Einzelbild herunterladen
 
  

Man schreibt aus Barcellona vom 18. Oktober: Lola Montez befindet sich hier im Augenblicke in einer sehr kritischen Lage. Es scheint, daß schon während des Aufenthalts des Ehepaars in Boulogne innere Streitigkeiten ausgebrochen sind und Heald schon dort mit der Absicht umging, seine Frau zu verlassen. Heald ist ein junger Mann, groß, mager und blond, und schminkt sich, um seine bleiche Gesichtsfarbe zu verbergen. In Barcellona angekommen, ging Heald zu dem englischen Consul, um ihn um Rath zu fragen, auf welche Art er von seiner Frau loskommen könnte. Er erzählte ihm, daß sie ihm in Perpignan einen Dolchstich gegeben habe und er befürchte, daß sie ihn eines Tages ums Leben bringen würde. Der Gesandte war erstaunt, daß er sich nicht bei den Gerichten be­klagt hätte und gab ihm den Rath, sich heimlich davon zu machen. Den nämlichen Tag hatten die Ehegatten einen heftigen Streit, in Folge dessen sich Heald davon gemacht hat. Der Dolchstich soll jedoch erfunden sein und man sich mit Schimpfworten und Vorwürfen re- galirt haben. Lola Montez hatte durch diese Hei- rath gänzlich mit dem Könige von Baiern gebrochen, von welchem dieselbe nach ihrer Behauptung jährlich 50,000 Franken und alle drei Tage einen zärtlichen Brief erhielt.

garn.

Ueber die stand- u nd kriegsrechtlichen H iu- richtungen in Pesth theilt der heutigeLloyd" folgende erschütternde Berichte mit:

Pesth, 20. Oktober. Die mehr denn zehntägige frirdliche Stille am Holzplatze hatte der Sage von der ferneren Einstellung der Todesurtheile aller Orten Gläubige verschafft, die Hoffnung, daß die Gerechtig­keit nicht fürder über die Leichen hinschreiten, son­dern milderegnadenvolle" Bahnen wandeln werde, war eine fast allgemeine, als gestern Nachmittag ein dunkles Gerücht die Stadt durchlief von drei Todes­urtheilen , deren Vollzug auf heute festgesetzt sei. Es fand nur wenig Glauben, da Niemand es glauben wollte.

Heute gegen sechs Uhr ging ich nun den Donau­quai entlang, in der Richtung des Neugebäudes. Die Stadt lag noch in dunklen Schatten gehüllt, während jenseits die ersten Sonnenstrahlen die Gegend auf's Herrlichste beleuchteten. Ich gedachte dabei der Un­glücklichen, die in eben dieser Stunde vielleicht auf immer ihr düsteres Erdenleben schließen, um in den sonnigen Jenseits des Allgütigen versöhnende Liebe für ihre irdischen Thaten entgegenzunehmen. Je näher ich dem unheimlichen, verbänguißvollen Platze kam, desto mehr schwoll der Strom der Neugierigen an, welche gleich mir â la récherche der traurigen Gewißheit ausgingen, einer Gewißheit, die uns nur zu bald ward, denn kaum hatten wir um die Ecke der Kaserne gebogen, als die blanken Säbel der auf dem Holz­platze postirten Kavallerie jeden Zweifel entfernten. Schon nach wenigen Minuten langte dann auch ein Infanterie-Bataillon an und bildete einen engen Kreis

