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läng des Dr. Jacoby hat die Polizei in keiner Weise mitgewirkt und beschränkte sich ihre ganze Thä­tigkeit auf den erfolglosen Versuch, ihn schon am 19. in der Stadt zu amtiren , zu welchem Zwecke die Dienstboten seines Hauses darüber befragt sein sollen, ob sie beschwören könnten, daß Dr. Jacoby noch nicht in der Stadt sei? Ein merkwürdiges Zeichen der Zeit und der Gesinnung des Volkes bleibt, daß Dr Jacoby seine Reise bis hierher unangehalten fortfetzen konnte, ungeachtet auf jeder Station ein Ver- haftobefehl gegen ihn vorlag, er sich an mehreren Orten längere Zeit aufhielt u. er - zumal in der Provinz - von einer großen Anzahl von Personen gekannt ist. Wie im Jahre 1807 Bernadotte an Napoleon berichtete, daß er in Ostpreußen keine Spione finden könne; wie es vor der März-Revolution eine lange Zeit sehr schwer hielt, die Stelle eines Censors in Königsberg zu besetzen, so gibt cs auch im Jahre 1849 bei uns keine Denunzianten, die der Polizei zu dem Ruhme verhelfen, einen politisch Angeklagten, der fich freiwil­lig seinem Richter gestellt, mit Aufsehen und Eclat zu verhaften.

Hannover, 20. Okt. (Wes-Z.) Die Warnung an die Lehrer, sich von allen, der Regierung nicht ge­nehmen Bestrebungen in öffentlichen Angelegenheiten fern zu halten, ist durch die Konsistorien an die Pfar­rer und von diesen an die Volköschullehrer gelangt. Den Lehrern der Gymnasien, deren vorgesetzte Behörde das Oberschulkollegium ist, ist dieses Warnungsschrei­ben noch nicht mitgetheilt. - Außer dieser Warnung hat das Ministerium Stüve seit seinem Bestehen noch sehr wenig für das Volksschulwesen gethan. Den vo­rigen Ständen wurde ein Gesetzentwurf über dasselbe vorgelegt, aber er ist, wie so manches Andere, eben nichts als ein Entwurf geblieben. Dann find vorläu­fige Zuschüsse im Belauf von etwa 10,000 Thlr. un­ter die schlechtbesoldeten Schullehrer vertheilt, aber mehr aus Berichte von Pfarrern hin, als nach bestimm- ten Grundsätzen. Wie aber die Lage der Schullehrer, mit Ausnahme der Provinz Osnabrück und Ostfries- lands, wo die Gemeinden Manches gethan haben, ist, geht aus der Thatsache hervor, daß viele von ihnen noch die sogenannten Reihetische haben, das heißt, der Reihe nach bei den Eltern der schulpflichtigen Kinder zu Mittag essen müssen, oft auch bei den ärmsten Tag­löhnern, die kaum Vas Nöthigste für ihre Familien er­werben können. Ein Schullehrer in einem lünebur- gischen Dorfe bekommt neben seinem Reihetische den Jahrgehalt von 3 Thlr. 18 ggr., viele haben neben den Reihetischen jährlich 17 Thlr Gehalt!

Es wird erzählt, die mecklenburgischen Länder und Oldenburg hätten sich mit enormen Forderungen ge­gen Hannover, man spricht von vielen Millionen, die sich aus dem dreißigjährigen Kriege her schreiben, an das Bundesschiedsgericht gewandt und die hannoversche Regierung sei von Erfurt aus zur Vernehmlassung über diese Forderungen aufgefordert. (? ?)

Kassel, 23. Okt. (K. Z.) Heute trat nach bei­nahe dreimonatlicher Vertagung die Ständeversammlung wieder in Thätigkeit.

Stuttgarts 23. Oktober. (K. Z.) Bei dem ge­stern gemeldeten Auftritte Duvernoy's und wahrschein­lich auch Goppelt's und Rüpplin's ist man da Römer gegenwärtig weder ein neues Ministerium wird bilden können, noch hierzu wird ermächtigt werden, ziemlich allgemein geneigt, dem umlaufenden Gerüchte, von einem in aller Kürze bevorstehenden Ministerium Schlayer, mit den Staatsräthen v. Linden und Spittler-Wächter, Glauben zu schenken. Für die Finanzen wird Staatsminister Herd eg gen, für das , Kriegsministerium Oberst Bauer genannt. Seit sei- 1 ner Rückkehr von Frankfurt soll Römer über den Drei- Königsbund andere Ansichten als bis dahin äußern, so daß er nach dem Ausscheiden aus dem Ministerium sich mit Staatsminister Duvernoy wieder vereinigt und freilich dann in der Opposition sich befinden dürfte.

