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„Freiheit »uv NeeHt!"
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Die„Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit vcrhältntßmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. — Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren'Raum 3 Kreuzer.
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UE" Einladung zum Abonnement. "LL
Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf die „Freie Zeitung". Der Preis bleibt der bisherige. Die Bestellungen auf das mit dem I. Oktober beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.
Die Richtung des Blattes bleibt dieselbe. Mrs âLMGâFFjsss.
Zur Charakteristik der naffauischen Volks- kammer.
w Wiesbaden, 21. September
1.
Die nassauische Kammer ist am 20. September L 3. vertagt worden, und wenngleich diese Kammer zu- h-gt ein im Ganzen von dem nassauischen Volke nur wenig beachtetes Dasein fristete, so dürfen doch wir, welche wir allen Veränderungen, selbst den unbedeutenden, in dem politischen Staatskörper- mit steter Aufmerksamkeit zu folgen verbunden sind, keineswegs das augenblickliche Abtreten der gesetzgebenden Gewalt unseres Staates vom Schauplätze politischen Wirkens mit gänzlichem Stillschweigen übergehen. Wir wiederholen, daß das Volk in seiner großen Mehrheit den Lebensäußerungen unserer Kammer in der letzten Zeit keine große Aufmerksamkeit mehr schenkte, lind finden zugleich auch aus verschiedenen Gründen diese Gleichgültigkeit des Volkes gegen die Thätigkeit seiner Vertreter erklärlich.
Einmal leben wir jetzt überhaupt in einer Periode der Abspannung: welche einesteils aus dem jetzt in ganz Europa zur Geltung gebrachten Siege der Reaction , in ganz natürlicher Weise stch er klärt, und anderntheils durchaus nicht mit einem gänzlichen Absterben eines jeden Interesses an politischen Fragen verwechselt werden darf — und diese Abspannung im Volke mußte dann auch eine rege und allgemeine Theilnahme an den parlamentarischen Kämpfen des gesetzgebenden Körpers unseres Staats mit Nothwendigkeit fuv hie letzter» verhindern. Sodann ist es aber auch Lem Volk/ zum klaren Bewußtsein gekommen, daß Lie Versammlung seiner Vertreter durch nichts mehr- dauernd charakteristrt wird, als durch die llübest ändigkeit, und Pa bei dem Volke nur diejenigen Personen oder Gesellschaften, welche das feste, von keinem Zufalle, welcher Art er auch sei, bedingte Streben bekunden, ein klar erkanntes Ziel beharrlich zu verfol- gen — Achtung sich erobern können, so mußten natürlich das Ansehen der und das Interesse für die Kammer, welche der Mehrheit nach aus Personen besteht, deren Wankelmuth fast sprüchwörtlich geworden ist, von Tag ui Tag mehr hei der große» Masse des Volks zu Grunde gehen.
Der im Jahr 1848 gewählte Landtag ist „ge,cho- be» worden, statt andere zu schieben". Indem er es nicht vermochte sich selbst nach unzweifelhaften u»d klar erfaßten Prinzipien z» bestimme», wurde er in der Annahme seiner Grundsätze von dem zufällige» Hauche bestimmt, welcher bald so, bald so, in de» politischen Regionen wehte.
Unser Landtag hat die ganze Nevolutions- wie die Neaktionsepoche hindurch mit wenigen Heineren Unterbrechungen, immer fortgetagt, und er selbst, weder von vornherein und andauernd ein Bollwerk der Demokratie, noch ein solches des Absolutismns, schwamm heute lustig dahin auf dem breiten und tiefen Strome der Revolution, um in erbärmlicher Halbheit morgen wieder in den verpesteten Sümpfe» der Reaktiv» steckr» zu bleiben. ,
A»fa»gs war die große Mehrzahl, ja fast alle, demokratisch, später zog diese Mehrheit mit einem Vergnügen, welche bei dem Volke eine tiefgefühlte Verachtung hervorrief, das Gewand des Constitutio- nalismus an; zu Zeiten war die Kammer revolutionär, zu Zeiten über alle Maßen ruhewüthig; bald war sie deutsch, bald wieder in den lächerlichsten P a rtikul arismus verrannt; dieselbe Kammer, welche zu deu wenigen gesetzgebenden Versammlungen Deutschlands gehörte, die keine Neigung bezeigten, sich ausdrücklich für die Kaiseridee der Frankfurter Professoren, auszusprechen; dieselbe Kammer, welche so entschieden für die Reichsverfassung vom 28. März
mit „Gut und Blut" einzustehen versprach — dieselbe Kammer warf sich mit der ihr eigenen Beständigkeit in der Unbeständigkeit, in die Arme der Drei- königsverfassunz vom 28. Mai; dieselbe Kammer, welche bei den Gefahren, welche die Reichsverfassung bedrohten, so überaus kriegslustig zu werden anfing, — kroch bei der Frage der Dreikönigsverfassung, mit einem praktischen Gleichmuthe zu Kr e u tz e, der uns wahrhaft Eckel erregte.
