Nikolaus verfolgt ihre ganz eigenthümlichen Wege. Auch erzählt man — und wir haben einigen Grund die folgende Anekdote für wahr zu halten — daß, als im Kabinet von Petersburg die Rede davon war, diese Auslieferungsforderung zu stellen und einige Minister und Räthe des Czaren ihn davon abzubringen suchten, indem sie ihm vorstellten, welch nachtheiligen Eindruck dieser Schritt unter den liberalen Völkern des Westens machen würde, der Czar ihre Bedenken mit folgender Antwort zurückwies: „Lassen Sie mich nur; ich habe meine Absichten; ich weiß, was es mir einst nützen kann, dieses Verlangen gestellt zu haben, obgleich ich eben so gut weiß, daß, wenn ich Groß-Türke wäre, ich mich ihm nicht fügen würde."
Uebrigens hat sich schon jetzt bei dem ersten Ausbruch dieses Konflikts der gefährlichste Feind, den die Pforte in ihrem Schooße birgt und auf dessen Sympathien Rußland jetzt oder für die Zukunft zählen darf, verrathen: es ist die griechische Bevölkerung, welche die Aussicht einer russischen Invasion mit Freuden begrüßt. Als der Dampfer, der den Fürsten Radziwill wieder nach Hause brachte, sich Therapia näherte, strömte die ganze griechische Bevölkerung dieses Dorfes an der Küste zusammen und machte sich in Freudengeschrei Luft: „Nun, hieß cs, werden wir bald wieder die Messe in der Sophienmoschee hören." Die russischen Agenten sind natürlich eifrig beschäftigt, diesen Geist zu schüren.
Belgrad 26. September. (U e b e r t r i t t p o l n i- s ch e r und ungarischer F l ü ch t l i n g e zum Islam.) Unter diesem Datum enthält die „Augsburger Allgemeine Zeitung" Näheres über den bereits gemeldeten Uebertritt polnischer und ungarischer Flüchtlinge zum Islam. Die Korrespondenz, an die ungewisse Lage der Flüchtlinge während der diplomatischen Zerwürfnisse, die über die geforderte Auslieferung der Flüchtlinge entstanden war, ««knüpfend, fährt dann fort: die Türken spiegelten den Unglücklichen vor, daß ihnen nur ein Mittel übrig bleibe, sich vor dem Tode am Galgen zu retten — nämlich der Uebertritt zum muhamedanischen Glauben. Die Wahl war für die Heimathlosemeine schreckliche: entweder sich ausgeliefert zu sehen, um alsdann in Ungarn gehängt zu werden, oder ihre ganze Vergangenheit abzufchwö- ren und sich dem Koran in die Arme zu werfen. Fünftausend flüchtige Christen sollten keine andre Wahl haben, um das nackte, armselige Leben zu retten. Ein- geschüchtcrt durch die Vorstellungen der Türken ließen sich die Generale Bem, Kmeti, Stein und noch 20 andere Offiziere dazu bewegen zum muhamedanischen Glauben überzugehen, um handelnd gegen jene auftreten zu können, die sie zu diesem verzweifelnden Schritte gezwungen. Die Türkei hat durch diese Offiziere für ihre Truppen Anführer gewonnen, uud die Forderungen Rußlands sowohl als Oesterreichs haben Menschen die sie vernichten wollten, durch allzu großen Eifer einer neuen Wirkungssphäre übergeben, in der sie Oesterreich und Rußland mehr schaden können als sie es im thatlosen Erik vermocht hätten. Kossuch gab ohne
Zögerng eine abschlägige Antwort, ebenso die Mannschaft, die lieber sterben als ihren Glauben ändern will.
Großbritannien.
