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Redoute Nr. 10 vor dem Brückenkopf an der Donau umfassend, stand unter einem Hauptmann Heinrich, I der früher als Maurerpolier bei dem pest-ofener Ket- ' tenbrückenbau gedient hatte. Die fünfte war eine am­bulante Brigade unter Hauptmann P., ehemaliger Ober-Lieutenant in der Militärgrenze. Ihr waren die Pionierarbeiten, Communieationen und vorgelegten Hin­dernisse zugetheilt. Die sechste Brigade versah unter i einem Ober-Lieutenant B. die Brückenköpfe über der > Waag und der Donau, dann die alte und neue Fe- : stung, die siebente Brigade unter Ober-Lieutenant Ba- ' ran El, einem abfolvirtcii Zöglinge der Cadettenschule, : alle vorkommenden Arbeiten an der Palatinallinie, die : zur Kossuthlinie umgetauft worden war. Außer die- ' sen gab es noch mehre überzählige Jngenieuroffiziere, ; unter andern einen Dr. Hammerschmied aus Wien, i der als Hauptmann, und dessen Sohn, der als Lieu­tenant fungirte.

Am 17. März fielen die ersten schwerpfündigcn ' Kugeln auf die Palatinallinie. Am 20. erreichten die : ersten Bomben die Stadt. Die erste Bombe fiel in ! die Schlagbrückengasse nieder. Das Entsetzen über sie ; war allgemein. Honveds sowohl als Einwohner rann- ; ten durch alle Straßen hin und her von Bestüzung ' über die Tragweite ergriffen. Mack mußte erklären, ; er sei entschlossen die Festung in die Luft sprengen zu wollen, um die Leute einigermaßen zur Besinnung zn- i rückzuführen. Um diese Zeit, versichert unser Erzäh- ' ler, wäre es in Folge der allgemeinen Verwirrung ' und Rathlosigkeit möglich gewesen, Somoni vom Waag- j anschlusse der Palatinallinie aus zu nehmen, wenn das ! Cernirungsheer von den innern Zuständen Kunde ge­habt hätte.

Von Stunde an verließ auch Törrök aller Muth und alle Geistesgegenwart. Ohne sich um sein De­partement viel zu kümmern, zog er, so wie die mei­sten Offiziere mit ihm, sich in die bombenfesten Kase­matten zurück, und überließ die ihm unterstehenden, meist österreichisch gesinnten Fortificationsbeamten ihrem Schicksale und der Sorge für sich selbst. In einer klei­nen, nach Möglichkeit durch Querbalken und Erdauf­würfe bombensicher eingerichteten Stube von vierQua- dratklaftern fanden zwölf Personen mühseligen Schutz, mußten jedoch diese in der stürmischen Nacht vom 22. auf den 23. wieder verlassen, da hundert 20pfündige Bomben um und über derselben mit furchtbarem Ge­töse platzten.

Auf die Kunde, daß die Oesterreicher in Acs bereits mit Sturmleitern bereit stünden, war Török fast entschlos­sen die weiße Fahne aufstecken zu lassen. Nur die Besorgniß für sein Leben, das unausbleiblich ein Opfer der Menge geworden wäre, hielt ihn ab. Indessen ließ er dennoch einen der österreichisch gesinnten For- tisicationobeamten kommen, und hieß ihn den Adler in Bereitschaft halten, damit er sogleich beim Einrücken der kaiserlichen Truppen am Hause befestigt werden könne.

Nach einigen Tagen erreichten die Bomben auch die Festung. Zwei der ersten fielen in dem sogenann­ten Offizierspavillon und in der Wohnung des Platz- obersten Meszelenyi, des Schwagers Kossnths, ehema­ligen Oberlieutenants in der Grenze nieder. Mesze­lenyi floh ebenfalls in die Case.natten. Török, der an dem Hanse vorüberging, stürzte zusammen und konnte sich vom Schrecken nicht so bald erholen. Von Stund an zieh man ihn der Feigheit, er ward Ge­genstand des allgemeinen Gespöttes, und sah sich ge­nöthigt, sein Amt in die Hände Lenkey's uiederzu- legen.

