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Die„Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der AbonnementSprrts betragt oierteljährtg hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., auswärts oiu^ die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bet der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. - Die JuserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
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WM Einladung zum Abonnement. -ILL
Mit dem 1 Oktober beginnt ein neues Abonnement auf die „Freie Zeitung". Der Preis bleibt der bisherige. Die Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Nitter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.
Die Richtung des Blattes bleibt dieselbe.
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Zustände des Gymnasiums zu Hadamar.
/ Hadamar. Wer den Werth eines Gymnasiums nicht blos nach dem, was für Geist und Wiyenschaft, sondern auch nach dem bemißt, was für die Bildung des Herzens, des Charakters und der Sitten in demselben geleistet wird, dem mögen manche disciplinari- sche Thatsachen, wie sie namentlich in neuester Zeit hier vorgekommen sind, bedenklich erscheinen. Faßt man alles dasjenige-, was seither in diesen Blättern gerügt und, soviel uns bekannt, nicht widerlegt worden ist, in Ein Sündenregister zusammen, so fallt allerdings auf unser Gymnasium ein sehr trübes Licht, und Mancher Vater dürfte, wenn er sich an die ungünstigen Nachrichten über das hiesige Gymnasium hält, sich schwerlich zur Wahl desselben für seinen Sohn entschließen, sowie Mancher, dem an der Charakterbildung seines hier weilenden Lohnes Alles gelegen ist, sich bewogen fühlen könnte, ihn einer andern Anstalt zu übergeben. Zur Beseitigung solcher beklagenswerthen Fügen, die so wenig in das Reich der Unmöglichkeit gehören, daß wir vielmehr deren bereits vorgekommene Wirklichkeit versichern können, hätte schon längst von der Seite her, von welcher die Ehre unserer Anstalt gegen jeden- Angriff vertheidigt werden sollte, km Pn- blikum eine wahrheitsgetieue und beruhigende Darlegung der inkriminnten Verhältnisse gegeben werden sollen, um so mehr, als in den erschienenen Artikeln Personen genannt oder angedeutet waren, denen es doch wohl nicht gleichgültig sein wird, welches Urtheil über sie selbst und die Anstalt, der sie vorstehen, verbreitet wird. Das ist aber unsers Wissens bis jetzt nirgends geschehen, und wir fragen nach dem Grunde dieses unverantwortlichen Stillschweigens. Mag man sich auch persönlich über die Angriffe der unsern gelehrten Herrn verhaßten Freien Zeitung erhaben dünken, warum wahrt man nicht in einem andern beliebigen Blatte wenigstens den Ruf des Gymnasiums Angesichts Derer, denen an dem ehrenhaften Bestände und Fortgange desselben Alles gelegen sein muß und die sich bis jetzt noch nicht entschließen konnten, das Anathema über die Freie Zeitung auszusprechen? — Man hat die, auch in dem hiesigen Gemeinderath aufgeworfene Frage, woher die verminderte Frequenz des Gymnasiums komme, dahin beantworten wollen, daran sei die Freie Zeitung mit ihren, die Zustände des Gym- nasiums beleuchtenden Artikeln Schuld. — An den beiden andern Gvmnasien scheint man klüger zu handeln; man schweigt dort. Allein wenn nun einmal in unserer preßfreien und schreibseligen Zeit Alles an das Licht gezogen wird, so bleibt dem angegriffenen Theile nichts anderes übrig, als sich zu vertheidigen. Thut er es nicht, so lädt er nach dem bekannten Worte: qui tacet, consentire videtur, den Verdacht auf sich, daß er sich nicht zu vertheidigen weiß, und sonach hat man jene Frage, wenn sie nicht überhaupt in ungünstigen Zeitverhältnissen ihre Losung finden sollte, weit mehr aus dem Schweigen der Angegriffenen, als ans den Angriffen selbst zu beantworten, die doch wohl keine andere Absicht hatten, als entweder die Beseitigung mangelhafter Zustände und disciplinarstwer Mißgriffe, oder Belehrung über den eigentlichen Sachverhalt und Thatbestand 511 bewirken.
Wir sind unsererseits nicht im Stande, dasjenige zu widerlegen, was bisher von hier aus in Betreff der Lehrer und der von ihnen gehandhabten Diseipli n im Ganzen und Einzelnen getadelt worden ist. Wir müssen dies Geschäft vielmehr Denen überlassen, die eine genauere Kenntniß davon besitzen und durch eine pflichtmäßige Rücksicht auf die Ebre des Gymnasiums dazu berufen sind. Allein zur Beruhigung aller Derer, welche unserer Anstalt Söhne oder Pflegbefohlene anvertraut haben und ferner anvertrauen wollen, machen wir sie auf folgende Punkte aufmerksam.
