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Wiesbsden. Freitag, 19. Oktober

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ihrerseits auf mehr als halbem Wege dieser Großmuth entgegenzukommen und die zweckmäßig veranstaltete Bewilligung einer durch äquivalentes Domänengut abzulösenden jährlichen Geldrente, durch geschickte Ope­rationen und gegenseitige Hülfe als eine sehr ergiebige Anweisung eine wahre Charte Manche auf das Domanialvermögen sehr nutzbar zu machen verstanden.

Eine solche Behandlung und wahre PreiSgebung der Domäne an Einzelne erregte natürlich, neben der allgemeinen Indignation, Oleib und Theil­nahmegelüste überall, und vor allem aber bei der Geistlichkeit und verschaffte dem Zeter und Ana­thema derselben, über Beraubung der Kirche und Ver­schleuderung ihres Vermögens zu westlichen Zwecken, einen fruchtbaren Boden selbst im Volke.

Da das gegenwärtige Beamtenthum offenbar auf dem besten Wege ist,an das tragische Ende jener Domänenwirthschaft" denfröhlichen Anfang anzuknüp- fen", so ist es an der Zeit, einen warnenden Rückblick auf jene Zustände und deren Folgen zu werfen.

Ist erst der gordische Knoten der Civilliste zer­hauen und die freie Verfügung des Hofs über die Do­mäneneinkünfte ohne Bewilligung und Eoutrolle der Volksvertretung wiederheigestellt, so wird sich daS An­dere alle von selbst ergeben, und wir haben die sichere Aussicht, den alten Eyelus von neuem zu durchlaufe».

Nichts ist billiger, als daß die Geisterbanner der Jahre 1848 und 1849, Adel und Geistlichkeit, sammt dem durch Interesse lind Vorurtheile mit diesen iden- tisizirten privilegirten Beamtenthum, den Lohn ihrer Mühen empfangen, womit sie in der Nationalver­sammlung wie in den Landesversammlungen durch ihre Majorität die Schreckgestalt der deutschen Einheit und Nationalität verscheucht uud das Dasein deS nähren­den PartikulariSmus gefristet haben. Noch steht dieser Bund in voller Blüthe; man kaun die Zauberformel, um die blos gebannten Geister in der Gebundenheit zu erhalten, noch nicht entbehren. Die dermalige be­sondere Geschäftigkeit der Geistlichkeit findet ihre Er­klärung in dieser EonsteUation und in der ihr so ge­läufigen Politik der Benutzung deS günstigen Augen­blicks und der schwachen Stunden.

Die Vertreter des Volks mögen wachsam sein, daß nicht mit gewohnter Gewandtheit selbst die Erklärung der Domänen zu Staatseigenthum dazu benutzt wird, um eine höchst vorteilhafte Gütergemcinschast cinzu- führen und mit willigem Verzicht auf die Schulden und Lasten der Domäne dem Staate das Eigenthum des leeren Beutels zu lassen.

69 Die Ansprüche der katholischen Geist­lichkeit an das Domanialvermögen.

II. A.r t i k e l.

Bei so lockenden Aussichten auf ein glänzendes Fortune, wie wir solche am Schlüsse unseres gestrigen Artikels schilderten, fanden es die Herrn, welche bis dahin von den Mühen und Sorgen des Staatsdienstes fern gehalten worden waren, leicht und angenehm, neben dem ihnen ausschließlich oder doch vorzugsweise gewidmeten Hof- und Militärdienst, auch noch den Staatsdienst zu berücksichtigen, um wo möglich die Pfründen beider zu vereinigen. Von da an datirt sich der ad e I i g e N e p 0 t i sm u s, welcher die besten Stellen in allen Dieustzweigcn in Beschlag nahm und Nassau zum Junker-Eldorado machte. Das Beispiel wirkte und auch in den untergeordneten Kreisen konnte man begünstigte Sippschaften, die der Volkswitz in seiner derben Manier Rattenkönige zu bezeichnen pflegt, gar wohl unterscheiden. Ein grober Mate­rialismus und in dessen Gefolge eine früher in dem Grade nicht gekannte Abhängigkeit und Servi­lität, brachte den Staatsdienst tu Mißachtn ng, machte ihn zum Druck der Bevölkerung und zur zeh­renden Krankheit des Staats. Erschaffung überflüs­siger Stellen in allen Zweigen des Dienstes zur Ver­sorgung der zählreichen Pro! es, welcher man, als einer Vennehrung der Anhänger des Systems des stehenden Heeres im Eivilstaude, leicht Eingang zu verschossen wußte; unverhältnismäßige Erhöhung der Gehalte, wo­mit man nach diesem Prinzip mit Recht die Getreuen nur fesseln zu können glaubte, das Gratifitations-Uu- wesen, durch den großartigen Vortritt der ersten Be­amten zum System erhoben (die Dotirung mit liegen­den Gütern war nach der Julirevolution etwas ver­rufen und unsicher geworden); die bekannte Verwcch- selung der Industrie gewisser Personen mit der zu hebenden Gewerbe-Industrie, wodurch die für letztere bestimmten Laudesgelder in die Hände Jener flossen, kurz, die ganze Depravation des Staatsdienstes und üppige Verausgabung des Staatsvermögens, welche den wesentlichsten Zündstoff zur Märzrevolution gege­ben haben, können nur von jener eingebildeten Ver­mehrung des Domanialvermögens und der damit ein- getretenen Niederreißnng der gesetzlichen obscrvanz- mäßigen Schranken in der Verwaltung und Verwen­dung der Domanialeiukünfte hergeleitet werden Um­garnt von den Einflüsterungen schlimmer Rathgeber, die nur zu ihrem Vortheil das durch die ehemals geist­lichen Güter wohl um das Doppelte vermehrte Staats­gut für Privatgut der regierenden Familie ausgaben, und entzückt von der falschen Lehre souveräner Unbe­schränktheit, glaubte man von dem neuen Reichthum den ersten Gebrauch zu Gunsten der verantwortlichen Erfinder und künftigen Vertheidiger dieser angenehmen und einträglichen Lehre machen zu müssen, welche denn

