndte der Saamen dem Schoos der Erde überliefert ist, seitdem die langem Abende den Menschen zur Ber­einigung, zur Besprechung des gemeinsamen Wohles und Wehes auffordern, tritt auch unser demokratischer Bürgerverein mit erneuter Kraft ins Leben,_ während er den Sommer hindurch, welchen der Nassauer zum mühsamen Kampf mit der Natur verwenden muß, um ihren Bergen das Nothwendigste für's Dasein abzu­ringen, ein Scheinleben gefristet hatte. Da jedoch die Politik wenig Veranlassung zur Besprechung gibt, da es im Gegentheil dem Vaterlandsfrenud nur angenehm sein muß, wenn er von der jetzigen Lage der Dinge so wenig, als immer möglich, hört und redet, sich mit einer bessern, hoffentlich nicht allzufernen Zukunft trö­stend, so haben die Männer, die sich einigermaßen dazu berufen fühlen, es unternommen, die Bereinsstunden mit populären Vorträgen über Geschichte und andere Gegenstände von allgemeinem Interesse auszufüllen, wodurch nicht blos die Erhaltung des Vereins, son­dern auch Weckung und Hebung des Bürgerstaudes erzielt wird. Möchte dieses Beispiel doch in allen größern Gemeinden Nachahmung finden, in deren jeder sicherlich Einige sind, welche bei nur geringem Fleiß und weniger Aufopferung ihre Mitbürger auf gleiche Weise anregen könnten! In unserm benachbarten Ems, das der Demokratie ganz entgegengesetzte Be­strebungen verfolgt, sind auch die sozialen Verhältnisse ganz andere. Statt in einem Verein, kommen die Bürger Abends in den Wirthshäusern zusammen, um sich bei Wein und Kreuzmariagc neun Monate hin­durch auszuruhen, für die dreimonatlichen Strapatzen, die ihnen das Ankreiden der Kurgäste verursacht hat, und um hier und da auch das Wohl des Vaterlandes, d. h. des Badeortes, denn ein anderes Vaterland kennt der ächte Emser nicht, in ungezwungener Siebe zu be­sprechen. Da der Finanzpuukt derjenige ist, der am meisten Interesse einflößt, der auch in der Gemeinde- kasse an der Ebbe angelangt, werden natürlich viele Vorschläge gemacht, um die längst geschwundene Fluth endlich einmal wieder hereinzuleiten, und so kam man dann unter andern wunderlichen Mitteln auch auf das, daß man jeder Leiche eines Kurgastes eine Steuer von mehreren Thalern außer den schon sehr hohen Kosten für die letzte Fahrt auf den Kirchhof auserlesen wolle. Von dieser Steuer versprach man sich große Vortheile, durch sie wollte man der versiechenden Gemeindekasse eine neue Lebeusquelle zuführen, spendete jedoch, neben­bei gesagt, durch solch' sanguinische Hoffnungen der Heilkraft der Emser Bäder kein besonderes Lob. Der

KL Höchst, 26. Oktober. Wohnten wir nicht in Höchst schon seit geraumer Zeit, und hatten wir nicht die Revolution gerade hier in ihrer vollen Entwick­lung gesehen, wir müßten glauben, das Jahr 1848 wäre nie gewesen, nie wären Gewitterwolken über dem Haupte des Pöbels der Aristokraten, jener seichten, widerlichen, unwißenden Iustemilieupartei geftaiibm, jener «»»gebettelten, angezettelt.»» Geld- und Beamten- Aristokratie, gemeinhin auch Bourgeoisie genannt. Wuß­ten diese Leute doch aus der an sich so unbedeutenden Heckschergeschichte einen solchen Teufelslärm zu machen, und hätschelten und tätschelten das Militär, und ins­besondere die Ossiziere, als wären es lauter Erlöser, geschickt vom Himmel zu ihrer Beschützung und zu Eidamen. Seit dem März 1848 bestand hier eine Lesegesellschaft, eines jener Institute, die am geeignet­sten sind, die gebildeteren Volksklassen einander zu nähern und tüchtige politische Bildung zu fördern.

Aber der befrackten behandschuhten Partei mißfiel der bürgerliche Ton, unb obwohl der Verein ziemlich bald gelichtet war, entschädigten sie sich in selbst ge­backenen geschloffenen Privatzirkelninnerhalb des Vereins" für die frühere Auflösung des Easino's und diesen traurigen Zwang und durch allerlei Künste suchten sie den Verein zu untergraben, bis er auch endlich eines traurigen,nicht unverschuldeten" I Todes starb.

