„âeihett »nd Ueeht!«
Wiesbaden. Mittwoch, 2üL. Oktober
1859.
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V Gestern — heute — morgen!
Gestern — heute: Vergangenheit - Gegenwart sind die zwei nothwendigen und die einzigen Faktoren woraus das Produkt „morgen" entsteht, mit andern Worten, welche die Zukunft, und namentlich das Wesen und den Charakter derselben bedingen. Ihre Kenntniß und Würdigung ist darum dem Staatsmanne der selbstthätig und einflußreich in das Werdende einareift
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gekittet, Rußland und England freuen sich gleich sehr telstandes ob der gescheiterten Revolution, hauptsächlich der Der Kna »eivttlvallg unv elnssupreily in vas Werdende eingreift, , gescheiterten Reform Deutschlands; jenes hat dadurch ebenso nothwendig, als dem Kritiker, der sich begnügt, ! freies Spiel für seine absolutistische Politik bekommen, das Gewordene zu beleuchten und zu beurtheilen, um dieses für seine gelbsüchtigen Spekulationen, ^und immer daraus eineZukuuft zu folgern. Nie aber konnte man dichter schlingt es, wie die mordsüchtige Spinne, sein das Wort Louis Blauc's mit scheinbar größerem Netz um sein Opfer, hauptsächlich um Europa, daS Rechte anwenden: „Die Zukunft Eurova's ist in ein '
Rechte anwenden: „Die Zukunft Europa's ist in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt," als heute, und doch
unvura-ormgucyes ^unre, geyuur," ais Deute, und doch । die beutine ^ — '—)', *• u
wiederum hat sich nie der Charakter einer kommenden ' beberrfa? S ^stürzt, denn die Bourgeoisie Zeit schon in der Gegenwart klarer und bestimmter ' qeoiue [L Xnr^1 ^utzu age und Englands Bour- ausgeprägt, nie hat sich eine Zeit mehr ihr Schicksal chren Sklèn^^" ^^ 'narkt d.e aller Länder zu selbst bestimmt, als die unsre. Hinter uns und kaum ' stimme ?' L JU Proletariern gemacht^ So hinter uns liegt eine Revolution, die man zu Zeiten : hmagruf- 2015? ^am\ ^°U 111 ^^" Derzweif- ^.»wo.*.,// „. e*ai»M k-ti.k^ i '""9^us. Alles verloren!
eine „glorreiche" zu schelten beliebte, aus der uns heute
c,ne „glorrelcye- zu fagelcen velievre, aus der uns beute . .......
jedoch nur einzelne, bis jetzt unzerstörbare Trümmer und mehr 'r^ '""'«n "'", wir hoffen viel
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das verlegne Streben Derer, gegen welche dieselbe gerichtet, sie selbst formell und in der Erinnerung aus- zumärzen, geblieben sind. Eine allgemeinere Erhebung kennt die Geschichte nicht. Frankreich, Italien, Polen, Deutschland, Ungarn, das Heldenmüthige Ungarn standen im Kampfe gegen die dem Zeitgeiste widersprechenden, darum moralisch unmöglich gewor- denen Schranken aus alten Tagen. Alle diese Völker sind heute geschlagen.
In Frankreich sucht ein kopfloser Präsident seine Mitbürger vergessen zu machen, daß sie Köpfe haben; in Italien hat ein dynastischer Feldherr im Bunde mit innerem Verrathe die Stimmen, Die laut nach Einheit und Freiheit riefen, einstweilen stumm gemacht; Polen hofft wieder und immer nur von der Zukunft; Deutsch- land ist abermals in seiner 30- und mehrfarbigen Livree zum Spotte der Nationen geworden, — und Ungarn, das stolze Ungarn, das durch seine Helden- müthige Größe und Tapferkeit ip^ durch seinen Kos- suth, einen klaren und energischen Revolutionär, wie ihn seit Ziöka und Münzer die Welt nimmer größer gesehen, auch dem nüchternsten Verstände Bewunderung, seinen Feinden Achtung so groß wie ihr Haß abzwang, und dadurch eine geraume Zeit der Hoffnungsanker der europäischen Freiheit geworden war, ist durch die politische Mittelmäßigkeit und den aus dieser und einer gemeinen Eifersucht entspringenden Judaskuß eines seiner Söhne, dem es am meisten vertraute, zur großen Richtstätte für eine blutgierige Hyäne geworden; seine edelsten Söhne bluten, und der moderne Judas genießt die 30 Silberlinge, ohne den Muth zu haben, wie der alte Verrather, seiner Schmach ein Ende zu machen.
