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Die DiszipliuarVerfolguirg gegen den Abgeordneten Pfarrer Snell zu Langenbach.
y Von der untern Werl, 2. Sept. Kürzlich sind auf dem Landtag die in der neuern Zeit stattgefundenen Quieszierungen und Entlassungen von Beamten aus politischen Gründen abgehandelt worden; wir glauben aber, daß man dabei nicht mit einer solchen Vollständigkeit und Offenheit zu Werk gegangen ist, welche allein die Sache für Jedermann in ein klares Licht setzen konnte. Ausführliche Berichte darüber sind bis jetzt in den Zeitungen nicht erschienen. Wir müssen also die gedruckten Protokolle abwatten, welche freilich Monate lang auf sich warten lassen. Einstweilen aber wollen wir den Lesern der Freien Zeitung Einiges über die Disziplinar-Verfolgung gegen den Abgeordneten Pfarrer Snell von Langenbach mittheilen, da diese Sache nicht auf dem Landtag abgehandelt worden, aber dabei doch der Mühe werth ist, zur Kenntniß des Volkes zu kommen.
Pfarrer Snell, ein Mann von der entschiedensten und bewährtesten Gesinnung auf dem Gebiete der Politik und der Religion, trat am 6. Februar d. I. als Abgeordneter für den Wahlbezirk Wiesbaden und Hochheim in die nassauische Kammer. Die Kirchenbehörde ließ vom Januar bis in den Juni seine Pfarrstelle in Langenbach Anfangs durch die benachbarten Geistlichen, dann aber durch einen Vicar (Altbürger) versehen, welcher aus dem evangelischen Zentralkirchenfond bezahlt wurde, wie dies auch bei den Stellvertretern der beiden andern, in der Kammer befindlichen evangelischen Geistlichen geschieht. Nachdem der Con- greß in Idstein stattgefunden, und die Kammer am 11. Juni auf einige Wochen vertagt worden war, erhielt auf einmal Snell von dem Kirchenregiment die Nachricht, daß sein Stellvertreter abberufen worden sei, und die Weisung, sich sogleich zur Verschling seiner Pfarrstelle nach Langenbach zu verfügen. Ausgesprochener Maßen war es durchaus nicht darum zu thun, den Gehalt des Vicarius auf vier Wochen zu sparen, sondern bloß darum, den Abgeordneten Snell durch eine Maßregel gegen den Pfarrer Snell seiner politischen Wirksamkeit zu entziehen. Kaum in Langenbach angelangt, erhielt er durch das Dekanat in Weilburg eine Mittheilung der Landesregierung, worin dieselbe gegen die Geistlichen, welche sich an politischen Bestrebungeu betheiligt hätten (außer Snell, namentlich noch Göllner, Höfeld, Preußer, Hild, Reber u. s. w.), ihr hohes Mißfallen zu erkennen gibt, denselben mit Dienstentlassung, Suspension u. s. w. droht, und ihnen eröffnet, daß sie unter eine besondere Überwachung der Dekanate — also unter eine Art von polizeilicher Aufsicht — gestellt seien. Snell protestirte energisch gegen solche inhaltslose Anschuldigungen und ungesetzliche Bedrohungen und berief sich darauf, daß er nicht bloß Geistlicher, sondern da-
Die beiden Studenten.
(Aus den „Böhmischen Dörfern" von Uffo Horn.)
(Fortsetzung.)
„Mila!" begann sie mit gerunzelter Stirne, „ich sehe, daß Du den Kerl, den Pischta, noch immer im Kopf hast, und deßwegen den Kirchel nicht willst. Ich sag' Dir'S noch im Guten, Mädel! wenn Du nicht anders wirst, so dreh' ich Dir den Kragen um!"
„„Aber Mutter!"" murrte Liduska unter der Bettdecke hervor.
„Schweig'! ich bin Mutter, und weiß am besten, was ihr mir für Sorge und Kummer macht. Die Mila kann gleich eine Versorgung haben, wenn sie den Kirchel nimmt, ich weiß gar nicht, was sie an ihm auszusetzen hat? Er kann zehn Mädeln bekommen, wenn er nur will — jede möchte ihn jetzt nehmen!"
„„Aber wenn sie ihn nicht leiden kann!""
„Dummheiten — nicht leiden können! — warum kann sie ihn nicht leiden? weil sie immer noch an den davongelaufenen Studenten denkt, der in der Zeitung steht! Ich sag' Dir's, Mädel," wandte sie sich heftig aufstehend zu der schluchzenden Milada, „wenn Du den Kirchel nicht nehmen willst, so kannst Du Dich gleich
neben auch Staatsbürger, und Volksabgeordneter sei, und als solcher nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht habe, sich an den politischen Bestrebungen seines Landes zu betheiligen; habe er hierbei ein Verbrechen begangen, so möge man ihn vor seinen ordentlichen Richter stellen.
