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Kompagnie Soldaten sie zur Thüre hinaus. Die Mi- noritätsvertreter sehen dies auch ein, daß sie eine Bahn beschritten hatten, auf der sie leicht das Mißtrauen der Krone sich zuziehen können und eines schönen Ta­ges aufgelöst werden. Hr. Mücke, der Redakteur der schlesstchen Zeitung, und Hr. Bodelschwingh, der Mini­ster des christlich-germanischen Staates, lenkten daher sofort ein und eben dieselbe Kammer, die die Erhebung der Steuern nur von ihrer Bewilligung abhängig ma- chen wollte, war damit zufrieden, daß, wenn die bei­den Kammern über das Büdget sich nicht einigen kön­nen, die Regierung nach wie vor die Steuern einzie­hen darf. Nach diesem Beschluß ist die Theilung der Gewalten wieder in eine neue Phase getreten; die erekutive Macht soll niemals behindert werden und die legislative als fünftes Rad am Staatswagen ne­benher laufen. Durch dieses Votum hat die Kammer sich wieder von der konstitutionellen Heuchelei befreit und die Einheit der Staatsgewalt hergestellt. Herr Hansemann ist darüber sehr betrübt und die konstitu­tionelle Zeitung bringt einen laugen leitenden Artikel, in dem sie zürnet, daß alle schönen Hoffnungen auf auf einen glücklichen verfassungsmäßigen Zustand setzt durch Hru. Möcke wieder geknickt seien.

Berlin, 30. Sept. Die hier zwischen dem däni­schen Kammerherrn v. Rheedz und dem Minister v. Schleinitz persönlich fortgeführten Unterhandlungen wegen des definitiven Friedensabschlusses mit Däne­mark sind in den jüngsten Tagen wegen der von dä­nischer Seite bewiesenen ununterbrochenen Unnachgie­bigkeit selbst gegen die billigsten Forderungen auf neue Schwierigkeiten gestoßen. (W. Z.)

Berlin, 30. Septbr. Der Buchdrucker-Con- greß ist heute aufgelöst worden. Es war der Vorschlag gemacht worden, den Entwurf der Statuten ëh bloc auzunehmen, um durch die Berathungen über Formalien nicht den Hauptzweck zu beeinträchtigen. Da erklärte der anwesende Polizeibeamte die Versamm­lung für aufgelöst, weil eine Bestimmung der Statu­ten die Besorgüiß erwecke, daß Arbeitgeber und Ar­beiter entzweit werden sollen. Die Versammlung will sich nini an den Minister des Innern wenden Schwer­lich wird dies indeß poü Erfolg sein, da der Befehl, den Congreß wo möglich zu verhindern, schon vor sei­nem Zufammeutreten aus dem Ministerium des Innern ergangen war. (Fr. I)

Münster, 30. Sept. Am 27. b; M. Abends ist endlich dem Appellationsgerichts-Direktör Temme die amtliche Benachrichtigung über seine Wahl zur ersten Kammer zugegangen. Derselbe hat die Wahl ange­nommen.

Auch das Militär soll seine Gesinnungs-Märtyrer haben. Wir erfahren aus guter Quelle, daß der Pre­mier-Lieutenant v. Pöppinghausen vom 13.- fanterie-Regiment seinen Abschied erhalten hat. Wer den ruhigen, ernsthaften und ehrenhaften Charakter die­ses Offiziers kenm, glaubt nicht den Gerüchten über niedrige Angebereien. (W. V. H.)

Freiburg (im Breisgau), 27. Sept. Vorgestern wurden eilf Bauernmädchen aus einem Nachbardorfe eingebracht und in strengen Verwahrsam gesetzt, weil sie nämlich die drei Gräber der beim Dorfe Wiehre standrechtlich von den Preußen Erschossenen mit Blu­men geschmückt haben sollten. (Köln. Z.)

Wien, 30. Sept. Das gestern plötzlich verbreitete Gerücht, daß Görgey in Klagenfurth vom Grafen Edmund ZichN, Bruder des in der ungarischen Revo­lution ermordeten Grafen Zichy, getödtet worden sei wie einige behaupten, in einem Pistoleuduell scheint sich nicht zu bestätigen, da heute nichts weiteres darüber verlautet. (Allg. Z.)

II n K a r n.

