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Freiheit und Uecht! '

Jlß 237» ^eSbaden. Freitag, 3. Oktober ZGLN.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis betragt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 tr audmärf« vurch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von roirffamem Erfolge. Die JnserattonSgebühren betragen für die vierspaltige Pettizeile oder deren Raum 3 Kreuzer. '

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Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober begonnene neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

$ Ueber die Organisation der Arbeit.

l. Artikel.

Die alten Formen der hohlen, obschon tief ausge- sonnenen, Politik verlieren jeden Tag mehr von ihrem Einfluß. Die Völker hören auf, ihre Mütze abzuneh­men, wenn die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Pharisäer der alten Parteien den hinschewenven Glau­ben an ihre Orakelsprüche wieder zu beleben, ihre taub­stummen ©ottcn zur Schau zu stellen suchen. Heute geht die soziale Frage der politischen vor. Die Indu­strie will gehoben sein; daS S al aria t oder die letzte Ausbeutung des Menschen durch den Menschen soll aufhören; die anarchische Co neuere nz und das industrielle L e h n w e s e n müssen verschwinden, wenn nicht die Gesellschaft durch stets erneuerte Revolutionen zu Grunde gehen soll. o .

Die Organisation der Arbeit ist unter allen sozia­listischen Formeln jene, welche am meisten Anklang findet. Jeder wahre Freund des Volks vergißt alle politische Zwistigkeiten, um den edlen allgemeinen Zweck zu verfolgen, dessen Erreichung der unterdrückte Ar­beiter sehnsuchtsvoll cntgegeuharrt, und worin sogar der Mächtige die Sicherheit seiner Zukunft erblickt. Man fängt an, diese Formel zu begreifen; sie wild populär. In jeder wichtigen Epoche wird sie ein be­geisterndes Vereinigungszeichen der VolkSmasseN- sein, und bei allen großen Umwälzungen ihnen als Signal dienen. .

Die Worte Organisation der Arbeit ent­halten eine mächtige Idee, aber diese wird nicht alle­zeit richtig begriffen. Nur dann wird die Arbeit voll­kommen organisirt sein:

a) Wenn mit dem geringsten Verlust der höchste Ertrag geliefert wird.

Wenn eine wahre und wider jeden Betrug ge­schützte Concurrenz, durch ein zweckmäßiges Vcr- bindungssystem unterstützt, den wahren Werth der Produkte aufrecht erhält, und diese den Con- sumknten ohne Hemmung wie ohue Ueberfluß überliefert werden.

C) Wenn durchAssociation " die Arbeiter aus­hören die Leibeigenen des Capitals zu sein, und dadurch zu Mitgenoffen erhoben werden; wenn sie in jeder industriellen Unternehmung je nach ihrer Mitwirkung einen .verhältnißmäßigen An­theil am Gewinn erhalten.

Also, um die Arbeit zu organisiren, muß das beste Produkt mit dem geringsten Aufwand von Arbeitskraft geliefert werden, und nicht nur die Konsumenten, son­dern auch die Produzenten aller Klassen muffen an den auf diese Art errungenen Vortheilen Antheil erbten. Dr' ^

Der unschuldige Galeerensclave.

(Aus derAllgemeine Moden-Zeitung".)

__Höret man denn in Deinem Zimmer unten hierobcu gehen?" fragte Lucie mit heimlicher Angst.

^ch höre es das erste Mal. Nie ist Dem Schlaf so unruhig gewesen."

_Es ist schrecklich, mondsüchtig zu sein, sprach sie, indem sie das Haupt sinken lieg,und es soll kein Mittel dagegen geben. Habe ich im Schlafe ge­sprochen ?"

Die letzten Worte sprach sie mit sehr schwacher Stimme. _

Rein," antwortete der Alte, dessen ©citmt kalt blieb , während sich die Nagel seiner Finger in (eine Brust drückten.

Er nahm eine Kerze, wünschte der jungen Frau eine ruhige Nacht und ging in sein Zimmer hinunter. Hier verließ ihn die Kraft und er sank erschöpft aus einen Sessel. Nach einiger Zeit aber erhob sich die moralische Kraft, welche durch körperliche Schwäche nicht vernichtet wird, zornig und unversöhnlich in dem Herzen dieses Greises, der durch die Entdeckung seiner Ent­ehrung scheinbar ganz zernichtet war.

Wie ihn tödten?" fragte er sich die Hände ringend. Cie! Dazu werde ich den Muth nicht haben. Aber

Derrtschisuv.

# Wiesbaden, 4. Okt. In No. 223 der Nass. Allg. Ztg. 11. Ausgabe befindet sich ein ArtikelAus dem Maingrunde", welcher die gröbsten Wahrheitsverletzun­gen eiithält, und den wir in Nachfolgendem berichtigen werden.

