heute Vormittag gegen 9 Uhr in der Nähe des Friedhofes vollzogen.
Rastatt, 10. Oktober. Vor dem Standgericht erschien heute der Dragoner Schlagecker; dasselbe verurtheilte den Angeklagten zu zehn Jahren Zuchthaus. (D. Z.)
s Bruchsal, 9. Okt. (Darmst. Ztg.) Der neuliche Versuch einer Befreiung 1 der politisch^ Gefangenen hatte zur Folge, daß diese sämmtlich in das Zellenge- fängniß gebracht worden sind.
Rastatt, 9. Okt. (S. M.) Von den gestern Entronnenen ist keiner — wie die Freiburger Ztg. erzählt — erschossen, sondern alle wohl nach Württemberg entkommen. Heute Nacht machten zwei Gefangene vergeblichen Fluchtversuch. Den Gefangenen ist das Rauchen verboten worden.
Karlsruhe, 9. Ökt. (K. Z.) Bei den Erecutio- nen, die von den preußischen Truppen in Baden vorgenommen werden, wird Niemand commandirt: die militärischen Nachrichter werden aus freiwillig sich Meldenden genommen. Die Offiziere laden die Gewehre; nicht alle, die schießen, erhalten die Kugeln in den Lauf; so weiß Keiner, ob er oder ein Anderer den Tod gegeben hat.
Köln, 11. Oktober. Heute wurde der Redakteur und Verleger der „Westdeutschen Zeitung", Dr. H. Becker, der Majestätsbeleidigung re. re. angeklagt, von der Jury frei gesprochen. Nach Verlesung des Urtheils brach das zahlreich versammelte Publikum in ein lautes Bravo aus, worauf die Räumung des Saales durch die bewaffnete Macht verordnet wurde. —
Prag , 4. Oktb. (Ostd.Post.) Die heute in den offiziellen Blättern gegebene Kundmachung über die Eröffnung einer böhmischen Realschule zu Prag enthalt die Bestimmung, daß die de utsch c Sprache darin als freier Lehrgegenstand erklärt wird. Wir können uns nicht versagen, der Bevölkerung der böhmischen Hauptstadt zu dem unverkennbaren Fortschritte Glück zu wünschen, daß die Kenntniß der deutfchen Sprache als entbehrlich angesehen wird.
Wien, 7. Okt. (Fr. I.) Von den Offizieren der Comorner Besatzung haben bereits an 200 um Pässe ins Ausland nachgesucht, wovon sich die meisten nach Amerika begeben. Klapka , Otto Graf Zichy und Ujhazy wollen sich nach Frankreich und Belgien begeben. —
Italien.
Livorno , 28. Sept. Das Journal die „Legge" schreibt: der österreichische Despotismus wuchert noch fortwährend in dieser unglücklichen Stadt. Gestern ist von Florenz der Befehl gekommen, alle Theater zu schließen. Da die Stadt ruhig ist, so überrascht diese Nachricht allgemein. Am Abende lief das Gerücht um, daß diese Maßregel aus in Florenz stattgefundenen Unruhen herzuleiten sei.
Rom, 27. Sept. Man schreibt ber^Lögge: Äir sind hier in die größte Betrübniß versetzt. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft scheint für lange Zeit verloren. (Ihr Kleinmüthigen.) Der berühmte Ros- mini ist in Albano nach seiner Gewohnheit mit Studien beschäftigt und in sein Schicksal ergeben. Die ihn betreffende Censur erträgt er in Geduld und ist die unverwüstlichste Heiterkeit seiner Seele keineswegs getrübt. Die politischen Größen, worauf das Land sein Vertrauen gesetzt hatte, sind alle zerstreut. Die Reaktion der Cardinäle verabscheut die Gegner Mazini's mehr noch, als die Republikaner und hält ein besonderes wachsames Auge auf sie. — Folgende Thatsache verbreitet ein so recht helles Licht über die scheußlichen Hebelgriffe der Reaktion. Bei dem Gottesdienste in Gubio ward ein Rundschreiben des Bischofs verlesen, durch welches wieder einige von Paul IV. erlassene Gesetze eingeführt werden. Jede ketzerische Gotteslästerung soll mit 25 röm. Thalern Strafe, eine einfache Gotteslästerung mit 10 Dukaten Strafe bes egt werden. Ferner enthält das Cirkular eine Masse anderer Geldstrafbestimmungen, die nach dem Gutdünken der geistlichen Behörden auferlegt werden können. Im Zahlungsunfähigkeits Falle wird der Verbrecher während des Gottesdienstes mit dem Knebel auf ’m Munde an dem Halseisen ausgestellt. Die Lippen werden ihm zusammengenäht und im Wiederholungsfälle wird er der Feuerstrafe ausgesetzt. (Westd.Z.)
