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Freiheit und NeMI^

M 228

Wiesbaden. Mittwoch, 2« September

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DieFreie Zeitung erschemt, mit Ausnahme M Montags, täglich in einem Dogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff 45 fr aUämAr(d vurch die Post bezogen mit verhaltmßmâßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung derFreien geitnna" ßsf^ «nn' IT ä Erfolge. - Die Jnserationszebühren betragen für die vierspaltige Petitzetle oder deren Raum 3 Kreuzer. 9ü-elen Zeitung stets von wirksamem

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Bestellungen auf das mit dem I. Oktober beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier Lu Wiesbaden in der H. W. Ritter'schon Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

ZttrChürakLeMLk per nassauischen Volks- ! kammer.

^Wiesbaden, 21. Sepkember

II.

(Schluß.)

Wenn es nun auch nicht geleugnet werden mag, daß die Kammer in ihrer großen Mehrheit sehr lange Zeit ohne allen scharf ausgeprägten Parteicharakter ! blieb, so muß mau doch anerkennen, daß in der aller­neuesten Zeit, d. h. seit dem Antritt des Ministe- i riums Wintziugeroda, die schwankende Mehrheit ! sich immer fester und fester an das lahme Wrack der Reaktion fJammerte.

Seit der erst ganz neuerdings erfolgten Bildung des sogenannten konstitutionellen Clubs hat sich die Rückschritts-Partei in der Kammer fester konsoldirt und besser organisirt, und sie wird nun von ihren Hauptführern Großmann und Heydenreich nach Kommando in die parlamentarischen Schlachten ge­führt. Da nun der Club der Constitutionellen 21 Mitglieder zählt, mithin die Mehrheit der Kammer in sich begreift, so können diese Helden stets mit sehr leichtem Herzen ins Treffen gehen, da sie von vornherein stets die Gewißheit eines glorreichen Sie­ges für sich haben.

Immerhin ist es aber ein Fortschritt, wenn die Mehrheit der Kammer ganz ent­schieden sich zum Rückschritt bekennt und zu einer bestimmten Fahne fest schwört, und wäre es auch die Fahne des Absolutismus, statt sich selbst un­klar jeder augenblicklichen zufälligen Tagesstimmung zur Beute zu fallen. Wir wollen lieber eine reak­tionäre, als eineBlaue-Dunst-Kammer, welche ganz und gar nicht weiß, was sie will, und ebenso­wenig, waS sie soll.

Alle Mitglieder der Kammer, mit Ausnahme des Centrums Christian Un zick er vom Henrietten- thalerhof, gehören jetzt zwei Clubs an, dem Club der Constitutioneilen und dem der Linken.

Wimpf hat nämlich schon seit längerer Zeit in der Regel mit dem Club der Linken gestimmt; während freilich in alterneuester Zeit das bisherige Mitglied des letztern ClubS HerrOberlieutnant von Gödecke eine sehr starke Schwenkung nach der rechten Seite hin gemacht hat.

In den einzelnen Clubs kann man aber wieder Schattirungen unterscheiden: denn in dem Clnb der Constitutionellen gehen die bäuerlichen Abgeordne­ten bei allen Fragen, welche nicht unmittelbar den Geld sack berühren, mit den Herrn Heydenreich und Großmann; handelt es sich aber um den Geld­

beutel, so machen einige ländlichen Bourgeois inder Regel eine kleine Wendung nach links; und bei dcrLiu- ken konnte man bei einigen Hauptfragen,wie namentlich der Steuerverweigerungs- und der Domänenfrage, die Be- obachtung machen, daß die Mitglieder derselben mit­unter sehr wesentlich in ihren Abstimmungen von ein­ander abweichen.

Wer die Kammer nur einigermaßen genau kannte, mußte voraussehen, daß das Ministerium Wintzin­gerode in ihr eine Majorität finden würde, und na- mentlich Herr Schmidt, der unverkennbar stets einen sehr großen Einfluß auf die bäuerlichen Abgeordneten ausgeübt hat, hat sich dann auch mit großer Osten­tation sofort zum offenen Stützel des thatkräftigen

Ministeriums bekannt.

Bei so bewandten Verhältnissen siel es natürlich der Regierung im Traum nicht ein, die Kammer auf­zulosen, wie man seiner Zeit vielfach muthmaßte. Mußte nicht im Gegentheil der Regierung eine solche Kammer, welche im Nothfalle die reaktionärsten Maß­regeln mit engelguter Schafsgeduld zu verantworten bereit war, und so den Vorwurf eines unzeitgemäßen Neagirens, indem sie ihn von der Regierung abzog, mit großer Selbstverleugnung sich selbst auslud, aus­nehmend gelegen sein?

