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Wiesbaden. Sonntag, 7. Oktober
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$ Ueber die Organisation der Arbeit.
III. Artikel.
Die Organisation der Arbeit ist das dringendste Bedürfniß der wirklichen Gesellschaften. Alle Volks- frennde erkennen die Nothwendigkeit einer neuen Sozialordnung, und sehen ein, daß die Industrie nicht langer ohne Gefahr durch die WiUkühr des Privat- intereffes kann unterjocht bleiben. Dem heillosen Zustand unserer Zeiten muß abgeholfen werden, und es kann nur durch Afsoziaton geschehen; diese wird alle Interessen sichern, und jeden in seinen gerechten Ansprüchen schützen. Die Feinde der Völkeremanzipation widersprechen jeder Neuerung, die auch nur im Scheine ihre Privilegien bedrohen könnte. Ihr Widerstreben, um den unvermeidlichen religiösen und politischen Fortschritt zu hemmen, ist eine thörichte Anmaßung, denn eine Idee kann nicht gefesselt werden, und wie Ahas- verus wird sie unermüdlich fortschreiten, und die Welt umkreisen Cs wäre besser auf die Assoziatonstheorie Rücksicht zu nehmen; einmal muß es doch geschehen; ein ewig starrsinniger Widerstand kann nur Unheil herbeiführen, und die Erfahrung lehrt uns, daß Armuth und Brodmangel furchtbar Gegner sind.
Ich wiederhole, daß durch Assoziation Alles, was bis daher unmöglich erschien sich verwirklichen kann; sie allein kann eine gute Sozialorganisation begründen, welche den Einen ihr Vermögen und den Andern eine sorgenlose Existenz sichert.
Die Eigenthümer behalten ihre Rechte bei, obschon sie der ausschließlichen Ausübung derselben auf den einen oder den andern Theil ihres Eigenthums entsagen; sie werden Aktionäre in großen gewerblichen und ackerbautreibenden Unternehmungen, welche das Gebiet einer ganzen Gemeinde umfassen. Die Arbeit wird unter den GeseUschaftsgliedern nach ihrem Berns, ihrer Erziehung und ihren Fähigkeiten vertheilt. Die Maschinen werden zum allgemeinen Nutzen nach größtem Maßstab angewendet. Das Interesse der Con- sumenten wird durch billige und einsichtsvolle Verthei- lung der Produkte gegen anarchische Conkurrenz geschützt. Eine kluge Verwaltung, die über Communi- kationsmitttl und Handelsbewegung verfügt, wird jedem Produktionszweige, durch unparteiische Öffentlich» keit, die Absatzwege bekannt machen, und alle Waaren ohne Spekulation oder Wucher in Umlauf bringen.
Die Rechte der Arbeiter, welche gewisse Staats- Oekonomcn der Wohlfeilheit ausopfern, werden auch gesichert, unb nicht mehr mit der Fabrikation im Widerspruch sein. Die Sozialtheorie setzt voraus, daß der Wohlstand des Arbeiters mit der Qualität und Quantität der Produkte übereinstimmen muß, indem bestimmte Bedingungen die Oekonomie des Hervorbrin- gens verwirklichen. Die Arbeitstheilung und Anwendung von Maschinen sollen die arbeitende Klasse in die möglichst vortheilhafteste Lage versetzen: Abwech
selung b erarbeiten und Theilnahme am Gewinn. Salariat und Knechtschaft verschwinden, und der arbeitsfähige Mensch wird durch den Capi- talisten als Mitgenossen angesehen werden.
Weil mit dem Leben Jeder auch ferne unveräußerlichen Menschenrechte in die Welt bringt, so ist die Gesellschaft verpflichtet ihn gegen jeden Mißbrauch zu schützen. Als Kind ist sie ihm Erziehung schuldig, sichere Existenz als Belohnung seiner Arbeit im kräftigen Alter, Hülfe in Krankheit und körperlichen Gebrechen, und als Greis endlich soll er sorgenlos sein thätiges Leben schließen können.
Das Ideal der Organisation der Arbeit wird in Erfüllung gehen, denn es ist den Gesetzen der Vernunft und der Gerechtigkeit gemäß; jedes redliche Gemüth wird einsehen, daß diese Organisation dem höchsten Willen der Weltordnung entspricht. Dr. R.
DeurschtsuH.
# Wiesbaden, 6. Okt. Man hat uns zwei Briefe von zwei Einwohnern Wiesbadens, die im Laufe dieses Jahres nach den Vereinigten Staaten übersiedelten, übergeben, und beide Briefe, von sehr ehrenwerthen und glaubwürdigen Personen verabfaßt, enthalten bittere Klagen über das Benehmen ihrer Agenten, denen sie sich auf Treu und Glauben anvertraut hatten.
