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Wiesbaden. Donnerstag, 6 September

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SS. Einiges über die Medizinalverwaltung in Nassau.

'< Während es so ziemlich allgemein eingesehen wird, daß eine Reform in unserm ganzen Medizinalwesen dringend nothwendig ist, hält dieß dieNass. Allg." in mehreren Artikeln für beinahe ganz überflüssig, und während in Limburg und Biebrich Reformversammlun­gen der Aerzte Statt fanden, während Thierärzte und Apotheker in eignen Versammlungen eine Menge Be­schwerden aufführten, und in Bittschriften um schleu­nige Abänderung gebeten; bringt uns dieNass. Allg." eine lange Lobrede auf das jetzige Medizinaledikt, das sie als ein volkstümliches und deshalb beizubehalten- des schildert. Um nun zu zeigen, daß eine Reform unsres Medizinalwesens dringend nöthig ist, seien hier nur einige Thatsachen, deren Urheber das ancien regime, mitgetheilt.

Ein Armuthszeugniß für die nassauischen Aerzte ist vorerst v o in H o f bei jeder Gelegenheit von neuem ausgestellt worden, namentlich nicht selten bei der Wahl der Leibärzte, und besonders dann, wenn dem Lande die Hoffnug war, durch einen neuen Sprößling des fürstlichen Hauses beglückt zu werden. Um die selbst normale Geburt eines fürstlichen Kindes im Vor­zimmer zu übernehmen, war noch nicht einmal ein nassauischer Arzt gut genug, man holte sich von auswärts Rath, wo oft überhaupt keiner nö­thig war. Die Weiber der Bauern und der Pro­letarier zu entbinden, waren nassauische Aerzte gebildet genug; aber ein Prinz mußte von einem auswär­tigen Geburtshelfer zur Welt gefördert werden. Ist vielleicht das Leben einer bürgerlichen Mutter und ihres Kindes weniger werth, als das der Fürstin? Wenn unsere Aerzte gut genug sind, um die Geburten auf dem Lande zu leiten, sollten sie dadurch weniger ge­schickt werden, der Fürstin beizustehen?

Mit welchem Vertrauen müssen die Armen und Bürger auf ihren Arzt blicken, der nicht würdig befunden wird, der Fürstin in dem ganz gleichen Ge­schäfte helfend zur Seite zu stehen? Oder haben unsre Aerzte so wenig Erfahrung in der Geburtshilfe? Weiß man nicht, daß die Landpraris gerade die beste Schule des Geburtshelfers ist? Mancher unserer Aerzte hat mehr Erfahrungen, als mancher hochtrabende Professor. Und was soll man noch dazu sagen, wenn bei solchen Gelegenheiten die von auswärts Gerufenen mit An­maßung den inländischen Aerzten gegenübertreten, und sich am Ende noch sogar in wissenschaftlichen Zeit­schriften Zurechtweisungen über ihre Handlungen hier müssen gefallen lassen?

Dieses vom Hof gegebene Beispiel solch' geistigen Armutszeugnisses, o, es fand bald seine Nachahmung. Während man das Studium der Medicin auf alle Art von Seiten der Negierung erschwerte durch die indirekte Besteurung durch das Doktordiplom und durch

den Lernzwang, während man die schärfsten Eramina anordnete, um der Ueberfüllung durch Aerzte vorzu- beugen, wird auf einmal für einen der frequentesten Badeorte ein fremder Arzt auf den Grund guter Zeug­nisse eines .fremden Professors, zum Mcdizmalaccesfist für diesen Badeort angesteUt, an dem schon Aerzte in übergroßer Zahl practizirten. War dort wirklich noch ein Arzt nöthig, warum nahm man nicht einen nas­sauischen Arzt? Sollte dazu keiner befähigt gewesen sein? Oder sollte es keiner verdient haben diese bessere Stelle zu erhalten? War keiner da, dem man als Be­lohnung für außerordentliche Dienste diese Stelle hätte geben können, damit er ausruhe von der mühseligen Land- und Armenpraris? Oder fehlt es vielleicht gar an solchen, die sich durch Diensteifer und beschwerlichen Dienst einen schwächlichen Gesundheitszustand sogar er­worben, deren einem man diese ruhige Stelle, der man ja alle Dienstgeschäfte entzog, hätte geben können? Aber was that jener Accessist? Nach kurzer Zeit erhielt er einen fremden Medicinalrathstitel, seine Entlassung als Ac­cessist und practicirt jetzt frei an jener Stelle, die der Wunsch so vieler unsrer Aerzte gewesen wäre.

