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„Freiheit und Aeeht!"
Wiesbaden. Mittwoch, 12. September
1819
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Die Gesellschaft vergißt das „Inwendige" I der Kirche.
0 Diez, 6. Septbr. „Wenn ich nicht vergessen habe, wovon das Inwendige einer Kirche gemacht ist, so bin ich ein Pfefferkorn, ein Bauernpferd. Das Inwendige einer Kirche! Gesellschaft, niederträchtige Gesellschaft hat mich verdorben!"
Gewiß hat der göttliche Witzmacher Falstaff nicht gedacht, daß er dereinst nach Jahrhunderten so viele Genossen seiner „Schlechtigkeit" haben würde. Und in der That, man braucht gar kein Vergrößerungsglas, um diejenigen zu sehen, die durch den Umgang mit „niederträchtiger Gesellschaft" das „Inwendige einer Kirche" vergessen haben. Was soll aber aus der Menschheit noch werden, wenn die Verworfenheit in dem Maaße vorwärtsschreitet, wenn sie anfängt, die „ehrwisrdigen Diener des Herrn" zu verlästern und zu verhöhnen, wenn die vielverschrieene deutsche Polizei so erbärmlich ist, daß der „Leibhaftige" ihr Amt auf offener Straße übernehmen muß, wenn das Volk viel massenhafter und aufmerksamer der „ Proudhon'schen Afterweisheit junger Kommunisten und Anarchisten"; oder den „unter religiösen gormen den nichtswürdigsten Unglauben versteckenden" freichriftlichen Predigern zuhört, als den frommen christlichen Pfründnern, deren Frömmigkeit und deren Christenthum durch das Staatssiegel beglaubigt ist? Meine Seele betrübt sich, und meine Augen werden düster, wenn ich mir dies überlege, wenn ich nachdenke, zu welcher Verwilderung die Irrlehren des modernen Unglaubens hinführen müssen, und wie so manches einst fromme und christliche Swaat einmal ein reißender und beißender Wolf werden kann. Sogar in das Gemüth der Frauen, dies kindlichfromme, gläubige, duldende Gemüth frißt der Unglaube ein; fast Betschwestern nur, die in jedem Kirchenbesuch einen Ablaßbrief ihrer Jugendsünden wahnen, erscheinen auf den verwaisten Bänken; Frauen aber und Jungfrauen vereinen sich ihre Gaben beizusteuern für die schrecklichen Blousenmanncr des badischen Freiheitsheeres, und die Zeit, die grause Zeit ist vielleicht nicht mehr ferne, von der Schiller singt:
„Da werden Weiber zu Hyänen, Und treiben mit Entsetzen Spott!"
Haben wir es nicht schon tausendmal gesagt, daß Ronge ein Atheist, ein Communist sei, daß die Deutschkatholiken gar nicht geduldet werden dürfen; haben wir nicht in gerechter Furcht gezittert, als einige Wühler das Volk verleiteten, die Trennung der Schule und der Kirche zu verlangen; haben wir nicht mühsam die Fetzen unseres alten Thrones wieder zusammengeflickt, alle unsere Hunde ausgeschickt, um dem Hirten die entlaufene Schaafheerde wieder zu sammeln; haben wir nicht unsere mackellose Ehre zum Opfer gebracht, unsern guten Namen verloren, um der irregeleiteten
Q G. Böhning.
Er fiel, den Tod für's Vaterland, Doch den nicht, der Befreiungsschlacht; Sie sandten mit herzloser Hand, Ihn in die starre Todesnacht.
Da schlaf, zerschossenes Gebein.
Wo Schmerzen einst gewühlt, und Lust Schlug wild ein tobend Blei hinein, Und brach den Troy der Hcldenbrust.
Da schlaf gestillt zerissnes Herz Begeistert einst; — auf immer ein, Ach! mancher wird im stillen Schmerz Dir eine heiße Thräne weih'n.
Ein Hügel hebt sich über Dir Den drückt kein Maal von Marmorstein Doch Dein gedenken ehrend wir Jm Morgenroth im Abendschein.
Drum alter Held ruh aus vom Schmerz, Ruh aus 1 von aller Erdenqual Es findet einst manch deutsches Herz Dein Grab gewiß, auch ohne Maal.