So ist denn eine vollständige Nestaurationszeit mit allen ihren düstern Schrecknissen über Europa hereingebrochen, deren Dunkelheit nur durch hellflammende
rothe Blutlachen unterbri^ ■ wird. Oestreich, diese unnatürliche, schwerfällige Macht, die wie ein Bleigewicht an der europäischen Entwicklung hängt, hat einstweilen seinen noch jüngst unvermeidlich scheinenden Bankerott eine Zeit lang znrückgeschoben und I die weitklaffenden Spalten seines Baues mit Blut aus-
eher nicht wirklich frei wird, als bis die stol
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und behaupten trotz alle dein:
einem Jahre,
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; ! trägt den Keim ihrer Selbst Vernichtung in sich. Wir haben eine Revolution gehabt, sie ist äußerlich vernichtet; aber sie ist eine Revolution der Idee geblieben, und als solche wird sie durch die aus dem allgemeinen Schiffbruch geretteten Rechte der freien Presse und Vereinigung ansgebeutet. Mögen auch diese letzten Trümmer, wld wir zweifeln kaum daran, im Laufe der Zeiten bkschnitten oder noch etwas mehr werden, so haben sie gerade lang genug bestanden, um dem Volke die Größe seines Verlustes fühlbar zu machen. Wir behaupten darum, und wiederholen es steter Die Idee ist die Todfeindin unserer c 0 n t r e r e v 0 l u t i 0 n a r e n Zeit.
Die heutigen Gewalthaber triumphiren über die ! Wahrheit der Idee durch die physische Gewalt. Diese , kostet Geld. Der Mittelstand wird dadurch immer 1 ärmer und am Ende die Reisen der besitzlosen Proletarier füllen, die Bourgeoisie aber, die heute noch in I unseliger Verblendung ihren Rettern aus tausend Nö- . then, vor Allem vor dem „gottlosen Comunismus", die ! Sohle küßt, die sie dafür mit gnädigsten Fußtritten : ^v una traktirt, wird, zur Erkenntniß kommend, den Glauben hat sich, wie wir von eii an die Nothwendigkeit ihrer -eute verehrten russischen seine politischen Ansichten Hilfe verlieren. Uebermüthsser Reichthum und ma- lenden Freunde wissen, L^my um oer Anfrage an ' terielle Noth werden sich 913011 gemeinschaftlich ver- denselben gewandt, ob man wohl seiner Rückkehr nach I haßte Gegner verkünden. Bor diesen Verbündeten Nassau, wo er ein Gut in ^aisa.-n-hm ^»«o i»;..»—
! aber werden die heute siegreiöen Bajounete erstumpfen. lich sein werde?
Das Volk wird inoessen nah dem Siege eine andere Betheiligung an den Früchte, desselben beanspruchen, als bisher, da es ihm genug war, von den Großmächten in jeder Weise mißlraucht zu werden. Die wachsende materielle )oth ist die Todfeindin unserer c 0 n t r e r e v ol u t i 0 n ä r e n Zeit.
i Die Contrerevolution odr die Restauration geht
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rasch. Sie begleitet ihren Schritt mit Blut, dein Volke theurem Blute ihrer Feinde. Die Brigittenau, Rastatt, Pesth, Arad und wie die Richtstätten alle heißen, sind die Golgatha unserer Zeit. Das Volk scheint starr, theilnahmlos, — es ist nicht. Zu diesen Stätten steigt heute mancher Seufzer des ohnmächtigen Mittelstandes, aber auch mancher heiße Racheschwur aus. Der Knabe Robert Blum's soll eine Proskriptionsliste derjenigen aufgestellt haben, von denen er Sühne, vielleicht blutige Sühne für seinen gemordeten Vater verlangen will. Die israelitischen Knaben begleiten die Gabe für die badischen Flüchtlinge mit dem Motto: „Einst werden wir Euch rächen." Was heißt das? Der Kinder Mund spricht Wahrheit, wenn auch schrecklichen Wahrheit. Rache heißt der dritte Feind der heutigen absoluten Gewalthaber und der durch sie gewaltsam begründeten traurigen Zeit.
Wir wiederholen es: die Idee, für die ein Blum und Trützschler, Jellineck, Messenhauser, Bathyany und die übrigen ungarischen Helden nebst den Junikämpfern in den Tod ging, wofür die Edelsten aller Völker im Gefängniß und Eril schmachten; die materielle Noth, welche den größten Tycil der Völker am Hungertuche nagen läßt. Die Rache, die einst die Manen aller erschlagenen Freiheitskämpfer heraufbeschwören wird, — sind die drei bösen Dämonen unserer bösen Zeit, welche alle Zauberkünste der heutigen Diplomaten und Staatsmänner nicht zu bannen vermögen ; sie sind_ die feste Garantie für ihren Sturz und — eine bessere Zukunft! —
■fr St. Goarshausen, 21. Oktober. Mehrere hiesige, größtentheils protestantische Einwohner beabsichtigen eine freichristliche Gemeinde zu bilden.
