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WisSbsdsn. Freitag, 12, Oktober
„âeiheit und Neebt!"
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1849
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A. S. Die deutsche Fürsteupolitik.
II.
(Schluß.)
Ganz dasselbe Interesse wie Oesterreich hat und verfolgt im Wesentlichen Preußen. Nach dem Drei- köuigsentwurfe war der König von Preußen der Inhaber der VoUziehungsgewalt des Bundesstaates, von dem Oesterreich ausgeschlossen war. Damals, als Oesterreich noch seine Heere auf die ungarischen Schlachtfelder senden mußte, schienen die Umstände der Verwirklichung dieses Planes günstig zn sein. Aber ein anderes Interesse, das gleichfalls rein dynastischer Natur war, wies Preußen wieder auf den ungeschwächten Bestand Oesterreichs hin. Die Insurrektion in Italien war ziemlich niedergeworfen und besiegt; wie aber, wenn die Schlachten in Ungarn verloren gingen, wenn cs den ungarischen Heerführern vielleicht einsiele, die Insurrektion über die Grenzen Ungarns hinaus nach Galizien und Polen, oder gar nach Deutschösterreich zu tragen? Dies Bedenken mußte störend der Verfolgung des ersten Interesses in den Weg treten. Nur daher erklärt sich auch jenes fortwährende Schwan- ken in der preußischen Politik, jenes ungewiffe Auftreten, das bald wie eine drohende Erklärung an Oesterreich, und wie eine heimliche Freude über seine Schwächung und Kraftabnahme; bald aber wiederum wie ein bangcS Herzpochen über die Waffensiege der Ma
Keiren »aussah.
Mit Hülfe russischer Bajonnette, und durch den Verrath Görgey's wurde der magyarische Löwe gebändigt. Oesterreich konnte wieder freier aufathmen, und vor Allem seine Blicke nach Deutschland richten, wo sein Interesse unterdessen durch die Politik Manteuffel s schien gefährdt worden zil sein. Hier hatten aber wäh- rend dem die Dinge folgenden Gang genommen: die bewaffnete Erhebung in der Pfalz und Baden hatte Preußen einen Anlaß gegeben, seine Truppen nach Süddeutschland zu fenben, und in diese Länder einrücken zu lassen. Die Mehrheit des Parlaments hatte, überflügelt durch die Bewegung des Volks, das erstere verlassen,'und damit auch ihr eignes Machwerk, die Reichsvcrfassnng, aus ihren Händen gegeben, und sich selbst, d. h. den dieselbe als Schild führenden Parteien, überlassen. Die Minderheit wanderte nach Stuttgart, ernannte eine Neichsregentschaft aus ihrer Mitte, wurde aber auf Befehl Römer's durch würtcmber- gisches Militär gesprengt. Das Volksheer in Baden wurde besiegt, und der Prinz von Preußen entbiete die Lorbeern. Parlament und Reichsverfassung waren demnach bis auf die letzte Spur vertilgt, die sog. Ruhe und Ordnung war hergestellt, und Preußen war die Henne, die das neue Ei der deutschen Einheit gelegt hatte, — Preußen hatte den Ruhm, den Triumph, den Vortheil. Die Zentrumsinänner der deutschen | seit Beider von Osteuropa. ' ' ' - - -
Kammern sprachen ihr gewohntes Ja zu dem fait ac- , ;
cömpli, die Annahme der Dreikönigsverfassung war I sten Könige Europas kreisen müssen.' Der jaar ist
die „rettende That" überall, und wie man einst allenthalben für die Frankfurter geschwärmt hatte, so schwärmte man jetzt für die Berliner. Der Bundesstaat mit Preußen an der Spitze war ja die Losung geblieben, einige kugeldurchbohrte Leiber, einige Gefangene, einige Verbannte, einige unterdrückte Vereine und Zeitungen, das war der ganze Unterschied zwischen Frankfurt und Berlin: wer wollte wohl va so unverschämt sein, um aus der nunmehrigen Begeisterung für Berlin den Vorwurf der Karakterlosigkett, der Feigheit und Schwäche abznleitcn? Baden mußte als Dank für die Hülfe, natürlich ohne Weiteres der Drei- konigsverfassung zufaUen, Mecklenburg, Nassau, Hessen, Braunschweig, die freien Städte u. s. w. u. s. w. sagten schnell ja: außer Baiern und Würteinberg, was fehlte da noch, um die Verfassung in's Leben zu führen? Grade jetzt aber beginnen Baiern und Würtemberg ihre heftigste Opposition: Baiern, weiles in dem Entwürfe zu wenig für seine Macht bedacht war, weil es sich stützen konnte auf den Uftramontanismus und auf sein blauweißes Heer; Würtemberg, weil sein König, wie seine Bewohner von jeher eine Antipathie gegen Preußen hatten, weil es Romer auch wirklich Ernst war mit dem Vorwurfe gegen den preußischen Entwurf, daß nämlich