H. F.....
Masse andere Begriffe beizubringen, sind wir nicht in die gemeinsten Spelunken gegangen, um mit den furchtsamen Kapitalbesitzern und den von ihnen lebenden armen unwissenden Taglöhnern gemeinsam für Gesetz und Ordnung zu schwärmen; haben wir nicht auf oberes Commando am allgemeinen Buß- und Beilage die Worte der heiligen Schrift: „was murren die die Völker?" auf die herrlichste Weise zu unsern Zwecken auszubeulen verstanden; haben wir nicht im Herzen und in Gedanken den Wiederherftellern der Ruhe in Europa die Hand gedrückt; haben wir uns nicht mit dem Erbfeinde der Christenheit, der sich drei Jahrzehnte mit den Unseren gewürgt, gegen den gemeinsamen Gegner verbunden, und wissen wir selbst dies, was vielleicht gegen unsern Glaubenseifer zeugen könnte, nicht im Sinne der christlichen Liebe und Brüderlichkeit für uns zu deuten? Und nun haben die christli- chen^Bajonette überall gesiegt, der christliche Gehorsam und die Heiligkeit des Eides haben sich mächtig erwiesen in den Söhnen des Heeres, Alles ist wicver- hergestellt: die Ruhe, die Ordnung, bas Gesetz; ungeschmälert sind unsere Pfründen, ungefährdet unser Sie; giment in der Schule, wir haben Alles, was wir wollten, Alles: — nur nickt die Herzen, nur nicht die Geister! Leer sind unsere Kirchen, ungefüllt die heiligen Bänke, unsere Worte hallt uns das Echo der öden Staunte entgegen, unsere Gebete zum Herrn, das Volk wieder zu lenken auf bessere Bahnen, bleiben unerhört! Doch was der freie Wille nicht thut, das bewirkt der Zwang, der Befehl: die Kinder und die Schullehrer, die sollen uns bleiben, denen wollen wir predigen, die wollen wir erziehen im Sinne des Heilands, b'c sollen uns dafür büraen. dan die Kircken nie leer eien.
Und den Lehrern, ob es gleich schon seit neun Jahren abgekommen, wollen wir befehlen, wieder zweimal des Sonntags zum Gottesdienste zu erscheinen, und wollen ihnen jeden Besuch eines Ungläubigen verbieten. Und wir wollen dafür Sorge tragen, daß sie den Kindern die vielfach erloschene Liebe zu ihren Landesvätern wieder anstammen; vielleicht vermag dann dereinst die Macht der Gewohnheit, was jetzt nur der Zwang bewirkt: Gehorsam der Obrigkeit, Treue den christlichen Predigern. Mit Wehmuth denken wir jener goldenen Tage, da das Volk noch war eine gläubige Heerde, und wir die Schäfer, die es weideten und ihm die Wolle abscheerten! Mit inbrünstiger Wehmuth und wehmüthiger Inbrunst senden wir unsere Gebete hinauf zum Höchsten, daß er wieder zurückkehre jene goldene Vorzeit, fülle die Kirchen, stähle die Herzen im Herrn, mache sie weich zu Werken christlicher Milde, lerne lieben wieder das Volk seine Fürsten, sich beugen unter alle Gewalt von Gottes Gnaden, verabscheuen alle Freiheit als ein Werk des Satans, sich walzen im Kothe irdischen Elends, desto lieber zu gewinnen den jenseitigen Himmel, Amen!
i O du großer Sir John Fallstaff, geht dir nicht
Die beiden Studenten.
(Aus den „Böhmischen Dörfern" von Uffo Horn.)
(Schluß.)
„Schau! Schau!" brummte bet Direktor, „und hat ihn denn die Polzci hiucingclassen?"
Johann lachte.
„„Die Polizei? die wird sich hüten, ihm 'was zu thun'Her Polizeidirektor hat an 'was Andres zu denken, als an solche alte Geschichten!""
Johann ging nun den Mädchen nach, und ließ die beiden Alten erstaunt und betreten zurück. Er öffnete leise die Thüre des Zimmers: Libuska und Mllada sich umschlingend sahen zum Fenster hinaus, und aus dem Garten klang Jakobs wundervolle Stimme herauf, der dasselbe Ständchen sang, mit dem er Milada zuerst begrüßt hatte.
„Der Iakob!" schrie das Mädchen bei den ersten Tönen, „der Jakob ist hier!" nyd sich umwendend, wollte sie zur Thüre eilen, aber hier fing sie Johann mit ausgebreiteten Armen auf.
„Halt, Mila, nicht so schnell! Der Jakob kann ja heraufkommen !" und zum Fenster herab rief er dem bet Milada's Ausruf jäh verstummten Sänger zu: „Komm nur herauf, Jakob!" *
Aber Milada ließ sich nicht halten — sie eilte hinaus, und an der Treppe, die der Sänger in athem- loser Hast heraufflog, kam sie ihm entgegen, laut
das Unglück der Armen zu Herzen? Fühlst du nicht Mitleid mit ihrer trostlosen Lage und beschließest du nicht, du vollgestopfter Schurke, der du allein eine ganze Bank füllen könntest, dich zu bessern und Buße zu thun? Vergebens alles Ermahnen, seine Gedanken sind erfüllt von der Erde, er will sich nicht bessern, und sei es auch nur der Konsequenz halber, er ißt seine Dutzend Rebhühner und Kapaunen und trinkt seinen Sekt, er wälzt sich im Schlamme irdischer Lüste, besucht keine Kirche mehr und ruft dabei einmal über das andere Mal aus: „Gesellschaft, niederträchtige Gesellschaft hat mich verdorben!
