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Luthers politisches Glaubensbekenntnis.

** Vom Westerwalde. In dem Wirrwarr politischer Meinungen und Grundsätze ist es eben­so belehrend als anziehend, das Urtheil bedeutender Autoritäten der Vergangenheit und namentlich aus einer Zeit zu vernehmen, welche mit der unsrigen ei­nige Aehnlichkeit hat. Eine solche Zeit aber ist die Reformation und eine solche Autorität, wie verachtet auch und verlästert von ihren Feinden, bleibt Luther mit seinem ächt deutschen Herzen, mit seinem klaren Blicke, mit seinem frommen Gemüthe und seiner frei­müthigen, kräftigen Sprache. Wir theilen hier einige seiner freisinnigen Aeußerungen mit ohne Besorgniß, seinen Feinden dadurch die Waffen gegen ihn und die von ihm gegründete Kirche in die Hände zu liefern, oder die Anhänglichkeit seiner Freunde, die sich bei ih­rem Stillstand und ihrer Servilität oft auf diesen Gottesmann berufen, zu schwächen. Sollte aber Je­mand von der Verbreitung der politischen Grundsätze Luthers schlimme Früchte besorgen, so wird unsere Amtsschwester in dem Herrn ihn darüber vollständig zu beruhigen und Luthern als ihren Gewährsmann darzustellen nicht verfehlen.

Die Obrigkeit in der Stadt ist Jedermanns Knecht und Unterthan ; die Andern, die da angesehen werden, als ob sie Knechte sind, haben gut Gemach, genießen des Friedens und der Ruhe in der Stadt, im Lande und in allen Herrschaften, der aber das Regiment hat, ist servus servorum (Knecht der Knechte).

Eine jegliche Obrigkeit soll sein mit sich selbst einig und beständig sein und soll den Schmeichlern, und was die Hofschranzen anbringen, nicht bald Gehör geben. Wenn ein Oberherr hier einem Schmeichler, dort einem folgt, und läßt sich an der Nase führen, der wird kein guter Regent sein.

Ich halte dafür, wenn man die Geizigen in der Welt abscheiden und absondern sollte, so würde man wenig Fürsten finden, die nicht geizig wären und nicht ihre Unterthanen schätzten, schuldeten und aussaugten. An den Hofen herrscht jetzt Untreue, Finanzerei, Eigen­nutz und Geiz in den Fürsten und ihren Räthen.

So die Gemeinde ungehorsam und die Obrigkeit wuthwillig ist, sollen sie beide vor Gott des Todes schuldig sein und gestraft werden, die Gemeinde durch die Obrigkeit, die Obrigkeit vor Gott, der die Gewal­tigen vom Stuhle setzen und ihre Wurzel mit Namen und Gedächtniß ausrotten kann, wie denn die Exempel wohl anzeigen.

- Weltliche christliche Gewalt soll ihr Amt führen frei, ungehindert, unangesehen, ob's Pabst, Bischof, Priester sei, den sie trifft; wer schuldig ist, der leide; was geistlich Recht dawider gesagt hat, ist lauter er­dichtete römische Vermessenheit, denn also sagt St. Pau­lus allen Christen: Eine jegliche Seele sich halte des

Pabstes auch) soll Unterthan sein der Obrigkeit. Wird ein Priester erschlagen, so liegt ein Land im Interdikt; warum nicht auch, wenn ein Bauer er­schlagen wird? Wo kommt her solch großer Unter­schied unter den gleichen Christen? Allem aus Men­schengesetzen und Dichten.

Mutwillige Obrigkeit müssen hören, daß sie nicht über Holz und Steine, nicht über Säue und Hunde, sondern über Gottes Gemeinde gesetzt sind.

Siehe an alle Obrigkeit, so in der Welt ist; der meiste Theil ist verderbet, thut, wozu sie Lust hat, mit übermäßigem Bauen, Bankettireu unzeitigem Jagen und andern Wollüsten, wie auch eine Zeit Einer sagte, man tönte aller frommen Könige und Fürsten Namen auf einen Ring stechen.

Man muß nicht Alles au früh risch sein

l a s s e n, w a s d i e B l u t h u n d e a u fr ü h r i sch schel­ten. Denn damit wollen sie aller Welt das Maul und die Faust binden, baß sie Niemand weder mit Predigen strafen, noch mit der Faust sich wehren solle, und sie ein offen Maul und frei Hand behalten; wol­len also durch den Namen der Aufruhr, alle Welt schrecken und sahen, sich selbst aber trösten und sicher machen.

Die Tyrannen stehen in Gefahr, daß durch Got­tes Verhängen die Unterthanen sich aufmachen, wie gesagt ist, und erwürgen oder verjagen sie.

