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sich in Schlachtordnung formirt und den Säbel ln der Faust die Gränze überschritten. Ein Pferd allein hatte zwei Kugeln erhalten. Die belgische Regierung sandte zuerst zu ihrer Verfolgung, dann zu ihrer Auf­suchung einen Offizier ab, der ihnen versprach, daß sie im Fall der Rückkehr mit 14tägigem Arrest los­kommen würden. Allein die belgischen Desferteurs hielten es bei den formellen Strafbestimmungen des Militärgesetzbuches nicht für gerathen, in ihr Vaterland zurückzukehren, sondern machten Alles, was sie hatten zu Gelde und haben jetzt vor, sich zur Fremdenlegion in Afrika zu begebeu.

Nepttblik Frankreich.

Paris, 3. Oktober. Nach einem durch das Blatt l'Evenemcnt" verbreiteten on dit hat die Regierung mittelst telegraphischer Depesche einer Division der Al­penarmee den Befehl zugehen lassen, sich zum Abmarsch nach Marseille bereit zu halten, um im Falle eines Krieges die italienische Erpeditionsarmee zu verstärken. Der parlamentarische Ohrfeigeuheld Peter Bona­parte, den man nach Algier hat abreisen lassen, war gestern Abend noch in Paris. Heute Abend hofft man den gestern nicht zusammen zu bringen möglich gewesenen Staatsrath halten zu können. Derselbe hat den Zweck, sich über den Gang zu verständigen, wel­cher bei den morgigen Debatten in Bezug auf den Credit für die römischen Angelegenheiten zu befolgen sei. __ Ein Stück, betiteltRom", welches im Thea­terPorte St.-Martin" dreimal nacheinander unter großem Zn sch auerzuströmen gegeben worden, ist trotz der Streichung der erregendsten Stellen verboten wor­den. Man schreibt dem General Changarnier die Ini­tiative dieser Maßregel zu.

Wir lassen hier den bezüglichen Artikel des zwischen Rußland und der Pforte am (2t.) Juli 1774 abge­schlossenen Friedenstraktates folgen, auf den Rußland seine Forderung zur Auslieferung der ungarischen Flücht­linge stützt:

Art. 2. Wenn nach Abschluß und Auswechse­lung der Ratification der gegenwärtigen Ueberein- kunft ein Unterthan der beiden Reiche wegen eines Hauptverbrechens, wegen Ungehorsams oder Verraths sich in den Staaten der Einen oder Andern dieser zwei Mächte verborgen hält, oder eine Zufluchts­stätte sucht, so darf derselbe unter keinem Vorwande ausgenommen, noch viel weniger daselbst in Schutz genommen werden. Vielmehr soll ein solcher sofort ausgeliefert, oder wenigstens von dort vertrieben werden, damit dergleichen Uebelthäter nicht das frennd- schaftliche Vernehmen zwischen beiden Staaten stö­ren, over widerwärtige Streitigkeiten durch sie ver­anlaßt werden. Ausgenommen von dieser Bestim­mung sind diejenige Fälle, wo ein solcher Flüchtling in Rußland die christliche, in der Türkei die mu- hamedanische Religion angenommen hat. Ebenfalls soll, wenn es gefordert wird, jeder Unterthan der beiden Reiche, gleichviel ob Christ oder Muhameda- ner, wenn er als Flüchtling wegen eines Vergehens oder Verbrechens durch eines der Länder reift, auf­gegriffen und ausgeliefert werden.

Obschon dec vorliegende Fall der flüchtigen Ungarn durchaus nicht in die Categorie der in obi­gem Artikel bezeichneten Personen fällt, so hat Ruß­land am wenigsten ein Recht, denselben für seine For­derung geltend zu machen, da es denselben mehrfach verletzt hat. Namentlich war eS in der griechischen Revolution der Fall. (Westd. Z.)

T ü r k e i.

