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„Freiheit unL Neeöt!"
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^N 234l. Wiesbaden. Dienstag, 2. Oktober LGâU^
Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kx auNvLris durch die Post bezogen mit verhältntßmäßtgem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksrm°m Erfolge. — Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
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Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober begonnene neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Nitter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.
Wozu die an der Civilliste gemachten Ersparnisse anzuwende» sind!
T Aus der Provinz. In der letzten Sitzung der Ständekammer sind bei Gelegenheit der Festsetzung der Civilliste Ansichten laut geworden, die wohl einer nähern Beleuchtung bedürfen. Von Seiten ber Linken wurde mehrfach darauf hingewiesen, daß die Armuth im Herzogthum sehr groß sei, daß cs noch an vielen nothwendigen Anstalten fehle, daß deßhalb 150,000 fl, höchstens 200,000 fl. Civilliste eine den Kräften und der Größe des Landes hinlänglich angemessene Summe sei. Von Seiten der Rechten wurde darauf entgegnet, daß mit 100,000 der Armuth des Landes nicht abzuhelfen und daß eine solche Summe überhaupt kein Gegenstand sei, „um das schöne Band, was bisher Fürst und Volk in Nassau umschlungen habe, zu zerstören." Wir wollen jedoch einmal sehen, ob mit der jährlich gesparten Summe von 100,000 fl. bis 150,000 fl. denn wirklich der Armuth nicht im Geringsten abzuhelfen, ihr gar keine Erleichtrung zu verschaffen sei. Ich versuche den Gegenbeweis zu liefern, und mache zu diesem Zwecke folgende Vorschläge, denen sicherlich Niemand den Einwand des Unausführbaren entgegenhalten wird.
1) Würde in der ersteii Zeit von den jährlichen Ersparnissen in jedem Kreis ein Hospital zu bauen sein, damit man arme oder einzeln stehende Menschen, die auf andre Weise nicht die gehörige Krankenpflege erhalten, in demselben auf- nehmen könne. Wenige Hunderttausende wurden zur Bestreitung der Bauten in den 9 Kreisen, in welchen Hospitäler fehlen, genügen; nachher könnte man zur Erhaltung derselben Mittel anwenden, wie sie auch in andern Ländern gebräuchlich sind, man könnte monatliche Beiträge von 1—3 Kreuzer von allen Dienstboten, Lehrlingen, Gesellen, Commis, Gymnasiasten und Andern, die dem Kreise ihrer Familie entrissen sind, erheben, für welche dieselben im Falle der Erkrankung unentgeltliche Aufnahme finden müßten, so daß später die Hospitäler entweder gar keine, oder nur sehr geringe Unterstützung aus Staatsmitteln bedürften. Durch solche Anstalten würde aber nicht blos unzählichen Dienstboten das harte Loos, das sie im Falle der Erkrankung bis jetzt erreicht, erleichtert, auch den jungen Aerzten ein ganz unschätzbares Mittel zur weitern Ausbildung geboten werden. Dann hätte das bei uns gesetzliche zweite Eramen einen Sinn, wenn es vorge- N mimen würde, nachdem der Examinand 2 Jahre an einem Kreishospital unter der Aussicht eines bewährten ältern Arztes zugebracht hat, und demselben erst nach bestandenem zweiten Cramen die Praxis offen stände, wodurch dem Publikum wiederum ein großer
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Die Naben.
Novelle nach Madame Charles Reybaud.
(AuS dem Bildermagazin.)
^Schluß.)
Die beiden Alten schienen von allem um sie her stummen Abschied zu nehmen nnd überblickten zum letzten Male den großen Saal, wo sie jede Stelle und jedes Gerüche an irgend eine Begebenheit erinnerte. Ihre ; Augen folgten langsam der Reihe an der Wand hängen- ; der Portraits nnd hafteten endlich auf dem ihrer Mutter | welche in der Blüthe der Jahre gestorben war. Die edle Dame war mit zwei kleinen zierlich geputzten Mäd- chen auf dem Arme abgemalt.
„Das sind wir!" flüsterte Susanne seufzend.
— „Komm, komm, Schwester!" sagte Veronica, indem sic eine Thräne aus dem Auge wischte.
Auch der Baron war anfgestanden. Er sah ungeduldig aus und sein Auge war thränenloS geblieben.
„Lebe wohl Bruder," wiederholte Susanne; „wir haben einander nichts mehr zu sagen. Du kannst Deine Leute wieder eintreten lassen; denn nun sind wir wieder zwei fremde Alte."