Die Antwort hierauf ließ nicht lange warten. An demselben Tage, an welchem ihn das unerschütterliche Vertrauen seiner Mitbürger als Wahlmann zur Ernennung der Kreisbezirksräthe nach Weilburg rief, wurde er vor das dortige Decanat geladen, um disziplinarisch über mehrere Fragen vernommen zu werden, welche die Anschuldigungen der angeblichen „Verbrechen" wahrscheinlich enthalten sollten. Denn es wurde ihm später durch den bischöflichen Commissarius ausdrücklich eröffnet, daß diese Diöziplinaruntersuchung ganz allein durch jene Aeußerung (daß man ihm die einzelnen Verbrechen vorhalten möge, deren er beschuldigt werde, statt sich in inhaltlosen Allgemeinheiten herumzutreiben) veranlaßt und provozirt worden sei.
Um einen Begriff davon zu machen, welcher Art die Snell vorgelegten Fragen waren, wollen wir einige derselben beispielsweise mittheilen. Sie lauten:
1) Haben Sie bei einer Volksversammlung sich geäußert, der wahre Pfingstgeist sei der Geist der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit?
2) Haben Sie sich geäußert, die meisten Geistlichen seien Heuchler?
3) Hat ein Dritter in Ihrem Beisein geäußert, Struve sei mit Christus zu vergleichen?
4) Haben Sie Volksversammlungen auf der Elendsmühle gehalten und haben Sie Petitionen um unentgeltliche Aufhebung des Zehntens veranlaßt? u. s. w.
Das war die Untersuchung. Snell hatte verlangt, man solle ihm nachweisen, wo er gegen das Gesetz verstoßen habe, wo er ein Verbrechen begangen habe. Statt dessen hält man ihm einige außerdienstliche Aeußerungen und das Anhören Der Aeußerung eines Dritten (oh Meinnngsfreiheit!), das Beiwohnen bei Volksversammlungen (oh, freies Vereinigungsrecht!), das Betheiligen an Eingaben an den Landtag (oh Petitionsrecht!) und dergleichen Sachen vor. Snell hatte verlangt, man möge ihn in gerichtliche Untersuchung ziehen. Statt dessen richtet man gegen ihn eine Disziplinarverfolgung. Snell hatte verlangt, vor seinen ordentlichen Richter gestellt zu werden. Statt dessen stellt man ihn entweder vor ein geistliches Sy- nedrium oder vor eine weltliche Verwaltungsbehörde — die Herzogliche Landesregierung. Er wurde von dem bischöflichen Commissarius zu Wiesbaden vernommen, unter vier Augen zu Protokoll vernommen, ohne daß man durch Zuziehung von Beisitzern oder eines verpflichteten Aktuarius für die Glaubwürdigkeit dieser Vernehmung sorgte.
Zwischenzeitig war Snell auch, wie die übrigen Theilnehmer an dem Idsteiner Landeskongrege, wegen
fortpacken, ich und der Vater wollen nichts, mehr wissen von Dir!"
„„Mutter!"" sagte jetzt mit thräncucrsiicktcr Stimme, aber entschlossen das Haupt erhebend, daS gequälte Mädchen, „„ich gehe lieber in Dienst, als daß ich den Kirchel nehme, oder ich springe gar in's Wasser!""
„Spring'! Spring'!" rief zornig die Mutter, und sprang vom Stuhle auf, „Du Trotzkopf, Du gottloses Kind! meinst Dn, ich werde mir was daraus machen, wenn Du's thust? Besser, Du springst in's Wasser, als daß Du ärgerst Deine Mutter todt! Wohin willst Du denn in Dienst gehen? Du dummes Ding möch'st Dich wundern, wenn Du dienen müßtest! Du weißt gar nicht, was das ist, zu Hause oder bei fremden Leuten sein? Willst Du vielleicht Deinem Kerl Nachläufen, daß Du in einem Jahr zerisseu und zerlumpt, mit einem Kind auf dem Buckel, wie eine Zigeunerin zurückkommst? Nein! wenn Du einmal bei der Thüre draußen bist, so untersteh' Dich nicht, und komm' wieder sonst nehme ich den Besen auf Dich!"
„„Na! Na! was gibt's denn?"" fiel ihr jetzt der eintretende Direktor in die sprudelnde Rede, „„was ist denn das für ein Lärm?""
