werde absichtlich vor den Wahlen verbreitet, um auf dieselben insofern einzuwirken, daß ein Theil der demokratischen Wähler davon abstehe , ihre Stimmen auf die hervorragendsten jener Abgeordneten zu richten. Vor Allem schein^ der Regierung viel daran zu liegen, den noch in der Schweiz weilenden Dr. Schaffrath gerade jetzt, wo die Wahlagitation beginnt, fern zu halten, da man seinen Einfluß fürchtet. — Ein anderer gefährlicher Gegner der Regierung, Eisen stuck, hat leider freiwillig darauf verzichtet, in seinem engern Vaterland den Kampf gegen den Despotismus fortzü- führeu; wie man hört, hat er sich eine Auswanderungs- | urkunde ausgewirkt und hat, mit seiner Familie seinen ; bleibenden Aufenthalt in Brüssel genommen; ist die erstere Thatsache richtig, so würde sie das oben erwähnte Gerücht widerlegen, insofern die Regierung, beabsichtigte sie gegen die Stuttgarter Reichstagsabge- ■ ordneten eine Untersuchung einlétten zu lassen , wohl ; schwerlich dem Genannten jene Urkuüde âusgefertigt j haben würde. In diesem Augenblicke läßt sich über den vermuthlichen Ausfall der Wahlen noch gar kein ; Urtheil fällen; nur das eine scheint gewiß, daß die ' Bieder m a n n' sche Partei mit ihrem preußischen Drei-Königs-Entwurf in der Minderheit bleiben wird. j Die demokratische Partei ist zwar stark im Lande, aber die Regierung bietet alle Kräfte auf, um ihr die Verständigung zu erschweren, indem sie das Vereinsrecht auf die willkührlichste Weise verletzt und nun auch an- gefangen hat, die Volksvereine zu verbieten, in welche sich nach Aufhebung der Vaterlandsvereine die Volkspartei zusammen zu schaaren suchte. Das Hauptge- brechen aber, welches den Sieg der Demokraten erschwert, ist, daß der größere Theil ihrer Führer seit dem Mai theils flüchtig im Auslande weilen, theils hier in den Kerkern stecken oder unter gerichtlicher Verfolgung stehen, so daß man genöthigt ist, nach neuen Kräften umherzusuchen. Nichtsdestoweniger gibt die Partei ihre Hoffnung nicht auf, die Mehrheit in den Wahlen zu erlangen. Wie sehr man überdies auf der andern Seite eine solche Eventualität fürchtet, geht daraus hervor» daß man absichtlich das Gerücht verbreitet, die Zusammenziehung des österreichischen Truv- penkorps im benachbarten Böhmen sei keineswegs gegen Preußen, sondern gegen die Deinokraten in Sachsen und die demokratische Verfassuitg Sachsens gerichtet, im Falle die erstere wieder, wie früher, auf dem bevorstehenden Landtage die Mehrheit haben sollten. Also nach den preußischen Bajonetten hätte Sachsen die Aussicht, die österreichischen Söldner zu beherbergen, damit unter ihrem Beistand die Dynastie wieder Wurzeln schlagen könne. Eine Danaidenarbeit! (NDZ.)
Rastatt, 2. Oct. Heute wurde der hiesige Metzgermeister Kommlossi von dem Standgericht auf Antrag des Staatsanwalts zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilt; dagegen ein anderer Angeklagter, ein Schweizer-Offizier Namens Ulrich, der während der Revolution Dienste im badischen Heere genommen hatte, mit 4 gegen 2 Stimmen, ohne die des Präsidenten, vor den ordentlichen Richter verwiesen, waS auch mit Kommlossi hätte geschehen sollen.