Der fragliche Artikel hat die klar ausgesprochene Tendenz, die Meinung zu verbreiten,daß sich manche der neugewählten Bürgermeister die verkehrtesten Be­griffe von ihrer Amtsgewalt machten", und die nicht ausgesprochne, versteckte, durch die Aufzählung von einigen einleuchtenden Bürgermelstermißgriffen die von den Rückschrittömännern jetzt oft gehörte Ansicht, daß das Volk die jetzige freie Gemelndeverfassung nicht verdiene und nicht handhaben könne", zu bestätigen.

Daß in dem ersten Jahre der Einführung des neuen Gemeindegesetzes bei der Handhabung der Ge- meindeverwaltnng hier und da Mißverständnisse unter­laufen, scheint uns ebenso natürlich, als daß die Herreu­partei jetzt mit aller Kraft darnach trachtet, in allen Stücken die alten, vermoderten Zustände wieder herzu- steUen und demgemäß auch die freie Gemein- deverfassung erst in Mißkredit, und allmäh- lig bei der ersten günstigen Gelegenheit tn gänzlichen Abgang zu bringen. Wir betrach­ten aber unsere jetzige Gemeindeverfassung als eine der schönsten Errungenschaften, welche noch aus dem allge­meinen Reaktioussturm der jüngst verflossenen Zeit für unser Land gerettet wurden, und freuen uns von Her­zen, demjenigen, was die zahnlose Betschwester über die lächerliche Amtsführung eines Bürgermeisters in unwahrer Weise berichtet hat, den wahren, den betrof­fenen Bürgermeister von jedem Verdacht unpassender Dienstführung reinigenden Sachverhalt mittheilen zu können.

Auf die Frage, wodurch wir in Stand gesetzt wor­den, diesenSachverhalt" genau kennen zu lernen, antworten wir, daß wir zur Ermittlung des letzter» eine sehr sichere und zuverlässige Quelle benutzt haben.

DieN. A. Z." sagt zuerst, der angegriffene Bür­germeister, nämlich Kopp zu Wicker habe an den Pfarrer Stilcher in Wicker folgendes Schreiben er­lassen:

Ich uud der Gemeinderath haben beschlossen, daß der FeiertagMariä Geburt" an dein Tage, auf wel­chen er fällt, wieder in seiner ursprünglichen Weise feierlich begangen wird, was dem Herrn Pfarrer Stilcher zur Bemerkung und Darnachrichtung be­kannt gemacht wird. Kopp, Bürgermeister.

Mariä Geburt wird bekanntlich jetzt auf Anord­nung der bischöflichen Behörde in Limburg, nicht mehr in der Woche, sondern an einem Sonntage gefeiert;

>M^HdjWWE8kW!^^W^m^W^l»I'i8>!WtR^k^^IV?^'^"^"^â*^2^^i^^â^Wi»»WNs»»imii>^ iw um i1 sirr . ''k i iiummw

ihn! Ihn! Ihn fordern ! Er wird sich weigern, sich mit mir zn schlagen. Er wird mein Alter vorschützen und Jedermann ihm zustimmeu; denn es ist erlaubt, es gilt sogar sür ehrenvoll, einem Greife die Ehre seiner letzten Tage zu rauben, seinen Namen zu verhöhnen und ihn durch Schande und Verzweiflung zilm Wahn­sinn zu treiben; aber den Degen mag Niemand mit ihm kreuzen, daS hieße sein graues Haar beleidigen! Und hat man nicht Recht? Mein Auge ist schwach, meine Hand zittert; in einem Zweikampfe würde ich unterliegen, ohne mich zu rächen. Vielleicht schonte er mich! Nein, keinen Zweikampf, keine Ungewißheit, nichts von Zufall! Seinen Tod um jeden Preis und müßte ich ihn ermorden !"

Der beleidigte Ehemann müllte sich die ganze DIW mit tausend Nacheplänen ab. Mit Tagesanbrüche ging er aus und wanderte lange in dem Park umher, ehe Jemand im Hause aufgcstanbcn war. Endlich traf ihn ein Gärtner an der Ecke eines Ganges. Der Mann nahm beim Anblicke des Greises die Mütze ab, trat geheimnißvoll zu ihm und sagte:

Es trifft sich gut, Herr Gorsaz, daß Sie so früh auf sind; ich habe Ihnen etwas zu sagen und möchte es nicht gern von Auderu hören lassen."

Was gibt es, Piguet?" fragte der Alte barsch.