Die Raben verbeugten sich tief und entfernten sich langsam.
Der Bären hatte geklingelt.
Vortheil erwüchse, da ihm Gewähr geleistet würde für die praktische Tauglichkeit seiner Aerzte.
Nach meinem vorhin angegebnen Plan würden die Kreishospitäler höchstens in 3—4 Jahren erbaut und fernerhin so lebenskräftig sein, daß ihnen wohl kaum mehr eine Sustentation aus Staatsmitteln zu Theil werden müßte, man könnte also die Ersparnisse anderweit verwenden, und zwar:
2) Auf die Errichtung eines Arbeitshauses, um in demselben viele Müßiggänger aus den vornehmen wie niedern Ständen zu beschäftigen und sie durch Gewöhnung an eine geregelte Thätigkeit wieder nützlich für die menschliche Gesellschaft zu machen, währenddem sie sich selbst überlassen auf dem einmal betretnenPfad bald durch alle Laster hindurch au Fälschung, Betrug, Raub und Mord anlangen.
Aus den Ersparnissen würde 3) eine Pfründ ner- Anstalt errichtet werden können, damit armen alten Leuten, welche jetzt oft ihre letzten Tage unter den größten Entbehrungen, Vernachlässigungen, ja Mißhandlungen seitens ihrer Angehörigen beschließen müssen, doch wenigstens am Ende des wohl meist nicht in Freuden verbrachten Lebens die Sorgen abgenommen und ihnen statt deren eine behagliche Existenz geboten werde.
Auch könnte aus den Ersparnissen nach einer Reihe von Jahren 4) ein Findelhaus gebaut werden, in welchem manches arme uneheliche Kind ausgenommen, und für dessen leibliche und geistige Erziehung gesorgt würde, das jetzt entweder schon in den ersten Stunden seines Lebens einen grausamen Tod findet, oder an Körper und Seele arm und vernachlässigt der menschlichen Gesellschaff überliefert wird.
So eröffnet sich uns eine Reihe von sozialen Reformen, deren Ausführung Nassau nicht bloß scheinbar, sondern in Wirklichkeit zu einem der glücklichern Länder machen würde, wodurch der Armuth, wenn sie auch nicht damit ausgerottct würde, doch wenigstens in den traurigsten Lagen eine kräftige Hülfe gewährt wird. Jedenfalls läge es im wohlverstandnen Interesse der Monarchie selbst, daß^sie auf die ebenerwähnte Weise die Summen anlege, welche bisher in unproduktiver Weise verwendet wurden.
D e u t s eh l a it ö.
X Wiesbaden, 29. Septbr. Heute endlich fand zum ersten Male im Herzogthum Nassau das öffentliche und mündliche Verfahren in Strafsachen statt. Der Cassationshof urtheilte über eine Nichtigkeitsbeschwerde, welche von den wegen Mißhandlung des ehemaligen Reichsministers Heckscher in Höchst Angeschuldigten, gegen das Erkenntniß des Anklagesenats, eingelegt worden war. Als Staatsan
„Bourguignon," sagte er zu dein Bedienten, begleite diese Jungfrauen bis hinunter."
Drei Wochen später wurde die Vermählung Caspars von Greoulx und Gabrielens von Lescale ohne allen Glanz in der St. Lorenzkirche in Marseille geschlossen. Die Raben wohnten der Messe bei und geleiteten sodann das junge Ehepaar in ihr Haus zurück. Der Wagen, der die jungen Leute nach Greoulx bringen sollte, hielt bereits an der Thüre. Die Braut legte ihre Spitzen ab und einen ReffemaMel an, nahm aber, ehe sie das Häuschen verließ, den Jmmortellenkranz vom Kamine, um ihn mit ihrem Brautkranze aufzubewahren.
Sie küßte weinend die Raben, denn sie liebte dieselben herzlich. Caspar drückte ihnen die Hand und sagte:
„Ich verdanke Ihnen alles. Sie haben mich vom Tode gerettet, den Willen des Barons gebeugt und mir meine Gabriele gegeben, wie könnte ich jemals so große Wohlthaten vergelten? Sie waren mir nichts schuldig und haben mehr für mein Glück gethan , als nahe Verwandte, als eine Mutter ..