H Wer sich näher davon überzeugen will, daß wir nicht mit zu starken Farben auftragen, wer vielmehr die Ansicht gewinnen will, daß wir in unseren Bezeichnungen noch viel zu glimpflich auswählen, der lese einmal den Bericht, welchen Herr Heydenreich ^um Wehrgesetz gemacht hat, und vergleiche ihn mit den Grundsätzen, welche derselbe Herr Heydenreich bei der Debatte über den Anschluß an den Dreikönigsbund kund gab; der verfolge die Wirksamkeit des Hrn. Fresenius, der stets entschieden auf der rechten Seite thätig war, und anfangs den Antrag stellte: dem Herzog den Zusatz von Gottes Gnaden wezzu- schneiden; der nehme sich die freilich in sonstiger Beziehung sehr undankbare Mühe, die langen und vielen „Reden" des Herrn Kei:. zu studireu, welcher zur Zeit als die Reichsvcrfassung bedroht war, so kriegslustig dreindounerte, und so kavalliermäßig darauf loshieb, daß wir uns schier der erquicklichen Hoffnung hingaben, wir würden Herrn Kein: demnächst, — ein zweiter Peter von Amiens — an der Spitze einer Schaar Krieger, das Kreuz und das Schwert schwingend erblicken: und später so wahrhaft praktische und „kluge" Reden hielt, daß uns dieser Mann nunmehr an Ehren-Falstaff und seinen bekannten Ausspruch über die Tapferkeit erinnerte. Von der großartigen Consequenz anderer weit berühmter Volksbote» wolle» wir hier ganz schweigen: das Papier selbst möchte vielleicht bei der Aufzeichnung mancher Thaten der konsequenten Kammerhelden schamroth werden. Die Regierung hat die Kammer im Wesentlichen und ' in ihrer Mehrheit immer unterstützt, mochte nun ein , Hergenhahn oder ein Wintzingerode an der ! Spitze der Geschäfte stehen, und wir glauben, diese Mehrheit „guter" Leutchen würde wohl auch keinen Anstand nehmen, den gewandten Schüler Metternichs, wenn er ans seiner Kruft erstünde, und an dem Ministertische wieder Platz nähme, — wir meinen den verstorbenen Minister von Marschall — aus voller Seele und mit aller Kraft zu halten.
Schluß folgt.
D e n è f eh E -3 N d.
# Wiesbaden, 23. Sept. Die Geschwornen und Ergänzungsrichter für den Hofgerichtsbezirk Dillenburg sind nach einer und zugekommenen Mittheilung folgende:
I. E r s a tz g e s ch w o r n e.
1) Ludwig Meisner von Herborn.
2) Johann Jost Decker von Herbornseelbach.
3) Steiger Heinrich Haas von Sechshelven.
4) Kaufmann August Reh von Haiger.
5) Karl Bausch von Herborn.
6) Oberförster von Reichenau von Dillenburg.
7) Säckler Karl Wabel von Haiger.
8) Jost Heinrich Hees von Manderbach.
9) Gerber Joh. Heinrich Schramnr von Haiger.
II. H a u p t g e s ch w o r n e.
1) Lehrer Fuhr von Meckenbach.
2) Jakob Pfeifer von Hahnstätten.
3) Johann Ickenrod von Arnshöfen.
4) Peter Fink von Weier.
5) Landoberschultheis Ein minghaus von Dillenb.
6) Adolf Wollweber von Rennerod.
7) Jakob Gassen von Deesen.