um die gegen halb sieben Uhr auf den Nichtplatz tre­tenden Jnquisiten. Jetzt wirbelte die Trommel; ihr I dumpfes Erzittern mochte, wie in dem meinigen, auch ! in manchen andern Herzen einen entsprechenden Wie- ' derhall erzeugt haben; glücklich die Sterbenden, ' wenn der Trommelschall ihnen als Anferstehungs- ruf für ein schöneres Leben geklungen. Als wieder Stille eintrat, wurden die Todesurtheile verlesen; die Sentenz dauerte lange, sehr lange; war sie doch der Geleitschein in die Ewigkeit. Endlich bestieg der Erste das Hochgericht. Es war ein junger Mann , und, wie mir mein Nachbar berichtete, hatte er sich noch gestern Morgens der besten Laune erfreut, und heite- reu Sinnes sich zum Anhören des Urtheils vorbereitet. Erst als er die Berufung auf das Theresianische pein­liche Gesetzbuch vernahm, überfiel ihn Todtenblässe die ihn auch heute nicht verließ. Seine Haltung zeigte von Eiltmuthigung; das drohende Henkerbeil beugte den Fürsten Woronjewski zu Boden. Vor dem Ausbruche der ungarischen Bewegung Lieutenant in den Reihen der k. k. Armee, gründete er zur Zeit des Krieges ein polnisches Korps, ward später Oberst der polnischen Legion und fiel in Szüreg den bei Sze- gedin über die Theiß setzenden Truppen Haynau's in die Hände.

i Dem Fürsten folgte Avancour. Bereits nach der Beendigung der polnischen Revolution zu zwanzig­jährigem Festungs-Arrest condemnirt, schloß er sich gleichwohl auch der ungarischen Bewegung an, leistete ihr als Adjutant Dembinskis bedeutende Dienste, und ward vor wenigen Wochen in einem hiesigen Gast­hofe verhaftet. Gefaßter und minder entmuthigt als sein Vorgänger richtete er vor seinem Ende noch einige Worte an das umstehende Publikum.

Der Dritte und Letzte war Giron, Vater von drei Kindern. Er kommandirte die deutsche Legion, unter­stützte Erstürmung Ofens, und soll, seiner mili­tärischen Tüchtigkeit halber zum substituirenden Festungs- Kommandanten von Komorn designirt gewesen sein. In die Gefangenschaft gerieth er bei Peterwardcin.

Ein gemeinsames Gebet des Militärs und der Zuschauerfür die sündigen Seelen," wie meine Nach­barin es charakterisirte, beschloß die Scene, von der wir mit vollem Herzen gewünscht hätten, der Fürst Liechtenstein möchte sie uns ersparen; war doch ganz Pest) geneigt, in seiner interimistischen Uebernahme des Armee-Obercommando's einen Akt der kaiserlichen Gnade zu begrüßen.

In Budapcsth zirknlirt ein Abschieds-Rundschreiben Kossuth's, in welchem der berühmte Agitator ver­sichert, die Krone des heiligen Stephan nur deshalb entfernt zu haben, um jede Krönung eines Habsbur­gers unmöglich zu machen.

9t iederlande.

Amsterdam, 24. Oktober. DasHandelöblad" meldet, die ministerielle Krisis sei noch nicht zu Ende; sie scheine sogar in eine ganz neue Phase eingetreten zu sein. Der haag'scheNieuwSbode" glaubt melden

zu können, daß Herr Thorbecke den ihm gewordenen Auftrag, ein neues Gabinet zu bilden, niedergelegt habe. Im Haag hatte Herr Doncker Curtius vorgestern wie­der eineLlange Unterredung mit dem Könige. Um 2 Uhr fand ein Ministerrath Statt, an welchem die Herren Lightenvelt und Wichers nicht Theil nahmen.