London, 6. Oktober. Gestern wurden wieder die Ein- und Ausfuhr-Tabellen für den mit dem 5. Sep- tember abgelaufeneu Monat veröffentlicht. Sie liefern wieder eine merkwürdige Zunahme in dem Ausfuhrhandel Großbritanniens. Die gestimmte Ausfuhr dieses Monats übersteigt die des entsprechenden Monats- des vorigen Jahres um beinahe 2 Mill. Pf. St. Ebenso ist andrerseits die Getreideeinfuhr gestiegen, was von der Partei, die jetzt das Heft in Händen hat, als das sicherste Zeichen des Wohlstandes des Landes, namentlich der untern Klassen gedeutet wird. In den ersten acht Monaten des Jahres 1848 wurde an Weizen eiiigeführt 967,985 Ors, 1849: 2,795,873; Indianisches Korn 873,946 und 1,732,744 Ors; Weizenmehl : 474,020 und 2,449,976 Ctr. — In Liverpool sindwieder Nachrichten aus Amerika angclangt. Aus Montreal in Canada vom 19. September schreibt man von einem blutigen Zusammentreffen zwischen der Reform- oder ministeriellen Partei und den Tories in einer Stadt Ober-Canadas. Die Reformers beriefen ein öffentliches Meeting, um eine Glückwunschadresse an den Generalgouverneur zu berathen. Die Tories drangen in großer Masse in den Saal und es gelang ihnen die Versammlung auf; ulösen. Beide Parteien waren bewaffnet, und sieben bis acht Personen wurden schwer verwundet, zwei davon tödlich. Nachdem die Tories sich des Saals bemächtigt, nahmen sie einen Mißtrauensbeschluß gegen Lord Elgin und das Ministerium an, was einen neuen Tumult herbeiführte, bis endlich das herbeigerufeue Militär mit großer Mühe die Ordnung wiederherstellte.
Asstsenverharrdlungen zu Wiesbaden.
Anklage gegen Joh. Kilsbach von Geisenheim, wegen Tödtuilg.
V Wiesbaden, 12. Oktober.
Die heute beendigte Verhandlung gegen J. Kilsbach von Geisenheim bot hauptsächlich nur juristisches Interesse. Bei einer Schlägerei in Geisenheim sollte der Angeschuldigte mit einem Stoßinesser (d. h. einem zum Verstoßen des Viehfutters bestimmten, mit einem langen Stiele versehenen Instrumente) in den Haufen der Streitenden gestoßen, und die Ehefrau Kilian derartig verwundet haben, daß dieselbe in Folge davon bald darauf starb. In der Voruntersuchung vor dem Amtsgericht gestand Kilsbach ein, daß er mit dem Instrumente auf die Ehefrau Kilian gestoßen habe. Später und vor dem Schwurgerichte läugnete er und trat den Zeugen, welche ihn Lügen straften, sehr keck und unbefangen entgegen. — Die Vertheidigung, welche Prokurator Arnoldi mit Um
sicht leitete, hatte viele Anhaltspunkte. — Zunächst wurde nämlich constatirt, daß die Ehefrau Kilian in der fraglichen Schlägerei zwei Wunden: die eine aus der linken, die andere auf der rechten Seite des Kopfes erhalten hatte. Zudem erklärte eine der vernommenen Personen, der Soldat Haas selbst, daß er ebenfalls an dem Streite Theil genommen, und mit einem dicken Prügel (der unter den Ueberführungsstücken neben dem Stoßinesser auf dem Gerichtstische lag) in den Haufen (auf die Ehefrau Kilian) geschlagen, und sich deßhalb in Untersuchung befunden habe, in Folge deren er mit 14 Tagen Arrest bestraft worden sei. Andere Zeugen bestätigen dies Bekenntniß. Ueber dieß ist in keiner Weise festgestellt, welche von beiden Wunden Haas und welche Kilsbach beigebracht hat. Unter den Aerzten welche vernommen worden, herricht Zwiespalt. Mit Ausnahme des Medizinalraths Vogler gaben alle an daß nur die an der rechten Seite des Kopfes befindliche Wunde den Tod herbeigeführt habe. Darüber aber ob diese tödtliche Verletzung durch ein Instrument wie das fragliche Stoßinesser