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holten ihren Protest und sind fest entschlossen, lieber der Herzogs. Nassauischen Landeskirche Lebewohl zu sagen, als ihrem verehrten Pfarrer.

Allein die Landes-Negierung wird nicht müde in ihrer Obsorge für die Kirchengemeinde Langenbach. Sie hat derselben abermals einen Kaplan ernannt wacher der Orthodoreste der Orthodoxen sein, und we^ chem Snell die Hälfte seines Pfarreinkommen abge­ben soll. Das war die Antwort auf eine Bitte S n e l l s s, daß man doch wenigstens an seine Stelle einen dein Geiste der Gemeinde "entsprechenden Mann, einen Mann der Milde und Versöhnung entsenden möge. Der nun entsendete Apostel soll, ehe er den Schauplatz seiner Thaten betreten, einen brüderlichen Abgesandten hinge­schickt haben, um das Terrain zu recognosciren. ~te Nachrichten aber sollen nicht sehr tröstlich gelautet und einen bis zu Verweigerung der Atzung gesteigerten pas­siven Widerstand in Aussicht gestellt haben.

Snell hat bei dem bischöflichen Commiparius gegen seine Suspension protestier, sie sei eine Strafe vor dem Urtheil, ja schon vor der Verwehung durch den Anklagefeuat. Man hat ihm geantwortet, selbst wenn er freigesprochen werde, habe er eine gewisse Schuld, er habe dann doch wenigstens Veranlassung zu der Untersuchung gegeben, denn keine Behörde un­tersuche ohne Veranlagung!

Snell hat gegen die Entziehung der Hälfte sei­nes Gehaltes protestier. Man hat ihm geantwortet, das sei so gebräuchlich. Snell's Vater war eben­falls wegen einer politischen Untersuchung vom Pfarr­amte suspendirt. Damals aber entzog man ihm nicht den Gehalt. Damals war dies noch nicht gebräuch­lich. Es lebe der Fortschritt!

' Möge Snell in der öffentlichen Meinung, in der treuen Anhänglichkeit seiner achtungswerthen Gemeinde, einen Trost finden für jene Verfolgungen. Möge die Negierung endlich die öffentliche Meinung achten ler­nen, welche sich deutlich genug ausspricht. Müller 11. wurde entlassen, sofort protestieren die Wahl- männer seines Bezirks, die Stadt Idstein ertheilte ihm das Ehrenbürgerrecht, das Amt Nastätten wählte ihn zum Kreisbezirksrath. Naht wurde quiescirt, so­fort protestieren seine Wahlmänner. Wenkenbach wurde quiescirt zwei Wahlbezirke wählten ihn gleich­zeitig zum Kreisbezirksrath. Dazu noch die Haltung der Kirchengemeinde Langenbach.

Und doch will die Regierung behaupten, daß sie in ihren Disciplinarverfolgungen die öffentliche Mei­nung für sich habe!?!

DeuèfchEOrrd.

* * Wiesbaden, 5. September. Wir hatten neu? sich (Seleßpn^pit über bis manchmal seltsamen Kammer- berichte desLaudtagsblattes" und desFrankfurter Journals" zu sprechen. Wir sind nun genöthigt, zu den seltsamen Berichterstattungen über die Verhand­lungen des nassauischen Landtages auch die derFrank­furter Oberpostamtszeitung" zu rechnen. Dieselbe be­richtet in einer WieSbadncr Correspondenz vom 2. d. Mts. (9? um. 211 vom 5. Sept), in der Landtags­sitzung vom 1. d. Mts. sei das Gesetz über die Ge­schwornen mit allen Stimmen gegen eine angenommen worden. Bekanntlich ist aber dies Gesetz schon in Der Sitzung vom 30. März angenommen und am 14. April publizirt worden und befindet sich schon lange im Vollzug.

Dieselbe Correspondenz berichtet, die Debatte über die aus politischen Gründen hervorgegangenen Pensio- nirungen und Dienstentlassungen sei eine mehr subjek­tive, als objektive gewesen. Jeder, der die Verhand­lungen kennt, wird damit einverstanden sein, daß diese Behauptung eine mehr sinnlose, als sinnreiche ist. Denn die Debatte drehte sich lediglich um die obersten poli­tischen Motive und Verwaltungsgrundsätze und um die Frage, ob eine Verletzung der Grundrechte vorliege