1) Das hiesige Gymnasium steht in gründlich wissenschaftlicher Beziehung nach dem Urtheile unbefangener und kompetenter Richter hinter den andern beiden Gymnasien mindestens nicht zurück. [ Referent würde sich über den scientivischen Stand desselben unbedenklich noch günstiger aussprechen, wenn er nicht, so fern er auch der Anstalt steht, den Vor- wnrf der Ruhmredigkeit und einer oratio pro domo, sowie die Eifersucht Derer befürchtete, die einen gleichen oder noch größern Ruhm für sich und ihre Anstalt in Anspruch nehmen.
2) Was das oft erwähnte ultramontane Treiben anbetrifft, so liegt cs in der Natur der Sache, daß an einem katholischen Gymnasium Erscheinungen Vorkommen, die an einem akatholischen unbekannt sind. Indessen kommen diese mehr auf Rechnung der Kirche, die durch ihr Dogma und ihre Disziplin allerdings hier einen bedeutenden Einfluß übt, als der Schule. Wieweit die katholischen Schüler sich diesem Einflüsse in servilem und blindem Gehorsam überlassen wollen, hängt theils von der Gnu st oder Ungunst äußerer Umstände und der dadurch bedingten Abhängigkeit von dem Klerus und seinen Werkzeugen, theils von dem Maße ihrer geistige" Intelligenz und Mündigkeit ab. Andersgläubige sind de.- durch nicht im Mindesten incommodirt, sondern ge- winnen gerade durch den Anblick eines bis auf seine höchste mittelalterliche Spitze getriebenen System's eine Klarheit, Entschiedenheit und Festigkeit, wie sie nur unter solchen Umständen erlangt werden kann. Man hat aber gewöhnlich eine übertriebene Besorgniß vor den schlimmen Folgen, welche das finstere, dein Chri stenthnm und den Humanitätsstudien fremde Treiben einer gewissen Parthei für den späteren Glauben und das Leben der jungen Leute haben möchte. Die ; Erfahrung lehrt, daß der Schaden mehr ein negativer, j als ein positiver ist, und durch die von der Wissen.- : schaft auf Gymnasien und Hochschulen gepflegte Jn- ! telligenz so paralysirt wird, daß alles Lègendenartige I und Vernunftwidrige, weil es sich als etwas Fremdar- ' tiges mit der in sich harmonischen Wahrheit nicht assi- uul-.rt, von selbst untergeht. Ein jugendlicher Geist, der viele Jahre hindurch auf den verschiedenen Ge- birten der Wissenschaft sich uingescheii, aus dem : Studium der Klassiker die gesundeste Nahrung । i gesogen und durch bett eignen Antrieb, wie durch die | Führung gelehrter Meister eine entschiedene Neigung
; für die Wahrheit erhalten hat, kann wohl ans Politik ’ I und niedrigen Absichten, niemals aber ans sich selbst j ' im späteren Leben zu einem Anhänger des Wahns ! werden. Es ist und bleibt eine Danaidenarbeit, einem wahrhaft wissenschaftlich gebildeten Jünnglinge in einem Stücke ein 3€ für ein U machen zu wollen, km man in allen andern Stücken zur Wahrheit und Mündigkeit verhelfen hat, und wer sich dieser Arbeit dennoch unterzieht, hat es zu verantworten, wenn, wie sonst, der Köhlerglaube später in entschiedenen Unglauben oder in verächtliche Heuchelei umschlägt.
