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ber sind seitdem hier ganz einheimisch geworden; diese Graben sind gegenwärtig mit Wasser ganz gefüllt, wel­ches zwar durch Schleußen im Fluß zu halten gesucht wird, aber doch viele schädliche Ausdünstungen erzeugt. So kann man mit dem ersten Witterungswechsel einer solchen Vermehrung der Kranken entgegensehen, daß dieselben nicht mehr in den dazn tauglichen Gebäuden werden untergebracht werden können.

Rastatt, den 1. September. Was sich seit Jah­resfrist zwar langsam, aber dennoch Bahn gebrochene hatte, die Ansicht der Nothwendigkeit des Anschlusses an Preußen, ist in kurzer Zeit einen großen Schritt rückwärts gegangen. Es ist nicht zu läugnen, daß die als Sieger, und nach langen Beschwerden hier einge­rückten preußischen Truppen zum Theil sich selbst die Sympathien der Bewohner verscherzt haben, indem Einzelne ihre Anforderungen noch über die allgemeinen großen Forderungen hinaus zu einer übermäßigen Höhe spannten, wie denn hier Fälle bekannt geworden sind, wo von einzelnen Gästen bei gutgesinnten Bürgern Mittags Champagner, des Abends frische Kerzen, zur Mahlzeit ausgesuchte Speisen u. s. w. begehrt wurden; es ist ferner be­kannt, daß die Behandlung der Bürger oft der Art war, daß sie sich nach den Freischärlerzeiten (Hört! Hört!) zurücksehnten; indeß kann dies alles als Grund der Abneigung gegen Preußen, wie sie jetzt gestiegen ist, angesehen werden. So schreibt ihr gu ten Bürger die reaktionäre , schwarz-weiße Teutsche Z

Rastatt, 2. Sept. Vorgestern wurde wieder eine größere Anzahl minder gravirter Soldaten aus den Casematten entlassen; die Nacht darauf machten Frei­schärler aus ihrem Haftlokale einen kühnen Befreiungs­versuch mittelst Durchbrechung der Mauer. Die Schild­wache gab Feuer in das Fenster des Gefängnisses und verwundete mehrere schwer. Einige wären, einem un­verbürgten Gerüchte nach, ihren Wunden erlegen.

Durlach, 2. Sept. Soeben geht den hier und in der Nähe liegenden herzoglich nassauischen Truppen die Weisung zu, daß sie am 7. und 8. den Rückmarsch in die Heimath anzutreten haben. (Darmst. Z.)

Mannheim, 3. Sept. Wir erfahren soeben aus dem Negierungsblatte Nr. 54., vom 1. September, daß der Kriegszustand für das Großherzogthum Baden auf weitere vier Wochen verlängert ist.

Berlin, 1. Septbr. (K. Z.) Die Friedensunter- Handlungen mit Dänemark sind wieder aufgenommen, für's Erste auf die Basis der Präliminarien hin. Die­selben sind aber, in wenig präziser Form gefaßt und daher entwicklungsfähig.

München, 29. August. Die Steuerkatasterkom- mission hat allen ihren Untergebenen bedeutet, daß das Tragen weißer deutscher Hüte, die ihr für ein deutsch-demokratisches Abzeichen gelten, bei Strafe der Dienstentlassung nnnachsichtlich verboten sei. Den Be­amten der Kreisregierung, Accessisten Schreibern rc. ist bedeutet worden, daß das Tragen solcher Hüte sehr ungern gesehen werde. (Fr. I.)

Ungarn.

(Briefe eines H o n V e d s über die letzten Kriegsereignisse in Ungarn.) Nachstehende Briefe sind der N.-Z.aus derFeder eines magyarischen Freiwilligen zugekommen, welcher in der Umgebung Dembinski's bis zum Falle von Arad den Feldzng mit­machte. Nach der Capitülation Görgey's ist es ihm gelungen, mit großer Lebensgefahr von Arad zu ent­kommen.