Republik Frankreich

Paris, 25. Oct. Der Zweikampf scheint in unserer gesetzgebenden Versammlung ein unwiderleglicher Be­weis gründ werden zu wollen. Es handelt sich heute abermals um zwei Herausforderungen, die eine zwi­schen den Abgeordneten Napoleon Bonaparte und Hcc- ckeren, wegen eine Fragestellung des Vettern an Er- stern in der gestrigen Sitzung, die andere zwischen demselben Herrn Napoleon Bonaparte und Herrn Da- hirel, wegen einer Aeußerung des Letzter» in der heu­tigen Sitzung gegen die Schiffsgefangenen. Zum Kampf ist es jedoch bis heute Abend noch nicht gekommen. Der Antrag, die auf^Schiffen gefangen gehaltenen Insurgenten frei zu lagen, ist durch einen Mehrheits­beschluß von 419 gegen 183 Stimmen abgelehnt wor­den. Die Ernennung des Herrn v. Coreelles zum Staatsminister des öffentlichen Unterrichts an die Stelle des Herrn v. Fallour, wird immer wahrscheinlicher, gewiß ist sie indeß noch nicht. Nach den neuesten Briefen aus Rom, sind die im Vatikan zum Emp­fang des Papstes begonnenen Arbeiten plötzlich einge­stellt worden. Man will daraus folgern, daß Pius IX. jetzt noch nicht nach seiner Hauptstadt zuruckkehren werde. Durch Dekret vom 22. August bat die ar­gentinische Republik alle und jede Verbindungen mit Paraguay verboten, was auf dni öffentlichen Verkehr einen sehr nachtheiligen Einfluß ausgeübt hat Die Presse" will auf außerordentlichem Wege erfahren haben, daß Gen Narvaez am 23. d. M. zum zweiten­mal, nun aber definitiv seine Entlassung genommen habe.

V Wiesbaden, 29. Okt. (Schwurgerichts- Verhandlung) In der Sitzung vom 27. Oktbr. wurde die Ehefrau Sack wegenFälschung" und Betrug" fürSchuldig" erklärt, und zu einer 3wöchentlichen CorrektionshauS-Strafe verurteilt. Heute standen der Goldarbeiter Seel, und Filbach von Wiesbaden vor den Geschwornen, der Majestäts- Beleidigung angeklagt. Gegen Mittag wurde das auf N ich t-Schuldig" lautende Verdikt verkündet. Wäh­rend der Verhandlung ereignete sich der interessante Zwischenfall, daß der St.-Prok. Reichmann gegen den als Vertheidiger des Filbach auftretenden Ad­vokat von der Nahmer die Anklage erheben zu wollen erklärte, weil derselbe am Schluffe seiner Ver- theidigungs-Nedegesagt hatte,das Volk habe die Fürsten begnadigt." Vertheidiger des Seel war Prokurator Leisler.

Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.

(1131)

UNION

Billigste, schnellste und sicherste Reisegelegenheit nach Amerika über

ESottewhun, London «v Liverpool

Siegelst lässige wöchentliche Paketschifffahrt.

NeberfahrtspreiS: für einen Erwachsenen................fl. 75.

für ein Kind von ein bis zu zwölf Jahren....... . 57.

In diesem Preis ist der ganze Seeproviant (Schiffsbrod, Reis, Mehl, Fleisch je.) inbegriffen; ebenso die ganze Perköstigung und Logirung während deS Aufenthalts in Rotterdam, London und Liverpool, und die völlig kostenfreie Beförderung von 2 Eentner Gepäck.

Frankfurt a. M., den 15. Oktober 1849. Wilhelm Rieger,

Zeil, Eck der Schlimmen Mauer

(1008)

zwischen London «V New-York.

Die Spezial-Agentur der einzigen regelmäßigen Postschig-Linie, befördert durch ihre 16 großen, schönen dreimastigen, gekupferten, schneUsegelnden amerikanischen Postschiffe am (5., 13., 21. und 28. eines jeden Monats Auswanderer zu den billigsten Preisen. Das Nähere ertheilt auf portofreie Anfragen

Mainz, den 1. August 1849.

Cn. HH. Paulsen 9 Spezial-Agent in Mainz.

Ferner die Agenten desselben, Herren Gustav Nosalino Ls Comp. in Frankfurt a. M., Herr Gottfried KrauS in Biebrich, Herr Jacob Roth in Dillenburg, Herr Adolph Burbach in Diez, Herr Wilhelm Marx B. in Camberg, Herr Christ Wagner in St. Goarshausen.

(984) Soeben ist erschienen und in Wiesbaden durch die H. W. Ni tter'schc Buch­handlung zu beziehen:

Die Volkserhebung in Baden im Mai und Juni 1849, dargestellt von

Wilhelm Frey.

Preis 36 kr.

(1158) Der Wunsch.

Frage nicht, warum ich klage, ILuh' und Nast ist bei mir fort; Ad), nur Dir möcht' ich es sagen, Aut Dir und Niemand sonst ein Wort!

