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Wiesbaden. Donnerstag, 11. Oktober

Freiheit und Recht!«

MLV

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dern einen Bundesstaat, wenn es damit dem Volke ein unrichtiges Panier in die Hand drückte, so wäre vielleicht grade die Niederlage von Volk und Parla­ment ein vortrefflicher Zeuge unserer obigen Idee. Ge­nug, wir wollen nichts sagen, als: in Bezug auf die

Könige war grade die Eristenz der königlichen Ein­zelstaaten daS Hinderniß der deutschen Einheit. Das

Volk vermochte dies Hinderniß nicht zu beseitigen, und knirscht dafür jetzt wieder in seiner alten Ohnmacht.

Aber die Könige haben sich jetzt das Panier der Re­volution zn eigen gemacht, und erklärt, gleichfalls nichts anderes zu wollen, als die Einheit Deutschlands, ver­steht sich nach ihrer Weise, b. h. auf dem Wege dip­lomatischer Verhandlungen. Wir wollen nun sehen,

I ob es die Könige besser verstehen, als das Volk, das ! sie abgelöst haben.

Nachdem die Könige sich Anfangs bloß in einer negativen Kritik gegen die Beschlüsse des Parlaments

A. 8. Die deutsche Fürstenpolitik.

I.

Als ob sie müde wären des langen Kampfes, haben sich die Völker zur Ruhe begeben. Was uns bisher so großartig schien, was unsre Herzen in steter Span­nung erhielt, wir sehen uns jetzt vergebens darnach um. Gleich prächtigen Tableaur sind die Thaten der Nationen an uns vorübergerauscht:, noch nicht zwei Jahre genügte», um die Völker, diese meteorenartig aufgestikgcncn Freiheitshelden, in ihr früheres Nichts zurückzuschmettern. Wie die Sage geht, daß Gott ver­schiedene Sprachen unter die Menschen kommen ließ, die sich aus nah und fern zum großen Thurmbau von Babel vereinigt hatten, und wie darum der Bau nicht , vollendet werden konnte: so hatten sich auch die Na- i tionen Europas zu einer großen Riesenarbeit vereinigt; aber dem gemeinsamen Plane fehlt die gemeinsame Ausführung: der Satan wußte die Nationen zu be- i stricken , daß eine nach der andern an ihren Ketten ' rüttelte, während die Despoten über jede einzeln Hersielen , und eine nach der andern würgten. Ueber- all wohin wir sehen, erblickt das Ange die großen Hünengräber, die gewaltigen Denkmale der Tapferkeit der empörten Sklaven; Schaaren von Eulen schwirren ; drüber her, und erfüllen die Luft mit ihrem schauerigen Gekrächze. Doch die Geister der Erschlagenen läßt eS nicht ruhen: sie steigen aus ihren Grabern um Mit­ternacht, überall hin den Saamen der Unzufriedenheit zu streuen, und das Verlangen nach Sühne zu tragen weithin durch die Lande.

Einen Augenblick hatten sich die Planeten gegen ihre Sonnen empört: aber schon sind sie gezwungen, wieder um sie zu kreisen; die Sonnen aber sieht man ; kreisen um die Eine große Zentralsonne, die sich spie- ! gelt in den eisigen Fluthen der Newa.

Wir wollen schweigen von Europa, und bloS re­den von Deutschland, seinem Herzen. Wird es den Fürsten besser gelingen, als dem Volke, das Werk der Einheit des Vaterlandes?

O Königin, Du weckst der alten Wunde unenn- bar schmerzliches Gefühl!"

Die Anstrengungen deS Volkes gingen auf die Um­schmelzung aller deutschen Staaten in einen einzigen großen Einheitsstaat. Ueberall wo das Volk kämpfend auftrat, schimmerte diese Idee, wenn auch dunkel und i verworren, durch. Die Märztage in Berlin, wo das Volk diesem Gefühle durch die Worte: Preußen geht in Deutschland auf! Ausdruck verlieh; die Oktobertage in Wie», der Kampf in Dresden, und vor Allem die Mampfe in Baden sind redende Zeugen dieser Behaup­tung. Schon die Eristenz eines Parlaments in Frank­furt mit der bestimmten Mission, eine Verfassung für ! die deutsche Nation zu schaffen ohne alle Rücksicht auf 1 die bestehenden Einzelstaaten, wäre Beweis genug für 1 die Deutung, die wir der Erhebung des Volkes geben. Wenn das Parlament keinen Einheitsstaat wollte, son­