Da die Auswanderung nach Amerika immer mehr um sich greift, so erachten wir es für eine heilige Pflicht, Diejenigen, welche sich zu ihr entschließen, vor allen Gefahren, welchen sie bei ihrem Ueberzug möglicherweise ausgesetzt sind, nachdrücklich zn warnen, und um einem größern Publikum die Augen zu öffnen, wollen wir die Stellen aus den Briefen, welche sich auf die Behandlung seitens der Agenten beziehen, hier wörtlich mittheilen.
Der eine Brief, datirt New-Aork den 12. August 1849, enthält bezüglich der Agenten folgende Stellen:
„Schließlich muß ich Euch noch bemerken und bitten, daß Ihr soviel wie möglich veröffentlicht, daß alle Diejenigen, welche nach Amerika auswandern wollen, sich nicht mit den Agenten, von welcher Gesellschaft sie auch seien, einlassen sollen. Herr ...... hat mich scheußlich hintergangen und geprellt. Diese Gesellschaft hat keine eigenen Schiffes sondern läßt durch ihre niederträchtigen seelenverkäuferischen Agenten in London die Reisenden an einen beliebigen Schiffskapitän verhandeln, und zahlt demselben noch nicht die Hälfte der Summe, bie die Passagiere an sie zahlen. Unser Capitän sagte mir selbst, daß ich direkt im Hafen für die Summe, die ich gezahlt habe, in der ersten Cajüte hätte reisen können. Die Lebensmittel, die uns in London geliefert wurden, waren größtentheilr verdorben und unbrauchbar." — Soweit der erste Brief.
Das zweite Schreiben, datirt New -Dort den 26. August 1849, spricht sich über die Agenten folgendermaßen aus:
„Unsere Reise ging so ziemlich glücklich von Statten, obgleich wir das schlechteste Schiff hatten, das seit langer Zeit von London ausgelaufen war. Es war ein alter Kauffahrer, dessen ganze Bemannung aus sechs Matrosen und zwei Steuerleuten bestand, die, im Falle ein Sturm oder sonst ein Unglück vorgekommen wäre, nicht im Stande gewesen wären, uns zu retten. Es ist überhaupt unverantwortlich, wie die Passagiere von den Agenten behandelt werden; wie Waaren werden sie an den ersten besten Capitän verhandelt, der sie in seinen Kasten packt und weiter befördert. Ich möchte keinem Menschen rathen , sich mit irgend einem Agenten einzulassen. Als ich nach London fam , und mir auf dem Schiss die 2te Cajüte wollte zeigen lassen, war gar keine da; ich sollte noch acht Tage warten, um mit dem nächsten Schiff abzufahren: ich zog es daher vor, im Zwischendecke zu reisen und mir den Mehrbetrag herauszahlen zu lassen. Hier in New-Jork ließ sich kein Agent blicken, obgleich in dem Vertrage versprochen war, der Agent käme in den Hafen und lasse die Bagage auf seine Rechnung ausschiffen. Als wir später auf das Comptoir gingen, und uns deßhalb beklagten, wurden wir ausgclacht. Wenn mein Freund ..... in diesem Herbst die Reise noch macht, so soll er sich entweder in irgend einem Hafen ein Schiff aussuchen, oder mit dem Dampfboot über Liverpool gehen. Man bezahlt da nur eine Kleinigkeit mehr und fährt gewöhnlich in 12 Tagen; vorgestern kam sogar ein Steamer in 7 Tagen hier an."
Daß ohne Zweifel, wenn man auch unter den Agenten, welche sich damit befassen, die Uebersiedelung nach den nordamerikanischen Häfen New-Jork, New-Orleans und Baltimore zu vermittle», sehr redliche und ehren- wertbe Männer findet, sich nicht wenige Personen in sehr unlauter« Absichten der Angelegenheiten der Auswanderer bemächtigen, ist eine durch Thatsachen der jüngsten Zeit nur allzuhäusig bestätigte Wahrheit.
Insbesondere kommt es vor, daß ganz reelle Agenten, welche in Deutschland selbst wohnen, zu ihrem und ihrer Clienten Nachtheil von ihren Unterkonten in den nordamerikanischen, wie westeuropäischen Seehäfen auf das niederträchtigste bedient werden.
Die deutschen Regierungen, welche pomphafte Gesandtschaften abordnen, wenn eine Prinzessin das Licht der Welt erblickt, und in vielen Staaten sehr theure Bevollmächtigte haben, für die sich gar kein eigentlicher Wirkungskreis auffinden läßt — hätten sich der Aus- wanderungsangelegeuheit, schon lange mit viel mehr Energie annehmen sollen, als es bisher geschehen ist. Das Gouvernement in Schweden hat, so berichtete kürzlich die deutsche Reform, in Südamerika Land angekauft, welches zu geringem Preis losgeschlagen werden soll; und ferner ein Comite niedergesetzt, welches verpflichtet ist, die Auswanderer gegen Betrügereien zu schützen, welches die Ueberschiffung leitet und mit den Schiffsrhedern über die Ueberfahrtspreise unterhandelt und welches sogar jedem Schiffe einen ßommiffar zu-
Der unschuldige Galeerensclave.