Zerrissen ist mein Herz in Stücken, In Feuer es zu brennen scheint, Sie allein können mich beglücken, Heine Andere ist es ach gemeint.

Ad) erhören Sie meine Bitten, He Indien Sie meine Wünsche nicht, O, sonst ist mein Herz zerschnitten, Hab keine Ruh' und Nast ja nicht!

L- Dir mich einen Blick nur gönnen, Erlaube mir, dich hold zu neunen.

Erwiederung.

(1160) Auf b.e an mich in Nr. 251 der Freien Zeitung" von Herrn H. zu N. uno Consorten ergangene Aufforderung Nr. 1145 erwiedere ich, daß dieselbe nur einen fortge­setzten Erpreffungsversuch enthalt, welcher schon vor längerer Zeit damit begann, daß mich meine genannten Schuldner zu einem Nach­lasse durch die Drohung zu nöthigen suchten, dap sie nur sonst durch Verunglimpfung mei­nes Rufes in öffentlichen Blättern mehr scha­den wollten, als der Gegenstand des begehr­ten Nachlasses für mich werth sei. Das Wahre an der mir zum Vormurr geinachten That­sache ist, daß ich für den Verseifter deS Inse­rats, welcher sich über Anstellung einer höchst merkwürigen Klage beschwert, überhaupt nie eine Klage angestellt, sondern nur in seinem und seiner Eonsorlen ausdrücklichem Auftrage ein Zeugenverhor zum ewigen Gedächtnisse habe erheben lagen, welchem ich nach dem Wunsche meiner Parthel und aus Rücksicht auf die Bedeutendheit des sich auf mehrere Tausend Gulden belaufenden StreitobjeetS persönlich beiwohnte, und daß mein hierdurch entstandenes Guthaben großtentheilö in Haa­ren Auslagen besteht, welche ich im Auftrage meiner Schuldner für Dieselben bestritten habe,

und durch deren mehrsähriche uncntgcldliche Crcditirung ich längst an Zinsen mehr einge­büßt habe, als mein unbedeutender Gebühren­gewinn beträgt.

Die Rechtmäßigkeit meiner Forderung kann ich natürlich eben so wenig in Zeitungsarti­keln darthun, als der Beweis des Gegentheils auf diesem Wege möglich ist

Auf dem allein möglichen Wege, nämlich > vor den zuständigen Gerichten (den H. Aem­tern zu Höchst und zu Ufingen) habe ich aber in mehreren deßfallS mit meinen Schuldnern geführten und zu meinen Gunsten ent­schiedenen Processen mein gutes Recht nach, gewiesen, und zugleich eine Bestrafung der mir bereits früher zugefügten Chrenkränkun- gen veranlaßt.

Auch eine Beschwerde meiner Gegner an das H. Hof- und AppcUationSgerlcht zu Usin- yen über mein Verfahren ist von dieser Be­hörde als ungegrünbet abgeschlagen worden.

Mit dieser Erklärung betrachte ich meiner Seits Diesen Gegenstand als erledigt, und werde fernere öffentliche Schmähungen nur durch Strafanträge bei den zuständigen Ge­richten erwiedern.

Wiesbaden, 24. October 1849.

A. Wilhelmi.

(1161) Friscye Austern per 100 Stück 3 st. bei

J. PA. Happ.

(1149) Feste und gut getrocknete Lohkuchen franco in'S HauS geliefert per Tausend 6 fl. bei August Her; im Nerothal.

NB Bestellungen können in der Expedition dieses Blattes gemacht werden.

i (1153) Auf ein Haus in der Langgaffe werden 9000 fl. als erste Hypothek gesucht. Näheres in der Expedition d. Bl.

(1157) 18002000 fl. und 2000 fl. sind gegen doppelt gerichtliche Sicherheit in'S hiesige Amt sogleich zu verleihen. Wo? sagt die Expedition d. Bl.

Druj und^V,lag tit 4. «ittfiW»« Buchdrucker««.