Arad, 20. August. Ich schreibe Dir in dem tran- rigsten Augenblicke, welchen unser Vaterland erleben kann. Es ist unglaublich, was seit drei Wochen ge­schah. Wir stehen auf den Trümmern Ungarns; und dies Alles hat Görgey heraufbeschworen. Schon da­mals , als wir zum zweiten Male unsere Hauptstadt verließen, nahm Görgey keine Befehle von der Regie­rung an, wodurch derselben die größten Verlegenheiten bereitet wurden. Perczel glaubte zwar mit seinen 30,000 Mann ganz allein das Vaterland retten zu könne»; zog sich aber immer zurück über Szcled bis an die Theiß. Von Görgey hörten wir dann lange nichts, und man gab ihn sogar verloren, als man sah, daß die Russen ihn von allen Seiten einschlossen. Plötzlich schlägt sich Görgey durch; schlägt heldenmü- thig mehrmal die Russen und wie ein Blitz verbreitet sich die Kunde durch das ganze Land. Der Reichstag glaubte nichts Besseres thun zu können, als den ge­feierten Helden zum Generalissimus von ganz Ungarn zu ernennen. Die Regierung (Kossuth und das Mini­sterium) mußte schweigen. Görgcy jedoch nahm noch immer keine Befehle von der Regierung an. Er hätte sich auch jetzt noch schnell mit Dembinski verbinden können, welcher das Commando über Perczels Corps übernommen hatte; unbegreiflicher Weise geschah es nicht. Während dessen wurde die größte Schlacht, welche in diesem Kriege in Ungarn stattfand, geschla­gen. Sie dauerte vier Tage. Die Kaiserlichen wur­den Haufenweise in die Theiß gedrängt. Am vierten Abend 8 Uhr schien die Schlacht für die Ungarn gün­stig beendigt zu sein. Um halb 9 Uhr aber, als es schon zu dämmern begann, wurde der rechte Flügel, welcher unglücklicher Weise bloß aus Rekruten bestand, um- gangen, geschlagen u. die ganze Armee war gezwungen, sich zurückzuziehM. Die Folge davon war, daß wir Szegedin anfgeben und uns jenseits der Theiß aufstellen muß­

ten. Von Görgey kam ein Bericht, daß er sich nun vereinen wolle. Dembinski, Guyon und die ganze Armee erwarteten dieses Ereigniß mit freudiger Sehn­sucht, und bei jedem Kanonenschuß, welchen sie in der Ferne hörten, scholl es durch alte Reihen: He! der Görgey ist da! (No cz Gorgey!) Leider kam er nicht, denn er konnte nicht mehr kommen, und sein früherer Ungehorsam rächte sich an ihm und unserem theuern Vaterlande. Wir wurden vereinzelt geschla­gen, unser Centrum wich und der Feind kam über die Theiß. Temesvar war von uns cernirt; die Feinde trachteten die Festung zu entsetzen, was ihnen auch ge­lang. Bein kam aus Siebenbürgen und entwarf, wie alte Offiziere erklärten, einen vorzüglichen Schlachtplan. Es wurden unter Temesvar 100 Kanonen derartig maskirt, daß der Feind sich daran den Kopf hätte zer­schellen müssen. Dieser Plan wurde verrathen und unsere Armee völlig geschlagen. Dies war für Un­garn die entscheidende Schlacht. So lange Bem siegte, konnten wir die besten Hoffnungen für unsere Zukunft haben; er wurde geschlagen und Ungarn ging in Trüm­mer. In diesem Angenblicke kam Görgcy mit seiner demoralisirten Armee an Großwardein vorüber, nach­dem er ununterbrochen Tag und Nacht marschirt war, in Arad an. Von 45,000 Mann hatte er durch die­sen Marsch 18,000 Mann (!) verloren. Merkwürdiger Weise that er anfangs in Arad gar nichts. Er desi- lirte hin und her; er nutzte nichts, er konnte nur scha­den. Er zwang Kossuth abzu treten und ihn zuin Diktator vorzuschlagen. Kossuth that es, und mit dem Rücktritte Kossuth's hörte Ungarn auf frei zu sein. In derselben Nacht um 2 Uhr brach Görgcy mit seiner ganzen Armee nach Vilagos auf und streckte dort die Waffen. Drei Tage vor dieser Katastrophe sagte mir ein Oberst Görgey's, daß Alles dieses so geschehen werde. Die letzten Worte Kossuth's als er von hier abreiste, waren:Ich gehe dorthin, wohin mich meine Augen führen (Megyekhova szemen visz)." Das Elend in unserer Gegend ist fürchter­lich. Tausende flüchten der sich zurückziehenden unga­rischen Armee nach; der Haß gegen Oesterreich ist unbeschreiblich. Können wir nicht Magyaren sein, so wollen wir russisch werden. (Ha nein lehetünk Magyarok-had legyünk Oroszok.)

Wien, 30. August. Die Nussisch-Görgey'schen An­gelegenheiten sind noch immer nicht ins Reine gebracht. Des englischen Einflusses gewiß, scheinen die Magya­ren Falle auf Falle zu stellen, und in der Diplomatie eben so gewandt, wie auf dem Schlachfelde zu operi- ren. Es scheint, daß die ungarische Armee nur pro forma vor den Russen die Waffen gestreckt habe, denn die Waffen seyen ihr bereits zurückgegeben und Gör­gey werde nicht ausgeliefert. Niemand versteht wie und wann das enden soll. Niemand begreift, daß in­nerhalb des Zeitraums von 17 Tagen dieser Fall nicht beendet und das Hauptquartier zu Großwardein nicht eine retrograde Bewegung macht. (Würzb. Z.)