Aber aus dem Moder vergilbter Zeiten entstand, wie ein Phönir, aus der Asche ein Gespenst, widerlich und dumpfriechend, wie alles Abgelebte, dasBeam­

Gemeinderath, für das Wohl der Stadt stets sehr be­sorgt, nnd sich darüber manche schlaflose Nacht berei­tend, kam nun, äußerst vergnügt, endlich einmal die Quadratur des Zirkels entdeckt zu haben, schleunigst beim Kreisbezirksrath um Festsetzung dieser alles Un­gemach heilen sollenden Steuer ein, die ihm indeß ab­geschlagen werden mußte, da der Bürgerausschuß seine Genehmigung noch nicht ertheilt hatte. Später ist die­ses Gesuch nicht wiederholt worden, wahrscheinlich weil der Bürgerausschuß solch' traurigen Verirrungen des menschlichen Geistes seine Zustimmung versagte. Wir sind begierig, was die nächste^Ausgeburt des Gemein- dcraths als Surrogat des erwähnten Mittels zur Be­glückung seiner Mitbürger sein wird. Jedenfalls ist der nimmer rastende nicht verlegen, nnd wird reichlich unterstützt von den vielen Patrioten in Ems, welche, wenn sie auch sonst keine Betbrüder sind, doch wenig­stens jeden Abend das Stoßgebet gen Himmel senden: Gott erhalte uns die Fürsten, Aristokraten und Bour­geois, damit wir noch lange des Lebens Freuden ge­nießen können bei Wein und Kreuzmariagc!" So le­ben die guten Bürger und so die schlechten, auch De­mokraten genannt.

ten-Casino". Ein Institut, geeignet den faifer* lichen Redne r.n hiesiger Stadt znr Vollendnng ihre theoretischen Studien zu verhelfen, ohne sich dem Ge- spötte des Volks preiszugeben; damit auch nicht die wächsernen Dämchen mit seidener Bildung dem widerlichen Gerüche eines Fleischers nnd eines Schusters ausgesetzt sind, und nicht Gefahr laufen, von einem nichtbefrackten, nichtbehandschuhten Tänzer herausgefordert zu werden.

Doch freuen wir uns, daß auch der gebildete Theil der hiesigen Bürger ächten Schlages einen geselli­gen Verein gebildet, der zwar jeder politischen Färbung dem Statute nach fremd bleiben soll, von dem sich aber dennoch nur ächtbürgerliches erwarten läßt.

Der hiesigen Aristokratie aber rufen wir zu, was man gegenwärtig dieser Richtung im Allgemeinen zu- rufen sollte:Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen."

Stuttgart, 28. Oktober. (N. D. Z.) Die Ge­rüchte von einem Rücktritt des Ministeriums en mässe, welche dieA. A. Ztg." in Umlauf setzte, haben sich nicht bestätigt. Außer Duveruoy unb Goppelt soll nur noch General Rüpplin seine Entlassung gegeben haben. Eine Entlassung würde HiP. Römer schlecht konveniren. Wie sich im klebrigen dieseMinister- Krisis", dieses Labsal aller politischen Kannegießer,- fm wird, das ist zur Zeit noch gar nicht abzusehen. Herr Römer ist zu AÜèm bereit, wenn er nur sein Portefeuille behält im Interesse des Vaterlandes. Aber eine Combination mit Römer hat wieberum Hrn. v. Schlaffer nicht kouveuirt. So bleibt nichts übrig, als eine Ergänzung des Ministeriu»us im altliberalen Sinne, oder eine komplette Erneuerung desselben durch die voculäczlichei» Korphâen, durch Hrn. V. Linden et­wa, der schon zur königlicheu Tafel gezogen wurde. Am Ende wird auch hier der Zufall entscheiden, dem der eole Gageru eine so große Rolle bei politischen tief durchdachten" Dingen zumißt.

Die Stellung, welche Herrn Römer in Bezug auf den Dreikönigsbunh konveniren wird, ist im Augen­blicke weniger klar, als je. Daß sich früher in der Württ. Ztg.", dem Organe desMiuisteriums, welches den Zutritt zum Dreikönigsbunde offen abgelegt hat, öfter Artikel für beii Anschluß an denselben fanden, wurde einer Taktlosigkeit der Redaktion ober dem Ein­flüsse Duveruoy's, des schwarzweißen, zugeschrieben. Aber erst gestern enthielt sie wieder einen Artikel voll Verläumdung gegen die Volkspartei, voll platter Krie­cherei gegen Preußen,welches hoffentlich seine Hand nicht abziehen werde von der Verfassung unb Einigung Deutschlands." DieWürtt. Ztg." schickt demselben einige Worte nach, worin sie zwar seinen allzu großen Eifer für den Anschluß an Preußen zu dämpfen sucht, aber doch einen Anschluß der mittleren Staaten, bereit angebliches Separatbündniß sie eine gerechte Förderung derselben an die Großmächte um Achtung der Rechte

Bußpredigt des Majors Wetrien, maligen> «ommandante» zu Skaftatt ore Gefangenen daselbst. *)

vor­an

Unteroffizier, sind die Zündhütchen anfgescyt?