Aus Niedersachsen, 18. Oktober. Die „Deutsche Reform" läßt sich vom badischen Oberrhein schreiben: „der alte Herr v. Jtzstein, der sich jetzt in Straßburg aufhält, wühle dort weiter und trachte danach, eine neue Erhebung vorzubereiten." Wir glauben dieser Angabe widersprechen zu können. Herr v. Jtzstein f^1- ^ wie wir von einem seiner persönlichen, aber
hTrh™ Ansichten und Bestrebungen nicht theilenden Freunde wissen, kürzlich mit der Anfrage an denselben aem-mbt .xs» .........." r '
wo er ein Gut in Hallgarten besitzt, hinder- wrbe? Die nassauische Regierung soll erklärt haben, sie selbst werde direkt nicht einschreiten, wisse aber nicht, welcherlei Reklamationen aus Baden erfolgen würben. Es ist richtig, daß Hr. v. Jtzstein, ein schlauer Mann, sich immer zu decken gewußt, so daß seine politischen Gegner ihm nichts anhaben konnten. Er ist viel zu klug, um jetzt auf eine Erhebung zu denken. Wenn die „Deutsche Reform" behauptet,
Der unschuldige Galeerensclave.
(Aus der „Allgemeine Mvden-Zeitung".)
(Sortierung.)
IX.
Drei Monate darauf, an seinem traurigen Winterabende , trat der Doktor Mallet in das Haus des Herrn Gorsaz, das er seit der Rückkehr van Bordeaux täglich besuchte. Ohne nach dein Alten zu fragen, begab er sich sogleich in das Zimmer Luciens hinauf, deren beunruhigender Zustand eine höchst aufmerksame Behandlung erforderte. Er öffnete vorsichtig die Thüre des Schlafzimmers und trat an das Bett der jungen Frau, welche in einem todtähnlichen Schlafe zu liegen schien. Er nahm ihren Arm, ohne daß |te erwachte, um den Puls zu fühlen; dann strich er mit unruhiger Hand über ihre Stirn, die er glühend heiß fand wie den Alabaster einer Tag und Nacht brennenden Lampe.
„DaS Fieber nimmt zu und das Gehirn wird mehr und mehr ergriffen," sagte er mit bekümmerter Miene vor sich hin.
Der Doktor betrachtete eine Zeit lang mit schmerzlichem Mitleiden das leidende Wesen, dessen Leben er wohl zu retten hoffte, nicht aber den Verstand.
„Gewiß ist ihr seit gestern etwas geschehen," sagte er dann leise zn einer bejahrten Wartefrau, die am
Kamine stand und die Besehe des Arztes zu erwarten schien.
— „Ich habe schon viel Kranke gepflegt," antwortete die Wärterin, inbemsie die Augen zum Himmel hob, „aber noch nichts glei) dem gesehen, was hier vergeht. Zuerst stand Madan? in der Nacht im Schlafe auf, wie das oft geschieht, iesmal wollte sie sich aber durch das Fenster hinunlersirzen. Sie hatte bereits das Fenster geöffnet und warin dasselbe hinaufgrstiegcn, als ich sie noch glücklich erglff."
„Sie schliefen also?" fräse Mallet unwillig.
— „Es wäre kein Wuntr, — man ist ja nicht von Eisen —, wenn mir evas Schlaf in die Augen gekommen wäre. Zum Glückhabe ich eine derbe Faust sonst brauchte die arme Daie jetzt keinen Arzt mehr. Aber das ist noch nichts; dies. Morgen kam eine schöne Geschichte vor."
„Ist Herr Gorsaz vielleich heraufgekomnien ?" fragte der Doctor schnell.
— „Sie haben es errathen Madame bekam sogleich Krämpfe, die über zwei Stund« dauerten. Wir konnten sie kaum unser vier erhalten. Zlls sie endlich keine Kraft mehr hatte, schlief sie vor Erschöpfung ein, aber ich glaube, dieser Schlaf bedeutet «ichts Gutes."
Die Erzählung der Krankcwârterin wurde durch ein schwaches Geräusch untcrbroâ, indem die Thüre leise aufging. Der Arzt drehcte st schnell um und sah den
Herrn Gorsaz an der Schwelle stehen. Mallet eilte so- 1 gleich dahin uud trieb ihn in das andere Zimmer.
„Sie sollen nicht hier hereinkommen!" sagte er mit ’ gebieterischer Stimme zu ihm; „schon diesen Morgen haben Sie sich meine Abwesenheit zu Nutze gemacht; jetzt müssen Sie mir gehorchen. Was wollen Sie hier? Wollen S«e die arme Frau vollends umbringen?"
— „Sie schläft;" antwortete der Alte mit dcmüthi- ger Stimme. „Ich bitte Sie. Doctor, lassen Sie mich hinein. Was fürchten Sie? Sie schläft; sie wird mich nicht sehen."
„wincu Sie würde, rachen."
Sie nicht, daß sie im Schlafe sieht? ob sie gleich schläft, Ihre Anwesenheit er-
— „Ach wenn ich Sie nur einen einzigen Augenblick sehen könnte!" siel Herr Gorsaz ein. „Diesen Morgen konnte ich nur einen flüchtigen Blick auf sie werfen und Sie haben mich nun so lange von ihr fern gehalten. Soll ich sie denn gar nicht wieder sehen?"
(Fortsetzung folgt.)
Adolph von Trützschler.
Die standrechtliche Hinrichtung Trüyswler's, schreibt dem „Leuchlthurm", ein Jugendfreund des Gemordeten, hat einen tiefen, nie verlöschenden Eindruck auf mich gemacht, um so tiefer, als er mein Jugendfreund war und