Mannheim , 2. October. Die Verzeichnisse der Gefangenen in Rastatt zur Zeit der Ucbergabe der Festung sind im Druck erschienen. Sie weisen im Ganzen 5,503 Mann Gefangene nach, darunter an höheren Chargen: 4 Obristen (Tiedemann, v. Biedenfeld, Bek- kert, Knoll) 24 Majors, 32 Hauptleute, 33 Ober- und 32 Unterlieutenants, 1 Artillerie-Direktor, 5 Aerzte und 8 Kriegsbeamte. Auch ein Minister-Stellvertreter (Sander aus Cöthen) sigurirt in den Listen, und unter der laufenden Nr. 1288 der Liste der Gefangenen im Fort A lesen wir einfach den Namen: Kinkel aus Bonn. Vornamen und Charakter sind gar nicht angegeben. Indem wir noch bemerken, daß die Listen nur die Gesunden aufführen (über die Kranken eristirt kein gedruckter Nachweis) wollen wir den Lesern die aus der Fremde dem Freiheitsheitsheere zugezogenen Mannschaften vorführen. Aus den übrigen deutschen Ländern finden sich 559 Gefangene vor, und zwar: 124 Würtemberger, 120 Rhein- und 47 Altbayern, 70 Hessen-Darmstädter , 61 Preußen, 30 Sachsen, 27 Kurhessen, 14 Nassauer, 9 Hannoveraner, 7 Hoheuzollern und eben so viel aus Frankfurt a. M, 6 Braunschweiger, 5 Hamburger und 5 Mecklenburger, 4 Oesterreicher, 4 Hessen-Homburger, 3 Sachsen- Meininger, dann je 2 aus Tyrol, Bremen, Sachsen- Altenburg, Sachsen-Weimar, Holstein und Anhalt und je 1 auS Sondershausen, Reuß, Waldeck und Böhmen. Von Ausländern sind nur 107 Mann gefangen, nämlich : 46 Schweizer, 26 Franzosen, 16 Ungarn, 4 Lombarden, 3 Piemontesen, 3 Engländer, 3 Polen, 1 Croat, 1 Slowak, 1 Däne, 1 Holländer, 1 Belgier und 1 Nordamerikaner. (M. I.)
Posen, 29. Sept. Nach langen Harren ist endlich heute die vom Oberpräsidenten von Beurmann und dem commandirenden General v. Brünneck unterzeichnete Bekanntmachung erschienen, wonach der Belagerungszustand unserer Stadt aufgehoben wird. Die diesfällige Ministerialverfügung trägt das Datum vom 14, die hiesige Publication das des 28. Sept., mithin sind zwischen dem Erlaß und der Promulgirung der Aufhebung zwei Wochen verstrichen. (O.P.A.Z.)
Wien, 28. Sept. Unter der Geschäftigkeit, welche, mit großer Ostentation ausgelegt, sich in den Bureaur der verschiedenen Ministerien rührt, um „die Reorganisation des konstitutionellen Oesterreichs zu vollenden,"
verbirgt sich nur das Streben, allüberall der Wieder- eiukehr der alten Zustände die Hand zu bieten und die konstitutionelle Monarchie so einzurichten, daß man auf die alte Wei,e gouverniren und acministri- ren, die^ Vorrechte schützen und das Volk verachten kann. Reformen in Verwaltung, Gerichtswesen und Finanzen, das ist das Losungswort von Leuten wie Schmerling und Bach, die sich einbilden, sie seien die Männer den „aufgeklarttn Despotismus" in Oesterreich zur Geltung bringen zu können, während ein solches Unding aller geschichtlichen Erfahrung nach immer^nur die Brücke bildet, auf welcher der unaufgeklärte," der verfinsterte und barbarische Despotisinus seinen Einzug hielt. — Auch in unserm Kultus- und Unterrichtsministerium hat sich, seitdem Graf Thun die Leitung desselben angetreten, jene Geschäftigkeit kundgegeben; es schien, als beabsichtige inan dort den Augiasstall des österreichischen Unterrichtswesens vollständig zu säubern; der Entwurf des neuen Unterrichtsplans auf Gymnasien und Realschulen ist nun auch schon fertig und im Druck erschienen, aber der Unterrichtsminister ist weit entfernt, denselben in seinem an den Kaiser erstatteten Berichte zur ungesäumten ©endjmhuiim zu empfehlen, Man bittet bloß um die Ermächtigung, daß einstweilen in der Leitung der genannten Anstalten die Richtung verfolgt werden dürfe, welche in dem Entwürfe angegeben ist. Als Grund dieser Hinausschiebung der definitiven Einführung wird angegeben, daß eine allseitige Beleuchtung desselben noch ' nothwendig und weil er in einem Punkte noch unvollständig sei. Das ist aber gerade der Punkt, wo der Hase im Pfeffer liegt^ die offen gelassene Masche, von wo aus alle Verbrefferungen, die jener Plan enthalten mag, wieder aufgenistelt werden können. „Es fehlen, heißt es in dem erwähnten vom Kultusminister an den Kaiser erstatteten Bericht, in demselben nämlich noch alle Bestimmungen, die sich auf die Einrichtung des Religionsunterrichtes beziehen, weil deren Festsetzung bedingt ist durch die Verhandlung über die Anträge, welche von den in Wien versammelten Bischöfen aus- gegangen sind." Die Sache ist klar; die Kaputze wird das letzte Wort über das Unterrichtswesen in Oesterreich sprechen und Jeder wird wissen, ob die Reformen, welche daran noch bevorstehen in melius oder in pe- jus werden getroffen werden. — Es geht das Gerücht, Hr. v. Schmerling wolle den Bevollmächtigten deutscher Regierungen, die sich zu diesem Zwecke nächstens hier zusammenfinden werden, einen von ihm aus- gearbeiteten E n t w u r f z u e i n e r d e u t s ch e n R e i ch s- verfassung vorlegen. Erst also die Verfassung der Paniskirche, dann der Drei-Königs-Entwurf, dann das Schmerlingssche Projekt — zuletzt sicherlich ein organisches Statut oder ein Ukas des Kaisers Nikolaus — Deutschland, wie wirst Du beglückt. (N.D.Z.)
