„âeiheit nnh H«§t!“
.N 213 Wiesbaden. Freitag, 7. September 1849.
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Der projektirte Klosterbruder auf dem St. Blasiusberge bei Salz.
fO Vom Westerwalde. Die Merkwürdigkeiten unserer Gegend sollen auf Anordnung und Betrieb eines hohen Herrn zu Limburg nächstens nm eine interessante, ursprünglich ägyptische, vermehr^ werden. Die waldige Spitze des St. Blasiusberges bei Salz, bekanntlich mit einer Kapelle geschmückt, deren Fundamente römischen Ursprungs sein sollen, wird nämlich, sicherm Vernehmen nach, einem Eremiten zur Wohnung angewiesen, und dadurch, wenns glückt, die schwärmerische Verehrung wiederhergestellt werden, welche die St. Blasiuskirche, angeblich die älteste unseres Landes, im Mittelalter und so lange genoß, als sie die Pfarrkirche des ganzen ausgedehnten Kirchspiels war. Dermalen wird nämlich nur zu gewissen Zeiten und bei besonderen Gelegenheiten in dieser Kirche Gottesdienst gehalten, wie denn im vorigen Jahre eine feierliche Prozession mit ihrem Seelsorger, den steilen Berg Hman zu Pferde an der Spitze, dort den Schutz der Heiligen gegen das in ihrem Orte grassirende Nervenfieber - jedoch ohne merklichen Erfolg — erflehte, und fast täglich Büßende von Nah und Fern die Zmne des Berges erklimmen, um da mit dem Himmel Abrech- ^"^Es^thut aber auch wahrhaft Noth, daß der Armuth und der empörenden Ruchlosigkeit, welch' letztere sich in der neuesten Zeit durch fortgesetzten Einbruch in Häusern und durch wiederholte Beraubung der Kirche»/ in unserer Gegend an den Tag legt, auf jede Art gesteuert wird! Warum ist man denn auch nicht früher auf diesen glücklichen Gedanken gekommen, einen frommen Klosterbruder als Zionswächter auf des St. Bläsbergs luftige Spitze zu setzen?! Dw Glocken wären dann wohl nicht, wie es ohnlangst geschehen ist, vom Thurme gestohlen worden; die Kirche wurde ihr altes Ansehen wieder erlangt haben und die christliche Welt um einen vielbesuchten Wallfahrtsort reicher geworden sein; es würde unserer armen, aber wallfahrtslustigen Gegend mancher sauer errungene Thaler, der nach Walldürn oder Bornhofen wanderte, erspart, uud dagegen mancher zu uns gewandert sein, denn cantores amant humores, d. h. die frommen Sänger lieben Scherz und Kurzweil;tzund, was das Wichtigste ist, manche keusche Frau und Jungfrau hätte den Schmuck ihrer Unschuld behalte».
An mineralischen Heilquellen fehlt es in unserer Gegend. Diesem Mangel kann und wird durch das privilegirte geistliche Institut auf dem St. Blasiusberge abgeholfen werden; und wenn nur der rechte Seelenarzt dafür gefunden wird, so wird dieser nicht nur selbst in seiner waldigen Einsamkeit mindestens ebenso gnte Geschäfte für sich und gewisse fromme Fonds machen, wie mancher Badearzt, sondern es werden auch an seinem Teiche Bethesda Krankheiten, na
Die beiden Studenten.
(Aus den „Böhmischen Dörfern" von Ilffo Horn.)
(Fortsetzung.)
Er hatte die Pause in den Feldarbeiten benützend, sich ausgemacht, um die Familie des Direktors zu bc- suchon, — um sich, wie er sagte, wieder in ein gutes Andenken zu bringen. Ein lauernder Sites, der bei Diesen Worten auf Milada s Antlitz hinüberstreifle, zeigte ihm jedoch, fdaß seine Aktien eben nicht gestiegen seien, und daß, ihr wenigstens, seine Ankunft keineswegs erwünscht komme. Der Direktor rief nach dem Abendessen , Milada eilte mit hastiger Bereitwilligkeit hinaus, um es herbeizuschaffen, und Johann überraschte indeß den alten Herrn mit der Nachricht von dem glücklichen Treffer, den er gethan.
„Das ist zur 'Ausstattung für Euch Mädels!" sagte der Direktor, vergnügt den Zettel zusammenfaltend, Die zuerst heirathet, bekommt das Gelb!"
„„Das käme ja nur auf die Frâulens an,"" — warf Kirchel mit seinem breitmäuligen Lächeln hin, , wenn sie nur wollten, an den Bräutigamen möchte es grade nicht fehlen!""
