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Wiesbaden. Samstag, 6. Oktober
„Freiheit und Recht!"
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gelegenen Postämtern.
^ Ueber die Organisativ»» der Arbeit.
II. Artikel.
Die Staatsökonomen haben ihr Forschen nur auf die Fabrikation beschrankt, und sich wenig oder gar nicht um die Vertheilung der Produkte unter die Con- fumenten Mummert; sie glaubten Alles wäre durch Handelsfreiheit und Eoncurrenz beseitigt. Waren aber dadurch die Produkte gegen Mangel, Hemmung, Verfälschung, erkünstelte Preiserhöhung, Aufkauf und Wucher geschützt? Keineswegs.
Die Frage der Organisation der Arbeit hat sich der politischen Oekonomie eutgegengestellt, welche bis daher nur die Fabrikation zu fördern suchte, und zwar durch die Anwendung zweier unvollständigen Ideen: Arbeitstheilung unb A nw endung v on Ma- sch inen. Nach unverhältnißmäßigem Hervorbringen sollte dann die Concurrenz den Absatz besorgen.
Wer gedachte aber indessen der Noth der arbeitenden Klasse? — Sicher nicht die Ockonomisten, welche sich nicht verpflichtet hielten, den Wohlstand oder gar die Existenz der Arbeiter zu garantiren. Von der Wohlfeilheit ausgehend, haben sie im Gegentheil die Bedürfnisse derselben als ein Hinderniß für das abjos lute Wohl der Industrie und des Handels betrachtet, und sich nur die Verminderung des Lohns und die Herabsetzung der Produktionskosten zur Aufgabe gestellt. Einige wollten sogar Mn Arbeiter die Heirath untersagen, um der Industrie den Unterhalt seiner Frau und Kinder zu ersparen.
Die Arbeiterfrage wird durch den Sozialismus mit mehr Logik und Menschlichkeit behandelt. Um den Mißbrauch der Arbeitskräfte zu verhindern, übernimmt er die zwei Ideen der alten Schule: Arbeitsteilung und Anwendung von Maschinen, sucht sie aber vollständig zu machen. Die Arbeitstheilung, ja selbst die Minderung der Arbeit, kann nur unter gewissen Bedingungen stattfinden. Es müssen in jedem Wirkungskreis verschiedene Arbeitszweige betrieben werden. Dieselben Arbeiter müssen, anstatt zu viehischen und ihrer Gesundheit schädlichen Verrichtungen verdammt zu sein, sich an verschiedenartigen Arbeiten, welche allen Organen ihres Körpers und allen Fähigkeiten ihres Gei- I stes entsprechen, betheiligen. Nur durch Verschiedenheit und Abwechselung wird man, wenn sie zweckmäßig mit der Arbeitstheilung verbunden sind, die Vervollkommnung der Produkte mit der materiellen nub moralischen Entwickelung des menschlichen Geschlechts in Ueberein- stimmung bringen.
Auch den Werth der Maschinenkraft wissen die Sozialisten zu schätzen, jedoch können Maschinen nur dann mit glücklichem Erfolg in den Werkstätten angewendet werden, wenn der Arbeiter durch Afsocia-
'"' Wiesbaden, 5. Oktbr. Der „Badische Merkur", der zur Zeit seiner Entstehung uns wiederholt versicherte, er wolle die „ächte", die „wahre", die „eigentliche" Freiheit, gibt uns in No. 82 eine Probe davon, wie er die „Freiheit" versteht.
„Freiheit ist Alles, was Geld einbringt" — spricht Merkur, der Gott der Kaufleute — und der spezielle „Badische Merkur" meint wohl auch, die Freiheit sei die beste, bei der man am meisten Profit machen könne.
In dem Lande Baden macht man aber dermalen den besten Prosit, wenn man den Occupanten Badens, „den herrlichen Bataillonen des Nordens", recht sehr Weihrauch streut, und der „Bad. Merkur" lobhudelt die Eroberer Badens daher in einer so niedrigen Weise, und zugleich mit einem so unvergleichlichen Blödsinn, daß alles rormärzliche Schmarotzen und Bartstreichen um der „Herren" Gunst hinter diesem nachmärzlichcn titeln Dunst weit, weit zurückbleibt.
