^stellten Interpellationen zur Berathung der Regierungsvorlage über die Civilltste und die m neuerer Zeit geschehenen Pensionirungen von Hofdienern geschritten. , , „ ,
Von der Commission hatten Heidenreich, Eck und Bertram für die CiviUiste 300,000 fl. auf die Lebensdauer des Regenten, Gergens 250,000 fl. u. Habel, Lang, Müller H. 200,000 fl. aus die nächsten 5 Jahre beantragt, urv ihre Anträge '» ausführlichen und schriftlichen Aufsätzen gerechtfertigt.
7 tzs entspann sich eine ausführliche Diskussion, an der sich hauptsächlich Leisler, Wimps, Lang, Großmann, F r e fs ü i u s, Braun, Berte a m, Naht und Snell betheiligten.
Als zur Abstimmung geschritten wurde, erhielt fei' ner der gestellten Anträge cmc Majorität, weßhalb dieser Gegenstand unerledigt blieb. Es wurde hieraus der Landtag von Min.-Präs. v. Wintzingeroda im Rainen des Herzogs vertagt. CHU ansführlichei Bericht wird folgen.
^ Vom Rhein, Mitte September. Wir folgen jetzt wieder den fürstlichen Entschließungen mit Anf- merksamkeit, weil deren Ausführungen im Augenblick einen schweren St.in in die Waagschale der öffentlichen Zustände legen. Wir begrüßen daher mit ungehenrerFreude die Erklärung des Landgrafen von Heyen-Homburg in Betreff des Dreikönigbundes, weil dieser Herrscher es gerade ist, der in dieser seiner ablehnenden Erkärung die Gefahr offen bekennt, die seiner Selbstständigkeit dioht. Der kleinste Fürst nn Bunde, hat er den Muth, da Die Gefahr für seine „Souveränität" zu sehen und zu beleuchten, wo andere mächtigere Fürsten ein g'änzendes Schutz- und Trntzbündniß erblicken wollen, oder es als solches von ihren Ministern den Ständen anpreise» lassen. Will der Landgraf zu gleicher Zeit seine Neigung zu Oesterreich damit zu erkennen geben, was wir jedoch nicht verbürgen können, so übt derselbe die heilige Pflicht der Dankbarkeit gegen dieses Kaiserhaus, dem seine Familie so viele, ja die höchsten Ehrenstetten verdankt, und auch dieses sei in diesem Falle anerkannt. Daß die erwähnte Erklärung des Landgrafen, ihm nicht von seinen wohlweisen Räthen eingegeben wurde, wird Jeder glauben, der nur ein einziges Mal mit mit diesen genialen und schöpferischen Köpfen zusammenstieß. Möge übrigens dieser Schritt, den der Fürst nie bereuen wird, beurtheilt werden, wie man immer will, er zeigt uns den „wunden Fleck" im Dreikönigsbunde so deutlich, daß ihn ein Blinder finden.wird.
DB. Dom Rhein. (Die Cholera.) Da der unheimliche Gast aus dem Orient — die Cholera — sich immer mehr unserem Lande nähert, Furcht und Schrecken verbreitend, so möge es vergönnt sein, den ärmeren Klassen Ihrer Leser, die bekanntlich das traurige Vorrecht, am ersten und zahlreichsten ihr zum Opfer zu fallen, genießen, die Resultate einer nüchternen Beobachtung mitzutheilen, und ihnen dadurch Mittel und Wege zu bezeichnen, wie sie diesem Ungeheuer sicherst entgehen können.
7 Die eingebildeten und gefürchteten Leiden schaden uns mehr, denn die, welche uns wirklich treffen, sagt ein Menschenkenner. In der That, die Furcht vor der Cholera erzeugt ebensoviele Kranke, als die Cholera selbst; ebenso gewiß ist, daß derjenige, dessen Nervensystem durch Furcht und Schreck geschwächt ist, eher von ihr ergriffen wird, als der mit ungeschwächten Nerven. Ferner ist die Cholera auch gar nicht so furchtbar mehr, als früher und wie sie jetzt noch in manchen Negierungserlassen und Zeitungen gemacht wird. Die Geschichte aller Seuchen lehrt, daß je länger eine Krankheit währt, je weiter sie sich von ihrem Entstehungsort ausbreitct, desto milder und gefahrloser wird, und zuletzt gänzlich schwindet Daß diesem Gesetz die Cholera auch unterliegt, beweist ihr jüngstes Auftreten in Deutschland. Als Beispiel kann hier auch
die Kartoffelkrankheit dienen. Darum keine Furcht mehr!