(Aus' der ^„Allgemeine Moden-Zcitnng".)
(Fortleyung.)
Statt zu antworten, trat der Alte an einen Secretär, öffnete ihn, zog ein Kästchen heraus lind nahm aus einem verborgenen Fache zwanzig Nölleben , die er zer- braw und ans denen er einen Haufen von Goldstücken hcrausschüttctc. Der Galeerensclave äußerte seine Begierde nur durch ein plötzliches Aufflammen in seinem Auge und durch ein Lächeln, das er aber schnell wieder unterdrückic.
„Du siehst, daß Dein Geld bereit liegt," sagte Herr Gvrsaz, indem er ihn aufmerksam betrachtete; „sind wir einig?"
— „Wenn man nicht vorausbezahlt, so giebt man doch wenigstens ein Draufgeld," antwortete Bonnemain, der sich auf dem Rücken die Hände wand, um der Versuchung zuwiderstehen.
„Da," sagte der Alte, indem er zehn Goldstücke nahm und ihm dieselben reichte; „ist es geschehen, so erhältst Du fünfzig Mal so viel; Du siehst, es ist Gold und Du wirst cs leicht tragen können."
— „Das Gold ist nie schwer," antwortete der Galccrcnsclaoe in fententiöfem Tone und ohne etwas zu entgegnen, steckte er das Draufgeld ein.
Der Vertrag war so zwischen dem Mörder und dem bis dahin tadellosen, unbeschuldeten Manne geschlossen. Beide besprachen sich darauf über die Mittel der sichern Ausführung des Anschlages, dessen Opfer Arthur von Anbian sein sollte. Der beleidigte Ehemann, der nur auf die Ungeduld seines Hasses hörte, verlangte, daß die Rache sogleich und schrecklich erfolge; es schien ihm unerträglich, bis zum Abend zu warten. Dem Mörder dagegen, auf den die Verantwortlichkeit und die Gefahr der Ausführung fiel, wurde es nicht schwer darzuthun, daß ein Mord am Hellen Tage nicht begangen werden könne.
„Da er in der Nacht auszugehen pflegt, so muß dieser Augenblick gewählt werden," sprach der Mörder mit der Ueberzeugung eines Mannes, der die Sache, über welche er spricht, reiflich überlegt hat;,' „cs gibt zwischcu seinem Hause und dem Ihrigen einen recht be= guemen schmalen Weg und man kann sich hinter einer 1 Hecke verbergen. Wohl zehn Minuten im Umkreise , steht kein Haus und die Garonne fließt ganz in der I Nähe. Der Mond geht erst um zwei Uhr auf, und ‘ da unser Mann um Mitternacht seine Wanderung anzu- ; treten pflegt, so kann man ihn auf's Korn nehmen ohne sich großer Gefahr auszusetzen. In der Sache des { Einnehmers war cs auch der vermaledeite Mond, der zu meiner Entdeckung behilflich war, denn ein Fuhrmann erkannte mich in dem Lichte und ich habe mein I Ehrenwort gegeben, von nun an nie wieder etwas 511
thun, wenn diese Laterne am Himmel brennt. Schade, daß mann sie nicht ausblasen kann!"
— „Vor allem muß Piguet die Uhr und das Geld wieder erhalten," sagte Gorsay. „Er hegt Verdacht gegen Dich. Wenn er klagt, würdest Du verhaftet werden.."
„Und das wen e Ahnen unangenehm," unterbrach ihn vertraulich der Dieb, der nahe daran war, wieder Mörder zu werden; „ich sehe das ein; man fiteste mich ein und unterdes; könnte der schöne Herr von Aubian noch vielmals durch das Fenster einsteigen. Die Rückgabe soll also sogleich erfolgen und Piguct nichts sehen. Seine Uhr ist so die Mühe nicht werth , die ich mir gegeben habe, um sie zu holen."
Nachdem die Sache völlig ins Reine gebracht war, trennten sich die beiden Männer, Bonnemain betrachtete aber, ehe er daS Zimmer verließ, jeden Winkel in demselben mit der scharfen Aufmerksamkeit, welche den Spitzbuben gleichsam angeboren ist. Er bemerkte das geheime Fach, in welchem der Alte das Geld verbarg und die Art, wie der Sccretâr verschlossen wurde; endlich studirte er die Einrichtung des Fensters und sah, daß sich im Innern kein Laden befinde. Außen wurde cs durch eine einfache Jalousie geschützt und cs befand sich in sehr geringer Höhe von dem Boden. Der Galeerensclave der mit seinen Beobachtungen sehr zufrieden war, verbeugte sich ehrfurchtsvoll vor dem Manne , dem er sich verkauft hatte und kehrte in den Garten zu den andern