I ergangen hatten, wurde endlich von ihrer Seite die ! sogenannte Dreikönigs-Verfassung als ein Erzeugniß ihrer wirklich schöpferischen Idee, der Frankfurter Neichs- verfassung gegenüber, ausgestellt. Diese Verfassung ging gemeinsam von den drei Negierungen Preußens, Sach­sens und Hannovers aus. Die Mission des Parla- ; mentS schien damals mit der fertigen Neichsverfaffung zu Ende zu sein; die Völker machten Miene, die endgültig be­schlossene Verfassung ins Leben zu führen. In Preu­ßen war die Auflösung der nach der ersten oktroyirten Verfassung gewählten Kammern erfolgt, weil die Mehr­heit der zweiten Kammer entschieden deutsch war. Die Regierung konnte damals nicht sagen, sie wollte kei­nen Bundesstaat; sie sagte nur, daß sie den Bundes­staat in dieser bestimmten Form nicht wollte, vor Al­lem nicht das demokratische Wahlgesetz für das VolkS- hauS. Der König von Preußen lehnte die ihm in der Verfassung zugedachte erbliche Kaiserwürde ab. Das Ministerium unterhandelte mit verschiedenen deutschen Regierungen, und es trat endlich mit dem von ihm, Sachsen und Hannover ausgearbeiteten Entwürfe her­vor. Sachsens Kammer nämlich hatte sich für die Verfassung des Parlaments erklärt; der König aber ernannte kein Ministerium aus der Kammermajorität, löste die Kammern vielmehr auf. Die Erhebung des Volks in Dresden erfolgte: acht Tage lang hielt sich ein radikales deutsches Ministerium. Die Ruhe war bald hergestellt mit Hülse preußischer Bajonette. Sach­sens König übte nun die Pflicht der Dankbarkeit gegen Preußen: er trat dem Entwürfe der preußischen Re­gierung bei.

In Hannover war die Auflösung der Kammern aus ähnlichen Gründen erfolgt, wie in Sachsen. Nur hatte hier das Ministerium bereits seit Beginn des Parlaments eine entschieden feindliche Haltung gegen dasselbe beobachtet. Es erblickte in der Neichsverfas- snng nichts, als den, wenn auch verblümten, deutschen Einheitsstaat, dessen ausgemachtester Gegner es war. Sei es nun, daß Stüve wirklich ehrlich an die Durch-

führung der Dreikönigsverfassung glaubte, sei es, daß er grave im Gegentheil dieselbe für unmöglich hielt, und die öffentliche Meinung nur dupiren wollte: ge­nug, er schloß sich derselben an, und so kam das Bünd- niß der drei Regierungen zu Stande.

Von den übrigen kleineren Staaten hatten sich fast alle für die Annahme und Durchführung der Reichs- Verfassung erklärt' Unt> zwar sowohl die Kammern, wie die Ministerien. Aber wir müssen bemerken, daß die Mehrheit beider aus Liberalen bestand, d. h. aus jenen ZentrumSmännern, die eine außerordentliche, wahrhaft rührende Begeisterung für die deutsche Ein­heit zur Schau tragen, übrigens sich jedem fait accom- pli anschließen, und so auch damals nur dem augen­blicklichen Drängen der, in Süddeutschland besonders heftigen, Volksbewegungen nachgaben.

Oesterreich endlich hatte damals noch vollauf mit Venedig und Ungarn zu thun. Es war sowohl nach dem Entwürfe des Parlaments, wie nach demjenigen der drei Könige, von dem eigentlichen deutschen Bundes­staate ausgeschlossen. Es grollte darüber im Stillen, machte auch seinem Aerger in seinen Zeitungsorganen Luft, verhielt sich aber im Nebrigen bloß drohend, unter der Bedingung nämlich der baldigen Besiegung der ungarischen Insurrektion.

Es kann nun nicht unsere Sache sein, zu unter­suchen, inwieweit es Oesterreich in seinem jetzigen Be­stände möglich sei, dem deutschen Bundesstaate beizu­treten. Für den Kaiser und sein Ministerium hat das ganze Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland offenbar nnr die Eine Hauptseite der Hegemonie. Wenn Oesterreich erklärt, dem deutschen Bundesstaate beitre­ten zu wollen, so heißt dies im Sinne seiner Erklärer nichts anderes, als: wir wollen dem übrigen Deutsch­land seine innere und äußere Politik vorschreiben. Dies Ziel wird Oesterreich unter allen Umständen verfolgen, und wenn es ihm erreichbarer dünkt unter der Form des Staatenbundcs, vielleicht des alten Bundestags, so wird es auch kein Mittel scheuen, den letzteren wieder aufzurichten. (Schluß folgt.)

V Wiesbaden, 9. Okt. Heute begann die zweite Verhandlung vor dem Schwurgericht. So­wohl um auch denjenigen unsrer Leser, welche wegen ihres Wohnsitzes verhindert sind, persönlich an einer solchen Gerichtssitzung theilzunehmen, ein Bild dersel­ben zu entwerfen, als auch des Interesses halber, wel- ches der Stoff selbst gewährt, gehen wir in das Nä­here ein. Der Saal ist bereits zahlreich vom Pu­blikum besetzt, als die in dem Nebenzimmer ausgeloos- ten Geschwornen und die Mitglieder des Assisenhofes Platz nehmen. Auf der Angeklagten-Bank sitzen 4 Männer im rüstigsten Mannesalter: der Winzer B i b o, Schuhmachergeselle Balthasar Kohl, Taglöhner Jos. Müller und Schmidt Jac. Ringel, sämmtlich aus

Der unschuldige Galeerensclave.