Rom, 28. Sept. Die Ankunft Mercier's hat die Annahme jener, welcher darin den Bruch zwischen der französischen Regierung und dem Pabste wegen des motu proprio sich offen erklären zu müssen, voranssahen, zu Nichte gemacht. Derselbe ist beauftragt, of- fiziel zu erklären,
daß die französische Negierung mit dem päpstlichen motu proprio vollständig einverstanden sei und daß , die Minister sämmtlich einverstanden wären, um dasselbe gegenüber der Legislative zu vertheidigen Wer nun noch einen Augenblick zweifeln kann, daß" die ganze französische Expedition mit ihren diplomatischen Mannövres bis zu dem Brief des Präsidenten etwas anders war, als eine lange Kette von Verrath, Verrath an den Römern, Verrath an den franz. Soldaten, die ihr Blut hingegeben haben, Verrath an der franz. Nation, der gegenüber man noch immer den Schein angenommen, als schwärme man für die Frei- heiten des römischen Volkes und Verrath an der ganzen
civilisirten Welt, den nennen wir einen verblendeten Diplomatenverehrer. — Es ist eine Liste von 57 pro- scribirten Offizieren veröffentlicht worden. — In Rom werden nur 8 bis 10,000 Franzosen nnd 2000 Spanier als Besatzung bleiben. — Der Straßenraub ist auf dem Lande in vollster Blüthe. (W. Z.)
Rom, 1. Oktober. Seit gestern sind zwei Kompagnien spanischer Erpeditiönstruppen vor den Thoren Roms erschienen. Heute erwartet man eine noch größere Zahl, welche mit den Franzosen den innern Dienst der Stadt zu versehen bestimmt sein soll. Auch österreichische und neapolitanische Truppen sollen zu diesem Behuf binnen Kurzem ankom- men. (A. Pztg.)
Republik Arankreieh.
Paris, 9. Oktbr. sWestd. ZtgJ Bei der augenblicklichen gänzlichen Dürre auf dem Felde der Politik wird die hervorragende Thatsache bestimmt versichert, daß Fallour sich nach der Discussion über Rom zurückziehen werde. Wir halten die Verbreitung dieser Nachricht für einen jesuitischen Kniff, ganz eines Fallour würdig. Dem ehrwürdigen Minister des Unterrichts wird in den Verhandlungen über die römische Angelegenheit und über das motu proprio des Papstes, seines großen Gebieters, welches er zu vertreten gedenkt, ein solcher Sturm durch den Nimbus fahren, I der ihn in den Augen des weniger hellsehenden Pu- blicums umgibt, daß er wie der Rauch vor einem Orkan zerstieben und des römischen Stuhles Erhalter dann in seiner nackten wahren Natur als ein recht niedriger Verräther mit allem Zubehör, als da ist, Intrigue, Lüge, Verdrehung, Sophisterei vor aller Welt, auch vor dem kurzsichtigen Autoritätengläubigen da stehen wird. So enthüllt und blosgestellt am Pranger der öffentlichen Meinung stehend, wird, das ffeht der der schlaue Fallour wohl ein, seines Bleibens im Ca- binette nicht mehr sein, und um wenigstens für spätere Zeiten noch den Schein zu retten, als sei er nicht gestürzt worden, wird jetzt die Nachricht verbreitet, er werde sich nach jenen Diskussionen zurückziehen. Das ganze Verfahren resümirt sich in der alten Fabel vom Fuchs, der die Trauben für zu sauer ausgab.
Paris, 9. Okt. (Mz. Z.) Die von der Patrie gegebenen Nachrichten aus Turin haben sich als falsch ergeben. Die neuesten Nachrichten wissen durchaus nichts von einer Kammerauflösung und einer Verweigerung des verlangten Credits zu der Entschadignug Oesterreichs. Die Börsenspekulanten sind hierdurch sehr enttäuschte
Paris, 9. Oktober. Morgen beginnt der große politische Prozeß vor dem Staatsgerichtshof in Ver- | |atUe£. Der Affaire vom 13. Juni wird jedoch die ! des Hrn. Hubert vorausgehen, welcher bei dem Pro- i zeffe wegen des Complottes vom 15. Mai sich nicht ; geffellt hatte, nun aber sich freiwillig der Justiz über- ; liefert hat; man erwartet von Hrn. Hubert pikante ; Enthüllungen, die viel Licht auch über das Complott vom 13. Juni verbreiten könnten. (Fr. I.)