Ungarn.
Wien, 29. Sept. Gestern hatte Obristlieutenant V. Hönigstein die Nachricht von der Kapitulation der Festung Comorn und dem Freiwerden der Donau hierher gebracht; indessen da bis heute keine offizielle Be- stätigUng erfolgte» traut Man derselben nicht ganz. Wie man vernimmt, soll Letztere erst erfolgen, sobald der Einzug der k. k. Truppen-stattgefuuden haben wird ; man habe, heißt es, der Festnng die gleichen günstigen Bedingungen gestellt, wie Venedig, und müsse demzufolge den Compromittirten einige Tage Zeit lassen, sich entfernen zu können. Damit dürfte denn endlich die Aufhebung des Belagerungszustandes für Wien möglich gemacht werden, obschon die vorbereitenden Maßregeln noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden.
Wien, 30. Septbr. Bezüglich der Uebergäbe von Comorn meldet die „Wien. Ztg." heute Folgendes: „Der Unterwerfungs-Akt der Comorner Besatzung ist am 27. d. M. unterfertigt worden. Am 28. isi F-M-L. Graf Nobili mit den erforderlichen Individuen der Artillerie, des Ingenieur-Corps, einem Feldkriegs -Commissär und zwei Militärverpflegungs- beamten nach Comorn abgegangen, um die betreffen- deu Voreinleitungen zur ordnungsmäßigen Uebernahme zu pflegen, was bis Montag den 1 Oktober bewirkt sein wird, wonach sofort die Besetzung der Festung an dem genannten Tage stattfinden kann."
Galizien.
Lemberg, 21. Sept. Alle Landstraßen Galiziens wimmeln jetzt von den aus Ungarn nach Rußland zurückkehrenden Truppen sammt zahlreichem Geschütz und Fuhrwerk. Hier in Lemberg sind reitende Pioniere, 4 Dragoner- und 3 Jnfanterieregimeuter durch- marschirt. In Galizien bleibt ein russisches Observationscorps von 30,000 Mann zurück, wogegen eben so viele k. k. Truppen von hier nach Ungarn verlegt werden, und auf dem Marsch dahin theilweise schon begriffen sind. (O.P.A.Z.)
R u ß l a n d.
Die wörtliche Übersetzung der berüchtigten Stelle im letzten Manifest des Czaren Nikolaus, welche die deutschen Zeitungen zuerst mit „Höret und vernehmet!" wiedergegeben, lautet auch nicht, wie sie später in einem Schreiben von der polnischen Gränze mitgetheilt wurde: „Höret ihr Völker und demüthigt euch!" sondern „Hört ihr Völker und krümmt euch im Staube!" Wonach sich zu achten!
Türkei.
Die Nachrichten der französischen Blätter ausKon- stantinvpel reichen erst bis zum 17. Sept. Es ist unzweifelhaft, daß die Pforte — der Sul-an selbst in sehr energischer Weise — die Auslieferung der unaa- rischen und polnischen Flüchtlinge verweigert hat. Der russische Bevollmächtigte drohte mit dem völligen Ablnechen jeder diplomatischen Verbindung mit der Pforte, wahrscheinlich hat er selbst von einem Casus belli gesprochen, aber vergebens. Das türkische Ministerium versprach, einen Gesandten an den Kaiser von Rußland zur Verständigung in dieser Angelegenheit zu schicken; Hr. v. Titoff antwortete, daß derselbe in Petersburg einen kalten Empfang finden werde Der Fürst Radziwill erklärte, abreisen zu wollen; auf den 16. Sept, war die Abschieds-Audienz beim Sultan festgesetzt; sie hat nicht Statt gefunden; man weiß nicht, weßhalb. In dieser peinlichen Lage blieb dem türkischen Ministerium nur übrig, sich an die Gesandten der Mächte zu wenden, welche es bisher in ihrem Widerstande gegen die russisch-österreichischen Forderungen bestärkt hatten. Am 16. Sept, richtete der Minister des Auswärtigen, Ali Pascha, an den franrösi- schen und an den englischen Gesandten eine Note, in welcher er folgende Fragen stellte:
1) Geben die Verträge von Kutschuk-Kainardschi Und von Payarovitsch den beiden Mächten (Rußland und Oesterreich) das Recht, die Auslieferung der ungarischen Flüchtlinge zu verlangen?
