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Freiheit und NeeSt!"

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Wiesbaden. Dienstag, 23. Oktober

DteFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme : ---------- --------^ ----------------------------

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meindc zu Diez und Freiendiez an die protestantische Gemeinde zu Langenbach.

Wie einst die Apostel, erfüllt vom Bewußtsein ih­rer hohen Sendung, überallhin, wo der Keim der jungen christlichen Lehre eine nahrungsvolle Erde ge­funden, ihre die innersten Geheimnisse der christlichen Religion verkündeten Briefe gesandt hatten, so drängt es auch uns jetzt, in dieser Zeit voll hoher seliger Er­wartungen, Da durch Aller Herzen ein süßes Zittern ob der Ahnung der erwachenden Freiheit Der Völker geht, ein Wort an Euch, Die Genossen unsrer Gesin­nung, die Mitkämpfer jener ersehnten Zukunft, zu rich­ten/ Ist es auch nicht Der Geist des Stifters Der christlichen Religion, welcher, wie er die Worte der Apostel in gottgeweihte Flammen taucht, aus unserm Munde redet, so ist es doch, wie wir glauben, ein Funken von der flammenden Liebebrust des Heilands, deren Schlage wir gelauscht und dessen Lehre wir ver­standen zu haben meinen, wenn uns die Freiheit und Brüderlichkeit Der Nationen als ersehnter Stern un­sers Wirkens entgegenleuchtet. Der Drang, der nie besiegbare Drang des Herzens, zu säen und zu ver­künden, was es als das Höchste und Heiligste empfun­den, hat auch uns getrieben, einer Gemeinde uns mit- zutheilen, die wir schon lange als im Geiste mit uns vereint betrachtet haben.

Fast zwei volle Jahrtausende sind es, da beinahe die ganze europäische Menschheit in das Joch einer einzigen Nation geschmiedet war. Die Willkübr rich­tete über daS Leben der Einzelnen, und wo ein Volk cs wagte, Der heimischen Freiheit Altäre wieder aufzu­richten , Da stürzte es die Kraft der römischen Heere von Neuem in Die alte Knechtschaft. Wehmuth unv Trauer überschlich das Leben der Nationen und balv schien Allen die Erde nur ein Thal des Jammers zu sein. Der Schmerz, die Trostlosigkeit war allgemein. Da ward aus Dem Volke, das sich bisher für das auserwählte gehalten, und das jetzt in Der doppelten Fessel der römischen Weltherrschaft und des eignen Priesterthums seufzte, der Messias geboren. Doch der war nicht gekommen, wie jenes erwartete, Judäa über die andern Völker wieder cmporzuhcben: er kam nur, um alle Völker von den Krallen eines Herrschsüchtigen Priesterthums zu erlösen, um alle frei zu machen von Lüge, Wahn und Aberglauben, um Alle zu trösten für die Qual der Knechtschaft, um Die Gleichheit Al­ler durch das Licht der reinen ungetrübten Menschen­liebe zu verkünden. Die römische Zwingburg sank zu­sammen, die heidnischen Götzen schwanden, Die jüdischen Pharisäer wichen Den acht menschlichen Verkündern des Christenthums. Doch es dauerte nicht allzulange, und wo kurz vorher Die Priester uoch brüderlich mit dem Volke vereint waren, und für das Volk und mit dem Volke lebten und litten, da erhob sich über das Volk

Der unschuldige Galeerensclave.

(AuS derAllgemeine Mvdeu-Zcitung".)

(Fortfcyung.)

Ich bin hier erschienen als eine geachtete Frau und werde verachtet fortgehen," sprach sie cnDlicb mit veränderter aber heller Stimme.Aber die Wahl zwischen meiner Ehre und seinem Leben kann nicht schwer sein. Arthur von Aubian ist fett zehn Monaten mein Ge­liebter ... Arthur von Aubian ist mein Geliebter," wiederholte sie mit unglaublicher Energie, indem sie durch eine gebieterische Geberde das Gemurmel dämpfte, das ihren Worten folgte;seit zehn Monaten hat er mich oft des Nachts in meinem Zimmer besucht. Als das Verbrechen geschah, erwartete ich ihn. Man hat ihn in dem Park gefunden, weil er zu mir kommen wollte, und weil es keinen andern Weg gab. Arthur ist mein Geliebter, ich wiederhole es. Wer wird noch zu behaup­ten wagen, er sei ein Mörder?"

Ich," entgegnete Gorsaz, indem er zornglühend aufstand.

Du lügst,« rief ihm Lucie zu, deren Blick den alten Mann niederzuschmettern schien.

Der Mann lügt," fuhr sie fort und zeigte mit dem Finger auf ihn;ich habe ihn verrohten, er weiß es, und um sich zu rächen, beschulviget er Arthur dieses

bene Religion des Peilandes floh aus dem toben in die bestaubten Bücher, um erst von da aus Dem Volle durch seine Priester wieder Vorgefühl zu werden, und es begann der Streit unv der Zank der sogenannten Gottes kund lgen, und der Haß unv die Befehdung verdrängten die brüderliche Liebe. Alle Priester aber waren Davitt einig, daß sie allein die Geheimnisse der christlichen Religion besitzen müßten, um sie dann nach Belieben dem Volke zu Deuten; unv sie nahmen auch die Herrlichkeiten der Erde für sich allein in Beschlag, um das Volk immervar auf einen jenseitigen Himmel vertrösten zu können.