oder nicht. Persönlichkeiten wurden überhaupt ver­mieden und besonders von der Oppositionspartei, wel­cher die betroffenen Beamten angehören. Die Kam­merberichte desLandtagsblattes" nehmen einen immer spaßhafteren Charakter an. Der Abgeordnete Lang hat kürzlich seinem Kollegen Heydenreich, welcher, statt mit seinen Entgegnungen sogleich hervorzutreten, dieselben stets erst in einer der folgenden Sitzungen, nach umständlicher, schriftlicher Vorbereitung, jedoch alsdann natürlich gewöhnlich viel zu spät und ganz am unpassenden Orte, zu bringen pflegt, in seinem bekannten derben und treffenden Humor vorgeworfen, er leide anTreppenwitz", an der wenig be- neidenswcrthen Gabe jener Unglücklichen, welchen erst auf der Treppe einfällt, was sie im Zimmer hätten sagen sollen. DasLandtagsblatt" leidet nun auch in einem so hohen Grade an diesemTreppenwitz", daß die Vermuthung nahe liegt, Heydenreich sei der Verfasser desselben. Das Landtagsblatt gibt die Vorträge der Oppositionspartei entweder gar nicht, was das Beste ist, oder doch nur sehr verstümmelt und in einer solchen Fassung, daß sie gewiß keiner der Ur­heber als die (einigen anerkennen wird. Damit könnte es sich wohl begnügen; allein es widerlegt auch noch die also verstümmelten Vorträge in kurzen Zwischen­bemerkungen. Zuerst legt es seinen Gegnern Unsinn in den Mund, und dann widerlegt es diesen selbstver- fertigten Unsinn. Fürwahr der unschuldigste und bil­ligste Treppenwitz aller unschuldigen und billigen Trep­penwitze!! Wer sich für Herrn Heydenreich in- teressirt, kann auch in demLandtagsblatt" lesen, wie dessen Verfasser mit dem Präsidenten Gerg e n s dar­über grollt, daß letzterer in der Sitzung vom 1. d. M. Herrn Heydenreich wegen seines höchst unpassenden Benehmens zur Ordnung gerufen hat. Wir haben jener Sitzung beigewohnt und können den Verfasser des Landtagsblattes versichern, daß er hierin schon Unrecht thut, und daß das Verfahren des Präsidenten Gergens unter den damals zahlreich anwesenden Zuhörern wegen seiner taktvollen Entschiedenheit große Befriedigung hervorgerufen hat. Wir versichern dies auf die Gefahr hin, saß es Heydenreich eineun­würdige Verdächtigung" nenne; denn dieses Wort pflegt er bekanntlich in jedem seiner schriftlichen und münd­lichen Vorträge zu gebrauchen. Wir werden in dem Landtagsblatt" auch belehrt, daß die ministerielle Par­tei in unserer nassauischen Kammernicht dem Mini­sterium folge (!!), sondern auch gegen die Regierung spreche, sobald sie es im Interesse des Landes und Volkes für nöthig halte." Es ist dabei nur Schade, datz der einzige Fall, in welchem die ministerielle Par­tei einen kleinen Anlauf nahm, gegen das Ministe­rium zu sprechen, grade nicht direkt das Jutereffe des Landes und des Volkes, sondern die Wieveranstellung des Justizrath Kalt, eines Mitgliedes der ministcriel- len Partei, betraf.

^ Aus dem Wörsbachthale. Aus dem von Id­stein Datieren Artikel in Nro. 207 dieser Zeitung ha­ben wir ersehen, daß man an dem Seminarium den Weg der Toleranz betreten hat. Man läßt nämlich dort die evangelischen Zöglinge nach evangelischer und die katholischen nach katholischer Weise ihr Gebet ver­richten. Niemand sollte befürchten, daß aus dieser Einrichtung, welche von dem gesummten Lehrerkollegium mit Berücksichtigung der obwaltenden Verhältnisse ge­troffen sein soll, irgend ein konfessioneller Hader ent­stehen könnte. Die evangelischen Seminaristen besuchen ungehindert die evangelische, die katholischen die katho­lische Kirche, und doch leben sie, wie uns sehr genau bekannt ist, in friedlichem und liebevollem Einverneh­men mit einander. Die jungen Leute scheinen wol zu wissen, daß die rechte und ächte Toleranz darin be­steht, daß man seinen Mitmenschen liebt und achtet, wenn man auch dessen religiöse Überzeugung nicht theilt.