Oesterreich darin gänzlich außer Acht gelassen wäre. Beide stützten sich auf Oesterreich, das fetzt fertig geworden ist mit den Insurrektionen seiner Reoenländer. Preußen zieht gelindere Saiten auf, der „Aar steckt seine Krallen ein," und es fehlt wenig, daß durch seine offiziellen Organe Oesterreich einen brüderlichen Kuß empfängt. Aber das Zerwürfniß beginnt nunmehr auch in den Reihen der Verbündeten. Sachsen findet den Dank zu groß, Hannover zeigt plötzlich sittliche 'Entrüstung, weil man Oesterreich, das uralte deutsche Oesterreich, nicht auf- genonunen in den Bundesverband. Oesterreich zeigt Neigung znm Staatcnbunde, Preußen fürchtet gleichfalls durch Ausschreibung der Wahlen zum Reichstag eine neue unwillkommene Volksbewegung hervorzurufen, es hat eine vortreffliche Entschuldigung in dem bösen Willen Sachsens und Hannovers, in den Hindernissen, die sich wegen Oesterreichs Eintritt anfthür- men, der Zaar Nikolaj hat vielleicht den guten Rath ertheilt, auch den Schein des Konstitutionalismus aufzugeben, die scheinkonstitutionellen Minister Manteuffel und Konsorten, die Schöpfer der Drcikönigsver- fassnng, machen wohl bald dem offenen, ehrlichen Absolutismus der Männer der Kreuzzeitung, der Ritter von „Treue und Glauben" Platz, und das Ende
vom Liede, was wird es sein? Wiederherstellung des alten Bundestages, vielleicht mit einer obersten Spitze dreier Prinzen, heimliches, verdecktes Wettringen von Oesterreich und Preußen um die Ehre des Vorrangs in Deutschland, aber Abhängigkeit, totale Abhängig-
Rußland ist die große Zentcalfonne, um die die mei-
der Magnet, der die Mehrzahl der Herren der fünf« unddreißig deutschen Ländern unabänderlich an sich festhält.
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Wir haben uns einen Augenblick die Mühe genommen, dem verworrenen Gange der fürstlichen Politik zu folgen. Wir schmeicheln uns keineswegs, überall die wahren Motive enthüllt zu haben, aber zum wenigsten endecken wir allenthalben nichts, als groß tige Impotenz!
Die Könige sind nicht im Stande, Deutschland im wahren Sinne einig zu machen. Ihr Interesse läuft der wahren deutschen Einheit schnurstracks entgegen. Mögen sie nun nicht können, weil sie nicht wollen, oder nicht wollen, weil sie nicht können: die Thatsache steht fest, daß das deutsche Volk von seinen Königen nichts, gar nichts zur Erringung seiner Einheit zu erwarten hat. Die Fürsten sind immer einig gegenüber dem Volke. Ein Narr ist, wer des deutschen Volkes Freiheit von einem Zerwürfnisse seiner Fürsten hofft.
Aber das deutsche Volk hat Etwas gelernt: es erwartet von seinen Königen nichts, gar nichts, es empfindet Langeweile über die ewigen Verhandlungen, Noten, Couriere, Kongresse, und es lächelt dazu — wenn es das Lachen noch nicht verlernt hat; es läßt den Fürsten Zeit zum Austoben, und denkt nur immer an die blutigen Leichen in der Brigittenau und in Mannheim, es hofft, ja es hofft, aber nicht von den Königen: — es hofft auf sich selber!
f/ Wiesbaden, 10. Okt. (Schluß der Assisen- V e r h a n d l u n g gegen Kohl und Cons, wegen Mordversuchs.) 4) Die Zeugin Ehefrau Damm (42 J. alt) sagt: „Ich war in der fraglichen Nacht gegen 1 Uhr noch wach, und sah, indem ich am Finster stand und aus demselben heraussah, wie Kohl, Müller und Bibo an meinem Hause vorbei nach der zur Frühmesserei führenden Straße abbogen. Kohl sagte: „Er muß heute sterben!"; Bibo entgegnete: „Soweit lasse ich Dich nicht kommen." Kohl trug etwas bei sich, was einem Gewehre ähnlich sah. Bald darauf hörte ich, daß vom Hause des Frühmeffers her kurz nach einander zwei Schüsse sielen. Einige Zeit nachher kehrten die 3 Angeschuldigten zurück, und jetzt hatte Bibo ein Gewehr." St.-Prok.: Konnten die Ange- schuldigten in der Zwischenzeit, wo sie zur Frühmesserei gingen und von dort zurückkehrten, zu Hause gewesen sein? Zeuge: Nein. — Der Verth. Heeser macht auf mehrere Abweichungen der jetzigen Aussage der Zeugin von ihren frühern protokollarischen Depo- sitionen aufmerksam. Es ist aber unmöglich, von diesem Zwischenfalle etwas zu verstehen. Lang: Hätte Ringel bei Ihrem Hause vorbeigehen müssen, wenn er auf geradem Wege den übrigen drei nachgefolgt wäre? Zeugin: Ja. — 5) Weingärtner Jae. Fuchs: Von meinem Garten aus, in welchem ich mich zur Abfassung
f §f Der Kampf der Gegenwart.