hervorgebracht sein müsse ob es unmöglich, wenigstens höchst unwahrscheinlich sei, daß der hölzerne dicke Prügel eine solche Wunde herbeiführe, — oder ob der Prügel so gut wie bas Stoßmeyer die Wunde veranlaßt haben könne, sprechen sich die gutachtlich vernommenen Aerzte sehr verschieden aus. Diejenigen unter den Sachverständigen, welche die Wunde selbst sahen, äußern bestimmt, daß, wenn Prügel und Stoßmesser beide Wunden hervorgebracht haben, die Wunde'auf der rechten Seite (also die tödtliche) von dem Stoßmesser, die auf der linken Seite von dem Prügel herrühre. Auf den Grund des Obductions- Berichts stellen aber andere Aer;te diese Behauptung in sofern in Zweifel, als sie auch den Prügel für ein Instrument halten, welches dazu ge, eignet ist, die Wunde auf der rechten Seite hervorzubringen. Der ganze Beweis dafür, daß, wenn Angeschuldigter mit dem Stoßmesser der Ehefrau Kilian eine Verletzung beigebracht hat, dies gerade die tödt- liche sein muß, war auf solche Weise erschüttert, und es überraschte deßhalb das gegen 1 Uhr Mittags verkündete Verbiet der Geschwornen nicht, welches auf alle Fragen wegen der durch den Angeschuldigten veranlaßten Tödtung das „Richt-Schulbig" aussprach, und den Kilsbach nur für Schuldig erkannte „den Versuch einer Körperletzung" begangen zu haben. Auf Antrag der Staats-AnwaltS wurde das Strafmaaß vom Assienhofe auf 6 M o - nate Correktionshaus festgestellt, und jenes unter Anrechnung des ohne Schuld verlängerten Untersu- chnngsarrestes, als einer bereits verbüßten 3monatll- chen Freiheitsstrafe. — Wir sahen bei dieser Verhandlung die Herrn Hofgerichtsrath Trepka und Assessor Flach zum ersten Male, ersteren als Afsisin-Prafi- denten, letzteren als Staatsanwalt fungiren, und bekennen gern, daß dieselben ihre Aufgabe wohl zu lösen verstanden.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
(1065) Das von der Königl. preuß. und Herzog!. nassauischen Landesregierung genehmigte
Bureau zum Schutze der Auswanderer
in Coblenz befördert die Passagiere monatlich 3mal über Hovre und 4mal über Awtwerpew nach jVrt<- York und Tett-Orfeotts mit dem Versprechen der reellsten Behandlung. — Näheres bei H. Biegel in Limburg, H. Lanz in Weilburg und bei mir.
F. IF. f-rilJmMseH in Coblenz, Castorpfaffengasse 409, A.
(1073) Zu der H. W. Nitter'schen Buchhandlung ist wieder vorrâthig:
Blicke in das Labyrinth der Zukunft.
In merkwürdigen Weissagungen des Johann Ad. Müller, weiland Bauersmann auf dem Maisbach.r Hofe bei Heidelberg.
______ ___________________________Preis 12 kr.____________________
(1036) In dem Hause der H. W. Ritter sehen Buchhandlung ist der mittlere Stock zu vermiethen und kann sogleich bezogen werden.
Frankfurt. Cours der Staatspapiere. Schluß der Börse.
Den 11. October 1849.
pCt.
Papier
Geld
Den 11. Oktober 1849.
pCl.
Papier
Geld
Oesterreich
Metalligucö Obligationen . . . .
5
90%
90%
73%
Darmstadt
Obligationen ........
3%
83
82%
4
74
ff
4
90%
89%
3
&4%
53%'
ff
Lottcrie-Anlehen von 50 fl. . . .
—
72%
72%
47
46%'
ff
25 fl. Loose........
—
27
26%
Wiener Bank-Actien.....
3
1348
1340 1
Kurhessen
Friedrich-WilhclmS-Nordbabn . .
4
48
47%
500 fl. Loose........
—
151%
151 1
ff
40 Thaler Loose bei Rothschild . .
—
34%
34%
250 fl. Loose von 1839 ....
—
108%
107%'
Nassau
Obligationen........
5
102%
101%
Lethmännische Obligationen . . .
4
75%
74%
Obligationen bei Rothschild . . .
3%
85%
85
47.
84%
84%
ff
ditto 25 fl. Loose . .
—
25%
23%
Preußen
50 Thaler Präinien-Scheine . . .
—
100
Frankfurt
Obligationen........