Unsere heutigen Nachrichten gehen wenig über die bisher mitgetheilten hinaus. Die Sprache, welche Fürst Radziwill gegen den Sultan selbst und gegen die türkischen Minister geführt hat, wird als außer­ordentlich anmaßend geschildert. Er soll geäußert haben, er sei nicht nach Konstantinopel gekommen, um sich mit dem Divan in staatsrechtliche Erörterungen ein- zulassen, und es ständen 50,000 Mann bereit, um über die türkische Gränze zu gehen. Am 17. Sept, sollte er eine Abschieds-Audienz beim Sultan haben; er schlug sie aber aus und verlangte kurzweg ein Ja oder Nein. Daß man Fuad-Effendi nach Petersburg sende, erklärte er, sei in hohem Grade überflüssig; sein Kaiser verlange keine Unterhandlungen , sondern die Flüchtlinge. Die beiden kaiserlichen Gesandten haben, auf die definitive Weigerung der Pforte, am 17. denn wirklich ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen und Fürst Radziwill ist noch an demsel­ben Tage abgereist. Wir haben früher gemeldet, daß gleichzeitig mit ihm auch der preußische und österrei­chische Gesandte Konstantinopel verlassen hätten; es hat sich dies aber nicht bestätigt. Auch die von Wien aus verbreitete Nachricht, daß Kossuth mit seinen Ge­fährten sich bereis auf englischen Schiffen befanden, ist voreilig gewesen; doch soll am 15. Sept, ein tür­kisches Kriegsschiff nach der Donau abgegangen sein, öm die widiner Gefangenen noch der Haupstadt zu führen. Am 20. Sept, scheinen in Konstantinopel die Verhältnisse noch ganz dieselben gewesen zu sein. In Belgrad theilte der englische Consul eine schrift­liche Liste der in Widdin zum Islamismus übergetre- tenen magyarischen Führer mit. Es befinden sich da- runter viele Notabilitäten, Deputirte, Kommissare und Juraten. Aus Furcht, an Oesterreich ausgeliefert zu werden, traten sie zum Islam über, wodurch der Sultan, als Oberhaupt desselben, gezwungen ist, sie unter seinen Schutz zu nehmen.

Ueber die von Seiten Rußlands und Oesterreichs mit der Pforte geführten diplomatischen llnter- : Handlungen enthält dieWiener Zeitung" folgende i Darstellung:Der nach der siegreichen Schlacht von Temeswar und Görgey, s Kapitulation erfolgte Uebertritt der vorzüglichsten magyarisch-polnischen Rebellenhäup- . ter und zahlreicher Insurgenten Haufen auf das türki­sche Gebiet hatte seit mehreren Wochen schon zu ernsten Verhandlungen zwischen der Pforte und der kaiser­lichen Jnternunciatnr Anlaß gegeben. Auf den Grund der Traktate, durch welche einerseits der Pforte rebel­lische Unterthanen des österreichischen Hofes aufzuneh­men verwehrt, andererseits Letzterem das Recht der eigenen Jurisdiction über seine Unterthanen in der Türkei ausbedungen ist, war Graf Stürmer von der kaiserlichen Regierung angewiesen, die Auslieferung der erwähnten Rebellen kategorisch zu verlangen. Er un­terließ keine Mittel um diese Forderung auf das ener­gischeste zu betreiben. Schriftliche Eröffnungen und mündliche Besprechungen mit den türkischen Ministern folgten sich in ununterbrochener Reihenfolge, und am 4. September endlich wurde der Hr. Jnternuneins auf sein Verlangen vom Sultan in einer Privat-Audienz empfangen, worin er ihm persönlich den Sachverhalt in seiner ganzen Wahrheit darlegte. Tags zuvor hatte der kaiserlich russische Gesandte, Hr. v. Titoff, seiner­seits die Weisung aus Warschau erhalten, die Aus­lieferung jener polnischen Rebellen, welche russische Unterthanen sind, auf das entschiedenste zu begeh­

ren , und um seinen Schritten vermehrten Nach­druck zu geben, kam am 4. September, eben wäh­rend Graf Stürmer sich beim Sultan befand, der kais. russische Generalmajor, Fürst Radziwill, mit einem auf denselben Gegenstand bezüglichen Cabincts- schreiben des Kaisers Nicolaus im Hafen von Kon­stantinopel an. Er überreichte es dem Sultan am 6. Sept, in einer feierlichen Audienz, welche auch Herr von Titoff benutzte, um dem Großherrn in eindring­licher Weise die baldige Beendigung dieser Angelegen­heit ans Herz zu legen. Sie wurde von da von den beiden Gesandtschaften im engsten Einvernehmen be­trieben. "