Wiesbaden, 18. Oktbr. DaS

thale abgeschlossen wurden, war von Bürgern der hie­sigen Stadt sehr zahlreich besucht, und auch die Abge­ordneten Naht, Lang, Wenkenbach und Bürger­meister Fischer hatten sich bei dieser einfachen, aber sehr würdig gehaltenen Festlichkeit betheiligt.

In den verschiedenen Trinksprüchen, welche ausge­bracht wurden, gab sich zwar wiederholentlich die ernste Klage über die Trostlosigkeit der dcrinaligen deutschen Zustande kund: allein erfreulich war es auch, wahrzu- nehmen, daß die Bürger die heiße Sehnsucht nach einer baldigen bessern Zunknnft, in treuem patrioti­schen Herzen festbewahrt haben.

Das Mahl war ein acht demokratisches Liebesmahl; und gewiß wird seine würdige Einfachheit und acht brüderliche Haltung Allen, welche sich daran betheilig- ten, stets unvergeßlich bleiben.

Wiesbaden, 18. Oktober. Johann, Seba­stian und Franz Joseph Sch ar Hag von Ober- wallnf, Amts Eltville, wurden in der heutigen Sitzung des Assisenhofs wegen versuchten Raubs gegen den Müller Fuhr von der Springer Mühle bei Springen, Amts Schwalbach, nach zweitägigen Verhandlungen unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu einer Zucht- Hausstrafe von fünf Jahren imb sechs Monaten verurteilt. Vertheidiger war Prokurator Dr. Leis­ler sen.; Staatsanwalt: Reichmann.

Frankfurt, 12. Oktober. Der Trier'schcu Zeitg. wird geschrieben:Freunde der Würde und Ehre un­seres Vaterlandes wird es freuen, folgende Mitthei­lung über das Bestehen von geheimen Artikeln im schleswig-Holsteinischen Friedensvertrage, welche wir aus guter OueUe erhalten haben, zu vernehmen. Es ist schon vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht worden, daß bei dem WaffenstiUstandsvertrage, welchen Preußen mit Dänemark abgeschlossen hat, drei geheime Artikel sich befinden: 1) Durchführung des Wassen­stillstands mit Waffengewalt, 2) Auslieferung des Gefion" an Dänemark, 3) Anschluß Holsteins an den preußischen Sonderbund. Diese geheimen Mtitel sind Wahrheit, die Beweise liegen jetzt offen am Tag. Die Existenz des ersten Artikels wird auf ecla- tante Weise bestätigt durch das Schreiben der Landes Verwaltung an den Magistrat von Eckernförde, nach welchem der Gehorsam der Bürger durch 10 Mann Einquartirung erzwungen werden soll, durch die in Berlin verlangte Verstärkung preußischer Truppen und endlich durch die Bekanntmachung des preußischen Kom­mandanten in Tondern, welche Jeden, der sich an Katzenmusiken betheiligt, mit Gefängniß bedroht und den Offizieren befiehlt scharf einhauen zu lassen, und andere offenkundige Thatsachen. Die zweite Bedin­gung ist die Auslieferung desGefion". Man erin­nert sich, daß der preußische Kommandant sich der Weg- führung des Schisses nach Kiel widersetzte. Um diese Maßregel zu beschönigen und das Publikum zu täu­schen, hatte man von jener Seite geflissentlich das Ge-

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von dem hiesigen bcmofiatifteu Verein zur Wahrung der Volksrechte gestern im Nerothale veranstaltete Abendessen, mit wel­chem die Sommcrsitzungen des Vereins im Nero-

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Der unschuldige GaLeerensclave.