Ungarn.
Preßbnrg. Die Uebergabe Komorns hat manche Befürchtungen gehoben und namentlich den Grundbesitzern jener Gegend neues Leben gebracht. Die daselbst stationirt gewesenen russischen Hülfstruppen sind am 3. d. Mts. abmarschirt und alle Maßregeln ergriffen, um den Belagerungsapparat zu beseitigen. 1200 Wagen sind in den Dörfern der Schütt und Umgegend re- quirirt, um die Kranken und Marodeurs aus den Spitalern der Festung, sowie eine Quantität der dort , massenhaft aufizespeicherten Körnerfrüchte an geeignetere Plätze zu schaffen; ebenso wurde ein Theil der Bessa- tzung, aus Honveds bestehend, auf 16 Schleppschiffen nach Pesth abgeführt.
— Die Ofener Weinlese ist so fchlecht ausgefallen, wie man sich dessen seit langen Jahren nicht erinnert. Ohnehin war keine reiche Kelterung zu erwarten, aber selbst das Vorhandene wurde in der letzten Zeit durch , den Hagel stark mitgenommen. Viele Weinbauer ha- ! ben kaum den lOten Theil ihres sonstigeu Erträgnisses eingesammelt. Auch aus Serard, einer vorzüglichen Weingegend Ungarns, vernimmt man lauter unzufriedene Stimmen, "und sind die Weine daselbst noch theurer, als auf dem hiesigen Platze.
Pesth, 4. Okt. Der Jnsurgentengeneral Aristides 1 Desewffv weilt hier als Fuhrwesen-Gemeiner, und be- | ' sucht in seiner bescheidenen Tracht zuweilen das soge- | i nannte adelige Kasino, dessen altes Mitglied er ist, ! wo er übrigens ganz noble Tafel hält. Letzthin hat i er sechs Kameraden seines Zuges mitgebracht, und sie । in schlichter gutmüthiger Manier lukullisch bewirthet.
Die „Breslauer Zeitung" berichtet aus Pesth vom 6.: Dem Grafen Louis Bathyany, des Hochverraths und des Mordes an dem Grafen Latour angeklagt, wurde vorgestern das Urtheil publizirt. Dasselbe lautet aufTod, mittelst des Stranges und wurde gestern, als dem Todestage Latours, an ihm vollzogen. Die Familie des Hingerichteten erhielt allein die Erlaubniß; ihn in seinen letzten Lebensaugenblicken zu besuchen.
Türkei.
Die „Presse" enthält ein Schreiben aus Smyrna vom 24. Septbr., worin über die dortigen Unruhen Folgendes gesagt wird: „Auch hier haben wir in der '
vergangenen Woche eine Revolution oder vielmehr vorläufig den Anfang einer Revolution erlebt, deren Hergang ich Ihnen, da sie in ihren Folgen bedeutender werden kann, als es ^uf den ersten Augenblick scheint, und da sie Veranlassung zu wichtigen Enthüllungen geben dürste, umst uidlicher mittheile. Die hier woh- uenoen Hellenen zahlen auf Reguisition ihres Konsuls eine jährliche Steuer von 100 bis resp. 3000 Piaster, je nach dem Stande oder dem Geschäfte des Steuer- pflichtigen, auf die Erklärung des Konsuls, daß diese Steuer theils die türkische, theils die griechische Regierung zu beziehen habe. Nach Angabe der Betreffenden beläuft sich die seit der griechischen Konstitution auf diese Weise entrichtete Steuer auf 700,000 P ungerechnet zwei Beträge von 70 und resp'. 40,000 P./ wovon der erstere aus der Kasse, letzterer auf'dem Transport in Verlust gerathen sein soll und die durch Nachzahlungen wieder eingebracht werden mußten. Seit längerer Zeit hatte sich unter den hiesigen Hellenen das Gerücht verbreitet, der Konsul bezöge diese Steuer im Auftrage keiner andern Behörde, als der seiner eigenen Willkür, und theile die Einnahme mit dem hiesigen Civilgouverneur. In Folge dieses Gerüchts verweigerten die Hellenen die diesjährige Steuerzahlung, verfertigten eine mit zahlreichen Unterschriften versehene ^eschwerdeschrift an die griechische Regierung und deponirten diese Schrift am 16. in dem Lokal, wo sie ihre desfallsigen Berathungen gehalten hatten (einem Kaffeehause), um sie folgenden Tages, den 17., mittelst des französischen Dampfers nach ihrem Bestimmungsorte Athen zu befördern. Ain Abend des 16. wurde, angeblich