Jung, die jum Gespött der Nationen herabsinkeii wird, ( sollten wir uns betheiligen? Nein! Wir wollen nicht , zu denen gehören, von welchen ein außerhald unserer Partei stehender Ehrenmann mit Recht sagen kann: : sie haben ihre eigene Ehre mit Füßen getreten." Wir ' wenigstens wollen festhalten an der Verfassung der , von uns gemähten deutschen Reichsversammlung; wir , haben sie feierlich anerkannt und wollen den uns selbst j geleisteten Schwur nicht brechen; wir haben keine Ge­walt sie durchzuführen, aber sie ist die Verfassung der deutschen Zukunft; sie ist für uns, was für die spani­schen Liberalen die Versagung von 1812 war. Laßt sie in der Festung Erfurt zusammentreten und nicht nur ein Klein-Deutschland, sondern ein Minimum von Deutschland gründen, ihr Bau wird ebenso wenig Be­stand haben in Deutschland, wie die revidirte Verfas­sung in Preußen. Noch ehe sie zu bauen anfangen, sorgen sie klüglich schon für's Niederreißen. Die neue Centralgewalt, die Bundeskommission, welche die Män­ner des vormärzlichen Systems in sich aufnimmt, wird uns den alten Bundestag nicht vermissen lassen. Sie ist freilich nur ein Provisorium bis zum 1. Mai 1850, ober wir kennen diese Art von Provisorien; die Karls­bader Beschlüsse führten im Jahre 1819 provisorisch die Censur auf 5 Jahre ein, und sie hat provisorisch bestanden bis zum Jahre 1848. Die Bundeskommls- ßon wird dem alten Bundestage nicht nachstehen wol­len und uns mit ähnlichen Provisorien beglücken; der Reichstag aber wird der gehorsame Diener derselben sein.

Berlin, 21. Oktober. Man spricht hier viel von einem Separatbündniß, welches zwischen Bayern, Wnr- temberg und Hannover abgeschlossen worden sein soll, und das bezweckt, durch eine enge Verbindung dieser mittleren Staaten ein Gegengewicht gegen Oesterreich und Preußen zu schaffen. Die Idee zu diesem Sepa- ratbündmß soll in dem Kopfe des Hrn. Römer ent­sprungen sein und zunächst bei Hrn. Stüve eine gute Aufnahme gefundn, haben. Bayern soll in Rück­sicht auf sein enges und zartes Verhältniß zu Oester­reich lange gezögert haben, auf die derartige Propo­sitionen Würtembergs, denen man in Hannover ein williges Ohr lieh, einzugehen. Endlich aber soll man auch in München auf weitere Rücksichtsnahme verzich­tet haben und auf einen Plan eingegangen sein, der Bayern, als dem mächtigsten Gliede des Separatbundes, wenn dieser anders den beiden Großmächten gegenüber selbst eine Rolle spielen sollte, einen Einfluß auf die Ver- oder Entwickelung der deutschen Angelegenheit verspricht, wie es ihn gerne seiner bisher eingebildeten Stellung als dritte deutsche Macht ausgeübt hätte. Dieses Se­paratbündniß, das, wie unser Gewährsmann versichert, durch feierliche Vertrage verbrieft sein soll, verheißt allerdings, die Selbstständigkeit der Königreiche in be­ster Form zu sichern; aber es verspricht leider auch neue Verwickelungeu und eine Zerfahrenheit der deut­schen Verhältnisse. Die preußisch-deutsche Politik findet hier einen sie mit ihren eigenen Waffen bekämpfenden Gegner. Wird sie ihm zu begegnen wissen? Sachsen soll bis jetzt mehrfachen Aufforderungen, dem in Rede stehenden Bündnisse beizutreten, nicht nachgekommen sein; es spricht von seinen Verpflichtungen der preuß. Regierung gegenüber. Wird aber diese Dankbarkeit lange stichhaltig sein? Man hat zu viel Beweise von Jmpietät, als daß man in politischen Dingen sich auf die Pietät allein verlassen könnte! (RH.-u.-M.-Z.)

Königsberg, 20. Oktober. Heute Mittag um 1 Uhr meldete sich, unter Voraufführung des hiesigen Stadtraths Meyerowitz, vi.J. Jakoby persönlich auf dem hiesigen Stadtgericht bei dem Direktor Fischer, welcher ihn unverzüglich in das Kriminal -Gerichts- Gefängniß abführen ließ. (D. R.)

