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69 Die Ansprüche der katholischen Geist­lichkeit an das Domanialvermogen.

I. Artikel.

In der Beilage zu No. 232 der Freien Zeitung findet sich bei der Darstellung der Kammer-Diskussion vom 20. Sept, über die Festsetzung der Civstlßte als eine Aeußerung des Abgeordneten Naht der Satz re- ferirt:Auch sei zu bedenken, daß die katholische Kirche ein Bedeutendes zu den Domänen beigesteuert habe. Diese verlange auch schon ihre Güter zurück" re. Die­ser Satz würde die neuerlich sehr beziehungsvoll ange­regte Frage über das Verhältniß der Domänen zu der Ausstattung der katholischen Kircheninstitute in ein fal­sches Licht setzen. Er ist aber auch laut der stenogra­phischen Protokolle wirklich nicht von Naht gesprochen worden. Naht hat vielmehr auf Veranlassung der im Minoritätsbericht der Ausschußmitglieder Habel und Genossen vorkommenden Erwähnung von Ansprü­chen der katholischen Geistlichkeit an den Do­mänen auf Grund des §. 35 des Reichsdeputations- Hauptschlusses, bei deren Vorlesung sich ungläubige Stimmen in der Versammlung, und zwar gerade von der rechten Seite, vernehmen ließen, darauf hingewie­sen, daß die Besorgniß eines solchen künftigen Abgangs an den Domänen bei der dermaligen Berechnung des Ertrags derselben keineswegs unbeachtet zu lassen sei, jedoch nicht, wie es bei jener Darstellung scheinen konnte, wegen der inneren Begründung dieser Ansprüche, sondern blos ans dem angegebenen Grunde, weil ein neulich gemachter Versuch eine Anerkennung jener An­sprüche durch die Bewilligung des Recepturgebäudes zu Wiesbadeu zur katholßcheu Pfarrwohnung zu er­langen, eine sehr ermuthigenve Aufnahme gerade bei der'rechten Seite der Kammer gefunden habe und die damalige neutrale Haltung der Regierung leicht nach Bewilligung der Zivillifte in offene Begünsti­gung jener Ansprüche übergehen könnte, wobei zugleich auf eine, offenbar auf Betrieb der Geistlichkeit eben eingekommene Petition hingewieseu wurde.

Es scheint wirklich an der Zeit, auf die überall fühlbare Allianz der Regierung mit dem Ultramontanismus und deren Ge­fahren für das Land aufmerksam zu machen. Als sprechende Zeichen derselben darf man, außer den Vorgängen in der Kammer, nur beachten, wie das H. Militär bereits bei den früher verbotenen Prozessionen der Geistlichen Spalier bildet, wie (was ebenfalls in Nassau nku ist) das Offizierkorps in Diez komman- dirte Visiten, eine Art geistlicher Ererzitien, bei dem katholischen Bischof in Limburg abstattet. (An eine gleiche Huldigung für den protestantischen in Wiesba­den denkt mit Recht Niemand.) Wie weit werden wir noch bis zur bayrischen Kniebeugung haben? Man bemerke ferner, wie überschwenglich und doch wie dreist bedingt durch die Herausgabe eines Theils der Do­

mänen die hohe Geistlichkeit in Kirchen- und Tischreden den Herzog lobpreist. Eine solche zeitgemäße Warnung ist indessen weit verschieden von dem Anerkenntniß, daß die katholische Kirche ein Bedeutendes zu den Domänen beigesteuert habe, und daß das, was die Kirche verlange, ihre Güter seien. Ein solcher Aus­spruch würde nicht nur geschichtlich und rechtlich falsch, sondern auch mit der weiteren Ausführung des Abg. Naht im Widerspruch gewesen sein, daß bei weitem der größte Theil der Domänen durch Staats­verträge für den Staat acquirirt worden sei, nament­lich, außer den im Jahr 1815 gegen Steuereinkünfte eingetauschten, »ramschen und hessischen Domänen, alle durch den Reichsveputationshauptschluß zur Verbesserung der Staatsfinanzen überwiesenen Besitzungen der auf­gelösten geistlichen Staaten und Corporationen.

Damit sollte indeß nur die von Eck mit Beiseite­setzung des neuesten Nechtözustandes aufgestellte gleiche Theilung der Domänen widerlegt, keineswegs aber, wie in der Beilage zu No. 232 erwähnt ist, dargethan werden,daß das Land ebensowohl Rechte an den Domänen habe, als der Herzog", welches nach der Erklärung aller Domänen zu Staatöeigenthum in der Proklamation vom 5. März v. I. ein arger Ana­chronismus gewesen sein würde.