Seit mehreren Zähren ist ein Prinzip in unserer Medicinalverwaltung eingeführt, das sich an das vor­hergehende eng anschließt. War z. B. ein Assistent, ein Accessist an der Reihe befördert zu werden (und nach unserm Beamtensystem soll die Beförderung streng nach der Anciennetät gehen), und ec war zufällig auf einer guten Stelle, so verzichtete er einstweilen auf Beförderung, und ließ den nächstfolgenden vor­rücken, und dies so lange, bis eine Stelle kam, die ihin bequem oder gut genug war, dann meldete er sich mit allem Ernste, darauf fußend, daß er schon lange an der Reihe gewesen. Auf diese Art kam man von einer guten Stelle zur andern; oder was dasselbe ist, die guten Stellen waren alle in festen Händen, und sind es somit noch; und daß es dieser festen guten Stellen nicht wenige sind, daß solche Bevorzugungen nicht vereinzelt dastehen, ist zu bekannt. Haben unter diesem aristokratischen System, nicht eine Menge, und namentlich die jüngern Aerzte, gelitten? Ist es nicht daher gekommen, daß selbst ein hochgestellter Arzt auf der Versammlung zu Biebrichim Hinblick auf die wahrhaft be­drängte Lage der jüngern Aerzte" den An­trag auf Erhöhung ihrer Besoldung stellen mußte? Und von der materiellen Seite abgesehen, liegt darin nicht ein bedeutender Grund, daß sichso wenig wis­senschaftliche Bestrebungen unter den Aerzten in Nas­sau" geltend machen, wie der Verfasser eines Aufsatzes in derNass. Allgemeinen" wähnt, und für welche Bemerkung wir ihm hiermit unsern Dank abftatten. Wir möchten dem Verfasser gern einmal auf wirklich wissenschaftlichem Gebiete begegnen, möchten aber dann nur wünschen, daß er die Literatur bis jetzt, und nicht blos bis 1846 verfolge, wie er es in beredtem Auf­sätze gethan. Seit 1846 ist die Medicinalreform über­

haupt in eine andere Phase getreten, weil die Zustände von 1846 nicht mehr eristiren. So viel verlau­tet, soll nun doch dieser gerügte Mißstand von fest­stehenden Stellen aufgehoben werden, und die, die an solchen Stellen bleiben wollen, das Recht auf jede fernere Beförderung (auch in der Be­soldung? Von Rechts wegen!) verlieren. Aber wie lange Dauerte noch, bis dieser Schaden ausgeglichen sein wird?

Doch genug dieser unerquicklichen Aussichten, die leider choch viel vermehrt werden könnten. Aber hoffe guter Michel!

Die Sage vom preußische» Staatsschatz.

Wie in Zeiten der jurualistischen Armuth urplötz­lichdie große Seeschlange" aufzutauchen pflegt, so hat in Der letzten Kaminersitzung ein nicht minder fa­belhaftes Geschöpf seine Auferstehung gefeiert; der preu­ßische Staatsschatz ist wieder erstanden, wenigstens in der Rede des Finanzministers Rabe. Seit den Hansemann'schen Aufschlüssen und Rechnungsvor- lagen über den von ihm vorgefundenen Bestand des Staatsschatzes, hatte man von demselben nichts mehr gehört, und man kann sich nun das freudige Erstau- nen Der zweiten Kammer denken, als Der Finanzmini­ster bei Vorlegung des Budgets für 1849 »»vermuthet die trostreiche Erklärung gab:Der ans der freiwilli­gen Anleihe und den Restbeständeu des Zahres 1848 erwachsene Überschuß von 834,014 Thlr. hat, ver­bunden mit dem Staatsschätze, genügt, die außerordentlichen Bedürfnisse dieses Zahres zu decken, so daß eine Anleihe nicht nöthig gewesen." Es thut uns nur leid, diese Freude durch einige kleine Com- mentare stören zu müssen. Zwar liegen uns in die- fem Augenblicke die erwähnten Hansemann'schen Rech­nungen über den Bestand des Staatsschatzes nicht vor, so daß wir nur runde Zahlen anzusetzen vermögen. So weit aber unser Gedächtniß reicht, fand Herr Hanse­mann im Staatsschätze, statt der dem seligen vereinig­ten Landtage angegebenen 17 Millionen nur circa 7 Millionen vor, und auch von diesen war noch an die Hälfte nur unter der Form rückgekaufter Staatsschult­scheine vorhanden. Das baare Geld war bald erschöpft, wie die Nothwendigkeit der freiwilligen Anleihe zeigte. Es können also, wenn jene Hansemann'schen Angaben richtig waren Hund wir haben keinen Grund daran zu zweifeln), jetzt im Staatsschätze nur Staatsschuld- scheine vorhanden sein. Für diese war cs freilich ein Leichtes, entweder durch Deponirüng bei der Bank, oder auch durch geschicktes successives Verkaufen, baa- res Geld zur Deckung der außerordentlichen Ausgaben sich zu verschaffen. Ob aber diese Operation nicht auch eine Anleihe ist oder wenigstens ein ähnliches Resul­tat hat, als eine Anleihe, nämlich Vermehrung der im Umlauf befindlichen Staatsschuldscheine, darüber

Die beiden Studenten.