Pesth, 28. August. Der größte Theil der in Un­garn stehenden rufsichen Armee ist bereits zum Rück­märsche auf den kürzesten Linien nach der galizischen und sofort russischen Gränze beordert. Felbmarschall Fürst Paskewitsch begibt sich vorerst nach Krakau, auch Graf Franz Zichy reist über Wien dahin ab. Das Armeecorps des Generals der Kavallerie Grafen Rü­diger bleibt einstweilen noch im Lande, sein Haupt­quartier wird nach Miskolz verlegt, Großwardein bleibt vorläufig noch von demselben besetzt, und das Corps wird zweckentsprechend dislocirt. Die Bestim­mung des Corps des General-Lieutenants Lüders in Siebenbürgen ist noch unbekannt.

Ueber die Verhandlungen mit Komor» berichtet der Soldatenfreund" Folgendes: Am 18. Juli, als die Nachricht von Görgeys Unterwerfung im Lager vor Komorn ankam, wurde der Obristlieutnant Büttner als Parlamentär in die Festung gesandt, mit der schriftli­chen Aufforderung, die Besatzung möge sich, dem Bei­spiele Görgey's folgend, ergeben oder andernfalls ihre Kapitulationsvorschläge ein senden, welche man der Gnade des Kaisers anzuempfehlen versprach. Die Er­widerung lautete: Vom Kommando der Festung Ko­morn an den österreichischen General und Brigadier von Liebler. Festung Komorn, den 19. August 1849. Auf die dienstliche Anzeige des Herrn General erwie­dert man, daß von dem Stande der Dinge an der untern Donau und im Banate bisher noch keine offizielle Mittheilung eingelangt sei. Ohne den Vor­wurf des Verraths am Vaterlande auf uns zu laden, werden der Herr General einsehen, daß man sich bis dahin in keinerlei Unterhandlungen einlassen könne. Vom Kriegsrath der Festung Gomorn und in dessen Auftrag: Klapka. "Hierauf geschah von österreichischer Seite die Vorrückung und am folgende» Tage dieAb- schließung ei»es Waffenstillstandes für 14 Tage burch einen österreichischen und einen russischen Staabsoffizier.

Wien, 1. Sept. Nach Briefen aus Semirn vom 28. d. hatte man dort Privatnachrichten aus Calafat erhalten, »die Details über die Flucht Kossuth's und seiner Genossen bringen, deren Ziel Constantinopel gewesen zu seyn scheint. Von Orsowa ging Kossuth nach Calafat, wohin sich sämmtliche Flüchtlinge von allen Seiten als bem muthmaßlich verabredeten Sam- melpunkte, einfanden. Nach der aus Calafat ein- gesandtc» Liste befinden sich unter den Flüchtigen von der polnischen Einigration Bein, Dembinsky und

16 polnische Häuptlinge. Von deu magyarischen Eim- granten sind bezeichnet Kossuth, Meszaros, die beiden Perczel,.Czernin, Mary, Caroly, Madaras, Guyon und noch 12 Deputirte. Für die mâgyarischen Emi­granten stand ein Dampfschiff in Gallacz zur Verfü­gung, um sie nach Constantinopel zu bringen,. Un­terdessen hatte der türkisch kaiserl. Commandirende Omer Pascha in Bukarest die Ankunft Kossüths und seiner Genossen erfahren, und sogleich Maßregeln ein­geleitet, um sämmtliche Flüchlinge nach Widdin ab- führen zu lassen, wo sie gegenwärtig sich befinden und bewacht werden. Da gleichzeitig gemeldet wurde, daß sie viel Gepäck bei sich haben, so begab sich ein tür­kischer Commissär mit österr. Consulats-Beamten nach Widdin, um dasselbe zu untersuchen, Der Zweck die­ser Untersuchung scheint eine Nachforschung nach den Ungarischen Reichs-Kleinodien gewesen zu seyn. Alle diese Nachrichten entbehren jedoch bis jetzt der offiziel- Bestätigung. (W. Z.)

NepubLLk Frankreich.

Paris, 28. Ang. (Ein französisches Coits eil) Am 25. September d. I. werden sich die ho­hen Würdeträger der Kirche Frankreichs in Paris ver­sammeln; der Erzbischof von Paris hat die Aufforde­rung erlassen und es haben bereits eine bedeutende Anzahl ihr Erscheinen zugejagt. Das ist die wichtige Nachricht, welche nächst den fortgesetzten Angriffen des Univers gegen den Abbe Degnerry heut das Interesse vollständig in Anspruch nimmt.