Wie wir es bereits in dem Leitartikel vom 10. Juli in No. 163 des laufenden Jahrgangs voraussag­ten, so ist es in der That gekommen:in der größten Ruhe hat die Kammer ihr Tagwerk vollenden können."

In derVollendung dieses Tagwerks", d. h. in der Abnahme der reaktionären Maßregeln von den Schultern des Ministeriums Wintzingerode es 's eigenen bot sie aber in der That ein sehr trauriges

auf ihre

Schauspiel dar.

Die jetzige nassauische Volkskammer hat dadurch, daß sic in ihrer Mehrheit dem Ministerium in allen Hauptfragen mit so beispielloser Aufoferuna den Wil­len that, dem Ansehen der Repräsentation selbst, der Achtung vor der Volksvertretung überhaupt eine tiefe, sehr tiefe Wunde beigebracht.

Das Volk hat sich wieder und wieder gefragt: was thun wir mit Volksvertretern, die zu allen Maß­regeln der Regierung ja! sagen: worin liegt der Un­terschied, ob wir eine Regierung mit oder ohne solche Vertreter haben?

Das Volk hat zu tausendmalen gesagt: diese Landstände kosten blos, und nützen uns nichts und so ist es durch die Lauheit, Schlaffheit und Unterwüxsig- keit der Mehrzahl der derinallgen Vertreter des nas­sauischen Volkes dahingekommen: daß bei einem Theil des Letztern sich die Meinung befestigt hat: wir wür­den noch besser fahren, wenn wir gar keine

Vertreter hätten; während es doch nur tadelnS- werth ist, daß wir nur eine Scheinvertretung haben und eben deshalb der Wunsch nach einer wah­ren , die Wünsche deS Volks vertretenden Majorität sich um s0 kräftiger geltend ma­chen sollte. Daß nun die Regierung durch das ewige Tagen der Ständein der Energie ihres Handelns" gelähmt worden sei, hat uns stets für eine inhaltslose Floskel der rechten Seite gegolten, da ja die Kammermehrheit mit der Regierung durchaus Hand in Hand ging: höchst nachtheilig war aber ohne Frage das ewige Tagen für die Mitglieder des Landtages selbst. Wie die Pflanze, aus ihrem heimathlichen Boden in die Fremde verpflanzt, entwe­der verdörrt oder doch nur ein kümmerliches Dasein fristet, so wird der Volksabgeordnete, wenn er auf lange Zeit des unmittelbaren Umgangs mit dein Volke beraubt wird, endlich taub und uuem- pfindlich für die wahren Pflichten seines Berufs, wel­cher doch hauptsächlich darin gesucht werden muß, sich stets ununterbrochen mit den Wünschen und Bedürf­nissen des Volks vertraut, zu erhalten, und sodann alle mögliche Kraft daran zu setzen, um diesen Wün­schen Gewährung zu verschaffen, und den vorhandenen Bedürfnissen wirksamen Abhülfe zu erringen.

Eine Volksvertretung, welche lange Zeit, von dem Volke selbst entfernt bleibt, wird ferner nicht nur unbekannt mit den Volkswünschen, sondern in allmähliger Steigerung auch gleichgültig gegen dieselben; ja endlich kommt sie leicht auf dem Punkt an, daß sie auf die Forderungen, welche die Wähler zu stellen berechtigt sind, mit einer gewissen Gering- schâtzung, die bei an sich harten und stolzen Charak­teren leicht in völlige Verachtung Umschlägen kann, herabsieht; und so entwickelt sich denn auS der Volksvertretung am Ende gar eine herrische, recht­haberische Aristokratie, welche wir nicht weniger denn die schrankenlose Willkür eines Einzelwillens ver­dammen müssen.

Nach allem dem müssen wir es daher für ein Glück für die nassauischen Volksvertreter erachten, daß sie, waS übrigens die Männer reinen Sinnes unter ihnen schon längst sehnlichst gewünscht haben, in Folge der neuerdings erfolgten Vertagung, wieder in Stand gesetzt sind, unmittelbar mit dem Auftrag gebenden Volke in den innigsten Verkehr zu treten, und in dem Volksleben selbst die wunden Stellen zu erspähen, welche dringende und durchgreifende Abhülfe heischen, wenn nicht der Volkskörper selbst bei den Quaksalberkuren, welche fortwährend ohne Erfolg an ihm praktizirt werden, in eineschauerliche" Faulniß verfallen soll.