So groß der Schrecken war, den das Bombarde­ment Anfangs verbreitete, so zügellos über alle Vor­stellung war der Volkswitz, mit dem man später sich über die erfolglose siebenunddreißigtäge Beschießung lu­stig machte. Während das kleine Häuflein österrei­chisch gesinnter Beamten, sich selbst überlassen, Zuflucht iu dem ehemaligen und wegen der in Somorn nicht seltenen Erdbeben ungemein fest gebauten Franziskaner- kloster suchten, wo sie in dem zum Refektorium führenden Corridor, mehr als fünfzig an der Zahl, in der größ­ten Verwirrung und Beengniß herumlagerten, und all­abendlich einGroßer Gott, dich loben wir!" in Ge­meinschaft absangen, waren die Truppen in die Kase­matten verlegt worden, und fast die ganze Einwohner­schaft hatte sich auf die sogenannte Ziegeunerwiese hin­ausgezogen, wohin die Projektile nicht reichten, hatten daselbst Zelte und Hütten aufgeschlagen und tanzten oft während des wüthendsten Bombardements zum Klange der Zigeunermusik Kör und Csardas.

Zu wiederholten Malen zündeten die Bomben. Es wurde aber jedesmal alles aufgeboten, das ausgebro­chene Feuer sogleich wieder zu löschen. Die Bereit­willigkeit und der Eifer bei solchen Gelegenheiten war so groß, daß man der Menschenleben gar nicht achtete, die dabei zu Grunde gingen.

Alles, Mann und Weib, Alt und Jung trug die ungarischen Farben, wo sie sich nur immer im Anzuge anbringen ließen, und wetteiferte in Verhöh­nung des Feindes.

Die Gefangenen, die übrigens auch stets mit Mu­sik eingebracht worden waren, wurden während des Bombardements in den weniger sichern und zumeist erponirten, daher verlassenen Häusern, die größten- theils seit dem Septcmberbrande nur mit Juteruns- dächern versehen waren, untergebracht, und strenge, vorzüglich aber die Offiziere, bewacht. Anfangs hat­ten sie etwas mehr Freiheit gehabt, da aber die In­

dem k. f. Major Andraßy auf der Nordbahn von Großwardein über Krakau nach zehntägiger Reise hier angekommen und Nachmittags 4 Uhr mittelst der Süd- , bahn nach Klagenfurt, seinem künftigen Aufenthalte, ; abgereiöt.

Ungarn.

Wien, 7. Sept. (Nat.-Z.) Die Annahme der i Kossuth-Noten ist an manchen Orten unter Trommel- i schlag durch russische Offiziere an befohlen worden. Die dem Korps des General Bem abgenommenen 13 Fahnen (weiland österreichische), so wie der demselben von den Klausenburgern verehrte Säbel, wurden als Trophäen nach Warschau überbracht. Fürst Paskiewicz, welcher bei seiner am 2. erfolgten Ankunft in letzterer Stadt gleich einem Souverän empfangen wurde, soll, i gleichwie SuwarowJtalinski" geheißen wurde, den ! TitelMagyarinski" erhalten, was man für einen j Puff halten möchte, wenn es nicht die Leute mit den ernsthaftesten Gesichtern erzählen würden. So lang­sam indessen die Russen im Einmarschiren gewesen, so, und noch gemüthlicher werden sie im Hinausmarsche sein. Besonders gefällt es ihnen in Siebenbürgen. In und um Hermannstadt lagert ein Korps von 30,000 Mann. Diese brauchen wöchentlich 340 Ochsen, welche mit allem übrigen Proviant von dem Herr- mannstädter, Großschcnkner und Leschkirchner Stuhle beigeschafft werden müssen. Es war also offenbar ein Mißverständniß, daß im Mai d. J. die amtliche Wie­ner Zeitung einen halbamtlichen Artikel brachte, worin es hieß, die Russen würden ihre Verpflegung schon selber mitbringen. Klapka in Komorn hat keine Macht mehr über die Partei des entschiedenen iiiiD äußersten Widerstandes, und die letztere ist Majorität. An ihrer Spitze stehen Graf Paul Esterhazy, Kom­missär Ujhazy und die Gräfin Georg Karoly. Pcter- wardein hält sich gleichfalls.

Ueber Görgey schreibt der 8 Korrespondent der A. Z. in einem verspäteten Briefe aus dem Hauptquar­tier Arad, er werde von sämmtlichen gefangenen Of­fizieren seines eigenen Corps ein Verräther an der ungarischen Sache genannt.Er hat uns verrathen und verkauft; er hat sich von den Russen bestechen las­sen; die Sache war lange vorher eingeleitet; er hätte sich noch durchschlagen können; wir wußten zwar, daß unsere Sache verloren war, aber Görgey hätte noch eine Schlacht wagen und die ungarische Waffenehre retten können." Der 8 Korrespondent vertheidigt ihn gegen diese Vorwürfe und sucht aus der Geschichte des Krieges nachzuweisen, daß Görgey sich zuletzt nicht mehr länger halten konnte. Dies mag richtig sein, auch wi­derstrebt es uns, an eine förmliche Bestechung zu glau­ben; allein von der Schuld scheint Görgey nicht frei­gesprochen werden zu könne», daß er schon vorher durch Eigenmächtigkeit und aristokratischen Ungehorsam gegen die demokratische Regierung Kossuths dem Kriege die. unheilvolle Wendung gegeben hat. Ist dieß einmal begründet, so kann uns die Triebfeder seines Verraths gleichgiltig sein.