Wien, 30. Sept. Aus Ruskberg sendet eine ungarische Dame einen Brief nach Wien, den ich im Original gelesen habe, und der ein gräuliches Licht über manche verborgene Heldenthat einzelner österreich. mignnn-Gewalthaber verbreitet. Diesmal ist es ein Rittmeister G., welcher bei seinem Einrücken in Rusk­berg auf gemeine urd »verwiesene Denunciationen hin, die Gutsfrau in ein Quaree führen und sie dort mit Ruthen peitschen ließ. Der Gatte dieser Unglücklichen erschoß sich in Folge des durch so beispiellos rohe Mißhandlung erlittenen Uuglimpfes. Der Sohn die­ser Dame, als Honved unter Görgey und mit diesem gefangen, wurde als Gemeiner assentirt und nach Ita­lien geschickt. (Nat '3 )

Wien, 1. Oct. (Fr. I.) Sicherem Vernehmen nach ist die Unterwerfung Comorns wirklich unter ähn­lichen Bedingungen, wie jene in Venedig erfolgt Der Unterwerfungsakt ist bekanntlich am 27. Sept, unter- sertigt worden. Am 28. ist der F.-M.-L. Graf No­bili mit den erforderlichen Individuen der Artillerie und des Ingenieurcorps, einem Feldkriegskommissär und 2 Militärverpsiegungsbeamten nach Comorn ab- gegangeu, um die betreffenden Voreinleitungen zur ord­nungsmäßigen Uebergabe zu pflegen, was bis Montag den 1. October bewirkt sein wird, wonach sofort die Besetzung der Festung stattfinden kann. Ain 30. gin­gen schon mehrere k. k. Offiziere in der Festung aus und ein, obwohl dieselbe noch immer von magyari­schen Vorposten bewacht und umstellt war. Auch tri­kolore Fahnen wehten noch von den Thürmen, die wahrscheinlich schon am 1. Oct. dem kais. Banner Platz machen werden, da an diesem Tage die k. k. Truppen in die Festung einziehen sollen.

Die neue provisorische Eintheilung Siebenbürgens nach den drei cs bewohnenden Nationen ist bereits vollendet.

Preßburg, Ende September. Das hiesige Kriegs­gericht sucht die vorliegenden Prozesse schnell zu been­digen, und ihre Urtheile fallen, im Verhältniß zu den früher gefällten mild aus; es dürften jetzt noch 2300 zum Aburtheilen kommen. Todesnrtheic wurden schon sehr lange nicht ausgesprochen, und 'man ist der An­sicht, daß auch keines mehr gefällt werden wird, es wäre denn, man ergriffe Jemand, der mit den Waffen in der Hand das beendigte Drama fortzuspielen ge­sonnen wäre.

Tarnow, 27. >Lept. (Nat.-,'.) Da die Russen von Hrer nicht die Kaiserstraße über Krakau, sondern den kürzeren Landweg über Uscie-Jezuickie einschlagen, so machen sie in Tarnow, als der letzten größeren öster­reichischen Stadt, die sie auf dem Wege in die Hei- math berührten, sehr bedeutende Einkäufe, und es gibt hier Handelsleute, die schon mehrere Tage hindurch 4000, 5000 auch 6000 ff. in C.M. durch Kleinver­kauf ^eiuuehmeu. Besonders werden Woll-, Baumwoll- und Seidenwaaren,dann feinere Leinwand und goldene Cylindernhren gekauft, und die Handelsleute eutledi- geu sich der ältesten, schon für unverschleißbar gehal­tenen Artikel, können aber doch nicht auslangeu^ son­dern müssen über Hals und Kopf neue Transporte aus Krakau, Brünn und Wien verschreiben. Die Preise der Waaren werden sehr hoch gehalten, und es stellt sich in manchem Kaufladen täglich ein reiner Gewinn von 1500 bis 2000 fl. C. M. heraus. Da die Russen alles mit Gold und Silber zahlen, so ha­ben diefe Handelsleute, um auch hierbei zu profitiren, den Werth dieser Münzen sehr herabgedrückt, und den Silberrubel nur für 1 fl. 30 fr. C. M. angenommen.

Die russischen Hülfstruppen treiben ganze Heerden ungarischer Ochsen (die man an den krummen Hör­nern erkennt) dann Mütterliche, Stiere, Kälber, dann ungarische Wagen- und Reitpferde, welch' Letztere noch mit österreichischem Husaren-Schabracken bedeckt sind. Auch werden hier eine Menge Preziosen, goldene und silberne Gegenstände, worunter Waschschüsseln, Tassen, Teller, Leuchter von ihnen als angebliche Kriegsbeute zum Verkaufe ausgeboten. Heute trug ein gemeiner russischer Soldat ein Kopfdiadem (hier Stirubindel genannt) zum Verkaufe herum, an dein sich Perlen von höchst bedeutendem Werthe befanden; man bot ihm dafür schon 16,000 fl. in C M., er wollte cs aber nicht hingeben.

Man ersieht aus diesen Berichten desLloyd," tvie die freundnachbarlichen Hülfsgenossen in Ungarn gehanset haben müssen.