Ach, und Die Pharisäer des Jndenthums waren also nicht verschwunden: sie hatten sich nur in christ­liche Pharisäer verwauvelt.

Die Wahrheit hatte der Lüge Platz gemacht, und wo einst Die Sonne der erhabensten ^Religion ihre mil­den Strahlen aushauchen durfte, da Halte jetzt wieder die Rächt des Aberglaubens Die Gemüther Der Men­schen umschattet. Und abermals trat ein Mann auf gegen Lüge und Aberglauben, und gegen die Stadt, die, wie sie einst die weltliche Herrschaft über die euro­päische Menschheit ausgeübt, so jetzt die Geißel einer noch viel drückenderen Geistestyrannei über die unglück­lichen Völker schwang. Aber dem Volke Der Christen­heit die Freiheit zu mampfen, welche Die ersten Christen in achter Würdigung Der Lehre ihres Meisters genossen, verstand, er nicht; und ob das katholische Pfasfen- thum überwunden wurde, so gebar des Siegers SchooS ein neues, das protestantisch e. Der Landesherr wurde Schutzherr der Kirche und damit auch oberster Inhaber der Kirchengewalt. Die Geistlichkeit stand unter seinem Befehle, und sank balv zu einer Dienerin seiner Launen, zu einer Schmeichlerin der Fürstengewalt, zu einer Patronin jeglicher Tyrannei herab. Ihr al­lein verdankt vas Gollesgnadenthum der Fürsten seinen Ursprung. Die deutschen Bauern aber, welche damals Die Lehre des Evangeliums besser verstauben hatten, und das Recht verlangten, sich ihre Priester selber zu wählen, und den geistlichen Zehnten verfluchten: die Armen wurden heimgeschickt mit blutigen Köpfen und derselbe Mann, Der Dem römischen Papstthume gegen­über Die Geistesfreiheit verfocht, rief Fürsten unv Adel unv Städter gegen die sogenannten Verblendeten in's Feld.

Wer beschreibt die Leiden, welche nun das deutsche Volk länger denn 300 Jahre zu ervulven hatte? Die übermüthigste Herrschaft, die je die Welt gesehen hat, Die verbündete Gewalt der Fürsten unv Pfaffen, hatte Den Menschen zum Hunde erniedrigt, und das innerste Geheimniß, das heiligste Besitzthum Der Menschenbrust, die Religion, verlästert, verspottet, der Obhut einer schamlosen, heuchlerischen Geistlichkeit übergeben. Kein Verbrechen war zu niedrig, keine Schande zu groß, als daß sie nicht in der Religion eine Beschützerin ge- funven hätten. Im Ramen der christlichen Religion,

Mordversuches. Ich schlug ihm vor, er möge mich an­klagen, mich; ich würde mich nicht vertheidigt haben; aber er wollte es nicht. Das Blut einer Frau ist ihm nicht genug; er dürstet nach Arthurs Blute, Arthurs den ich liebe, nicht mehr als mein Leben, das wäre zu wenig, sondern mehr als meine Ehre."

Lucie unterbrach sich hier und richtete ihre funkelnden Augen nach Dem Theile des Saals, wo sich Die Frauen befanden, unter denen eine große Unruhe herrschte und deren Zischeln offenbar ein so ungewöhnliches Gcständ- niß verdammte.

50v sprecht von Schamlosigkeit!" rief sie ihnen mit bitterm Lächeln zu. »Troy Eurer Mitleidslosigkeit wünsche ich doch keiner von Euch, sie möge so unglück­lich werden, um zu erfahren, daß es noch etwas Gewal­tigeres gibt, als Die Schaam , Die Verzweiflung. Glaubt Ihr, ich würde hiehergekommcn sein, um meine Schande zu offenbaren, wenn das Schaffvt nicht dastände ? Man will ihn morden, sage ich Euch. Soll ich ihn sterben lassen?"

Als Lucie diese letzten Worte sprach, wankte sie und schloß die Augen, während eine Todtenblâsse auf ihrem Gesichte Die hohe Röthe verdrängte, welche das Fieber erzeugt hatte. Die übernatürliche Anspannung, welche sie bis dahin aufrecht erhalten hatte, war mit einem Male vernichtet, wie die Flamme einer Lampe unter einem starken Hauche erlöscht. Der Doctor Mallet, welcher allen Bewegungen der jungen Frau gefolgt war, eilte

srSNÄK

im Namen des christlichen Glaubens wurde der Mor an Der Freiheit des Volkes vollbracht. Hat nicht, um von dem jüngsten jener Verbrechen zu reden, hat nicht auch die heilige Allianz, jene ungeheure Verschwörung gegen das Glück und Die Freiheit der Rationen, ihre Berechtigung hergeleitet aus dem Evangelium?....