(Aus de«7, »Böhmischen Dörfern" von Uffo Horn.)

(Fortsetzung.)

Nun sind wir auS der Stadt, und so Gott will, bist Du morgen Abend scholl über der Grenze! Dort bei dem Wirthshause wollen wir auf den Herrn Walter warten!"

Jakob zitterte, so oft ein Wagen heranrollte, end­lich kam einer mit brennenden Lichtern vom Thore her er fuhr etwas langsamer, als er gegen das Wirths­haus kam.

Da ist er ," rief Johann, der schon vor Kälte und Ungeduld ein Bein um daS andere in die Höhe zog, laß uns dem Wagen entgegengehen!"

Der Wagen kam langsam heran Herr Walter steckte umhcrspäheud den Kopf durch das hcrabgelasseue Fenster. Als er die beiden erblickte, ließ er halten.

Nun, Adieu Jakob! behüte Dich Gott!"

Adieu Hansi! grüß' sie viel tausendmal!""

Schluchzend warf sich Iakob in die Arme seines Freundes, dann stieg er in Den Wagen. Herr Walter reichte Johann noch die Hand, Der Postillon peitschte Die Pferde und der Wagen rollte in Die Nacht hinein.

Eine Weile sah Johann den Davoneilenden nach, dann hüllte er sich in seinen Mantel und eilte in Die

Stadt zurück, auf Dem ganzen Wege darüber nachsinnend, wie er Jakob's Verschwinden am besten rechtfertigen werde. An der Thüre des Bierhauses, wohin er Abends zu gehen pflegte, war er darüber im Reinen, daß es am besten sei, zu thun, als wisse er gar nichts von der ganzen Sache.

IX.

Die sonnigen Tage deS August, zogen Johann wieder in seine Heimath ; Wenzel holte ihn ab, diesmal fuhren aber die Brüder allein. In Johann'S Portefeuille, das ihm LiduSka zum Namenstage gestickt, steckten ein halbes Dutzend Briefe Jakob'S, und einer vom jüngsten Datum darunter, der zur guten Hälfte Versicherungen der un­wandelbaren Treue enthielt, die er für Milada im Herzen trug. ES ging ihm so weit gut, als er in Verhält­nissen lebte, die gegen seine frühern gehalten, allerdings glänzend genannt werden konnten. Noch hatte er frei­lich nicht viel Gelegenheit gehabt, sich auszuzeichnen und seinen Namen bekannt zu machen, aber die aus den Journalen sorgfältig herauSgeschnittemu Streifen, welche Beurtheilungen seiner theatralischen Wirksamkeit enthielten, und die er seinen Briefen beilegte, mehrten sich mit jeder Sendung, und schon hatte er mit einigen Parthien Glück gehabt, und war vom Publikum mit Beifall begrüßt worden. Im letzten Briefe schrieb er

1 mit großer Freude, daß ihm Die Parthie des Prinze» in DerStummen von Portici" zugetheilt worden sei, : und daß ihm in einer neuen OperZampa", welche in Paris ungemein gefallen habe, die Tenorpartie nicht entgehen werde- Johann hatte das Geheimniß der Ab­reise Jakob's gegen Jedermann auf daS sorgfältigste be­wahrt, und auch Der Prager Tenorist fand cS für ge­rathener, feinen Antheil an derselben sorgfältig zu vci- schweigen, indem Die Polizei auf Requisition Der Con- scriptionSbchörVe Nachforschungen über daS plötzliche Verschwinden deS Studenten »»gestellt hatte. Nachdem Johann sich aus Den Umarmungen seiner erfreuten Eltern gerissen, und den Reiseanzug mit einem andern vertausche Halte, eilte er mit seinen Briefen in daS Schloß. Er flog leise Die Treppe hinauf und klopfte an Die Thüre des Wohnzimmers Niemand antwortete. Er drückte auf Die Klinke, zog Die Thür vorsichtig an sich, und warf einen Blick in Die Stube. Milada, das schöne Haupt in Die Hand gestützt, saß an ihrem Arbcitstu'ch- chcn, und starrte in Den blauen Himmel, der allerdings heiterer und wolkenloser war, als ihr eigenes beküm­mertes Gemüth. Als Johann Die Thüre hinter sich zudrückte, erhob sie daS Haupt sic war blaß uiiD

. ju ivur Viag uiiD

hatte rothgeweinte Auge». Wie sie den Freund erkannte, sprang sie mit einem lauten Ausruf ron ihrem Sitze auf, und eilte ihm entgegen: Johann reichte ihr, sich rasch umblickeud, die sorgfältig zusainmengebundcnen Briefe Jakob'S hin.