Obgleich man türkischerseits noch immer nicht recht an die Wahrscheinlichkeit eines Krieges glauben wollte, so machte man sich doch auf alle Eventualitäten ge­faßt und rüstete eifrig. Die Armee von Rumili, 40,000 Mann stark, hatte Befehl erhalten, sich marsch- fertig zu halten, und man schickte sich an, die Schlös­ser am Bosporus zu befestigen. Die Flotte war bereit, jeden Augenblick in See zu gehen und den Eingang zum Bosporus zu vertheidigen. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß die englische Flotte bereits in den Dar­danellen liege. . (K.Z.)

Ionische Inseln.

Die neuesten Berichte von den jonischen Inseln reichen bis zum 25. September und melden, daß auf der Insel Cephalonia neuerdings Unruhen ausgebro- chen sind. Am 24. warf eine englische Flotte, be­stehend aus sechs Linienschiffen, einer Fregatte und zwei Dampfern, auf der Rhede von Corfu die Anker. Eines der Dampfbootte schlug einige Stunden später eine nördliche Richtung ein, um, wie es hieß, sich nach Triest zu begeben. (Lloyd.)

Amtliche Nachrichten.

Der Berggeschworne Vietor zu Marienberg ist zum Verwalter der Bergmeisterei Dillenburg ernannt worden.

Die Kandidaten der Medizin Dr. Fohr von Rans­bach und Dr. Widerstein von Dillenburg sind zu Medizinalaccessisten, ersterer zu Ransbach, letzterer zu Dillenburg, ernannt und der Wohnsitz des Medizinal­accessisten Dr. O t to von Herborn nach Bicken verlegt worden.

Der Konrektor Stoll zu Wiesbaden ist an das Gymnasium zu Hadamar, der Kollaborator S e y b e r t h zu Weilburg an das Gelehrtengymnasium zu W esba- dcn und der Kollaborator Gallo zu Dillenburg an das Gymnasium zu Weilburg versetzt worden.

F r u cb t p r e i s e.

Mainz. 5.

Okt.

Preis.

Walzen,

das Malter 200 Pfd.

. 7 fl. 42 fr.

Koru Gerste

ditto bitte

. 5 fl. 32 fr.

. 4 fl. 52 fr.

Hafer

bitte

. 5 fl. 30 fr.

Spelz

bitte

. 4 fl. fr.

Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.

Bekanntmachung c®.

(,l07> Als neuer Beleg für d e vortreffliche Wirksamkeit der weltbekannten und berühmten faotoberyes^txv Kaiserl. Königl. Allerhöchst privilegirten ' galvano- electrischen Rheu- urutèsmus Ketten, welche für's Herzogthum Nassau, in Wiesbaden einzig und allein bei Herrn I. L. Seibert, Kaufmann, Langgasse No. 14 stets ächt und unver­fälscht zu den festgestellten

Fabrikspreisen vorräthig

sind, mögen, statt jeden Eigenlobes, nachstehende Zeugnisse hochachtbarer Personen dienen.

»#. T. G otflbet'ger*

Durch Vermittlung des Herrn Posthalter Mees dahier, erhielt ich im verflossenen Herbst eine Nhcumailömus-Keite von Ihnen, welche für meine Frau, die seit mehreren Jahren an heftigen Zahnschmerzen und Reißen im Koste gelitten hatte, bestimmt war. Die Kette, welche meine Frau se idem unausgesetzt trägt, hat gute Dienste gethan, das Uebel ist seither nur noch einige Male schwach und nur von kurzer Dauer eingetreten und seit Anfang dieses Jahres ganz verschwunden. Hochachtungsvoll

Höchst, im Odenwalds 1849. S. Reiber, Gr. Hess. Districts-Einnehmer.