Agram, 25. Sept. Die Eskortirung von unga­rischen Gefangenen nimmt kein Ende; am 21. und 22. sind abermals bei 6- bis 800 unter starker Ka­vallerie-Begleitung hier eingebracht worden; sie gehen sämmtlich nach Pettau, wo'die zum Felddienste Taug­lichen in die k. k. Armee cingereiht werden. Unter ihnen befinden sich neuerdings sehr viele höheren Stan­des, nebst hohem Adel, viele Doktoren, Juristen, Be­amte, auch der bekannte Postmeister von Arad, ein Adonis zu nennen, viele Ausländer und Italiener vom Zanini Infanterie-Regimente. Darunter sind auch viele Kaufleute und Handwerker, welche, wie sie betheuern, keiner der beiden Parteien angehörend, aus ihren Familienkreisen, wo sie ruhig lebten, von den Siegern fortgerissen wurden. Bei der größeren An­zahl der Bürger haben sie eine gute Aufnahme gefun­den, die sie nicht nur genügend bewirthet, sondern auch mit Kleidungsstücken, besonders mit Fußbekleidung und mit einem kleinen Reisegelde ihre Route fortsetzen lie­ßen. Die zu diesem Zwecke veranstalteten Kollekten sind reichlich ausgefallen. Aber leider muß ich auch erwähnen, daß es Einige, die sich für gebildet halten, gibt, die diesen Unglücklichen nicht einmal zu essen ga­ben Jllyro-Schwarzgelbismus Wird denn der Na- tionalitätenhaß noch nicht zu Ende. (K. Bl. a. St.)

Siebenbürgen. Zom, 12 Sept. (Allg.Z.v.U.) Schaudererregend sind die kannibalischen Repressalien, welche der walachische Landsturmführer Janku ein ehemaliger Fiskal mit seiner Bande an Allem, was i ungarisch ist, üben. Aus vermeintlichen Vaterlands- i Vertheidigern die heldenmüthige Karlsburger Be­satzung verwahrt sich öffentlich gegen jene falschen Ge- ' nichte, als hätte Janku und seine Leute der so lange I und hart bedrängten Mannschaft irgend welchen Bei- | stand geleistet aus vermeintlichen Vaterlandsver- ! theidigeru, wiederhole ich, sind nun förmliche Räuber \ und Mörder geworden. Ich schweige von den vielen Grausamkeiten, die von diesen verwilderten Menschen im Laufe dieses blutigen Sommers an Hunderten von Gefangenen geübt wurden; was nicht lebendig ersäuft wurde, ward im eigentlichen Sinne des Wortes ge­schlachtet, aber noch jetzt werden diese Leute nicht müde gegen ihre ohnedies genug unglücklichen ungarischen Nachbarn mit den ausgesuchtesten Martern zu wüthen, es wird geraubt, geschändet, gemordet, und was sie nicht fortbringen können in Brand gesteckt. Doch le­ben wir der tröstlichen Hoffnung, daß durch das ener­gische Auftreten unserer rastlos thätigen neuen wie äl­teren Landesbehörden all diesen unmenschlichen Greueln baldigst ein Ende gemacht werden dürfte.

Republik Frankreich.

Straßburg, 3. Oktober. In dem Volks-Alma­nach für 1850 finde ich folgende interessante Znsam- menstellung, die jedenfalls drastischer darthut, wie die

Verhältnisse selber den Sozialismus mit Nolhwcndifi- keck erzeugen mußten, als ein Duzend dar gelehrtesten Vorlesungen Der Aufsatz ist von de George, einem

^"' Konstituante. Es heißt darin: Das ^onuzthum hinterließ bei seinem Stur,e Der ^e= publik eine eiiige!chriebeneStaatsschuld von4,2)5,000, 0chi

ferner ein Defizit von 76,000,000 im Budget laufenden Dlcnstjahres, und endlich waren die Re» ftrvegelder der Amortisationskasse auf 12 Jahre im Voraus verschleudert. Der Bankerott bedrohte am 24. ^bnmr 1848 zu gleicher Zeit den Staatsschatz und die fianwsiiche Bank, die Finanzherren und eine ungeheure Zahl von Fabriken und Handelshäusern jeder Art und jeden Ranges. Das mittlere Einkommen aller Fran­zosen ist gegenwärtig zu 80 Centimes auf die Person abgeschätzt. Das Gesammteinkommen Frankreichs be­trägt nämlich im Jahre 10,182,550,000 Fr, welche folgendermaßen vertheilt sind:

14,000,000 Menschen haben im Durchschnitt täg­lich 25 Cent., das heißt: sie schinachten im äußersten Elende.

17,000,000 haben täglich 89 Cent., das heißt: sie gehören zu den Dürftigen.

3,136,000 sind wohlhabend und beziehen täglich 2 Fr. 27 Cent. J 7

600,000 sind reich: tägliche Einnahme: 5 Fr. 29 Cent.