DeuLsehL^KH.
4- Wiesbaden, 10. Sept. Schaden macht klug. Dieses alte Sprichwort scheint auch hier in Erfüllung gehen zu wollen. Das kürzlich hier vorgekommene bedeutende Brandunglück, bei dem glücklicher Weise jedoch kein Menschenleben verloren ging, hat uns gezeigt, wie weit wir noch im Löschwesen den Städteu unseres Nachbarstaates Baden nachstehen. Hierdurch veranlaßt wurde von mehreren, welche sich für diese Sache innig interressiren, der bekannte Instruktor der Feuerwehr Herr C. Metz von Heidelberg hierher berufen. Derselbe brachte eine Spritze mit dem Apparat und RettungS-Geräthschaften aus seiner Fabrik mit, ererzirte die beiden hiesigen Turnvereine und machte verflossene Woche an dem hiesigen Theatergebäude öffentlich Lösch- und Rettungsversuche, welche auch den Nichtkenner von der Gewandtheit unserer Turner, von der tüchtigen und praktischen Instruktion und der^Stgxje Mit der kleinen Maschine wurde Unglaubliches geleistet, so wie die Rettungsversuche mit größter Pünktlichkeit und Sicherheit ausgeführt wurden. Es wäre sehr zu wünschen, daß das Metzische System über das ganze Land verbreitet würde, um den vielen Brandunglücken vorzubeugen.
Berlin, 7. Sept. In Ermangelung sonstigen Ruhmes schwingt das Ministerium Manteuffel noch immer mit der unverschämtesten Zudringlichkeit die Lorbeeren, welche „Preußens tapferes Schwert" bei Bezwingung der „Hyder der rothen Anarchie" in Baden ärntete. Die „D. R." wird nicht müde, in langen Artikeln dieses Thema auszubeuten. „Der bloss Namen des preußischen Schwertes jagte die sonst vor keiner Macht erzitternden Wühler in die Flucht", sagt sie pathetisch. Nun, die Tage von Waghäusel, Ub- stadt, Durlach, Kuppenheim haben den blutigen Beweis geführt, daß die „Wühler" nicht vor dem Namen, sondern nur vor der sehr bedeutenden preußischen Uebermacht wichen. Welcher Heroismus, welch' kolossales Feldherrntalent gehört nicht dazu, mit 60,000 wohldisziplinirten Soldaten, die von allen Seiten her einbrangen, 20—25,000 Mann zum Theil eben aus-
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weinend vor Freude. Johann und Liduska sahen die Gruppe fröhlich an, sich dabei selbst umschlingend.
„Jetzt behaltet ihn hier — ich gehe noch einmal hinein!" sagte Johann, „die Alten vollends mürbe zu machen, weiß Gott! der Kirchel ist uns zur rechten Zeit durchgegangen!"
Johann unterbrach die Berathung der Eltern, indem er ihnen, in seiner Eigenschaft als zukünftiger Schwiegersohn, mit ernsthaftem und entschiedenem Tone einige Vorwürfe wegen ihrer Vorliebe für den davongelaufenen Amtschreiber machte, und zuletzt ihnen mittheilte, der Pischta sei hier, und bitte, vor ihnen erscheinen und um Milada anhalten zu dürfen.
Er öffnete die Thüre; von beiden Schwestern geführt, schritt, nun wieder so befangen, wie vor Jahren, als er zum erstenmale diese Stnbe betrat, Jakob herein. Milada blieb am Tische in großer Aufregung stehen — sie sah todtenbleich nach den Gesichtern ihrer Eltern. Der Vater war freundlich, die Mutter steif, aber Johann war bereits eine zu einflußreiche Person im Hause, und ein zu beredter Fürsprecher, als daß nicht Alles zum guten Ende hätte kommen müssen.
Die Direktorin sah mit großen Augen die blitzende Brillantnadel, die schwere goldene Uhrkette Jakob's an — und als es Mitternacht war, verließ Jakob als erklärter Bräutigam Milada's mit Johann das Haus.
Die Direktorin war am schwersten zu bereden gewesen, aber Johann hatte sie durch einige Andeutungen