„I, die Mila ärgert mich, daß ich krank werden möchte," antwortete die Direktorin, über die ein heftiger Husten in Folge ihrer zornigen und kreischenden Rede kam, „sie will den Kirchel nicht nehmen, weil sie in den Lumpen, den Pischta, verliebt ist! Meiner Seele,
eines angeblich daselbst verübten Hochverrathes, in Untersuchung gezogen worden. Als Snell noch nicht einmal vernommen worden war, stellte der Staatsprokurator Reichmann bei ^der H. Landesregierung einen Antrag auf Suspension S n el l' s. Ohne weitere Untersuchung, ohne Snell nur mit seiner Vertheidigung zu hören, beschloß die H. Landesregierung am 10. August, ihn „bis zum Ausgang jener Untersuchung von seinen geistlichen Funktionen zu suspendiren." Die Verfügung gründet sich blos auf einen Antrag des Staatöprokurators, das Untersuchungsgericht ist nicht gehört worden, und der Ank.agesenat hat bis jetzt noch nicht in der Sache gesprochen.
Snell erfuhr seine Suspension merkwürdiger Weise zuerst aus dem Munde — der „Nass. Allg. Ztg.", dem Organ des Ministeriums. Dieselbe war am 10. August beschlossen worden, ging erst am 13. dem Decanat zu und erst wenige Tage später erhielt Snell durch letzteres die Nachricht davon. Dagegen verkündigte die „Allgemeine" schon am 11. August in einer belreuzten und besternten Privatkorrespondenz jene Maßregel, die damals noch Niemand bekannt sein konnte, als denjenigen, von welchen sie ausging, und hängte daran hämische Verdächtigungen gegen Snells Charakter und geistige Befähigung.
Snell hatte am 14. Juli Langenbach verlassen, um den Sitzungen des wiebercröffneten Landtages bei- zuwohnen. Er hatte dem Decanat hiervon Anzeige gemacht und es gebeten, in die Zwischenzeit für Versehung der Pfarrfunktionen zu sorgen. Allein, während man bei seiner früheren Abwesenheit auf dem Landtage seine Stelle durch einen Vicarius versehen ließ, that man dies jetzt nicht. Der Gottesdienst mußte durch den Lehrer abgehalten werden. Endlich, nachdem die Suspension <L> Ncll' ö cinyrtvcUn WNV, schickte man einen Kaplan der Umgegend, am 19. Angust nach Langenbach, um dort den Gottesdienst zu halten. Er fand in der Kirche, wie ein Langenbacher mit traurigem Munde erzählte, nur „drei Leute aus Winden und einen Schneider aus Langenbach" und zog wieder ab, ohne dieses vierblätterige Kleeblatt mck einer Predigt zu erquicken. Eben so mußte der am darauf folgenden Sontag nach Langenbach beorderte Geistliche, obgleich er sich bei der Gemeinde darauf berief, daß er ja ein Freund ihres Pfarrers sei, unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Die Kirchengemeinde von Langenbach wandte sich an den Decan und verlangte Wiedereinsetzung ihres Pfarrers. Für den Fall^daß diese nicht sogleich erfolge, würden sie keinen Stellvertreter annehmen, sondern sich mit dem Gottesdienste ihres Lehrers begnügen. Es erfolgte eine süße, begütigende Antwort, der Kaplan komme nicht, weil Snell suspendirt sei, sondern aus Fürsorge der Kirche für ihre Gemeinde, die letztere möge sich daher beruhigen, sie könne sonst Snell mehr schaden als nützen u. s. w. Den Langenbachern schmeckten die geistlichen Süßigkeiten nicht, sie wieder-
Vater! wenn sie sich in unsern großen Hofknecht vtr= i liebt hätte, ich möchte mich weniger ärgern, denn der ' steht wenigstens nicht in der Zeitung!"
„„Na so komm' nur schlafen, Mutter!" begütigte der Direktor, „„das kann morgen ausgemacht werben,"" und mit Diesen Worten nahm er seine knurrende Ehehälfte, die noch große Lust bezeigte, ihre Strafpredigt fortzusetzen, beim Arm, und führte sie zur Thüre hinaus.
Eine lange Weile hindurch herrschte tiefe Stille in der Stube die nur durch bas ruckweise Schluchzen Milada's unterbrochen wurde. Der Mond der mittlerweile glänzend und voll über dem Dache des gcgenüberstehenben Mcierhofes aufgegangen war, strahlte jetzt in das Zimmer, über die weißen Bettdecken, und die Gesichter der beiden Mädchen. Milada hatte den Mund auf die Briefe Ja- kvb's gepreßt, und sprang jetzt, wie von einem plötzlichen Entschlusse begeistert, aus dem Bette, eilte auf ihre Schwester zu, die betroffen auffuhr, und warf sich ungestüm an ihren Hals. Der Mond schien besonderen Gefallen an der schönen Gruppe zu haben, denn er beglänzte sie mit seinem hellsten wcißcsien Licht.
„Lidi," rief Milada schluchzend, daß der Jakob fort ist, daS hat er wegen mir gethan! Er ist wegen mir nicht Geistlicher geworden, und ich habe ihm es^ versprochen, daß ich auf ihn warten will! Die Mutter kann mich todtschlagen, den Kirchel nehme ich doch nicht! Der Jakob ist kein Lump, aber der Kirchel ist einer und