(Aus derAllgemeine Moden-Zcitiuig".)

(Fortsetzung.)

DaS von der Lcidenschafe gewiegte und oft selbst cingcschläfcrte Gewisse» erwacht sie tu bei dem Anblicke des Todes. Als er den Mann , dessen gastliche Aufnahme er gemißbraucht hatte, in seinem Blute liegen sah, er­wachte auch in Arthurs Busen ein Theil der Gewissens­bisse , welche die Ehebrecherin peinigten. Er hielt es für eine gehässige Entweihung , in diesem Augenblicke ein einziges Wort, einen einigen Blick, einen einzigen Gedanken an die Frau zu richten, die er liebte. Statt sich ihr zu nähern, trat er zu dem Geistlichen und sagte leise zu ihm:

Ist Hoffnung zu seiner Rettung da?"

Das weiß Gott!" antwortete der Priester mit gen Himmel gehobenen Augen.

Mehrere Stunden lang schienen alle Bemühungen der Kunst nutzlos zu sein. Herr Gorsaz kam nicht zu sich, ja jeden Augenblick schien sein Athem vollends ver­loschen zu müssen. Der Arzt, der bei der ersten Unter­suchung ter Wunden versichern zu können geglaubt hatte, daß sie nicht tödlich seien, fing an, die Hoffnung auf­zugeben. Die völlige Uuempfinrlichkcit, die er anfangs

dem Blutverluste und der Altersschwäche zugeschrieben hatte, liest besorgen, daß der Dolch des Mörders ein wichtiges Organ getroffen. Bon Zeil zu Zeit neigte er sich über Den Berwundeten und lauschte besorgt auf den schwachen Hauch, der sich mit Mühe aus der Brust wand. Endlich störten einige Ncrrcuzuckuugen die todt- ähnllchc Unbeweglichkeit in dem Gesichte des Greises ; der Athem wurde stärker; nach einer schmerzlichen An- strengung öffneten sich die Augenlicder ein wenig; er versuchte sich aufzurichten und hielt einige Zeit den Mund und die Augen offen, ob er gleich weder sehen noch sprechen konnte.

Herr Pfarrer, ich glaube Sie können sich uiedcr- kqen," sagte der Arzt, indem er sich die Stirn ab- irvchute;nun bin ich meiner Sache gewiß; wir retten ihn."

Zum ersten Male suchte von Aubiau die Augen Luciens, aber er begegnete ihnen nicht Die junge Frau war, als sie die Worte des Arztes hörte, auf ihre Knie gesunken und schien inbrünstig zu beten.

Es war seit einiger Zeit Tag geworden. Vor dein Hause halten sich mehrere Laudleutc und Arbeiter ver­sammelt, die laut sprachen und durch ihr ganzes Wesen verriethen , welchen Eindruck die Nachricht von der Er­mordung des reichen und allgemein geachteten Mannes in der Umgegend gemacht hätte. Die Aufregung unter diesen Leuten verdoppelte sich aber und steigerte sich fast

bis zur Wuth als sie Bonncmain erblickten, dem man die Hände auf den Rücken zusammeugcbuudeu hatte und der triumphireud von zwei starken Bauern und dem Gärtner Planet hcrbeigcführt wurde. .DieVerwünschungen und die Drohungen, mit denen das Volk in solchem Falle besonders im Süden so freigiebig ist, fielen hagel­dicht auf ten muthmaßlichen Urheber des Mordes. Man griff bereits nach Steinen und hätte vielleicht nach ten Messern gegriffen, als im Galopp ein Wagen herbei kam, aus welchem ein schwarzgekleideter ernster Mann sprang.

Im Namen des Königs," sprach er mit gebieterischer Stimme,daß Keiner von Euch die Hand gegen diesen Mann erhebt!"

Als man ten königlichen Prokurator vom Gerichts- ho!e zu Neole erkannte, entsagten die Eifrigsten dem Standrecht, daS eben gehalten werden sollte, ließen mit dem Geschrei nach und traten einige Schritte zurück. Nachdem er Piquet befragt, ließ der Prokurator dem Angeklagten die Fesseln lösen, ^em man es an dem schmutzigen Anzüge und zerschlagenen Gesiebte ansah, daß er nur nach verzweifeltem Widerstände sich ergebe». Er übertrug die Bewachung desselben ten Leuten, die ihn fcstgcuvmmen hatten und trat dann in das Haus hiue-n, um die Uut rsuchung zu beginnen.

(Fortsetzung folgt.)