Die Raben.

Novelle nach Madame Charles Rey band.

(Aus dem Bildermagazin.)

(Sortierung.)

Todten und die

Sie versank da

Den andern Tag reifte Grevulx ab.

Abend holte man die Raben zu einem arme Gabriele blieb allein im Hause, in jene schreckliche Traurigkeit, in jene tiefe Mulhlvstg- feit; die man empfindet, wenn man alles verloren hat, was dem Leben Reiz und Werth gibt. Die Nothwen­digkeit , ihren Schmerz zu bezwingen, hatte sie aufrecht gehalten, den ganzen Tag über hatte sie gethan und gesprochen wie am vorigen, als sie noch glücklich war, als sie für den Abend den Herrn von Grevulx erwartete, Als sie nun aber allein war, setzte sie sich da nieder, wo er gewöhnlich gesessen und verließ das Pläychen

nicht, bis der Morgen kam.

VI.

Vier Tage später saßen die Raben und das junge Mädchen traurig und betrübt am Tische. Die beiden Alten mischten mechanisch die Karten, begannen aber das Spiel nicht. Da wurde stark an die Thüre geklopft, so daß alle drei zusammenfuhren.

So klopft der Ritter!" rief Veronica.

Er ist cs!" murmelte Gabriele, die erblaßte.

Wirklich, Grevulx war bereits zurückgekehrt.

Mein Gott, Sic hier!" rief Susanne in Furcht und Freude-Was hat das zu bedeuten?"

Das bedeutet, daß mich der Baron vertrieben und enterbt hat," antwortete er mit zufriedener Miene die grell von seinen Worten abstach;nun habe ich weder Familie, noch Vermögen mehr, nichts; ich bin irei."

Heilige Jungfrau! Mutter Gottes! aber wie? Was ist geschehen?"

Grevulx betrachtete Gabriele-, die vor Freude stumm war und zitterte und die Augen nicht aufzuschlagcu wagte.

Aber was ist geschehen?" wiederholte Susanne; Sic sehen ganz glücklich und zufrieden aus, und haben doch gar nicht Ursache dazu. Seyen S,e sich und er­zählen Sie uns, wie alles dies gekommen ist."

Als ich in das Schloß zurückkam," sagte Caspar, erwartete mich der Baron in dem großen Saale neben seinem Zimmer."

Dem Portraitsaale?" fragte Veronica.

Ja derselbe. Der Baron saß auf seinem großen Sessel von schwarzem Leder in welchem er seine Va­sallen und Pächter empfängt. Der Pater Joseph, sein Almosenier, saß neben ihm. Ich trat mit ziemlich hef­tig klopfendem Heerzen näher, blieb vor ihm stehen, und erwartete, daß er mir die Hand reiche; dies geschah

jedoch nicht.Herr," sagte er, indem er seine langen weißen Brauen zufammcnzög,es war Zeit, daß Du j zurückkamst und Dich unterwarfest."Ich füge mich Ihren Befehlen," antwortete ich;glauben Sie, daß i ich es tief empfinde, wie gnädig Sie gegen mich waren, 1 als Sie jene Verhcirathung aufgaben .."Allerdings," unterbrach er mich mit einem Blicke stolzen Hohnes; ich habe sie aufgegeben, weil sie nicht mehr möglich ist. Fräulein Louise von Verriere ist an einem bösar­tigen Fieber gestorben."

Ach!" rief Susanne,so vermochte nur Gott den Willen des Barons zu beugen."

Es ist ein Glück, daß er dies arme Fräulein von

Verliere in fein heiliges Paradies genommen hat."

Nachdem Der Baron mir dies mitgetheilt hatte, entließ er mich, aber ich sah ihm an, daß er mir noch etwas zu sagen habe. Den andern Tag, nach der Messe, ließ er mich wirklich rufen. Auch diesmal befand sich Der Pater Joseph bei ihm.Caspar, sagte Der Baron ziemlich freundlich, ich habe mir vorgenom­men, Dich lor One dieses Jahres zu verbell athen inb zum zweiten Male eine Frau für Dich ausgesucht. Du wirst Dich mit der Frau von Chatcaurclvu vermählen; ihr seliger Mann hat ihr ein ungeheueres Vermögen hinterlassen. Danke dem ehrwürdigen Vater hier, ter um ihre Hand für Dich geworben und in meinem und Deinem Namen bereits das Jawort gegeben hat. Ich war ganz bestürzt.."