Die Requisition durch den Reichsdeputations-Haupt­schluß Kirchen gut zu nennen, kann nur zur Ver­wirrung der Begriffe führen. Die katholische Kirche als solche hat nicht das geringste zu den Domänen beigetragen und es sind nicht ihre Güter, die sich un­ter den Domänen befinden. Vielmehr haben die ka­tholischen Kirchen in den ehemals Mainzischen und Trierischen Landestheilen nichts von ihrem Vermögen verloren und das kirchliche Bedürfniß der Einwohner wird dort nach wie vor vollständig befriedigt. Wenn die Ordner der europäischen Verhältnisse in den Jahren 1802 und 1803 die zu Pfründen eines müßi­gen Pfaffenthums mißbrauchten Güter der theokratischen Staaten und der Klöster und Domstifter, jener Güter- maffen in todter Hand zum staatsgefährlichen Beispiel des Genusses ohne Arbeit und ohne Verdienst, ihrer Bestimmung für die wahren Zwecke des Staats und für die Erziehung zur sittlichen Vervollkommnung durch werkthätige Uebung der Religion und der Wissenschaf­ten zurückgegeben haben, so haben sie damit nur einer unwiderstehlichen Forderung des Zeitgeistes und Fortbildung der sozialen und staatlichen Verhältnisse Gehör gegeben und .Körperschaften für rechtlich aufge­löst erklärt, welche schon längst dem Zustande der Aus­lösung verfallen waren. Jene Mächte werden, wenn sie nur dieses zu verantworten haben, vor dem höchsten Richterstuhle, welcher kein geistlicher ist, mit Ehren bestehen.

Der Titel, womit der Staat diese Güter besitzt, ist freilich kein von der Kirche und den Kirchenoberen ab­geleiteter, jedoch im Staatsrecht so begründet, und vor­

der Vernunft so geheiligt, wie irgend ein anderer. Wenn irgendwo, so ist hier im Interesse der geistigen und materiellen Interessen des Staats das Je main- tiendrai! Pflicht und Recht aller Staatsgewalten. Das wahre Kirchenthum hat durch die Secularisation nichts verloren, sondern ist durch Ablegung entstellen- der und vorwurfsvoller Mißbräuche gereinigt und gestärkt daraus hervorgegangen. Sollte, wovon freilich der gegenwärtige Zustand der kirchlichen Insti­tute keine öpur zeigt, noch etwas an der Ausstattung derselben innerhalb der eben bezeichneten Grenzen feh­len, so wird her otaat sich dem nicht entziehen, jedoch nicht weil er Kirchengut besitzt, welches die Güter der aufgelösten geistlichen Korporationen im eigentlichen Sinne nie waren und durch den Heimfall an den ^taat in jedem Sinne zu sein aufgehört haben, son­dern blos, weil er die dem Titel der Er- w e r b u n g b e i g e f ü g t e n B e d i n g u n g e n erfüllen will.

Die weiter gehenden Ansprüche derjenigen Geist­lichen, welche, ihrem apostolischen Beruf entfremdet, nach den Fleischtöpfen Aegypti sich zurück sehnen, fan­den offenbar in der bisherigen üppigen Verwen­dung der Domäneneinkünfte eine gefährliche Unter­stützung. Wir müssen bekennen, daß auch uns der, wenn auch leider oft nur zum Vorwand gewordene Kultus der höchsten geistigen Interessen ein für die bürgerliche Freiheit und staatliche Entwickelung weit weniger hoffnungsloser und verderblicher Zweck der Verwendung der öffentlichen Einkünfte zu sein scheint, als der Cultus der Unbeschränktheit und der servilen Augendienerei. Immer besser, es werden in einer aristokratischen Republik ehelose Junker mit Dom- prabenden zu Tode gefuttert, als daß in den ^Staatsdienst eingedrnngene adelige Proletarier sich aus dem Capitalstock der Domänen für Kin­der und Kindeskinder dotiren und, noch nicht zu­frieden mit dieser gesicherten üppigen Dauer des Stammes, sogar mit Verletzung alles Anstandes, durch ausgesetzte Prämie» aus eben diesen Fonds für die Vervielfältigung aller Zweige sorgen. Ri­valen werden durch Arrangements auf Kosten des Do- manialvermögens zum Schweigen gebracht. Unfähig den auf die gleichen Verdienste, und wer hat die e nicht? gegründeten Ansprüchen der Standesgenossen irgend einen durch moralische Würde bedingten Wwer- staud entgegenzusetzen, machen sie nicht nur mit einem wahren Kommunismus die Domänen zur nährenden Colonie adeliger Familien, sondern auch die Steuer­kasse zu einer Rentenstalt, an welcher man unter der Bedingung der bezeichneten Herkunft und Gesinnung, sodann eines Eramens, wozu man sich die Eramina- toren aussucht, partizipiren kann.