Um unsern Lesern zu zeigen, bis zu welcher Stufe der Selbstbefleckung die Servilität herabzusteigen vermag, und um ihnen ein Beispiel davon zu geben, wie die reaktionäre Wuth bereits auf der Staffel der reinen Verrücktheit angelangt ist, lassen wir hier die saubern Worte des Merkurs selbst folgen:
„Die Vortheile der Occupation Badens durch ein preußisches Truppencorps
werden uns, ehe eine lange Zeit vergeht, in die Augen springen, sie sind zu groß und einleuchtend, als daß sie irgend Jemanden verborgen bleiben könnten. Das in unsern Kammern, in unserer sogenannten „liberalen" Presse, in allen Versammlungen jahrelang geschmähte und mit Koth geworfene Preußen kommt zu uns und rettet uns aus tiefster Noth! Denn das stolze Baden, das sich auf seine Kammern, auf seinen Vater Jtzstein und auf seine vielen sonst noch berühmten (?) Männer so unendlich viel zu Gute that, das da glaubte, Deutschlands „Stolz und erste Schönheit" zu sein, war gänzlich aus den Fugen gegangen, nachdem an der Lockerung dieser Fugen sein Vater Jtzstein unb seine berühmten Kammermänner jahrelang unablässig unb fleißig gearbeitet hatten. Als der böse Samen anfgegangen war, als die Gottesfurcht beseitigt, die Achtung vor dem Regenten und den Behörden unter
I tion am Gewinn des Meisters verhältnißmäßig be- theiligt wird. Im entgegengesetzten Fall ist die Eri- ] steuz der arbeitenden Classe durch Erfindung und Vervollkommnung der Mechanik gefährdet, indem eiserne Hände sie dann ihres Broderwerbs berauben würden.
Dr. R.
graben, die Begriffe von Recht und Gesetz gehörig ver- I wirrt waren, ba freilich stutzten sie (bte eigentlichen) möglicherweise unbewußten Urheber der Revolution und blickten sorgenvoll aus dem jenseitigen Lager, in das sie sich geflüchtet, auf das heraufbeschworene Unglück. Die große, eigentlich gutgesinnte Menge, die sich, wie der „biedere Zobel" in „unbewußten Schlingen" gefangen hatte und gern die hohlen Phrasen, die von der Kaminetribüne wie Milch und Honig flossen, nachplapperte, wenn nur Preußen recht „herunter gemacht" wurde, diese große Menge war rathlos, nur die „Entschiedenen", die Republikaner und die fremden Abentheurer wußten und thaten, was sie wollten. Da wurde es denn endlich den Gutgesinnten auch zu arg, und als es an Kragen unb Geldbeutel ging — da sehnten sie sich auf einmal nach den so lange geschmähten und verhaßten Preußen. Preußen sandte seine herrlichen Bataillone „den Dankbaren wie den Undankbaren", und die Söldlinge, Die Fürstenknechte, wie man die preußischen Truppen früher hier nannte, verwandelten sich plötzlich in Befreier und Erretter. — Das ist der eine Vortheil ; wir sollen jetzt die Lehre von der Demuth studiren, wir sollen einsehen, wo wir gefehlt chaben, suchen, wie wir es von nun an besser machen und, jeder in seinem Kreise, thätig mitwirken am Wiederaufbau des umgestürzten Staatsgebäudes. Unser Stolz ist gebrochen, die letzten Ereignisse haben es uns mit furchtbarem Ernste bewiesen, daß das „Kaiserthum" Baden (wie ein geistreicher preußischer Staatsmann daS Ländchen einst, einem jetzigen badischen Minister gegenüber, sehr treffend nannte) ein schwankendes Bäumchen ist, das ohne die Stütze eines festen und starken Stammes den Stürmen nicht widerstehen kann.
Preußen hat uns die schönste seiner Institutionen, seinen Stolz, einen, wenn auch nur kleinen Theil seines herrlichen Kriegsheeres vorgeführt, es hat uns die wahre Art der Volksbewaffnung, seine unvergleichliche Landwehr-Einrichtung kennen gelehrt, cs hat uns aber auch gezeigt, daß seine Finanzen in einem musterhaften Zustande sein müssen, um, ohne zu außerordentlichen Mitteln zu greifen, die enormen Anstrengungen der beiden letzten Jahre ertragen zu können. W e unendlich viel können wir daraus lernen! Ein Militär- und Finanzsystem wie das preußische, muß auf den solidesten Grundlagen basiren, die ganze preußische Stacusmaschine muß eine vortreffliche, nachahmungs- werthe sein! Wir müssen diese Grundlagen kennen lernen, den Gang dieser Staatsmaschine studiren, um die Nutzanwendungen für uns machen zu können. Der intelligente Badenser, wenn er auf Reisen geht, sucht den schönen Süden auf und richtet nach Frankreich, der Schweiz und Italien seine Schritte, der Norden
Der unschuldige Galcerensclave.
(?lud der „Allgemeine Moden-Zeitung".)
(Sortierung.)