Milada setzte die Schüssel eben auf den Tisch, und ein Wink der Mutter wies ihr den Platz neben dem
mentlich moralische, curirt, für welche die profanen Quellen zu Wiesbaden oder Ems re. keine Heilkräfte aufzuweisen haben. Der Ausführung des frommen und lukrativen Projekts können bei der voranszusehende» Frequenz keine pekuniären Schwierigkeiten entgegen- treten; der Gedanke ist zu reizend und poetisch, als daß man bei der Entschiedenheit und Beharrlichkeit unseres hohen Clerus, bei den Mitteln, über die er zu dispo- niren hat, und bei der Gunst der Zeitverhältnisse, an der Ausführung zweifeln dürfte. Das neue Etablissi- ment, das schon durch seine reizende, weithin das Land beherrschende Aussicht, wie durch seine reine, vor Cholera re. schützende Lnft die Gaste eiiiladet, wird sich zuverlässig rentiren. Für billige und prompte Bedienung der kranken und nichtkranken Pilger werden die Bewohner von Salz bestens sorgen, damit allen Bedürfnissen des Leibes und der Seele gleichmäßig Genüge geschehe. Zwar fehlt es bis jetzt noch allda an zwei wichtigen Dingen, nämlich an wunderthätigen Reliquien und an — Wasser. Allein für jene wird der ehrwürdige Pater, für dieses, wie überhaupt für Mittel des leiblichen Durstes, werden die Wirthe der Umgegend besorgt sein. Und so empfehlen wir dann das Gedeihen dieser Anstalt der Fürbitte des heiligen Blasius and aller Piusvereine!
Der Aufstand in Bosnien uud die Südflaven.
Den neuesten Nachrichten von der bosnischen Grenze zu Folge lagern die Insurgenten noch immer vor Bihacö und haben dem Abgesandten des Vezir, welcher mit gewaltiger Streitmacht von Travnik aufgebrochen ist, ihr Ultimatum übergeben, worin sie erklären: „daß sie dieTrcue-gegen den Großherrn jederzeit bewahren werden, es ihnen jedoch unmöglich sei, den Zehent, wenn er auch vom Staate angeordnet sein sollte, zu entrichten
Würde man sie zur Entrichtung dieser drückenden Abgabe mit Waffengewalt zwingen, so wären sie bereit und fest entschlossen, das Aenßerste zu wagen und sogar ihren heimathlichen Herd zu verlassen und auszuwandern."
Die Nachrichten, welche wir über den Aufstand bis jetzt erhalten haben, sind zu dürftig, als daß man über die Tragweite dieser Bewegung urtheilen könnte; betrachtet man jedoch die Elemente, welche hierin verwickelt sind, den raschen Anwuchs der Aufständischen, die Ohnmacht der türkischen Behörden ihnen gegenüber, die in dem Ultimatum ausgesprochene Drohung — und bringt alles dieses mit der Aufregung der süvsla- vischen Völkerstämme überhaupt in Verbindung, so I dürfte wohl die Behauptung gerechtfertigt erscheinen, ! daß dort der Anfang einer geschichtlichen Krisis ange- * brochen sei. Wir halten es daher an der Zeit, einen ! Blick auf jene südslavische Völkergruppe zu werfen und
Herrn Wirthschaftsbcrciter an, der ihre unwillige Miene wohl bemerkend, tückisch an seine Brusttasche fühlte, als ob er dort etwas trüge, von dessen Vorhandensein er sich überzeugen wolle.
Die Männer hatten alle vortrefflichen Appetit, die erste Viertelstunde ging daher ohne wesentliche Unterbrechung durch ernsthafte Gespräche vorüber. Als aber der uns bereits wohlbekannte Korbel mit frischem Bier zum Vorschein kam, und jeder seine Pfeife aus der Tasche zog, um sie in Stand zu setzen, begann der Wirthschaftsbereiler sich zu Johann wendend:
„Nun Herr Swoboda, haben Sie lange nichts von dem davongelaufenen Studenten, dem Pischta gehört?"
„„Nein!"" antwortete kurz und unwirsch Johann, „„ich weiß nur so viel, daß er gescheibter gethan hat, fortzugehen, wie sich als gemeiner Soldat abführen zu lassen! Es ist wirklich niederträchtig vom Amte, daß es einen Studenten angezeigt hat!""
„Ja, wenn es an Leuten fehlt," antwortete Kirchel mit hämischem Achselzucken, „und dann braucht er ja nur durchaus Eminenz zu haben, um vom Militär frei zu sein. Warum hat er sie nicht gehabt!"