— Die wirklich praktische Medizin kennt bis jetzt kein Mittel, welches irgend eine Krankheit verhindern könnte; jedes derartig angepriesene Mittel schadet wenigstens ebenso oft, als es nützt. Alle Mittel und Mittelchen, die Cholera zu verhüten, und wären sie von den berühmtesten Aerzten empfohlen, mit den schönsten Ra- men versehen und den wortreichsten Gebrauchsanweisungen begleitet, sind nicht gemacht, um dir die Cholera abzuhalten, sondern um dir dein Geld aus der Tasche zu locken. Diese Vorbeugungsmittel sind wie die Amuletten in der Religion, ihre Wirkung beruht auf der Einbildung; wird diese zu groß, so begibt man sich in die Gefahr und kommt sicher darin um. Lasse daher den Spekulanten ihre Cholera-Essenzen und kaufe dir für das Geld lieber nahrhaftes Fleisch!
Lebe, wie du bisher gelebt, wenn du nicht etwas absolut deiner Gesundheit schädliches gethan hast, und halte dich von Allem zurück, wovon du an dir selbst erfahren, daß es dir schädlich. Ist die Cholera noch entfernt, so mag der Bauer Mittags sein Sauerkraut mit Speck und Abends feine Kartoffeln mit Dickmilch essen, er mag Morgens in der Scheune seinen Brand- wein, der arme Handwerker in der Stadt Abends sein Glas Bier trinken, wenn die Steuern ihm noch Geld dafür übrig lassen, es wird nichts schaden! Ebensowenig wird den Kindern der Genuß des Obstes schaden, trotz allem Gerede überkluger Doctoren!
Strenger muß man jedoch sein, wenn die Krank- keit ganz in die Nähe kommt. Hier lehrt die Erfahrung , daß während einer Epidemie (KrankheitS- herrschaft) viele Individuen nur leicht ergriffen werden , daß sich nur das eine oder andere Zeichen der Krankheit einstellt; sei es, daß man nicht oder nur wenig empfänglich für den Krankheitsstoff, sei es, daß dieser uns nur theilweise getroffen. Diese leichte Krankheitsfälle würden durch ein schlechtes oder vernachlässigtes Verhalten zur vollen Krankheit werden. Daher darf man sich während der Herrschaft der Cholera nie durch geistige Getränke in Aufregung versetzen, — selbst nicht durch den viel empfohlenen Nothwein — weil eine Erschlaffung darauf folgt, wodurch die Krankheit leichter Eingang bei uns findet, und wäre sie auch noch so milde, schon in unserem Körper sehr verschlimmert würde. Ebenso muß man Alles meiden, von dem man an sich erfahren, daß es leicht Erbrechen oder Durchfall bewirkt, weil die Krankheit hierdurch neue Nahrung bekäme.
Tritt während der Choleraherrschaft Durchfall ein, dann lasse man unverzüglich einen Arzt rufen; denn die größte Zahl aller an der Cholera Erkrankten beginnt mit dieser Erscheinung und entwickelt sich bei nicht entsprechendem Verhalten zur vollkommnen Krankheit; während bei zweckdienlicher Behandlung die Krankheit immer besiegt werden kann. Bis 311 der Ankunft des Arztes lege man sich einen Senfteig auf den Unterleib, genieße nur einen Schoppen Schleimsuppe täglich unD für den Durst trinke man ganz kleine Menge kalten Wassers. Daß man sich zu Dette legen wird, versteht sich von selbst
Die aller geringste Zahl der Kranken, kaum einer auf hundert, wird plötzlich von Brechen und Durchfall befallen; hier ist aber der Arzt absolut nöthig. Bis zu seiner Ankunft esse man nichts mehr, trinke I von 5 zu 5 Minuten namentlich gleich nach dein Bre- ■ chen ein Eßlöffel voll kaltes Wasser und lege sich Senfteiche warme Krüge und Steine auf und über den Leib, die Arme und Beine. Werden Hände und Füße trotzdem eiskalt, dann darf man mit der gehörigen Vorsicht Folgendes anwenven. Man streue auf ein Tuch singersdick ungelöschten Kalk, schlage es um die kalten Theile und benässe es mit Wasser; habe aber Acht, daß der Kranke sich nicht verbrennt.
Werden diese ^Vorschriften befolgt, so bin ich gewiß, daß an der Cholera nicht mehr sterben, als an der Grippe und jeder epidemischen Krankheit.