(Ja

wohl, Herr Kommandant.) So laßt sie heraustrctc», die Kanaillen. Vorwärts, die Mützen herunter, ich will Euch Ordnung lehren, verfluchtes Galgcngesindcl! Den Ersten, der sich von der Schwefelbande rührt, stoßt nieder, hört Jhr'S, gleich die Kugel durch den Leib, nach solchen Kerls kräht weder Huhn noch Hahn. Was hat Euch hergeführt? He! Was habt Ihr gewollt? He: Der Trieb zum St-hlen Hal Euch zusammengebracht, aber ich will Euch die Finger schon vergolden lassen. Banditenhüte mit rothen Federn und rothe Halstücher habt Ihr getragen, allein ich werde Euch den Geschmack an der rothen Farbe schon vertreiben. Für was habt Ihr gesümpft? Für die rothe Nepublick, Ihr Erzhalunken ! Wer kämpft für die rothe Republik? wer keinen ehrlichen Namen und kein ehrliches Geschäft hat. Das seid Ihr, zusammengelaufencs Lumpengesindel! Theilen habt Ihr

*) Mittheilung aus den Kassematten von'Rastatt.Bekannt­lich läßt man außer Basler Traktätchen durchaus keine Lektüre zn uns. Zu größerer Erbauung (und besserer Verdauung) hielt aber der frühere Kommandant häufig nach Tische Volksreden vom Pferdes herab. »Ich |cnbe Ihnen eine gelungene^ Auszeichnung einer solchen."

gewollt und ein liederliches Leben führen, Ihr meineidigen Schurken, die Ihr seid. Die Kugel vor den Kopf, das ist noch viel zu gut für Euch, man muß Euch im i Himmel noch einmal erschießen .lassen, daß jede Spur von Euch vergeht. Freiheit habt Ihr gewollt. He! Ja Freiheit zum Rauben und Stehlen. Da war Euch der gute Großherzog und die bestehende Ordnung .im Wege. Ihr, meineidigen Hunde, habt ihm die Treue gebrochen, Eure braven Offiziere fortgejagt und Lumpen an ihre Stelle gesetzt. Die Bande, die an Eurer Spitze stand, war der Auswurf von Europa, gestohlene Gegen­stände aller 9lrt haben wir in den Koffern gefunden, aber die gerechte Strafe Gottes wird sie treffen, nicht wir, sondern der liebe Herrgott hat Euch besiegt, dcr sagte: bis hierher und nicht weiter. Wer von Euch Hunden dießmal glücklich davon kömmt, danke Gott auf den Knicen, aber die Schuldigen werden der Strafe nicht entgehen, Gott wird gewiß die Kugel lenken, die ihr meineidiges Herz treffen soll. Ich könnte Euch Alle, Einen nach dem Andern, erschießen lassen, aber ich thue cs nicht, ich habe ein gutes Herz, ich sorge für Euch, Hemden sollt Ihr auch haben, vorläufig aber, nur die, die gar keines anhaben, Schuhe gleichfalls, das sagt mir mein christliches Mitgefühl, aber ich rathe Euch, geht in Euch, bereut Euer Verbrechen, damit Ihr noch gute Staatsbürger und treue Unterthanen werden könnt, sonst erwischen wir Euch noch einmal, Ihr kennt die Preußen , die fackeln nicht, ich lasse Euch allesammt

todtschicßen, daß wir Euch erwischen, könnt Ihr ver­ficht» t fern. Scht, was habt Ihr gemacht, das schöne Baden habt Ihr ins Unglück gestürzt, das Land vex. wüstet und auSgestohlcn, Mordbrenner nnd Räuber seid Ihr, jeder Hans Narr von Euch wollte Minister wer­den und ohne Mühe zu Etwas kommen, Ihr habt ge­glaubt, Ihr könntet schon die Welt regieren, aber Ihr versteht vom Weltregieren so viel wie ein Dreck. In die Wirthshäuser sitzen unb die Kirchen ab sch affen, das wollet Ihr, Raubgesindel, von Staatsgeschäften wollet Ihr rcren, aber dazu seid Ihr viel 511 dumm, Ihr Esel. Geht fleißig in die Kirche und arbeitet, da werden Euch die Gedanken an den Staat vergehen unb Ihr könnt ein guter Familienvater werden.

(Man bringt einen Todten auf der Bahre, welcher bei der versuchten Flucht ans feinem Elende erschossen wurde.)

Hier seht hcr, da liegt der Lump, ja, meine Schützen treffen gut, laßt's Euch zur Warnung sein, seht her, da liegt der Kerl und hier steht der brave Mann , der ihn niederfeboß. Meine brave Landwehr hat Frau und Kinder verlassen, um dem Lande den Frieden und das Glück wieder ju geben, Deutschland wird cs ihr Dank wissen. Damit Ihr nun seht, daß ich ein christliches Herz habe, so habe ich verordnet, daß Ihr alle ein um den andern Tag Schnapps be- kommt, jetzt geht und bessert Euch, pust toll Euch der Teufel holen. (Beobachter.)