Erstlich mögen wir Niemand auf Erden danken solchen Unraths und Aufruhrs, denn euch Fürsten und Herren, sonderlich euch blinden Bischöfen, tollen Pfaf­fen und Mönchen, die ihr noch heutigen Tages ver­stockt, nicht aushöret, zu toben und zu wüthen wider das heilige Evangelmm. Dazu im weltlichen Re­giment Nichts mehr thut, denn daß ihr schindet und schätzt, euren Pracht und Hochmuth zu führen; bis der gemeine Mann nicht kann, noch länger mag ertragen. Das Schwerdt ist euch auf dem Halse; noch meinet ihr, ihr sitzet so vest im Sattel, man werde euch nicht mögen ausheben. Solche Sicherheit unv verstockte Ver­messenheit wird euch den Hals brechen; das werdet ihr sehen. Denn das sollt ihr wissen, liebe Herrn, Gott schafft's also, daß man nicht kann, noch will, noch soll eure Wütherei die Länge dulden. Ihr müsset anders werben und Gottes Wort weichen. Thut ihr's nicht durch freundliche, willige Weise, so mußt ihr's thun durch gewaltige und verderbliche Unweise. Thun's diese Bauern nicht, so müßen's Andere thun, ll nb ob ihr sie alle schlüget, so sind sie noch un­geschlagen; Gott wird andere erwecken. Denn Er will euch schlagen und wirb euch schlagen. Es sind nicht Bauern, liebe Herrn, die sich wider euch setzen: Gott ist's selber, der setzt sich wider euch, heim­zusuchen eure Wütherei.

Ich will mein Schreiben nicht allein von Bauern verstauben haben, gerade als waren die allein die Un­terpersonen und der Avel nicht. Nicht also, sondern was ich von der Unterperson sage, das soll treffen

beide, Bauern, Bürger, Edelherren, Grafen und Für­sten. Denn auch alle diese sind Oberherren und sind Unterpersonen eines Andern. Und wie man einem aus- rührischen Bauern den Kopf abschlägt, soll man einem aufruhrischem Edelmanne, Grafen, Fürsten auch den Kopf a b > ch l a g e n, Einem wie dem Andern, so geschieht Niemand Unrecht.

Diese kurze und ungeordnete Zusammenstellung pe- litischèr Ansichten aus Luthers Schriften, bei welcher vielleicht mancher sog. gelehrte Leser bedenklich den Kopf schütteln wird, mag genügen, um zu zeigen, wie Luther zu dem Volke und wie zu den Fürsten" stand. Kehrte er nach drei Jahrhunderten aus seinem Grabe in un­sere Mitte zurück, unv erlaubte sich solche freisinnige, polltliche Aeußerungen, wie sie sich zu Tausenden in seinen Schriften finden, man würde ihn als einen Hochver- räther und Majestätsverbrecher vor Gericht stellen und Herr Staatsprokurator Reichmann wurde unendliche und unzählige Preßprozesse gegen ihn einleiten.

j^ Das unnütze und widersinnige Insti­tut der zweiten oder^praktischen CsncurS»

Prüfung der Mediziner.

(Schluß.)

Doch bei Seite mit diesen Allotria! Kurzum ihr habt noch ein zweites, und praktisches Eramen schriftlich und mündlich in den theoretisches Wissenschaften fzu machen, welches aber diese Wissenschaften sind, in de­nen ihr nochmals vorgenommen werden sollt, wißt ihr nicht und ich nicht, und im Verordnungsblatt steht auch nichts davon und damit Punktum.

Allein eine bitterböse Geschichte ist die, und weß- halb ich euch aufrichtig bedauere, ist daß es im §. 17. der gallenbitteren Verordnung heißt: Nur diejenigen der in der theoretischen Prüfung bestandenen Canbi- daten und hierauf auf angemessene Weise beschäftigten Accessiften kommen bei Besetzung der höheren Stellen ihres Faches, der Stellen von Medizinalassistenten, Be- zirksthierärzben re. demnächst in Berücksichtigung, welche, nachdem sie wenigstens zwei Jahre lang im praktischen Dienste beschäftigt waren, eine zweite Prüfung, die praktische Concursprüfung bestehen." Ja, da haben wir ein Sauglück gegen euch, denn von uns weiß un­sere Medizinalbehörde, daß wir dietheoretischen Kenntnisse fester begründen", daß wireine größere Gewandtheit,in Lösung praktischer Aufgaben" besitzen, daß wir wissen, z. B. der erste Besuch kostet 14 fr., die drei folgenden jeder 8 kr. und der folgende nicht gemachte den wir aber aufschreiben, weil wir wissen, daß es einen reichen Bauern betrifft, macht Summa und ohne Rech- nungsfehler 1 fl. 32 kr., sie weiß, daß wir unsere praktische Laufbahn benutzen, um uns auf der Höhe der Wissenschaft zu halten. Wir

Die beiden Studenten.