— „Ich falle aus den Wolken," antwortete Bonne- main mit einer Bestürzung, die auf einen Jnstructions- richtcr vielleicht Eindruck gemacht hätte; „ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, Herr Gorsaz , daß id) unschuldig bin. Ich bin allerdings bestraft worden , ich kann es nicht leugnen, weil ich Ihnen , als ich Sie um Aibcit an sprach, meine Marschroute zeigen mußte; aber wenn man auch in seiner Jugend einen dummen Streich gemacht hat, braucht man doch nicht sein ganzes Leben lang ein ehrloser Mensch zu sein. So gewiß ein Gott uns hört, so gewiß weiß ich nicht, wovon Sie sprechen."
„Wegen welchen Verbrechens wurdest Du zum ersten Male zu Zwangsarbeit verurteilt ?" fragte Gorsaz.
— „Wegen einer Fälschung, welche ich zu begehen das Unglück hatte, während ich mich in einem Handelshause befand," antwortete der freigelassene Galcerensclave mit reuigem Gesichte.
„Wegen eines Mordes," entgegnete ter Greis leise aber scharf betont, „wegen eines Mordes, der zwischen Prades und Villefranche an einem Steuereinnehmer begangen wurde, dem Du das Geld abnehmen wolltest,
das er zum Glück nicht bei sich hatte. Ich sage zum Glück für Dich, denn da die Beraubung nicht stattgc- funben hatte und die Geschwornen Dich von dem Vorbedachte freisprachen, wurdest Du blos zu den Galeeren verurteilt. In Toulon verdientest Du Dir durch Dein Verhalten eine Strafocrwaudlung unb statt Dein Leben im Bagno zu beschließen, bist Du nur zehn Jahre in demselben geblieben. Du siehst, daß ich genau unterrichtet bin."
— „Alter Schelm!" dachte Baptiste Leroux , genannt Durand, genannt Lejeune, genannt Bonnemain, „wären wir doch allein in einem Walde, ich wollte Dich...!"
Gorsaz schien den blutdürstige» Gedanken des Mannes zu errathen , den er verhörte, denn er sah mit einer gewissen Unruhe durch das Fenster hinaus; die Anwcscn- Heit der Arbeiter beruhigte ihn, welche sich einige Schritte von ihm befanden. Am Hellen Tage, in seinem eigenen Hause, so nahe dem Beistände, dachte er, habe er vor dem Zorne des Galeerensclaven nichts zu fürchten. Er setzte also das Gespräch fort, jeboeb mehr mit der Vertraulichkeit eines nachsichtigen Rathgebers, als mit der Strenge eines strafenden Richters.
„Bis jetzt hast Du Unglück gehabt," sagte er, „Du bist zehn Jahre auf den Galeeren gewesen wegen eines Mordes, der Dir nichts eintrua, und jetzt stehst Du auf dem Punkte, auf immer dahin zurückzukehren, weil Du eine schlechte Uhr gestohlen hast, die vielleicht 20 Fres, werth ist."
— „Nicht zehn ist sic werth," unterbrach ihn Bonne- main, der sich aber gleich darauf die Lippe blutig biß.
„Zehn oder zwanzig, das macht keinen Unterschied," fuhr der Alte höhnisch lächelnd fort, „die Hauptsache ist. daß der Diebstahl bewiesen ist, daß Du ihn jetzt selbst gestanden hast. Ich werde Dich verhaften lassen müssen."
— „So werden Sie einen Unschuldigen verhalten lassen," sprach der Galcerensclave, der gegen seinen Willen etwas ängstlich wurde.
Gorsaz ließ den Kopf sinken und heftete eine Zeit lang die Augen an den Boden; endlich schlug er sic wieder auf und warf auf Bonnemain einen Blick, der in die geheimsten Falten dieses verderbten Herzens zu bringen schien.
„Wenn ich Dir nun," sagte er, „statt Dich ter Gerechtigkeit zu überliefern, die Mittel verschaffte, nach Bordeaux zu kommen , um Dich da nach einem fremden Hafen, San Sebastian oder Bilbao cinzuschiffeu; wenn ich Dir, nicht zufrieden mit Deiner Rettung, so viel Geld gäbe, daß Du davon außerhalb Frankreich Dich etabliren und leben könntest, z. B. 10,000 Frcs., — was würdest Du zu einem solchen Vorschläge sagen 7"
Der fecigelassene Galcerensclave äußerte seine Erregung nur durch eine fast unmerktiehe Bewegung der Lippen; mit der Schlauheit, welche den Leuten feiner Art eigen ist, errieth er, daß es sich um einen Handel keineswegs um eine Wvhlthat handele. Dieser Ge-