— „Wir lieben Sie, als wären wir nahe verwandt," antwortete Susanne mit einer gewissen Rührung, wâh- rend Veronica (aut weinte; „seid glücklich, meine Kinder, und besucht uns bisweilen hier. Sind wir nicht mehr,
walt fungirte Staatsprokurator Reichmann, als I Vertheidiger Prokurator L a n g von L. Schwalbach. Als Crgänzungsrichter war zugegen Prokurator Geiger von hier. Nach mündlicher Verhandlung dec Sache im Assisensaale und kurzer Berathung des Gerichtshofes, wurde, dem Antrag des Vertheidigers gemäß, das Urtheil des Anklagesenats casfi'rt.
HH Aus dem Amte Höchst. (Soldatenexcesse.) Wie sehr es auch an der Tagesordnang ist, dem Militär zu schmeicheln, so sehr ist es Pflicht der freien Presse, rohe und brutale Excesse des- selben nicht mit Stillschweigen zu übergehen, letzter vielmehr zu veröffentlichen.
Am 1. Kirchweihtage, Sonntag den 23. Sept. d. I, entstand im Gasthause zum Adler bei Wirth W. in Heddernheim zwischen mehreren Soldaten der in dem benachbarten kurhessischen Orte Eschersheim garnisonireuoen preußischen Infanterie und zwischen andern Gästen ein Streit, welcher ohne weitere Thätlichkeiten damit endigte, daß die Soldaten sich fortbegeben mußten. Da von Seiten mehrerer der Soldaten die Drohung ausgestoßen wurde, daß sie folgenden Tags wiederkommen und sich Satisfication verschaffen würden, so verabsäumte der Herr Bürgermeister N. von Heddernheim nicht, sich mit den vorgesetzten Offizieren in Eschers hjè im zu benehmen, und beugte so durch sein energisches und umsichtiges Auftreten weitern Excessen am Montage vor.
Am Mittwoch Abend jedoch erschien, obgleich den Soldaten von ihren Vorgesetzten der Befehl zugegangen sein soll, nicht nach Heddernheim zu gehen, eine Anzahl der in Eichers heim liegenden föiuaL preuß. Soldaten, circa 20 — 30 an der Zahl in Heddernheim, stellten sich, ohne daß es verwehrt werden konnte, plötzlich vor dein Hause des Wirths F. auf, warfen mit Steinen fast sämmtliche Fenster in diesem Hause, besonders in dem nahe gelegenen Tauzsaale, ein, zerschlugen auch nicht weniger mit ihren Säbeln die Fenster, alles ohne tue geringste Veranlassung, und zogen sich nach Vollbringung dieses Bubenstücks nach Eschersheim zurück. Währenddem waren Gäste im Tanzsaale anwesend, von denen aber zum größten Glück Niemand durch die in den Saal fliegenden Steine verwundet wurde.
Der dem Wirthe F. dadurch angerichtete Schaden ist nicht unbedeutend; allgemein ist aber die Indignation in Heddernheim über die vorerwähnten Excesse eines Theils der in Eschersheim liegenden preußischen Soldaten. Es wäre daher sehr am Orte, wenn die Thäter mit der gebührenden Strafe belegt würden, wenn schon das preußische Militär Eschersheim heute verlassen hat und nach dem Rheine mar- schirt ist.
so gedenket unserer und sprecht in Euerem Glücke: die armen Alten, die man die Raben nannte, haben uns doch Gutes gethan!"
Der englische Hof verlängert seinen Aufenthalt im Balmoralschloß. Vorige Woche wurde Prinz Albert's Geburtstag gefeiert, bei welcher Gelegenheit der berühmte „Magier des Nordens", Anderson, die Ehre hatte, vor den erlauchten Herrschaften seine unglaublichen Kunststücke zu zeigen. Das ganze Gesinde und das Landvolk der Nachbarschaft erhielten Zulaß zu der Vorstellung, welche von den ehrlichen Hochländern mit geheimem Grauen angesehen wurde. Die erstaunlichste aller Tenfeleien war das Stück, welches Anderson die „unerschöpfliche Flasche" nennt, und welches jedem Anwesenden aus einer leeren Flasche sein Lieblingsgetränk spendete, durcheinander Porter, Wein, WhiSki und Brantwein. Lord John Russel ließ sich ein Glas Rum cinscheukcii, daS königliche Paar kostete echten „Lochnagar Whiski", dem kleinen Prinzen von Wales wurde Milch servirt, und nach allen diesen Wundern konnte es nicht befremden, daß die Hochländer einen ihrer Kameraden beauflag. cn die Füße deS Taschenspielers zu untersuchen , um su' .v. vergewissern , ob diessclbcn nicht einige -lehn, i RosscShufen hätten.