Königsberg, ,22. Okt. (Nat.-Z.) Ueber die frei­willige Stellung I a c o b y' s bemerkt heute die von H. v. Hasenkainp redigirteStaats- Kriegs und Frie­dens-Zeitung"! Bei der durchaus freiwilligen Gestel-

Wien, 21. Oktober. (K. Z.) Radetzky hat heute seine Rückreise nach der Lombardei angetreten. Gorcz- kowski, General der (Kavallerie und Gouverneur von Venedig, wird Festuugs-Commandant von Ollmütz, auf welchen Wasseuplatz man besonderen Werth zu legen scheint. Der Commandirende in Prag, Graf K^evenhüller, avancirt zum Feldzeugmeister, Nugent zum Feldmarschall, Puchner geht nach Venedig, Wra- tislaw nach Wien. Baron d'Aspre kommt mit dem zweiten Armee-Corps nach Piacenza, Graf Wimpffen kommt als Gouverneur des Küstenlandes nach Triest, Graf Clam-Gallas ist als Commandant nach Wien berufen, Haynau ist auf längere Zeit beurlaubt. Außer diesen Versetzungen in der Armee gibt es nur noch Ein, freilich desto wunderbareres Ereigniß, Hurt ter ist ausgewiesen; man sagt, wegen geheimer Um­triebe gegen hochgestellte Personen (Jellachich) im Ein- verständniß mit Metter n ich.

Wien, 21. Okt. (N.D.Z.) Die Anwesenheit des Herzogs von Nemours in unserer Stadt, macht unter den gegenwärtigen Umständen großes Aufsehen und man ist allgemein der Anficht, daß der angebliche Zweck desselben, die Güter der Familie Koburg-Kohary, der er durch Heirath nahe steht, in Ungarn und Oest­reich in Augenschein zu nehmen, nur der Aushänge- schilv ist, welcher politische Abfichten verbergen soll. Man vermuthet nämlich, daß es sich um eine schließ- liche Ausgleichung und Versöhnung zwischen dem äl­tern und jüngeren Zweige der Bourbonen durch Ver­mittelung der Habsburger handle und daß man hier die Bedingungen feftfe^en wolle, unter welchen man zur Zufriedenheit der Henriquinqisten und der Orlea- nisteu bei einer voraussichtlichen Restauration in Frank­reich das legitime Herrschergeschlecht wieder in sein Recht einten könne. Man erinnert sich dabei, daß der Herzogs von Nemours stets als derjenige von Louis Philipps Söhnen betrachtet wurde, welcher die größte Hinneigung zu der älteren Linie und zn dein Prinzip der Legitimität verrieth und dadurch besonders bei den Franzosen unpopulär wurde. Es ist deßhalb leicht möglich, daß an der Sache etwas Wahres ist, und daß man ihn ausersehen, der durch Neigung, Charakter und Ueberzeugung seinem Vetter am Nächsten steht, diese Annäherung und Versöhnung zu vermitteln. Und Louis Napoleon? Wird Oesterreich ihn den Bourbonen preisgeben? Sagt doch heute selbst ein hiesiges Blatt nicht ohne eine Beimischung von Bosheit:Seit der Herrschaft der Pompadour hat nie vielleicht sich ein französisches Gouvernement gefälliger gegen Oester­reich gezeigt, als das Ministerium des Präsidenten, Herrn Louis Napoleon's." Aber in der Politik gilt keine Dankbarkeit, und gerade deßhalb, weil der Napo- leonide in allen Stücken der habsburgischen Politik nachgegeben, wird er von derselben, sobald sich die Gelegenheit bietet, je eher je lieber, über Bord ge­worfen werden.

Wien, 21. Oktober. (Nation. Ztg.) Sie kennen den alten Hofrath Friedrich Hurter? Hätten Sie dem dreifachen Renegaten zugemuthet, daß er sich jemals an die Spitze eines Komplottes stellen würde? Gewiß I nicht! Und dennoch ist es nun so gekommen. In Folge ! des mißglückten Metternich'schen Putsches gegen Pal­merston, ist eine sehr verfängliche Korrespondenz in die Hände des brittischen Premier gelangt, und von diesem großmüthig an die österreichische Regierung übermittelt worden. Man erzählt sich, die beanstandete Korrespondenz sei zwischen Metternich und Hurter ge­führt worden, und habe zum Zwecke gehabt, den Ein- i Kuß des kroatischen Anführers bei Hofe zu brechen, j Gewiegte, mächtige Männer seien diesem Plane beige- i treten, welchen Metternich mittelbar durch Hurter lei­tete, und den nun Palmerston's glückliche Inspiration ; zu Wasser gemacht hat. Hurter ist ausgewiesen. : Man will sogar missen , die Regierung habe den Hi­storiographen mittelst Zwangspaß und in polizeilicher Begleitung über die Grenze geschickt. Der berüchtigte