auf Befehl des griechischen Konsuls, Haussuchung bei dem Besitzer des Versammlungslokals gehalten, unter dem Vorgeben, er sei im Verdachte der Falschmünzerei. Der Wirth öffnete willig alle seine Räumlichkeiten, und als der Untersuchende, der Sohn des Konsuls, an den Kasten kam, in welchem die Beschwerdeschrift lag, verlangte er deren Auslieferung, die der Wirth, als ihm anvertrautes Eigenthum, beharrlich verweigerte. Es kam zu einem Heft tigen Auftritt, in Folge dessen die Schrift weggenommen und der Wirth ins Gefängniß, d. h. nicht ins griechische Konsulat, sondern tu den Gewahrsam des türkischen Paschas gebracht wurde. Des andern Tages begab sich eine Deputation der Betheiligten zu ihrem Konsul und verlangte von ihm die Freilassung des Gefangenen, wie die Herausgabe ihrer Schrift; beides wurde verweigert. Rasch verbreitete sich der Erfolg der verfehlten Sendung und in kurzer Zeit waren vor dem Konsulat gegen 2000 Personen versammelt, von denen ein Theil in das Konsulat drang und mit Ungestüm die Gewährung der bereits vorher durch die Deputation ausgesprochenen Wünsche begehrte. Da die Anzeichen immer drohender wurden, fand es der Konsul gerathen sich durch die Hinterthüre seines Hauses zu entfernen und zu Wasser in das türkische Quartier zu eilen, um den ihm befreundeten Civilgouverneur zu vermögen, bei der Militärbehörde Hülfe gegen die Aufständigen zu verlangen. Diese wurde gewährt^ und einige Kompagnien Soldaten rückten gegen das Konsulatsgebäude. Es kam zwar zu einigen Rippenstößen und Verwundungen, allein die Offiziere ließen keinen Gebrauch von den Waffen machen, da sie hierzu von oben herab keinen Befehl hatten. So stauben Soldaten und Bürger sich von Morgen bis Abend gegenüber, und da der türkische Kommandant nicht zu Gewaltmaßregeln greifen, die Menge auch nicht gutwillig auseinander gehen wollte, kam es endlich am Abcuv zu einer Kapitulation, in welcher der Konsul die Freilassung des Gefangenen für den nächsten Morgen versprach. Am 18. früh versammelte man sich auf's Neue vor dem Konsulat, nahut den inzwischen dorthin gebrachten Wirth jubelnd in Empfang, und — die Revolution ist scheinbar beendigt, aber nur scheinbar, denn sogleich wurde eine neue Beschwerdeschrift mit Hinzufügung der letzten Unge- bührlichkeiten angefertigt, unterschrieben und mittelst Erpressen nach Athen gesandt, um der dort versammelten Deputirtenkammer vorgelegt zu werden. Von der Entscheidung dieser Behörde wird es nun abhängen, in wie weit oie Hellenen mit der Zahlungsverweigerung im Rechte waren, und man ist sehr gespannt, zu erfahren, ob die bis jetzt entrichteten Abgaben rechtlich erhoben und abgeliefert worden oder theilweise in den Seckel des Konsuls gewandert sind. Der gewaltsam verhaftete Wirth, dessen Schwägerin von den Vorgängen so angegriffen wurde, daß sie in Folge des Schreckens gestern gestorben ist, hat sich ebenfalls klagend nach Athen gewandt, nnd ffeht seiner Genugthuung entgegen."
Das gut unterrichtete „Journal des Dcbats", indem es ebenfalls die ihm ganz glaublich scheinende Nachricht von dem Wiedereinlenken des russischen Gesandten in Konstantinopel bringt und hieraus auf eine friedliche Lösung der Flüchtlingsfrage schließt, drückt doch seine Verwunderung darüber aus, daß dieser Umschlag so rasch erfolgt ist, daß die russische Diplomatie, nachdem sie einmal so weit und mit so viel Geräusch sich vorgewagt, sich nicht mehr Zeit zu einem ehrenvollen Rückzüge genommen habe, und sucht dies auf folgende Weise zu erklären:
„Es ist jedoch möglich, daß eine so plötzliche Umkehr den Zweck hat, irgend eine tiefe Combination zu verhüllen, die wir noch nicht recht durchschauen können. Die Gewandtheit der russsichen Diplomatie ist bekannt, und die Regierung des Kaisers