3
81
80%
Staats-Schnld-Scheiue â 105 . .
3%
88%
88%'
ff
ditto von 1839 ....
3%
94%
93%
Bayern
Obligationen........
3’/,
86 1
ff
ditto von 1816 ....
3%
90 %
90
Ludwig-Kaual-Actien incl. d. v. C.
—
—
45%;
Taunus-Eisenbahn-Acticn a 250 fl. .
—
303
300
Bexbacher Eisenbahn-Actien . . .
—
82%
81%'
Holland
Jntegr.-Obligatiouen.....
2%
54%
53%
Würtemb.
Obligationen........
4%
94%
94 '
ff
Syudicats.........
3%
—
84
3%
82%
82%' 97%;
Spanien
Innere Schuld neue Obligationen .
3
27%
27%
Baden
Obligationen........
5
98%
ff
Ardoins iucl. 14 Coup.....
—
—
ff
3%
80
79%'
Polen
Lotterie-Loose 300 ......
—
—
110
Lottcrie-Anlehen â 50 fl. von 1840
54%
54 1
ditto 500 ......
4
80%
80%
35 fl. Loose vom Jahr 1845 . . .
—
32%
32 1
Sardinien
36 FrS. Loose bei Gebr. Bethmann
—
33%
33 %
(1119) Ein junges Frauenzimmer, in einem Institut gebildet, welches gründlichen Unterricht, in allen Elemcntargcgcnständen, sowie in der französischen Sprache und in der Mussk geben kann, wünscht sich entweder als Lehrerin in einem Institut, oder als Hauslehrerin zu placircu.
Das Nähere in dem Geschäftsbureau von Carl Leyendecker, Marktplatz No. 38.
Anfragen erbittet man franco.
(1120) Zu einer Tapetenfabrik im Königreich Sachsen wird ein Wortführer, welcher in der Fabrikation des Buntpapiers gründliche Kenntnisse besitzt, unter sehr guten Bedingungen, durch das Geschäftsbureau von Carl Leyendecker, Marktplatz Nrv. 38 zu engagiren gesucht.
Anmeldungen erbittet man franco.
Cours der Wechsel.
Den 11. October.
Kurze
Sicht
Zwei Monat
Gold- u ud S l I b e r - S o r t e n.
fl.
fr.
Briefe
Geld
«riefe
«seiv
Neue Louisd'or............ Friedrichsd'or.............
20 Frank-Stücke ...........
Laubthaler .............
Preußische Thaler...........
Hochhaltiges Silber..........
Gering-mittelhaltiges Silber........
11
9
5
6 55% 39
Amsterdam, 100 fl. Crt. . . .
Augsburg, 100 fl. Crt. • . .
100%
119%
—
99%
Berlin, 60 Thlr. ..... Bremen, 50 Rthlr. in Louisd'or.
Hamburg, 100 Mrk. Bco. . . .
Leipzig, 60 Thlr......
„ in der Messe .... London, 10 Livr. St. .... Lyon, 200 Fr....... Paris, 200 Fr......
98%
88
105%
105%
95%
95%
—
87%
120%
9 10
12
1
24
38
2
3
45
30
Mailand, 250 Lir. Austr. . . .
—
—
—
—
Wien, in 20r 100 fl. C.-M. . .
113%
113%
—
—
Dtsconto........
—
—
—
1%
( Arm
Druck und Verlag der 4. Rttter'schen Buchdruckerei.
(1121) Größere und kleinere Häuser in und außer der Stadt sind zu verkaufen dar» das Geschäftsbureau von C. Leyendecker, Marktplatz No. 38
Ruhrkohlen.
(1122) Eiscnkohlen vorzüglicher Qualität sind vom 15. bis 24. Oktober aus dem Schiff zu billigem Preis zu beziehen.
Wiesbaden den 12. Okt. 1849.
A. Gleis.
(1072) Flaschenbier 5 9 kr, und Neuwieder Lagerbier 5 12 kr. bei
H. Fogel.
(1114) 1500 fl. liegen gegen erste Hypothek auf Feldgüter zum Ausleihen bereit. Zu erfragen bei H. Schoth in Biebrich.