Schluß fulgt

Der unschuldige Galeerensclave.

(Aus derAllgemeine Modeu-Zeitung".)

(Sortierung.)

ßucie saß oder lag vielmehr in einem Lehnsessel am Kamine. Sie bewegte sich nicht bei dem Anblicke ihres Mannes, sie sprach kein Wort, sie heftete mit einem Ausdrucke von Abscheu die Augen unverwandt auf ihn. Sie sahen sich beide eine Zeit lang an. Der Alte fand die junge Frau, die er frisch und blühend verlaßen hatte, entfärbt und abgewelkt. Lucie bemerkte wohl neue Runzeln auf der Stirn ihres Gatten, aber bald sah sie von ihm nichts mehr als die Augen, aus denen eine unversöhn­liche Leidenschaft emporflammte.

Ich muß heraufkommcn, da Du nicht zu mir herunterkommst," sagte Gorsaz, indem er sich an der andern Seite des Kamins niedersetzte.

Es ist gewiß gesagt worden, daß ich selbst krank fei ," antwortete Lucie mit schwacher Stimme.

Allerdings, sonst würdest Du gewiß nicht von meinem Bette gewichen sein, wie ich fest überzeugt bin," sagte der Alte mit einem bittern Lächeln;ja ich sehe, daß Du krank gewesen bist. Du hast Dich so verän­dert, daß ich Dich kaum wieder erkannte, als ich ein­trat. Du hast wohl viel gelitten?"

Sehr viel!" antwortete die junge Fran, indem sie einen Seufzer unterdrückte.

Leiden, in Deinem Alterl Das kommt Dir sehr ungerecht vor, nicht wahr?" fuhr Gorsaz mit ironischem Mitleid fort;Krankheit und Leiden passen nur für einen, der schon zu lange gelebt hat und nur noch für das Grab gut genug ist. Aber Du, ein Kind, eine Blume und leiden! Ja, ich sehe es ein, daß ein so seltsames Schicksal Dich überraschen, Dich zu Klagen veranlassen muß. Ich hätte alle Schmerzen über mich nehmen und Dir alle Freuden' überlassen sollen. Was sind einige Tropfen eines nun doch einmal nutzlosen Blutes gegen die bittern Perlen, deren Spuren ich in Deinen Augen sehe? Ich bin gewiß ein rechter Egoist gewesen. Ich hätte eigentlich Deine Thränen mit meinen Rügen weinen sollen, damit der Glanz Deiner Schönheit nicht leide."

Der Alte ließ den Kopf auf die Brust sinken und hielt eine Zeit lang inne, ehe er fortfuhr.

Du antwortest mir nicht?" sagte er, indem cr seine Frau unverwandt anblickte.

Du hast mich um nichts gefragt," antwortete Lucie mit betrübtem Gesichte.

Du hast Recht. Ja, mein Kopf ist jetzt so schwach daß td) nach einer Minute nicht mehr weiß, was ich gesagt habe oder etwas gesagt zu haben glaube, was mir nicht in den Sinn gekommen ist. Was wollte ich Dich doch fragen? Ach ja," fuhr er fort, nachdem er gethan hatte, als sinne er nach;glaubst Du so stark

zu sein, um eine kleine Reise anshalten zu können?"

Welche Reise?" fragte die junge Frau mit einer geheimen Besorgniß.

Eine Reise nach Bordeaux. Du siehst, es ist nur eine Spazierfahrt."

Und was wollen wir in Bordeaux?" fragte sie mit bewegter Stimme.

»Müssen wir nicht den Assisen beiwohnen?" ant­wortete Gorsaz mit erheuchelter Kaltblütigkeit..Ich habe vor einigen Tagen eine zweifache Einladung" er­halten , für Dich und mich Man rieftet jenen Menschen und wir müssen unsere Aussage dort thun."

Lucie stand auf und fiel vor ihrem Gatten nieder, dessen Knie sie mit beiden Händen krampfhaft um­faßte.

Ich bin schuldig," sagte sie in einem Tone, dem die Verzweiflung eine unbeschreibliche (gemalt gab;ich habe meinen Schwur gebrochen, meine Pflicht vergessen, Dich hintergangen und vei rathen, ich bin eine Elende, und Deiner Verzeihung unwürdig. Ich erwarte weder Gnade, noch Mitleid, noch Erbarmen. Du kannst mich mit Füßen treten, ich werde nicht jammern; Du kannst mich todten, ich werde mich nicht wehren, für mich bitte und verlange ich n chts."

Für wen bittest Du denn sonst und was willst Du," fiel der Alte rauh ein

Was ich will ?" wiederholte sie mit verdoppelter Energie,daß nicht ein anderer , der weit weniger