Gestern in der Nacht, Herr Gorsaz, hat man das Fenster in dem kleinen Gcwächshause ausgchoben, wo wir unser Arbeitszeug aufbewahrcu. Ich hatte den

Die, Gemeinde Wicker legt aber schon seit alten Zeiten I auf den genannten Feiertag sehr großes Gewicht, und sie wünschte deßhalb, daß dieser Feiertag dieses Jahr so wie früher begangen werde. Auf den Wunsch des Gememderaths und Kirchenvorstands zu Wicker schrieb daher Bürgermeister Kopp einen Brief an den Pfar­rer Stilcher, welcher also lautet:

Hochwürden! Es sind mir schon mehrmals An­träge gemacht worden, den versprochenen TagMariä Geburt" zu feiernj so auch gestern von den hiesigen Gemeinderäthen. Do wie die Stimmung hier ist, kann ich mit Gewißheit sagen, daß dies der Wunsch der Gemeinde ist. Wenn diesem Wunsch von Ihren Hoch­würden nichts entgegensteht, so bitte ich Ihre Anstalten treffen zu wollen und denselben auf den 8. ds. Mts. zu feiern. Wicker, 2. Sept. 1849. Hochachtungsvoll Kopp, Bürgermeister."

Hiernach hat also Bürgermeister Kopp keineswegs lil dem Tone, wie dieN. A. Z." versichert, an den Pfarrer Stilcher geschrieben, sondern in ganz artiger Weise.

Gewiß wäre es aber sehr zu wünschen, daß die N. A. Z." bei ihren Correspondenten für die Zukunft vorsichtiger wäre. Der Eorrespondet, um dessen Un­wahrheiten es sich hier handelt, erzählt nämlich noch weiter:

Ein Brief, in welchem ein auswärtiges Pfarramt ^um einen Auszug aus dein Civilstandsregister über eine gewisse Person ersuchte, lief mit dem Wochenboten unter der AdresseAn das hochwürdige Pfarramt in Wicker, Dienstsachen" ein, und kam dem Herrn Bür­germeister, bei welchen sich der Bote zuerst seiner Bürde entledigte, zn Gesicht, und die Anmaßung des Herrn Bürgermeisters ging so weit, daß er der Adresse bei­fügte :

Dein Herrn Pfarrer Stilcher dahier zur Dar­nachrichtung. Kopp, Bürgermeister."

Auch diese Erzählung ist nichts als ein Gewebe von Unwahrheiten.

An den Bürgermeister Kopp kam ein Brief, wo­rin er um einen Auszug aus dem CivilstandSregister ersucht wurde; da nun aber in unserem Staate die Bürgermeister die Civilstandsregister nicht führen, was sie bekanntlich anderwärts thun, so schickte er den er­haltenen Brief an den Decan Stilcher, in dem er zugleich die alte Adresse ausstrich und statt deren mf den Brief schrieb,An Herrn Decan Stilcher zur gefälligen Erledigung."

DaS barsche Befehlen, welches der Artikel der N. A. Z." dem Bürgermeisters K opp kommst, ist also nicht minder, wie die Faffniig des schon früher erwähnten Briefes ganz ans der Luft gegriffen.

Am Schluffe des Artikels ist noch von einer Bür-

Abend vorher meine Jacke da vergessen, in welcher sich eine ganz neue Uhr und etwas Geld befand. Die Jacke fand ich, denn ich habe sie an; das Geld und die Uhr aber waren fort."

Es kommen nur Ihre Arbeiter in das Gewächs­haus ," sagte Herr Gorsaz

Auch hat einer von ihnen den Streich be­gangen.",

Aüf welchen haben sie Veidacht."

Jean Pierre und Bacherot sind hier ans der Gegend, ich kenne sic seit zwanzig Jahren und verbürge mich für sie. ES kann also mit Ihrer Erlaubniß, mir der Duckmäuser, der Bouncmaiu, gewesen sein."

Bouncmaiu?" wiederholte der GreiS, der nachzu- denken fchicu.

Ich habe ihm nie reche getraut," fuhr Piguet fort,er verdirbt mir überdies die Arbeit, daß ich mich seiner schäme. Er nennt sich Gärtner und kann nicht einmal pfropfen."

Sie haben nur Verdacht, man muß aber bei solchen Dingen Beweise haben," sagte Gorsaz, der an der Sache mehr Antheil zu nehmen schien, als man eigent­lich erwarten konnte.

Beweise! Da ist ein recht deutlicher, denke ich," antwortete der Gärtner, indem er aus seiner Tasche eine kleine Zwecke und dieselbe zwischen den Daumen und Zeigefinger nahm;daS ist eine ganze neue Zwecke, die ich im Fenster gefunden habe. Nur Bonnemain