Bis auf Die Hefe war der Kelch der Leiven ge­leert, das Maaß der Schande war voll... siehe, Da öffneten sich Die Gräber all Derer, die vor mehr denn drei Jahrhunderten für die Geistesfreiheit ihr Leben gelassen hatten; und bleiches Entsetzen überkam die Gewaltigen, da die Schatten der Gemordeten Rache zu fordern schienen für Die schwere Unbill, für das i vergossene Blut. Doch im Freudenräusche Der Ver- i brüderung wurde jenen vergeben: sie vergötterten darob daS Volk, wie sie es einst mit Füßen getreten. Wie aber die Herrn wieder zu ihrer alten Macht ge­langt waren, und abermals Die Völker in Ketten ge­schlagen hatten, da that auch Die priesterliche Katzen­pfote wieder ihre Krallen hervor. Und schon gibt eS keinen schlimmeren Feind all der heiligen Versprechun­gen, welche die Gewalt in ihrer Rieverlage machte, unv keinen anhänglicheren Verbündeten der Despotie, als die Geistlichkeit der protestantischen StaatS- kirche. Ach, fast scheint eS, als sei Die Menschheit verdammt, unaufhörlich die Arbeit des Sisyphos zu verrichten, von dem die Sage geht, daß ihm die Göt­ter befohlen, in der Unterwelt ein schweres Felsstück auf einen steilen Berg hinauf zu Ivetten, das ihm, unter den unsäglichsten Mühen an die Spitze gelangt, sofort imitier wieder entgleiten mußte. Wie daS Kinv, das, kaum dem Gängelbande entwachsen, sich oft wie­der nach der alten lieben Fessel zurücksehnt, so fl ehen die Rationen, nachdem sie unter ungeheuern Schmerzen die Freiheit errungen, wieder scheu in die A me der allezeit bereiten Herrscher zurück ...

Der entsittlichte Staat und die entsittlichte Kirche: denn der Fluch der Entsittlichung lastet auf dem Bunde Beider! können nur dann einer sittlichen Wieder­belebung entgegengehen, wenn jener Bund gebrochen wird, wenn die Religion, unbekümmert um den Schutz der Staatsgewalt, sich in den stillen Herzen der Ein­zelnen ihre Tempel erbaut. Keine Gemeinschaft sei fürver mehr zwischen den Dienern des Staats und den Dienern Der Kirche, unv der Staat der Knecht­schaft und Die Kirche des Aberglaubens werden zusam­menbrechen in morsche Trümmer. Andere Zeiten mö­gen im Christenthum die Religion des Glaubens ver­ehrt haben: auch wir sinv Christen, auch wir glau­ben, ja, aber nur an Die alleinseligmachcuve Kraft Der Liebe. Denn Der Glaube ist Zwang, die Liebe aber isickFreiheit! Die Freiheit des Glaubens ist nur eine Lehre jener Liebe, unv wo sie die Herzen für sich hat, da hat auch der Glaube an die Liebe und Brüderlichkeit der Rationen seine Stätte aufgeschlagen.

Darum haben wir nur eine Huldigung darbringen wollen, Dem Geiste der Neuzeit, dem Geiste des ach-

auf sie zu und fing sie in seinen Armen auf, als sie eben fallen wollte. Mehrere andere kvinen zur Unterstüßung hinzu und Lucie wurde fortgetragen. In dem Neben­zimmer lag sie eine Zeit lang bewustlos, dann aber folgten bald heftigere Krämpfe, als sie jemals gehabt hatt.

Die Verhandlungen werden auf eine halbe Stunde ausgesetzt," sagte der Präsident, Der nicht erwarten konnte, sogleich wieder Ruhe unv Aufmerksamkeit zu erhalten.

Diese Worte entfessel >ven nun vollends den Sturm. Hundert Gespräche begannen gleich laut zu gleicher Z^it. Der Schritt der Mad. Gorsaz wurde Der unerschöpfliche Text zu den heftigsten uuv einander wiedersprechenvstcn Kommentaren. Einige hielten sie für wahnsinnig, an­dere tür fürchterlich unv noch andere für erhaben. Im Allgemeinen waren die Alten der ersten Meinung, die Frauen der zweiten und Die jungen Herren Der dritten.

Ach wie glücklich ist dieser Aubian!" rief einer Der letzteren.

-Glücklich? daß er hier auf dem Armensün- dcrbäukchen sitzt?" antwortete ein älterer Mann.

Wird nicht jeder Schreck und jeder Kummer durch das Glück verwischt, eine solche Liebe einzuflößen ? Selbst das Armensnndcrbänkchcn ist ein Thron für den, welcher über ein so evelcs Herz herrsch. Ach so geliebt zu werden und zu sterben V'

Der begeisterte Blick des jungen Mannes richtete diesen sentimentalen Ausruf an eine schöne Blondine, die ihn hören konnte.