3) Es wird ferner die Versicherung zur Beruhigung über die hiesigen Zustände dienen, daß das Lehrerkollegium Ehrenmänner in seiner Mitte zählt, die es weder für nothwendig und heilsam noch für recht halten, auf zweien Schultern zu tragen, und zweien Herren zu dienen, die sich bei manchen gegenseitigen Concessionen doch von Herzen nicht gewogen sind, sondern sich einander mehr fürchten, als lieben. Es sind dies Männer, welche nicht blos die Humaniora bc- treiben, und die Humanität, die schönste Blüthe der Gymnasialbildung, nicht blos auf kn Lippen tragen, sondern sie auch im gewöhnlichen Leben und im llm^ gange mit ihren Schülern auf eine herzgewinnende Weise bethätigen und sie gegen eine inhumane, geistund gemüthlow Disziplin am rechten Orte und zu rechter Zeit auf eine freimüthige und unerschrockene Weise vertreten. Sie sind die Zierde und Stütze un
seres Gymnasiums und die Lieblinge feiner Söhne, welche sich ihnen mit km ganzen dankbaren Sinne zuwenden, den ihre ungeheuchelte und treue Liebe verdient, und der es nie vergißt: qui proßcit in litteris, et deficit in moribus, plus deficit, quam proficit. Sie wissen es, daß man zu Rom andere Zwecke in der Erziehung verfolgt, als auf deutschen Gymnasien, und verschmähen eine Pädagogik, die unter der Inspiration einer bischöflichen Curie steht. Sie beneiden ihre College» nicht um den Glauben, unterm Krummstab sei gut ruhen, und finden bei kn Anfeindungen und Gehässigkeiten, welche sie zu erdulden haben, einen reichen Ersatz in dem Bewußtsein, ihrer eignen bewährten Ueberzeugung und dem wohlverstandenen Geiste ihrer Dienstinstruktion mit aller Liebe und Anstrengung gedient zu haben. So lange diese wacheren und selbstständigen Männer km Gymnasium nicht nur erhalten bleiben, sondern auch mit ihren gesunden Ansichten und Grundsätzen von Seiten kr höheren Behörden die verdiente Unterstützung finden, fürchten wir von der Zahl des Lehrercollegiums, die sich einem fremden, unbefugten Einflüsse hingcht, eine G. fahr für das Gymnasium. Sollte es aber diesem unh.imlichcn Einflüsse, km schon manches Unglaubliche gelungen ist, vielleicht auch gelingen, sie "zu verdrängen, und durch fügsamere person® grat® zu ersetzen, dann wäre freilich das Ziel aller Wünsche und Best: ebMgen erreicht, eines besonderen Convikts bedürfte es dann nicht mehr, und in raschem, gottseligen Fortgange wurde sich das Gymnasium zu erneut Collegium Ko- manum verklären.
Doch hinweg mit diesem trülen Bilde, vor welchem kr Geist des 19. Jahrhunde.ts erschrickt! Unsere Regierung hat es mein als einmal bewiesen, daß sie die geheimen Fäden des Jesuitismus kennt und sie wird sich hoffentlich zu solchen Concessionen md)t hergeben. Wir erwarten namentlich, daß sie die erledigte Sickle des nach München berufenen ersten Profeyfors H., km der Ruf eines ausgezeichneten Philologen nicht streitig gemacht werden kann, einem Maune' über.ra- gen wird, welcher, auf eignen Füßen stehend und jedes Gängelband verachtend, neben gediegener Wifenichaft- lichkcit zugleich richtigen pädagogischen Takt besitzt und die Disziplin mit demjenigen v äter 11 chcn C rüste handhabt, der zwar auf Legalität und Moralität hält, aber in km Gebieten und Strafen sich von der herzlosen Pedanterie und dem klösterlichen Rigorismus fern hält, welche der Jugend den Lenz des Lebens und die Freude des Studiums verkümmern und so manchen Lehrer es gänzlich vcrgcssc.n lassen, daß er auch einmal jung, und in seiner Jugend kein Heiliger war. — Haben die Gymnasiasten solche Männer zu Lehrern uno Führern, so wird die na ürliche Pietät, über deren Verschwinden man in unsern Tagen so viele bittere uno ungerechte Klagen krümmt, sich von selbst cin- finden, und man wird sich nicht länger zu km sonderbaren und unglaublichen M griffe veranlaßt sehen, unter Drohungen und — unter Anempfehlung der Verschwiegenheit einen Akt zu befehlen, welcher ohne die rechte dankbare Gesinnung doch nichts ist und war, als eine leere Comövie. Hätte H. die Entstehung des ihm vor seiner Abreise gewordenen Fackelzugs gekannt, er würde eine solche Ovation m t Verachtung zurück- gewiesen haben. Dank aber kn Urhebern derselben, daß unsere Gmnnafiasten zum größten Theile so weit gereist sind, daß sie solche Uebergriffe der Disziplin in das der Schulvcspotie verschlossene Heillgthiim ihrer Gefühle und Gesinnungen durchschauen und verabscheuen!
Deutschèa h d»
Frankfurt, 27. Sept. (D. Z ) Am 18. Oktober findet die Eröffnung der Main-Weser-Eisenbahn von hier nach Fridberg statt. Von Karlsruhe sind aus kr Keßlcr'schen Fabrik bereits zwei Lokomotiven dazu eingetroffen.