Ueber Görgey wird aus Kasch au, vom 1. Sep­tember, geschrieben: Heute ist der moderne Cincinnatus, der das Diktatorschwert verlassen hat, um zum Pfluge oder zur analytischen Chemie zurückzukehren, hier ein­getroffen; eine hohe, kräftige Gestalt, mit einem blon­den Schnurrbarte, trägt er Brillen und eine Art Nacht­haube, unter welcher er eine tiefe Kopfwunde verbirgt, die er bei Komorn erhalten. Trotzdem ist der Ge- sammtausdruck seiner Gesichtsbildung wahrhaft männ­lich und ergreifend. Eine große Menge versammelte sich im Gasthause, wo er zu Mittag. Neben ihm saß sein Bruder Hermann, seine Frau, eine kleine, muntere, schwarzäugige Dame und ein österreichischer Major vom Generalstabc. Sehr viele rassische Offi­ziere, deren Liebling er seit lauge schon ist, drängten sich um seinen Tisch, um ihn zu sehen und ;u bewill­kommnen ; erbrach recht Wohlgemuth und freundlich mit Allen. ytW beendigtem Mahle fuhr er mit seiner kleinen Begleitung in zwei Wagen nach Görg, einem Dorfe im Zipfer Komitate, das Stammgut der Gör- gey's, um dort - mehrere Familienangelegenheiten zu ordnen; dann bbgibt er sich, wie er selbst äußerte, nach Gratz, um iu dieser freundschaftlichen Murstadt seinen bleibenden Anfcnhalt zu nehmen.

Der Bau Jellachich hat auf den Protest des Ba- nalrathcs bezüglich der Publ^ion der Verfassung vom 4. März ein Antwortschreihm erlassen, mit wel­chem er demselben in Erinnerung bringt, daß er eine vollziehende, nicht eine berathende oder wohl gar mit den Befugnissen des Landtages versehene Behörde sei. Der Banalrath hat sowohl den Protest als das auf selben vom Banus erfolgte Antwortschreiben den Ju­risdictionen des Landes zur Veröffentlichung über­mittelt. (Frkf. I.)

Comorner Zustande.

(Schluß.)

Die zweite Brigade stand eine Zeit lang unter dem österreichischen Artillerie-Lieutenant K., der jedoch, da er sich nicht entschieden für die ungarische Sache er­klären wollte, bald abgesetzt wurde. Sie umfaßte die Redoute Nr. 5 und 6 vor Neu-Szöny. Die dritte Brigade stand unter dem übergegangenen Ingenieur- Lieutenant Hauptmann Sz., und umfaßte das alte Hornwerk Nr. 7 und die Wendungsredonte Nr. 8 auf dein Wege nach Jgmand. Die vierte Brigade, die Redoute Nr. 9 nächst der Straße nach Ofen und die

surgenten Spur erhielten, daß man schon im April damit umging, unter sämmtlichen Gefangenen eine Organisation behufs einer Ueberrumpelung der unga­rischen Garnison einzuleiten, wurde ein großer Theil der Gefangenen aus Somoni anderswohin geschafft, und der Rest sehr streng gehalten.

Bis zu Török waren die ehemaligen Aufschriften der militärischen Aemter mit demk. f" unbemerkt beibelassen worden. Erst nach ihm, und namentlich auf Veranlassung des Fortisicationsdirectors Major von TH., eines ehemaligen Comitats-Unter-Vice-Jnge- nieurs wurden dieje, wahrscheinlich auf Befehl des in Somorn zur Besichtigung der Festung dagewesenen Chefs des Geniecorps, Gaal von Gyula, ehemaligen Jngenieuroberstlieutenants, in ungarische umgewandelt.

Der Jubel der Insurgenten, als im April die öster­reichischen Truppen sich zurückzuziehen begannen, hatte keine Grenzen. Es wurden Kirchenparaden abgehal­ten, Schmausereien veranstaltet und Bälle gegeben, hierüber jedoch nicht der alsbaldige Brückenschlag ge^ gen das rechte Ufer versäumt. Die Arbeiter, meist Oesterreicher, mußten unter dem Drohen der Kano­nen , die von den Wällen herab auf sie gerichtet wa­ren, Tag und Nacht Hand am Werke behalten , so daß die Brücke schon am 26. April fir und fertig war. Görgey erschien mit seiner Armee, eine Sie- geSkuude, ein Siegesbulletin folgte dem Andern All­gemein war nun in Somorn der Glaube verbreitet, die ungarische Armee hätte auch schon Sroatien erobert und Fiume besetzt. Erst um diese Zeit gelangte die Kunde vom Regentenwechsel in die Festung, deren Besatzung und Bewohnerschaft überhaupt über alles in der größten Unkenntniß oder im furchtbarsten Irr­thum lebte, in welchem sie ein Blatt, Ertesitö, das ein Geistlicher, der sich Rozsafy nannte, ursprünglich aber Rnzicka hieß, redigirte, zu erhalten bemüht war.