Die Vorlagen für das neue Concil sind bereits vorbereitet und werden die Organisatiou der theologi­schen Fakultäten, die Bildung von Seminarien für die höheren geistlichen Studien, die geistlichen Disciplinar­gerichte, die Wiederherstellung der römischen Liturgie unb vor allem die weitere Maßregeln in Betreff des Schulunterrichtes, umfassen. Sämmtliche Fragen sol­len vorerst hier berathen und sodann einem großen Concil von sämmtlichen Bischöfen Frankreichs vorge­legt werden.

Was die Angriffe des Univers anbelangt, so scheint es ganz, als sollten dle Zeiten der heiligen Ligue oder der Inquisition wieder auferweckt werden; der Eifer, mit dem das Organ des Herrn v. Montalembert heute die Häretiker en bloc angreift, ist wirklich mehr als ernst, er wird lächerlich. Wichtigkeit hat dieser Streit in sofern, als er die Fortdauer der unnatürlichen Al­lianz zwischen der früheren dynastischen Linken und der katholischen Partei unmöglich macht. (N.O.-Z.)

Paris, 1. September.sW.ZI Die Legitimisten fangen trotz alledem und alledem an, die Maske zu lüften. So hatte auf einem kürzlich gehaltenen Banquet bei einem der wärmsten Anhänger des hinkenden Grafen von Chambord in Faubourg St. Germain die legiti- mistische Teufelei die Naivetät, sich mit der weißen Kokarde geschmückt zu zeigen. Bedenkt man, daß Weiß" die Farbe der Unschuld ist, so ist das ein al­lerdings sehr unschuldiges Vergnügen, mögte aber Bonapärtchens Poilzeihunden doch im Wiederholungs­fälle bedenklich scheinen, zumal sich die Generalkonseils, welche doch bekannklich zu einem neuen Angriff auf die Konstitution benutzt werden sollten, sich in der Majorität für das StabilitätösysteM ausgesprochen ha­ben. Damit ist der Präsidentenantiquar, der Erbe des berühmten Stiefels, des berühmten Rocks und deS berühmten dreieckigen Hutes, der ehemalige Konstabler Louis Bonaparte vorläufig wohl zufrieden, und der alte tolle Anachronismus fängt wieder an, in seinem Hirne zu spucken. Der Erwählte der 5 Millionen kann noch immer nicht begreifen, warum er nicht Kai­ser werden soll. Nachdem seine Agenten wie eine Le­gion ewiger Juden durch die Provinzen gelaufen, ge­ritten und gefahren, und mit dem eigenen Schwe^ßö den des Staates vergeudeten, alles nur in der Absicht, das große Avancement vom Konstabler zum Kaiser vorzubereiten, fommt Bonapärtchen auf die komische Idee, sich für einen Sozialisten auszugeben. Gedacht, gethan! Er besucht das Banquet, welches die Ausstel­ler ber National-Industrie im sogenannte» Wintergar­ten geben, setzt den dreieckigen Hut auf, schlägt die Arme übereinanderund spricht: unter anderm drolligen Zeug:In der That, meine Herren! Nur indem wir die Industrie vervollkommnen, den Handel heben, mö­gen wir den Kampf mit der ganzen Welt aushalten. Und Sie haben mir die Ueberzeugung gegeben, daß wir in diesem Kampfe nicht Unterliegen werden. Aber vergessen sie auch nicht Ihre Arbeiter über die heiligen Doktrinen der politischen Oekonoinie aufzuklären (ist schon durch Raspail, Blanqui rc. besorgt), ihnen ei­nen gerechten Antheil an der Arbeit zuzuwenden, und ihnen dadurch zu beweisen, daß das Interesse des Ar­beiters dem des Reichen nicht entgegengesetzt ist.

Der Constitutione! berichtet, daß in Folge einer aus derDeutschen Zeitung« entnommenen Nachricht, wonach 30,000 Mann Russen sich gegen Voralberg in Bewegung gesetzt hätten, um in Verbindnng mit österreichischen Truppen Position gegen die Schweiz zn nehmen, sich eine lebhafte Bewegung in der Stadt gezeigt habe, der du'rch zahlreiche Patrouillen, welche während der Nacht in allen Theilen der Stadt um­herzogen , begegnet wurde. Das sind die leisen Zu­ckungen der großen Nation, im Andenken an ihre noch größere Schmach. Der verhaßte Name der Kosacken weckt sie aus ihrer Lethargie, und die Soldaten der