Baiern. Am 17. dieses fand die erste Sitzung der Kammer der Abgeordneten statt. Dr. Morgenstern sprach über die vier verhafteten Abgeordneten. Uebergang zur Tagesordnung, da nach Hrn. Lerchen- seld dieser Gegenstand in den nächsten Tagen ohnehin seine Erledigung (?) finde. — Sodann Vortrag des Referenten Lerchenfeld über die Adresse an den König. Der Redner spricht ebenso weitläufig, aber auch so unbestimmt, wie der Entwurf selbst, über die deutsche Frage. (Die schließlich angenommene Fassung lautet: „Wir theilen mit ganz Deutschland die zuversichtliche Erwartung, daß es der Weisheit (?L Mäßigung (!) der Regierungen und der Volksvertreter, der uneigennützigen Hingebung der Fürsten und Völker gelingen werde, Deutschland ohne längeren Verzug eine ans freie Volksvertretung gegründete Verfassung zu geben, welche das gemeinsame Streben nach Einigung befriedigt, die freie Entwickelung im Innern fördert, sie von hemmenden Schranken befreit und dem Bundesstaate durch die feste Einigung und Gliederung seiner Kräfte den Grad von Macht und Stärke nach Außen hin verleiht, welcher Deutschland in den Stand setzen wird, jene Stellung wieder einzunehmen, wozu die hohe Bildung und die noch unversehrte Kraft seiner zahlreichen Bevölkerung und die Erinnerungen seiner ruhmvollen Geschichte es berechtigen. Wir sehen den in dieser Beziehung uns zugesagten Vorlagen mit Spannung entgegen." Tafel will statt „einer ReichSverfassuug" gesetzt haben: „der ReichSverfas- sung". Dr. Hermann sprach dem Werke der Nationalversammlung die Gültigkeit als Gesetz ab, und erklärte es, namentlich zu Folge des eigenen Beschlusses vom 10. Mai d. J. für nichts weiter als eben einen Entwurf zur Grundlage bei weitern Verständigungen zwischen Regierungen (! ?). Justizminister Kteinschr 0 d will bei dem Amnestiepassus von keiner solchen für die „Verführer" etwas wissen. Lassaulr nichts von einer Reduzirung der wackern Armee, „welcher allein die Wiederherstellung der Ordnung zu verdanken sei." Eine versuchte Anerkennung dieser Verdienste durch feierliches Aufstehen, wie es in der Reichsrathskammer praktizirt worden, mißglückte den Unternehmern. (Kirchgeßner meinte, die Kammer müsse solche Gemüthserhebungen [!] meiden.) Die ganze Adresse wurde mit einer Modifikation Boyes (möglichst rasche und in dem ausgedehntesten Umfange ertheilte Amnestie!) mit 131 gegen 3 Stimmen (Las- saulr, Tafel und Scharpf) angenommen. — Die Debatte war im Ganzen ina t t. — Es wurde auch bestimmt, daß die Drucksachen für die Kammer im Wege der Submission vergeben werden sollen. — Die bereits am 15. angenommene Adresse der Reichsräthe ist eine höchst schmähliche pomphafte Umschreibung der Thronrede, womit sich die Herren wahrhaftig keine Ansprüche erworben haben „aus dem Schattenreiche" gezogen zu werden, „in das sie die Liebhaberei der Mode versetzen wolle." Man glaubt oft, eine Schaar Satrapen vor den Thron deö mächtigen Kalifen treten zu sehen, so orientalisch sind die Phrasen. (D. RZ.)
Baden. (N. D. Z.) Wir erwähnten schon der nichtswürdigen körperlichen Mißhandlungen, welche von preußischen Soldaten an badischen Gefangenen verübt sein sollen. Wir finden heute darüber einen detaillirten Artikel lin der schwarzgelben „Frankfurter Zeitung" Wir wissen zwar sehr wohl, daß dieses Blatt nicht aus sittlicher Empö-rung gegen diese Mißhandlungen spricht; gegen die infamen Prügelseenen in Mailand hat es kein Wort verloren. Es will nur seiner Malice gegen Preußen Luft machen. Wir theilen den Artikel nur mit, weil er die Bestätigung eines Gerüchtes enthält, welches man zur Ehre Deutschlands für unwahr gehalten hätte:
„Karlsruhe, 16. Sept. Um Ihnen ein anschauliches Bild unserer Zustände zu geben, erlauben Sie mir einen Vorfall zu melden, welcher vor Kurzem in
Dèe Naben.
Novelle nach Madame Charles Ney band.
(9lu6 dem Bildermagazin)
(Fortsetzung.)