(AuS denBöhmischen Dörfern" von Uffo Horn.)

(Fortsetzung.)

Aller Augen wandten sich nach Jakob der Teno­rist hob die Lorgnette, und sich graziös erhebend, rief er:

Das ist ja unser Maun! Psschral lieber Freund! willkommen bei uns!" und mit diesen Worten eilte er auf Den überraschten Jakob los, und umarmte ihn mit einer Zärtlichkeit, die selbst der Professor Gerle, der in Thcaterintriguen wohlbewanderte, für aufrichtig hielt

Diese Umarmung erregte die allgemeine Aufmerksam­keit, Professor Gerle verbeugte sich anmutig und sagte in seiner überaus verbindlichen Weise:

Es ist mir ein großes Vergnügen, einen so be­rühmten Künstler kennen zu lernen, der noch dazu ein Landsmann ist!"

Ja! Ja! Herr Professor! und ein guter Böhme dazu!"" antwortete Jakob, und schloß mit einer Ein­ladung an die Herren, an seinem Tische Platz zu nehmen.

Die Kunde daß der erwartete Tenorist hier sei, wurde von Andres pfeilgeschwind durch den ganzen Saal ge­tragen , und einen Augenblick herrschte eine tiefe Stille. Johann jubelte innerlich , als er seinen Jakob als Mittel­punkt der allgemeinen Aufmerksamkeit sah, und Iakob

machte die Honeurs seinen Gästen gegenüber mit so un­geschminkter natürlicher Liebenswürdigkeit, daß der Pro­fessor ganz entzückt und der Tenorist ganz verblüfft war.

Die Gläser klirrten auf Jakob's Wohl, das der Professor mit einem bedentungsvollen Lächeln ausbrachte, und alS er gedankt, wandte er sich zu Johann, ter nun seinerseits beveutungsvoll lächelnd, anstieß und sagte:

Auf ein gutes Ende!"

0 Gott, kein Zweifel!"" rief der Professor.

Gebe es Gott," seufzte Jakob, und stürzte den schäumenden Wein hinab.

Der Kellner ging mit einigen Zeitungen vorbei

Geben Sie die Prager Zeitung her!" rief Jakob und nahm sie mit einem seltsamen Gefühle in die Hand, meine Herren! ich habe sie lange nicht gesehen!"

O daS ist schade!"" spottete Gerle,unser Mon- tieur nimmt einen Aufschwung er hat eine Vig­nette bekommen!""

Es ist doch seltsam, wie ganz anders das gute Blatt neben den ausländischen Zeitungen aussieht, so friedlich und"

Schlafmützig!"" ergänzte der Professor, der zu­weilen , wenn auch nur selten und beim Champagner Anfälle von LieberalismnS hatte sehen Sie nur den interessanten Inhalt an! Licitationen, Exekutionen, Re- krutirungsvorladungen"

Der Tenorist hielt Jakob sein Glas hin, der lachend anstieß, und die amtlichen Nachrichten durchblätterte. Mit einemmale zuckte cs über sein Gesicht, und er hielt Johann die Zeitung hin, eine Stelle mit dem Finger berührend:

Johann laS stille vor sich hin: Steckbrief Jo­hann Kirchel, gewesener Rentmeister des Verbrechens der Veruntreuung rechtlich beanzeigt PersvnSbeschrei- bung" er gab das Blatt zurück, eine freudige Be­wegung nur mit Mühe unterdrückend.

Es schlug cilf Uhr Jakob entschuldigte sich, daß er von der Reise müde sei, und nahm unter Umarmungen und Versicherungen der Freundschaft und Verehrung Ab­schied. AlS er den Salon verließ, machten alle Gäste lange Hälse, und ein beifälliges Gemurmel über das vortheilhafte Aeußere des jungen Mannes ließ sich ver­nehmen. Auf der Stnbe angelangt, warf er sich Jakob in heftiger Bewegung an seines Freundes Brust.

Und diesen Menschen wollten sie meiner Milada aufdringen!" rief er mit gepreßter Stimme.

Er steht nun auch in der Zeitung i" sagte Johann, nun hat Dir die Direktorin nichts mehr vorzuwerfen! Ich hab' mir's gedacht, daß cs mit dem Kerl kein gutes Ende nehmen wird; Du hättest sehen sollen, wie der Mensch aufgehaut hat!"

Nun fort nach Lhotta Bruder! fort zu ihr; bestelle Postpferde Jür morgen ich werde die ganze Nacht kein Auge zuthun!""