I 2) Würde in der Weigerung der Pforte, diese Flüchtlinge auszuliefern, eine Verletzung der Verträge liegen ?
3) Könnten die beiden Mächte in Folge dieser Weigerung der Pforte den Krieg erklären?
4) Wenn diese Mächte der Pforte den Krieg erklärten, würden England und Frankreich die Türkei mit den Waffen in der Hand unterstützen?
5) Sind die von Rußland reclamirten Flüchtlinge Unterthanen dieser Macht?
6) Falls die Weigerung der Pforte nur ein Abbre- cheu der Beziehungen zwischen dem Divan und den Gesandten der beiden reclantirenden Mächte nach sich ziehen sollte und eine mehr oder weniger länge kalte und gespannte Stimmung der beiden Mächte in Beziehung auf die Türkei, würden Frankreich und England interveniren, um die Beziehungen wieder nach dem alten Fuß herzustellen?
Nach Empfang dieser Mittheilung kamen die Gesandten von Frankreich und England zu einer Con- ferenz zusammen und beschlossen, sofort durch eine Collectiv-Note zu antworten. Diese ward iM Laufe des Tages dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten durch die ersten DragomanS der beiden Gesandten, die Herren Cor und Pisani, zugestellt. Die in der Collectiv-Note enthaltene Antwort läßt sich in Folgendem zusammenfassen:
Erste Frage: Die erwähnten Verträge geben Oesterreich und Rußland nicht das Recht, die Auslieferung zu verlangen.
Zweite Frage: Die Weigerung der Pforte würde keine Verletzung der Verträge sein.
Dritte Frage: Daß diese Weigerung eine Kriegs- Erklärung nach sich ziehen sollte, kann nicht zugegeben werden; pKte eine Kriegs-Erklärung statt finden, so wurde sie nicht zu rechtfertigen sein.
Vierte Frage: Die beiden Gesandten können den bewaffneten Beistand Frankreichs und Englands nur in dem Falle garantiren, daß fie besondere dahin lautende Instructionen erhalten.
Fünfte Frage: Es ist möglich, daß einige der von Rußland reclamirten Flüchtlinge Unterthanen dieser Macht waren, oder es noch sind; aber im Allgemeinen ist eS unbestreitbar, daß die Flüchtlinge, deren Auslieferung man verlangt, keine russischen Unterthanen find.
Sechste Frage: Frankreich und England würden interveniren, um daS gute Einverstänvniß und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen jenen beiden Mächten und der Pforte wieder herzustellen.
Noch am l 6. September fand eine neue Berathung der türkischen Minister Statt. Man entschied sich einstimmig dafür, ^ei den gefaßten Beschlüssen zu beharren, und der Sultan war einverstanden mit diesem Beschlusse. 3 nm außerordentlichen Gesandten nach Petersburg ist nach dem „Journal des Debats" Fuad- Effendi (nach dem „Constitutionnel" Schekib-Effendi) bestimmt. Gleichzeitig sendet die Pforte alle disponi- beln Truppen an die Donau. Die Wahrung der Interessen der russischen Unterthanen soll die preußische Gesandtschaft übernommen haben. — (K.Z.)
Italien.
Rom, 2!. Sept. Die Regierung hat das päpstliche Edikt und die Amnestie abermals anheften lassen und die Anschläge werden aufs Neue abgerissen und beschmutzt.
Die Kardinäle wagen sich nicht auf den Straßen Noms zu zeigen;■ ihre Opfer gehen frei umher und während die päpstliche Polizei den Verbannten keinen Aufschub gestattet, gewährt ihn die französische sehr leicht.
Der Nazionale gibt das Gerücht einer allgemeinen Amnestie, welche zu Loretto unter österreichischem Einfluß proklamirt werden soll. Das Journal meint, man wolle Frankreich und den Präsidenten dadurch beleidigen,