I.
Am Ufer bricht sich ungestüm»! die Welle Und lies erschüttert brausn der Strom^der Zeil! Erwartungsvoll steht an der Zukunft Schwelle — Boll Ernst betrachtend die Vergangenheit, —
Der Menschengcist, zu schauen au dem Alten, Der nahen Zukunft werdende Gestalten.
Ihn selbst durchzucken mächt'ge Geifterwehen,
Und kreisend zaget die Gedankenwelt, Ob' werden wird, ob's lebend wird erstehen, Was formlos noch der Zeiten Schoost enthält. Doch was der Geist in seinen Tiefen schuf. Gehorcht der Zeiten leisem Schöpfcrrnf;
Denn was er zeugte, was die Zeit empfangen, Ob selbst er lebt, es wird Gestalt erlangen; Wie in der Körperwelt die Schwergewalt lind der Bewegung Kraft im Kampfe ringen, lind Form und Sein in wechselnder Gestalt Durch alle Stoffe unaufhaltsam bringen:
Sv treibt der ewigschaffcnde Gedanke Das schon Gezeugte stets zu neuem Werden, Kein Stillstand gibt's, nur Werden sonder Schranke! Im Sonncnheer und aus dem Schwarm der Erden, Im Seelenlosen und im Geisterrcich — Sind die Gesetze der Verwandlung gleich. Was ist, entstand ans dem, was einst gewesen, Und must in das, was sein wird, nbcrgch'n; Nur die Erscheinung flieht, nicht so ihr Wesen, Das in dem Wechsel ewig wird bestehn. Das Urbild, das dem Stoff sich eingelebt, Ist der Erscheinung Grund und tiefstes Wesen,
Und wenn's entflieht und neuen Leib sich webt, Must in Al'ome sich die Leiche lösen.
Wie die Geschlechter auf der Erde fliehen, So schwinden Sonnen in dem Weltenplan, Und werdende Kometensterne ziehen, Gestaltend sich, in die verlassne Bahn, — Und aufgelegte Weltsysteme bilden
Den Lichtsaum um ein and'res Weltenmeer, Und senden den entlegenen Gefilden
Des neuen Lebens Lust und Reiz umher.
Und Erden, die als leichtes Gas verftüchtet,
Saugt bald ein Embryo als Aether ein,
Der frommend zu Materie ihn verdichtet,
Um neuem Leben festen Grund zu leih'n. — Doch vorwärts nur wird alles Sein getrieben, Kein „Rückwärts" steht im Weltenplan geschrieben. Die Schwachheit nur hat diesen Wahn geboren, Und schleppt als Erbtheil ihn durch jede Zeit: Doch bleibt ihr Mühen fruchtlos und verloren, Was war — gehört blos der Vergangenheit. Wer Ohren hat, zu hören, höre! Vernimm, wer fassen kann, die Lehre!
II.
Wohl sieht der Wahn im Werden und Entfalten Verwesung nur, zerstörende Gewalten.
Der Gegensätze scheinbar feindlich Streben Jedoch vermählet sich im frischen Leben, Und vom Crystall bis zu dem Cherubin, Vom Staubkorn bis zum höchsten Sonnenglauze Erscheint das eine schöne Lebeusgrün, lind in dem Kleinsten strahlt das hohe Ganze. Und doch erscheint in Gottes weitem Reich Kein Sein, das völlig and'rem Dasein gleich;
Denn jedes must als eignes Sein erscheinen, Hub zwanglos doch zum Ganzen sich vereinen. Gleich wie in Körper- und in Geisterwelt Sich Gegensatz zu Gegensatz gesellt, Zu schüren stets des Lebens leichte Flammen, So hält die Welt der Sitten und der Pflicht Der Gegensatz im schönen Gleichgewicht.
Der Geist erstarrt, die Ordnung bricht zusammen, Wenn der bewegende Prophetengeist
Das Leben nicht in seine Fluthen reißt, Wenn Forschung nicht das Starre stets bewegt, Und lösend stets zu neuem Bauen regt.
Doch wo den Geist des Lebens man verbannt, Da übet die Verwesung ihre Rechte, Vergebens ringt der Wahnsinn um Bestand. Der Geist, der nicht gezeuget ward, zum Knechte, Wird frei, das fordert das Naturgesetz Wird frei, trotz Metternich und Windischgrätz, Trotz Macht^uud List und Schlamm und Sand der Spree, Trotz aller Stürme vom Ladvga-See!
5- R.
Der unschuldige Galeerensclave.
(Aus der „Allgemeine Moden-Zeitung".)
(Foctfeyling.)
IV.
In Folge bei* passenden Behandlung hatte Herr Gorsaz sich bereits wiederr etwas erholt und sein Bewußtsein völlig erlangt, obgleich er uod) nicht sprechen