Sckwmbourgk, so werthvolle Beiträge geliefert, febiffte hinüber nach der Perle ter Antillen, nach Cuba, dann zurück nach dem Festlande, auf welchem er durch das Thal der Magdalena bis zum Tafeltande der Corbillercn hinaufstieg. So durchforschte er die majestätischen Ein- vcen von Quito, fchiffle der Küste des stillen Weltmeeres entlang, er hat die untergegangene Welt des Staates der Inka uns in lebensvollen Gemälden und treuen Ab­bildungen heraufgezaubert, Mexiko durchzogen und in classischer Weise beschrieben, und ist dann von den ver­einigten Staaten aus nach Europa zurückgekehrt. Während er aber seine Werke über die neue Welt theils heraus- gab, theils vorbereitete, ward ihm 1829 der Ruf, in Begleitung von Rose und Ehrenberg, Norbasien zu bereifen, und so besuchte er, schon sechszig Jahre alt, Sibirien und den Altai.

Humboldt's großes Reisewerk über Amerika umfaßt in der großen Ausgabe 17 Bände in Folio und 11 Bände in Quart, es handelt über Pfianzcngevgraphie, Zoologie und vergleichende Anatomie, Astronomie und Gevguosie, es gibt ein phisikalisches Gemälde der Tropen- läudex, und behandelt insbesondere auch ihre Klimatolo­gie. Es bringt Ansichten der Kordilleren und schildert die altpcxuanischen Denkmäler; bringt eine politische Schilderung des damaligen Mexiko und Cuba's und schließt ab mit einer allgemeinen Schilderung der Reise, die in der Wissenschaft Epoche macht und, wenn wir so

sagen dürfen, den Ausgangspunkt einer neuenSchule der Rciscbeschreibuug" bildet, die gerade in Deutschland ihre würdigsten Vertreter gefunden hat, z. B. Spix und Martius, Poppig, Schvmbnrgk. Meyen, Erman, Ehren­berg, Rofe, Eichenwald und so viele andere mehr.

Die asiatische Reise hat Humboldt in den Bruch­stücken über die Klimatologie Asiens geschildert, dann aber ein Meisterwerk geschichtlicher Forschung geschrieben, diekritischen Untersuchungen über die historische Ent- ivickelung der geographischen Kenntnisse von der neuen Welt und die Fortschritte der nautischen Astronomie im fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert," ein Buch, dem wir, so weit unsere literarische Kunde reicht, kein anderes von so umfassender Erudition an die Seite zu fetzen wüßten. Wir finden in der deutschen Ausgabe desselben, die Bemerkung, daß ein Exemplar der ganzen Sammlnng von Humboldt's Werken über Amerika in der großen Ausgabe jetzt über 10,000 Franken kostet, doppelt so viel als die berühmte Description de l'Egypte für deren Herausgabe die französische Regierung drei Millionen Franken verschon, während Humboldt's Reisewerk, obwohl allein die (1300) Kupfertafeln, Druck und Papier 840,000 Franken oder 42,000 Friedrichsd'or kosteten, allein durch die Gunst des Publikums zur Vol­lendung geführt wurde.

In einem Alter von 74 Jahren, da andere Greise ausruhen, begann Humboldt sein letztes Werk, den

Kosmos, Entwurf einer physischen Weltbeschecibung, der nun vollendet ist, am späten Abend eines vielbewegten Vebens, ein Wc>k, dessen Umrisse dem Verfasser fast ein halbes Jal» hundert lang vor der Seele schwebten. Er wollte darlegcn, wie er alles Geschaffene im Erd- und Himmelsraum in den Begriff einer physischen Well- beschreibung gefaßt habe.

Mit diesem gleichfalls einzig in der Literatur da­stehenden Werke, das in die Sprache aller gebildeten Völker übersetzt worden ist, will der gewaltige Geist seine ehrenvolle wissenschaftliche Laufbahn beschließen. Er ist, wir wiederholen es, sein Leben lang ein glück­licher Mann gewesen; unb so günstig war das Geschick gegen ihn, daß es ihm einen Bruder verlieh, der in anderen Geisteskreisen fast eben so bedeutend und in manchen Beziehungen sogar hervorragender war, als er selbst. Beide Brüder, Alexander und Wilhelm, durch das innigste Freundschaftsband verknüpft, hellstrahlende Dioskuren, haben einander vortrefflich ergänzt. Alexander hat jenen überdauert, aber die Namen beider Heroen der Wisseufchaften sind für alle Zeiten von einander un­zertrennlich. Sie bilden leuchtende Sterne im Strahlen­kränze deutscher Wissenschaft, und haben den Ruhm des deutschen Namens über alle Welt verbreitet.