Die Goloberger'sche RheumatiSmuskette, die ich vor einigen Tagen für einen Freund be­zog, hat so vortreffliche Wirkung, daß ick hoffe, denselben binnen Kurzem hcrgestellt zu sehen.

Bergen, bei Kirn a. d. Nahe, den 29. Mai 1849. Fr. Flick, Pfarrer.

Hiermit bezeuge ich, daß eines meiner Kinder, welches den Winter über sehr an GesichtS- schmerze» gelitten hat, während sechs Wochen, als dasselbe eine Goldberger'sche galvano - clec- trische Nheumatismuökette trägt, gänzlich von diesen Schmerzen befreit geblieben ist.

Der Apparat ist recht sinnreich und die Zusammensetzung so leicht gearbeitet, daß das be­ständige Tragen desselben vurchaus nicht belästigt.

Michelbacherhütte im Herzogthum Nassau, den 15 Mai 1848

FürGcistliche, Organisten, Vorsänger und Lehrer! Preis - Herabsetzung!

(1106) Das von Herzogl. Landesregierung zur Anschaffung in Die Kirchenbibliotheken empfohlene Werk:

Die Tonkunst im evangelischen Cultus, nebst einer gedrängten Ge­schichte der kirchlichen Musik von $ E. Anthes, Pfarrer zu Haiger. 1846. Früherer Subscr.-Preis 2 fL Ladenpr. 3 fl. 36 kr. kann von der unterzeichneten Buchhandlung jetzt zu 1 Gwltlett gegen franco Einsendung des Betrags bezogen werden und erhält man als Gratis-Zugabe noch das kleinere Werk von Anthes: Allgemein fassliche Anmerkungen zur Verbesserung des Kirchcu- gefangs.

Auch haben wir den Preis von : Materialien für den ersten Religionsunterricht von Thielmann (SS fr.) nun auf 6 Kreuzer herabgesetzt

tFrieclricei |d)c Buchhandlung in Wiesbaden.

AuSstellu n g WaffauLseber Seide.

f 1105) Donnerstag den 11. b Mts. findet Nachmittags von 2 bis 5 Uhr im fohle des naturmstonschcn Museums dahier die Aus­stellung der in diesem Sommer im Herzog­thum Nassau probierten Seide statt Alle Freunde dieses neuen Zweiges vaterläud'scher Industrie werden ergebcnst eingeladen, diesem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit zn schenken.

Wiesbaden den 3. October 1849

Dor Vorstand.

(1096) Für die ans heute den 3t eit Oktober ungeordnete Ausstellung rn- ländischer Seide von unsichtbarer Feinheit sagen die heutigen Besu- cherinen dem Verein hiermit ihren schönsten Dank.

^ßarnnitß.

(1108) Schulden, welche mein Sohn Adolph macht, bezahle ich nicht. *

Rennerod den 5. Oktober 1849.

18 iesel.

(1101 ) Frische Bänder Gros de Naples von bester Qualität, sind in großer Auswahl und zum billigsten Prcis zu haben bei

K<1. Abler.

(1068) Die Wohnung des Ober- appellatwnâgerichts-Pröcurators Dr. C Großmann befindet sich seit dem 25 Sept, in dem Hause des Kut­schers Börner, verlängerte Markt­straße Nro. 22, eine Stiege hoch.

(1104) Einige Gymnasiasten können bei einer achtbaren Familie Kost und Logis nebst Wasch gegen billige Vergütung erhalten.

Das Nähere in der Expedition d. Bl.

M. Lossen, Hüttenbesitzer.

Druck und Bcrlag der E. Riltcr'schcn Bnchdrulieret.