8) Johann Peter Brach von Marienhausen.
9j Philipp Anton Eifler von Her'schbach.
10) Peter Schw ickert 2r von Würges.
11) Christian Zeppenfeld von Grenzhause».
12) Bürgermeister Wilhelm Orth von Ellar.
13) Bürgermeister Heimann von Niedertiefenbach.
14) Bürgermeister Schürz von Zinnhai».
15) Keller Joseph Horn von Limburg.
16) Jakob Otto von Lindenholzhausen.
17) Geometer Behl von Ebernhahn.
18) Bürgermeister Rinker von Sinn.
19) Bürgermeister Welsch von Wallenfels.
20) Peter Gerharz 2c von Baumbach.
21) Bürgermeister Weycl von Mademühle».
22) Anton Langscheid ir von Birlenbach.
23) Johann Reichert 2r von Simmern.
24) Friedrich Stuhl von Herborn.
25) Adolf M e i e r von Diez.
26) Rath Streitberg von Molsberg.
27) Kaufmann Ludwig Brahm von Dillenburg.
28) Johs Spitz von Altendiez.
29) Hauptmann von Eyß von Weilburg.
30) Johann Heinz von Hahn.
III. Die Ergänzung seichter in der Reihenfolge, in welcher sie nöthigenfalls einzutreten haben:
1) Justizamtsverwalter Wirt H von Selters.
2) Amtssëkketäc Schröder von Limburg.
3) Justizamtmann Burgeff von Rennerod.
4) Justizamtmann Isbert von Montabaur.
5) Justizamtmann Gödecke von Hachenburg.
6) Juflizamtsverwalter Dübel l von Diez.
-M Wiesbaden, 23. Sept. Sicherem Vernehme» nach haben die Herren Abgeordneten Wirth, Bellinger und Keim am 21. d. M. dem Herzoge in Biebrich ihre Aufwartung gemacht, und sollen sie auch von demselben zur Tafel gezogen worden sein. Böse Zungen wollen sagen, sie hätten sich entschuldigt, weil sie und das weitere Dutzend der *11 e r c o n ft i t u t i o- nellsten trotz aller Mühe es nicht dahin hätten bringen können, daß die Anforderung der Regierung für die Civillistt von 300,000 fl. eine Majorität erlangt habe; — allein so etwas glauben wir nicht, — das wäre doch ein wenig mehr als constitutionell.
Auch sagt man, saß die genannten Herren ihrer Aufwartung einen Anstrich eines offiziellen Auftretens als Bureau der Sammer gegeben hätten. Aber das glauben wir auch nicht: indem zu einem solchen Auftreten gewiß ein vorheriger Beschluß oder doch mindestens eine Benachrichtigung der Kammer nothwendig gewesen wäre, und dann auch jedenfalls die beiden Herren Vizepräsidenten Gerzens und Junz lI. hätte» aufgefordert werden müssen, sich dieser Aufwartung anzufchließen. Wir glauben kaum, daß die Sammer gerade jetzt geneigt gewesen wäre, die drei Herren allein als Deputation 511m Herzoge zu senden, inbem leicht zu erwarten stand, daß bei einer Unterredung die Civilliste zur Sprache time und dieselbe» bann keineswegs die Kammer repräsentiren konnten, da ihr Antrag auf 300,000 fl. nur so wenig und so viel Stimmen erhielt als der auf 200,000 fl. gestellte, welchem Jung II. sich angeschlossen hatte, und sogar noch weniger als der von Gergens auf 250,000 fl. gestellte.
Wenn also eine Deputation zu sende» gewesen wäre, so würde gewiß die Kammer darauf bestanden haben, daß auch Gerzens und Jung II. mitgegau- zen waren.
Haben sich die drei Herren als Deputation der 15 Allerconstitutionellsten ausgegeben, so haben wir hiergegen nichts zu erinnern, sowie wir auch nichts dagegen einzuwenden haben, daß Hr. Heydenreich neulich seine untertänigste Aufwartung gemacht hat.
5 Langenschwalbach, 23. Sept- Dem Abgeordneten Lang, dessen Wirksamkeit in der Kammer sich der Zufriedenheit des größten Theils der Bewohner seines Wahlbezirks zu erfreuen hat, wurde gestern