Handel und Gewerbe stockten natürlich unausge­setzt. So lange Anfangs die Cernirung nicht sehr enge war, reisten Comorner Kaufleute sowohl nach Wien als nach Pest, und brachten nicht nur das Noth­dürftigste , sondern selbst Luxusartikel. Als die Cer- nirung unzweifelhaft wurde, hörten Dergl. Reisen na­türlich auf. Nichts deftoweniger wurden in Somorn unausgesetzt Wochenmärkte abgehalten, so daß es an Lebensmitteln nie fehlte. Bei Gelegenheit des An­wachsens Der Donau im letzten Winter war ein Masse voll Lebensmitteln zu Grunde gegangen, ohne daß man den Schaden merklich gefühlt hätt. Indessen nahmen Krankheiten doch bald auffallend überhand und die Sterblichkeit war sehr groß. Die Sanitätsbranche war im Ganzen stets sehr schlecht verwaltet, der Man­gel an Aerzten stets ungeheuer. Die Todten wurden außerhalb der Festung ganz oberflächlich begraben, so daß sie oft von Hunden herausgcscharrt wurden, und so wie die Hitze größer wurde, der unausstehlichste Verwesungsgeruch die Luft verpestete. Der gefan ene österreichische Oberarzt Dr. Thiels unterlag dem Grame und seinen Anstrengungen.

Auf die Annahme, ja Aufbewahrung von österrei­chischen Banknoten war der Tod gesetzt. Guyon hatte deren Auslieferung binnen 48 Stunden gegen unga­risches Papiergeld unter Androhung obiger Strafe anbefohlen. Salz wurde nur gegen Silbermünze oder Gold, nicht einmal gegen ungarische Banknoten ver­abfolgt, so daß alle österreichischen Noten und alles Metall in die Kasse der Negierung floß und Gold und Silber ein unerschwingliches Agio erhielten.

' Als die Ungarn die Festung übernahmen, fanden sich in ihr nicht weniger als 4600 Centner Pulver, eine entsprechende Quantität Munition und 300 Kanonen Vor. Die hierzu gehörende Artillerie wurde augehalten, fortan Dienste zu leisten. Um jedoch eine schlechte Bedienung des Geschützes unmöglich zu machen, wur­den den Batterien Honvedsabtheilungen beigegeben, und jede geflissentliche Vernachlässigung, oder jedes absichtliche falsche Zielen mit der augenblickliche Füsi- lade bedroht. Später wurden intelligentere Leute, die es mit der Insurrektion hielten, zu den Kanonen gestellt, diese erlernten den Dienst aufs Eifrigste, und so fam denn Somorn bald in Besitz einer ausgezeich­neten Artillerie

Wepuöèèk IrMikreiâ

Paris, 9. September. Der Brief Bonapärtchcns, dieses rein persönliche, von keinem Ministerium gegen­gezeichnete, über die Maaßen posfirlich klingende und anmaßende Schreiben, macht nichts desto weniger eine ungeheure Sensation. Die Elisee'schen Jonrnale ju­beln Applaus zu den glänzendsten am meisten in bona- partistischen Spiritus getauchten Stellen; sie bewundern die großen Dummheiten mit der auSgeführtesten Nai­vität; dagegen donnern Die ultramontanen P fassen- journale, die schwarzen vermummten Gesellen, des Fallour machtlose Unathemen auf das Haupt des kinderunschuloigen Neffen seines Onkels. Zwischen den beiden Extremen spielen nun die Variationen. Ein babylonisches Gewirre von Meinungen, Hoffnungen und Befürchtungen, kurz eine neue Welt voll Jveen nach dieser todtbringenden, morastigen politischen Wind­stille, Die durch nichts als irgend eine neue Erbärm­lichkeit des Ministeriums oder eines verwunschenen Prinzen unterbrochen wird. Mögen die verschiedenen Parteien nun auch den Brief des kleinen Menschleins interpretiren wie sie wollen, so ist das gewiß, datz er das Signal zur Spaltung jener bisher durch ihre Einigkeit starken Ordnungspartei gegeben hat, weil