Wer einen Andern seiner Confession wegen verhöhnt, i verachtet, verfolgt, der ist intolerant. Das sind die

Begriffe von Toleranz und Intoleranz, welche der Schreiber dieser Zeilen hat und die er auch zu seiner Freude am Seminarium herrschen sieht. Was nun den Denunziationsunfug anlaugt, so ist uns der in jenem Artikel berührte Fall nicht genau bekannt; es scheint übrigens aus der Darstellung hervorzugehen, daß ein Lehrer sich eine auffallende Aeußerung in der Kirche über die Predigt erlaubt habe, und zwar so laut, daß es von den Umstehenden gehört wurde und Aufsehen erregte. So mag es, weiter erzählt, zu den Obren eines Lehrers und von diesem zur Kenntniß des betreffenden Predigers gelangt sein. Das Genauere ist uns, wie gesagt, nicht bekannt. Dagegen haben wir von einer andern Denunziationswehe gehört. Es soll nämlich in letzterer Zeit schon mehrmal vorgekom- men sein, daß sich Zöglinge, wegen unrechter und un­gesetzlicher Handlungen selbst denunzirt haben. Wir halten dies für ein Zeichen von Offenheit und Ehr- lichkeit der Seminarzöglinge, die lieber sich selbst einer Strafe unterziehen, als ihre Mitschüler in ungerechten Verdacht bringen wollen; ja wir können uns nicht enthalten, ein solches Betragen hiermit öffentlich zu beloben. Herrscht zwischen Lehrern und Schulern das rechte Vertrauen, dann wird die Erziehung erleichtert; die Verirrten werden ohne Mühe auf den rechten Weg zurückgeführt werden können. Polizeiliche Aufsicht und Zucht tragen in der Regel böse Früchte und machen die Schüler zu Heuchlern. Sie aus dem Seminarium zu verbannen, das möchten wir dem Direktor wie den übrigen Lehrern auf's dringendste anrathen. Und wir hoffen sie werden es thun, wenn sie bedenken, daß sie aus ihren Zöglingen kräftige, charaktervolle, junge Männer bilden sollen.

Frankfurt, 5. Sept. In der letzten Plenarsitzung unseres Senates kam die obschwebende Tagesfrage über den Anschluß an den Dreikönigsbund zur Erörterung und wurde der Beschluß gefaßt, eine Commission auS fünf Mitgliedern zur desfallsigen Begutachtung zu ernennen, welcher Ausschuß auch alsbald gewählt wurde. (Fr. I)

Frankfurt, 6. Sept. Da wir wieder bis in jene Zeit zurückgesunken sind, wo die Gestaltungen des Völ­kerlebens von den Dynastien ausgehen, so wird na­türlich auch wieder schärfer und achtsamer auf das Thun und Treiben der einzelnen Träger dieser dynasti­schen Politik geachtet. Es wird eben wieder jene groß­artige Politik getrieben, wo man eigens runde Gebäude mit einer Thür für jeden Gesandten aufführen ließ, damit keiner sagen könne, er habe den Vortritt; wo es von weltgeschichtlicher Bedeutung war, ob der oder jener Diplomat zuerst grüßte; wo es eine Kriegserklä­rung zur Folge gehabt hätte, wenn auf den Reichs­tagen beim Mittagsessen der bayerische Ambassadeur dem sächsischen einen silbernen Dessertlöffel hätte geben lassen, während der würtembergische einen goldenen erhielt. So achtet man denn auch auf jede Bewegung des Reichsverweser und des Prinzen von Preußen, weil man die Differenzen zwischen den beiden Dynastien, denen sie angehören, doch für etwas mehr hält, als Schauspielereien. Der Prinz also, wird erzählt, hat sich bald nach der Ankunft zum Reichsverweser bege­ben, um ihm seinen Besuch abzustatten. Er soll es aber auf irgend eine Weise markirt haben, daß er nur den Erzherzog besuche, worauf dieser entgegnet haben soll, den Erzherzog habe er daheim gelassen, er sei hicher als Reichsverweser gekommen. Als die Unterhaltung auf die gegenwärtigen Zustände überzu- gehen schien, wehrte der Prinz das ab, indem er sagte:Lassen Sie uns nicht von Geschäften reden; ich bin nur gekommen, um Ihnen persönlich meine Ehrfurcht zu bezeugen." Preußen scheint demnach, trotz des projektirten Triumvirats, von dem Reichs- verweser als solchem gar keine Notiz nehmen zu wol­len. Das wird ein sonderbares Verhältniß werden; da man es nicht zum offenen Bruch wird kommen lassen, so wird ein Jeder streben, seine Befehle und

hat ihn in'S Unglück gebracht. Lidi! ehe ich den Jakob lasse, will ich nicht in den Himmel kommen!"