„„Haben Sie lauter solche Klassen gebabt, wie Sie lindirt haben, Herr Kirchel?"" fragte nun, auch malitiös werdend, Johann. —
„Nein — wissen Sie, damals war das auch anders — aber fei cs, wie eS will, er hat nicht davonlanfen,
folgen dabei einem jüngst in den Grenzbote» enthalt tenen Artikel. Derselbe sagt:
Das türkische Bosnien, im Süden der weißen Save, liegt abgeschlossen und in sich geballt wie im Schlummer. Am Noroufer der Save sperrt eine Kette von zahllosen WachthHusern die österreichische Grenze Slavoniens und Croatiens, im Osten wird Serbien getrennt durch den Pestcordon der fürstlichen Regie- rung, den Westen schließen die Felsenberge der dalmatischen Küste und des freien Montenegro. Nur der Süden nach der Türkei hin ist offen, deren Sultan die Bosnier seit 1401 zinsbar waren, bis sie 1528 dem osmanische» Reiche als Provinz einverleibt wurden. Seit dem ist das volksthümliche Leben theilweise geknickt und zerstört worden. Die Kinder der Fürsten und der Adel gingen zum Mohamedauismus über, aber sie gaben ihre Sprache nicht auf. Sie schlossen sich ihres Vortheils wegen den herrschenden Türken eul, während das Volk dein alten Glauben treu blieb. So hat denn Bosnien eine dreifache Schicht in seiner Bevölkerung. Die Gebieter des Landes, die Türken, meist Nachkommen der ins Land geschickten Spahi und Begs, sind nicht zahlreich. Sie hassen den mohame- danischen Bosnier, der seinerseits innern Groll gegen den Türken hat, unb wiederum von seinem christlichen Landsmann und Sprachgenossen gefürchtet wird, denn jener hat das Recht, Waffen zu tragen und gebcrdet sich als Herrscher. Doch bilden die Rajahs, die bosnischen Christen die Mehrzahl der Bevölkerung.
Durch die türkische Herrschaft sind alle Formen des einheimischen Lebens verschoben und zerbrochen worden, überall, und in der Regierung, in der Famili, im Ge- schäftsleben ist Zwiespalt. Das mohamedanische Wesen hat den nachtheiligsten Einfluß geübt, es hat namentlich die Thatkraft, de» Fleiß, die Lust an der Arbeit gelähmt, und der Christ schmachtet auch heute noch unter dem unwürdigsten Drucke. Der Pascha kann »ach Beliebe» das Vermögen der Christen einziehen; er verübt ungestraft di- schnödesten Erpressungen; der Rajah muß dürftig einhergehen; der Spahi, der Aga, der Pascha, ja fast jeder wandernde Türke lebt von der Arbeit der Christen. Diese sind Hörige ihrer einheimischen Aristokratie und außerdem Diener- aller Türken geworden. Sie sind die unglücklichste» unter ihren slavischen Stammgenossen.
Die politschen Kämpfe dieses Volkes entstehen durch seine Eintheilung in drei Parteien. Man muß die Stellung derselben sich klar machen, wenn man den gegenwärtigen Aufstand verstehen will. — Die moha- medänischen Bosnier, obgleich der Zahl nach die kleinere Hälfte der Bevölkerung, sind die Kaste, durch welche alle Bewegungen dieses Landes hervorgerufen unb entschieden werden. Sie sind die Freien, die waffeMragenden Kinder des Landes, sie besitzen die Schlösser, die Wälder und mehr als die Hälfte des Grundes. Wenn sie als Mohamedaner mit den Os- manli gemeinsame Sache gegen die Rajah machen,
und sich und seine Familie in die Schande bringen sollen! Haben Sie cs nicht gelesen?"
„„Was denn?""
„In der vorgestrigen Zeitung? Der Pischta ist vom Amte als Nckrutirungsflüchtling erklärt" —
„„In der Zeitung?"" stöhnte die Direktorin mit einem durchbohrenden Blicke auf Milada, „„in der Zeitung steht er? Mila gib die Zeitung her! Nein was der Mensch einem für Schande macht —""
Der Direktor langte nach der Zeitung, die auf seinem Schreibtische lag, und Herr Kirchel, nachdem er Nummer und Datum des Blattes aiigcfihcn, suchte in den Amts- nachrichten unter den Exekutionen und Steckbriefen und las mit lauter triumphirenter Stimme l
„Vom Amte des hochfreiherrlich Woslowski-Ehren- burg'schen Gutes Wltow in Böhmen, wird der militärpflichtige Jakob Pischta aus Mlikosrb Nr. 21, Student, geboren im Jahre 1809, nachdem er sich auf die hier- ämtliche, in den öffentlichen Zeit» ngsb'ätt cru^) eingeschaltete Vorrnfung, vom 27. März 1829 nicht gestcllig gemacht, noch seine Abwesenheit gerechtfertigt hat. in Gemäßheit des hohen Hofkanzleidirektvrs vom 2. März 1827, Zahl 5590, Hiemit für rekrutirungs- flüchtig erklärt" —
*) Diese Probe amtlichen Styls ist wörtlich aus der Pra^e r Zeitung natürlich mutatis mutandis, was Namen und Ort b e- trifft, entlehnt, und lange noch nicht die albernste.