(Nus derAllgemeine Moden-Zeitung".)

(Fortsetzung.)

Doctor, ich reife mit nach Bordeaux," sagte Lucie, welche diese Zurückkunft erwartet zu haben schien.Sie geben das Zeugniß nicht, das man von Ihnen verlangt?" setzte sie nach einiger Zeit in einem zugleich gebieterischen und bittenden Tone hinzu.

I IIch konnte es nicht geben, ohne meine Gewissen zu verletzen. Sie befinden sich wirklich so wohl, daß Sie die Anstrengung einer so kurzen Reife ertragen können. Auch fürchte ich nicht die Reise selbst, sondern den dortigen Aufenthalt."

Lucie trat rasch zu dem Doktor und hielt ihm den

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Mund zu.

In des Himmels Namen, kein Wort sagte sie.Was Sie auch gesehen, gehört und haben mögen, denn ich habe in meinem Fieber ohne Zweifel gesprochen, was Sic jetzt auch wissen, sagen Sie nichts. Haben Sie Mitleid mit einer Unglücklichen, stehen Sie mir bei, ohne mich zum Errötheu zu zwingen. Kann ich auf Sic zählen?"

Wie auf einen Vater," antwortete Mallet

gerührt.

Und er drückte die Hand, die ihm Lucie reichte, an seine Lippen.

VI.

Das an der Person des Herrn Gorsaz versuchte Verbrechen hatte in der ganzen Gegend ein außerordent­liches Aufsehen gemacht. Das Alter und Vermögen des Opfers, das Ansehen, in welchem er stand, der seltsame Eoiuraü der beiden Angeklagten, der eine ein Weltmann, verwandt mit den besten Familien und be­reits durch seine Jugendstreiche bekannt, der andere ein jüngst erst entlassener Galeerensträfling , endlich die Krank­heit der Mad. Gorsaz, die man allgemein einer um so verdienstlicheren ehelichen Zärtlichkeit zuschrieb, je älter der Gegenstand derselben war, alle Umstände, über welche noch ein geheimnißvolles Dunkel schwebte, hatten die allgemeine Neugierde in hohem Grade gereizt. Jeder wollte die Lösung dieses blutigen Räthsels kennen. Die Angeklagten besonders waren der Gegenstand einer Menge von Vermuthungen, Erklärungen, Ervtcrungen und selbst Welten. Einige wollten durchaus nicht an die Schuld Arthurs glauben und dies waren besonders die Frauen, die wohl einsahen, daß ein ihrer Theilnahme würdiger Mann ein poetisches Verbrechen begehen könne, aber die Wahrscheinlichkeit eines gemeinen Mordes nicht zugeben konnten.

Es ist gräßlieb," sagten die eleganten Damen in Bordeaux,der Herr von Aubiau, mit dem wir im vorigen Winter getanzt haben, der Mörder eines alten Mannes! Ein junger gebildeter, geistre.cher Mann mit

einem wahrhaft spanischen Gesichte ! Er! Er sollte ver­sucht haben, einen Mann ^u ermorden , um ihm Geld zu nehmen? Pfui!"

Wenn mau Arthur beschuldigt hätte, er habe den Herrn Gorsaz in einer heroischen Absicht erdolcht, z. B. um ihm seine Frau zu entführen, so würde die Sache, auch schrecklich, doch möglich gewesen sein. Romantische Seelen wurden einem durch die Leidenschaft geadelten Verbrecher sogar ihr Mitleid nicht entzogen haben; aber das Messer einem Manne in die Brust zu stoßen, um ihn dann auszuplciurciu, war die That eines Zücht­lings, aber nicht eines Cavaliers. So argumentirte der gesunde Sinn der Frauen, der hier wie gewöhnlich Recht hatte.

Auf der andern Seite fehlte es auch Bonnemain nicht an Vertheidigern. Zuerst hatte er für sich das Volk, das von Otatur der Aristokratie feind ist und bei zwei Angeklagten von verschiedenem Stande sich gern für den minder hoch Gestellten ausspricht. Dann kamen die Menschenfreunde, die Philautropen von Pro­fession, die Anhänger der Sclavcnemancipatvn und alle diejenigen, belebe sich mit der Zukunft der Nationen und dem gesellschaftlichen Verhältniße beschäftigen, weiche Seelen, für die ein Mensch, der aus einem Zuchthause re. kommt, ein ungemein kostbarer lind empfehlenöwerther Gegenstand wird. Diese bekämpften die Vertheidiger Aubians am hitzigsten, erwarteten mit größerer Ungeduld als die andern den Ausgang des Prozesses und hofften