Die Thränen brachen aus ihren Augen, auch Liduska fing zu weinen an. Als der Mond Abschied nahm, fiel sein letzter Strahl auf die in ihrem Bette knieende Milada, die noch brünstig betete :

Heilige Maria, Mutter Gottes, verlaß mich nicht!"

X.

Alles Schöne ist schwer," hat ein großer Schau- spiclcr zu seinem Wahlspruche erkoren, und auch Jakob wurde auf seiner, immerhin noch schnellen und glück­lichen Laufbahn, oft genug an diese Worte erinnert. Ihre Wahrheit lastet schwer auf ihm. Sv rasche Fort­schritte er in ) üncr musikalischen Ausbildung machte, so langsam ging cs mit seiner dramatischen. Er war steif und hölzern, die Leute konnten nicht begreifen, wie der­selbe Mensch, der seine Nationallieder so hinreißend und begeistert vortrug, so wenig Ausdruck und -Seele für andere Musik finden konnte. Man bewunderte seine täglich schöner und voller werdende Stimme; die Leich­tigkeit, mit der er alles, and) das Schwierigste aus der vollen Brust heraussang, entzückte alle Zuhörer seiner musikalischen Sicherheit mußten auch jene Kritiker,

die ihn als Darsteller angriffen, tadelten , volle Gerech­tigkeit wiederfahren lassen. Jakob, dem die ganze Zeit seines Lebens über der Ehrgeiz fremd gewesen war, wurde dieser Leidenschaf nun zugänglich, freilch hielt sic an der Hand der Liebe und der Sehnsucht ihren Einzug in sein Herz. Sv waren zwei qualvolle Jahre ver­gangen, und nun wuchs sein Ruf, wie die Flügel eines : Schmetterlings, sichtlich und glänzend. Johann hatte nicht unterlassen, ihn von Milada's Ausdauer zu be­nachrichtigen, und ihm das vielfache Leid nicht verhehlt, das sie seinetwegen zu erdulden hatte. Jakob's Familie von seinem Aufenthalte in Kenntniß zu setzen, hatte Johann, der allezeit besonnene, verweigert, und in der That war cs auch das klügste^ denn Jakob's Eltern waren schon getröstet, daß ihr Lohn nur dem Svldaten- roefe entgangen sei, und der guten Hoffnung, er werde sich allenthalben fortbringen, wie bisher. Die armen Leute sind wie die Hafen: wenn Die Jungen einmal laufen können, bekümmern sie sich nicht mehr um sie, die elterliche Sorge geht über die unbehülfliche Kindheit nicht hinaus.

Wenn Du einmal am Ziele bist," schrieb Johann, so thu' für Deine Leute, was Du willst und kannst, aber wenn Dir an Deinem Geheimniß etwas liegt, so laß Milieu beim Alten."

Jakob hatte übrigens Milada eine musterhafte Treue bewahrt, und sich vor jeder Beziehung gehütet, die seiner Liebe zu ihr gefährlich werden konnte. Bei den viel­

fachen Gelegenheiten, die ein junger beliebter Tenorist findet, bei den Weibern sein Glück zu machen, ist eine solche Enthaltsamkeit nichts Geringes, und wurde sie auch nach Umständen bewundert und verspottet. Das focht aber den schlanken hübschen Tenoristen nicht an, er halte nur einen Wunsch, ins Vaterland zurückkehren und die Geliebte Wiedersehen zu können. Ein Gastspiel, das ihm in Hamburg angctrageu wurde, fiel glänzend aus die Kritik und das Publikum wetteiferten, ihn mit Beifall zu überschütten, und der Bettelstudent von Prag konnte zweitausend Thaler schweres Geld mit einem Federzuge gewinnen, denn die Direktoren boten ihm diese Summe, wenn er ein Engagement daselbst an? nehmen wollte. Er bat sich Bedenkzeit aus, schrieb mit zitternden Händen einen Brief an die Direktion des Prager Theaters, den er seinem Freunde Johann zur Besorgung anvertraute. Johann war vor Freude außer sich, aber er schwieg auch gegen Jedermann davon, selbst gegen den mittlerweile etwas ausgesungenen Teno­risten , der sich so beeilt hatte, den werdenden Rivalen damals bei Seite zu schaffen. Die Antwort, welche die Direktion an Jakob unmittelbar richtete, war höchst zu­vorkommend . und da seine Verbindlichkeiten gegen die Leipziger Bühne mittlerweile zu Ende gingen, reiste er so schnell, als es sich in jener Zeit mit dem leidigen Postwagen thun ließ, seiner Heimath zu.

(Fortsetzung folgt.)