Eines Tages entlieh entschied ich mich schnell, ging 511 meinem Großvater und erklärte ihm meine Weigerung in bestimmten, aber ganz bescheidenen Worten. Ich zitterte übrigens dabei . .."
— „Ich glaube es," sprach Veronica, „und dann?"
„Dann, — — ich kann nicht sagen, was dann geschah; ich war äußer mir, denn das erste Wert das ich gehört, war die Drohung, mich einfperren zu lasten. Denselben Abend verließ ich das Schloß; ich fürchtete, e? könne zu irgend einer raschen That kommen, uuD wendete mich nach Marseille. Seit dem habe ich keine Nachricht von dem Herrn Barone, der, wie ich ihn kenne, mir nie verzeihen und bei seinem Tode mir kein anderes Erbe als seinen Fluch hinterlassen wird."
— „Nun, cs läßt sich vielleicht wieder ausgleichen," sagte Susanne; „nur eins ist in der Welt nicht zu ändern, der Tod, und von diesem stehen Manche wiederauf."
„Wir werden versuchen , Ihnen nach unsern schwachen Kräften beizustehen," setzte Veronica hinzu. „Haben Sic kein Geld, so konnten wir Ihnen wohl eine kleine Summe leihen, damit Sie den Wucherern nicht in die Hände fallen."
— „Dieses Geld hier nehmen wir zuerst nicht an," fuhr Susanne fort, indem sie dem jungen Manne die Börse zurückgab, „nein gewiß, wir nehmen dies nicht an. So viel Geld für eine Nacht! Wenn wir es nähmen, könnte man uns mit Recht Raubvögel, Raben nennen."
„Sie wissen, daß Sie so genannt werden?" fragte Caspar halblächelnd.
— „Allerdings; was schadet uns aber dieser Name? Man fürchtet sich vor uns, man zeigt mit den Fingern auf uns. Gediild! Wir wissen recht wohl, daß wir nie Unrechtes gethan haben und leben ruhig und still, bis Gott uns in sein heiliges Paradies einführt."
Der Herr von Grcoulx wurde von tiefen Worten einer so gläubigen und einfachen Philosophie tief er= ergriffen.
„Ich werde wiederkommen," sagte er, indem er den beiden Raben die Hand reichte; ich werde diesen Abend wiederkommen. Behaltet das Geld; Ihr leihet mir davon, wenn ich später etwas brauche-"
Als er dies sagte, legte er den Beutel wieder auf die Schürze Susannens, die zu ihm sagte: „es ist nicht das unsrige; wir werden es für Sie aufbewahren."
„Sie werden unser Haus wieder erkannt haben," sagte Veronica; „wir waren eines Abends allein im Kai; ein Schiffer drohte uns; Sie vertheidigten uns und begleiteten uns hierher."
— „Ja, ich erinnere mich dessen, es war am Tage meiner Ankunft," antwortete er zerstreut, denn er hatte
geglaubt, eine leichte Bewegung hinter den Bcttvor- vorhängeu zu sehen.
„Sie schläft noch immer," sagte Veronica, die seine Gedanken errieth.
Dann stand er auf, ging fort und versprach bald wieder zu komme». Während die beiden Alten ihn zu- rückbcglcitctcn, öffnete Gabriele die Vorhänge halb und blickte zwischen denselben heraus. Sie kniete auf ihr Bett mit hörte und betrachtete bereits seit einer Stunde Caspar von Greoulx. Als die Raben zurückkamen, legte sie sich wieder nieder und that als schlafe sic. .
„Liebe Schwester," sagte Veronica lebhaft; „der junge Mann wird vielleicht bald Geld brauchen; wir dürfen nicht warten, bis er uns darum ersucht. Zuerst wollen wir ihm das hier zurückgeben; aber was nützeii ihm fünfzig Thaler? Wir werden das hinzufügen müssen, was wir in dem blauen Leinwandsäckchen haben."
— „Ich habe auch daran gedacht; reicht cs nicht, so gehen wir zu dem Herrn Vincent."
„Wie schön er ist, wie adelig er aussieht und ganz in die Familie!" setzte Veronica seufzend hinzu.
— „Warum," fiel Susanne ein, „nimmst Du Dir das so zu Herzen? Was kümmert uns die Familie Greoulx? Was haben wir jetzt noch mit ihr gemein? Mit Caspar ist es freilich etwas Anderes; er hat uns nicht verachtet, weil wir arm und alt sind; er besitzt übcrdieß ein dankbares Herz und ich wollte, er könne eines Tages sagen: dit Raben haben mir geholfen."