184,000 leben im Ueberflusse und haben ein täg­liches Einkommen von 15 Fr. 25 Cent.

Also erhalten 31,000,000 Proletarier (7,750,000 Familien) 5,539,153,000 Franc jährlich, während

3,920,000 Privilegirte (980,000 Familien) für sich 4,823,377,000 Fr. beziehen.

Cs bleibt zu bemerken, daß diese Berechnung eine sehr glimpfliche ist, da nach den Zusammenstellungen anderer Statistiker die Privilegirten die Hälfte des gan­zen Einkommens «von 12 Millarden 6i absorbiren. In England werden, nach amtlichen Aktenstücken, von 17,370,000 Einwohnern 2,379,096 von den Gemein­den unterstützt; der siebente Theil der Bevölkerung also besteht aus Bettlern! Man glaube ja nicht, daß dieses Verhältniß durch die berüchtigte Armentare afi Entsetzlichkeit verliere. Wohl sind in den letzten 14 Jahren 95,594,945 Pf. Sterling zurUnterstützung" verwandt worden, da sie aber nicht aus der Staats­kasse, sondern von jedem Kirchspiel für seinen Umfang bezahlt werden müssen, so fallen den ärmsten Bezirken die größten Beiträge zur Last, das heißt, die Armen­tare produzirt täglich neue Bettler zu Hunderten. So bezahlen die armen Grafschaften Dorset, Esser, Sout- hamton, Buks, Orford, Susser, Wilts zwei Schillinge von jedem Pfund Einkommen, während die reichen und dichtbevölkerten Grafschaften Chester, Lancester, Lineole, Middlesser, Dork, Northumberland, Stafford vom Pfunde nur 1 Schill 6 P. entrichten. London außerhalb der Mauern bezahlt 2 Sch. 6 P., Lonoon innerhalb der Mauern 1 Sch. 7 P., und das Q mr- tier der Bank in der City, der reichste Fleck englischer Erde, bezahlt im Ganzen jährlich 128 Pf. St. Ja, selbst diese Kleinigkeit bezahlt es noch ungerechter Weise, denn da es keinen einzigen Armen hat, so wäre es nach Recht und Gesetz ganz frei von dieser Steuer. Und das im Angesichte von Landgemeinden, in wel­chen die Armentare dem totalen Einkommen gleich­kommt und dadurch die Bewohner zwingt, ihre Aecker liegen zu lassen und sich aus dem Staube, d. h. auf einem kleineren oder größeren Umwege auf den Friedhof zu machen. O Altengland! Rule Brit-

Paris, 29. Sept. Das Pariser Kirchen - Concil hat gestern seine Sitzungen geschlossen. Folgende De­krete wurden publicirt: Von den Diöcesan-Syuoden. Von den Irrthümern, welche die Grundlage der Reli­gion augreifen. (Die verdammten Irrthümer beziehen sich auf die Natur Gottes, auf die übernatürliche Welt- ordnung, auf die heiligen Bücher und auf die heilige Dreieinigkeit.) Von der neuen Sekte, genannt:Werk der Barmherzigkeit." Von den Wundern und Weis­sagungen. Von den heiligen Bildern, der Achtung, die man ihnen schuldig ist und den Irrthümern, die man vermeiden muß. Von den Irrthümern, die den Grund der Gerechtigkeit und Mildthätigkeit zerstören. Von den geistlichen Gerichten Von der He-lighaltung der Sonn- und Festtage. Von der Predigung des Wortes Gottes und der Taufe der Kinder. Von der Würde der Ceremonien. Von dem Besuchen und der Besorgung der Kranken. Von den Pflichten der Geist­lichkeit während der Seuche. Von den: Benehmen der Geistlichkeit in p Kitischen Dingen. Von der Ein- mischuug der Presse in religiöse Fragen. Von dem Verkehr der Gläubigen mit den Ungläubigen. Von den Kirchenstudien, der Verleihung der theologischen Grade und den Prüfungen der jungen Priester. Von der Ausführung der Dekrete. Das Konzil hat fer­ner die Unterdrückung des Abendgottesdienstes in den Kirchen verordnet, was bereits in Paris zur Ausfüh­rung kommt. Nach Beendigung ihrer Sitzungen begaben sich gestern die Hauptmitglieder des Konzils ins Elysee Nationale, wo sie von dem Erzbischof von Paris dem Präsidenten der Republik vorgestellt wur­den Einer Petition von Pariser Arbeitern um Ab­stellung mancher Mißbräuche in den Kirchen, wie des Handels mit den Stühlen, den Kerzen, dein Weihwas­ser u dgl., der hohen Trau- und Taufgebühren u. f. w. hat das Konzil keine Beachtung geschenkt.

Die Republik scheint der öffentlichen Moral mehr