„Friede und Eintracht" in seiner Gemeinde verbreiten möge. Doch ich will dieses übergehen; ich will davon • schweigen, daß diese Herrn Werke wahrer christlichen Liebe für Unsittlichkeiten erklärten (dieses war der Fall bei einem jungen Menschen, dessen Wunden, fern von Eltern und Verwandten, von einer sehr achtbaren Bürgersfrau und einigemal von deren Tochter verbunden wurden); ich will nicht davon reden, daß diese Herrn diese That ansposaunten und so eine Familie in schlechten Ruf zu bringen suchte», was ihnen jedoch nicht im geringsten (die heiligen Kirchenampeln der Stadt ausgenommen) gelang, und daß sie so ihre eigne Befangenheit zur Schau stellten und hiermit, wenigstens meiner Ansicht nach, das von ihnen so sehr gelobte und wohl auch hier hergewünschte Institut der barmherzigen Schwestern für ein schlechtes und unsittliches erklärten; sondern will nur von bem Einfluß, den diese Vereine auf das hiesige Gymnasium ausüben, etwas reden. Der Zweck des Gymnasiums ist wohl der: den Schüler wissenschaftlich heranzubilden und für alles Schönere und Höhere empfänglich zu machen; durch welche Bildung, was sich ja von selbst ergibt, auch seine sinnliche Natur unterdrückt und sein Inneres gekräftigt und gestärkt werden muß. Kann dieses wohl in einer Stadt geschehen, in der die glorreichen Zeiten des Mittelalters wieder heraufbeschworen werden sollen, und in der ein solches Unwesen getrieben wirb V In einer Stadt, in der jeder andersdenkende Mann geschimpft und verläumvet wird, in der die Jugend in Religionsstundcu mit Teufelsdeschwörunge» und der- gleichen unterhalten wird, lind wenn sie an solchen Unsinn nicht glaubt, für schlecht und unreligiös erklärt wird; in der endlich jede höhere GeistcSÄHtung unterdrückt wirb 2 Es sagen aber vielleicht einige, nur durch eine solche Erziehung kann den bisherigen Unruhen ein Ende gemacht werden, nur so kann Rusch und Frieden in die Welt zurückkehren. Doch jeder Verständige wird wohl cinschen, daß nicht dieses, so überu gerade das Gegentheil ftattfuieet; sind doch bis jetzt die »leisten uno schwersten Kampfe nur in Folge des religiöse» Fanatismus entstanden. Werfen wir nur einen Blick auf die Schweiz lind die Unthaten, welche dort bei der Dummheit des Landvolkes von Nonnen und Geistlichen in der neuesten Zeit verübt wurden: wahrlich wir werden schon bei cem Gedanke», es sonne auch W etwas später bei unö stattsinden, von Schrecken uno Entsetzen ergr-ffen.
Die Regierung wird sich hoffentlich dem Streben dieser Partei mit Kraft und Energie elUgegensetzen uno alle Anschläge dieser Menschen zernichten und vereiteln.
Q Paterèberg , 2. Sept. Gestern wurden von der Zieductionâhörde die Geschworenen für das Justiz-
amt St. Goarshausen gewählt. Ich glaube den „Schauerlichen" einen schweren Stein vom Herzen zu wälzen, wenn ich ihnen sage, daß trotz ihrer heuchlerischen Befürchtung, daß in Folge der Diäten-Bewil- ligung die „Wühler" ihre Gesinnungsgenossen auf die Geschwornenliste bringen würden, nur „unabhängige und meistens charakterfeste, mit Lebensklugheit und Ee- fahrung begabte Männer" gewählt worden sind. Sie gehören zwar nicht zu den Schauerlichen, und doch bin ich fest überzeugt, daß sie in Höhen» Grade bürgerliche Ordnung und das Eigenthum Anderer ehren,
al? jene, und meistens geistige Bildung genug besitzen, um ein vernünftiges Urtheil sprechen zu können.
Verschweigen kann ich nicht, daß rrotz angcwendc- ter Intriguen auch ein Lehrer, dessen Streben für Frei- !
ter Intriguen auch ein Lehrer, dessen Streben heit und Recht bekannt, mit gcuugthuender nung zum Geschworenen gewählt worden, der Verdächtigende in jeglicher Beziehung
Anerkeu- iv al; vc iw glänzend
durchgefallen ist.
Hat sich
* Wiesbaden, 4. Sept. Dr. Gräfe gestern freiwillig dem Untersuchungsrichter dahier gestellt, derselbe wurde zwar auf dem Criminalgerichte zurückgehalten: man gibt sich jedoch der Hoffnung hin, daß er gegen Kaution bald wieder auf freien Fuß gesetzt wcrve.
Köln, 2. Sept. (Fr. I.) Während der frühere Corrector ur „N. Rhein. Ztg.", K. Schapper, in einem Wiesbadischen Gefängniß zu erwarten hat, daß er vor das Geschwornengericht gestellt wird, kommt seine Frau hier in Wochen. Die Demokratie, welche die vaterlose Familie nach Kräften unterstützte, trug darauf an, daß der junge Schapper unter dem Namen „ K o s f u t h " in die Geburtsurkunden eingetragen werde, wogegen die Civilstandsbeamten protestirten. Die Sache schwebt jetzt bei dem Prokurator. Indessen erkrankt die Frau Schapper und stirbt in der vorigen - Nacht, trotz allen Anstrengungen des Doktor Gottschalk, dem man den Dr. Königs zugesellte. * Für die Kinder, stand somit eine traurige Gegenwart in Aussicht; aber wir siud nicht besorgt für dieselben, ! da F. Freiligrath gleich eines der Waisenkinder zu sich nahm und een Gesinnungsgenossen dadurch ein Beispiel gab, das sicher nicht ohne Nachahmung bleiben wird, um so mehr, weil die Demokratie mit ganzer Becle au dem verhafteten Vater hängt. s
Frankfurt, 3 Sept. Prinz Luitpold von Baiern ; wird, sicherm Vernehmen nach, im Laufe dieser Woche , hier ein treffen und so dürfte die Annahme einer bevor- • stehenden Übertragung der Centralgewalt an eine s preußisch - österreichisch - baierische Trias immer mehr i Wahrscheinlichkeit gewinnen. (F. I.)
Mannheim, 31. August. Die Hoffnung, daß die Cholera eben so schnell wieder verschwinde, als sie überraschend hier eingefallen zeigt sich als eitel; es sind gestern wieder mehrere plötzliche tödtliche Fälle (noch dazu in anderen Stadttheilen) vorgekommen.
Hamburg, 31. August. Einige Bataillone der preußischen Truppen haben uns bereits verlassen und mehrere werden nachfolgen. Es wird im Ganzen hier bleiben das 15. Linienregiment, das 7. Jägercorps, das 8. Husarenregiment und eine Zwölfer-Batterie, über welche der General v. Hahn das Kommando führen wird. Alle übrigen preußischen Generäle werden uns verlassen. Hr. Dr. Grävell, der Erpräsi- dent des Reichsministeriums, befindet sich gegenwärtig hier. (Fr. I.)
Berlin, 1. Sept. (Nat.-Z.) Die Einigung Preußens und Oesterreichs ist jetzt eingetreten; es wird eine neue provisorische Centralgewalt zur Regelung der Angelegenheiten, welche alle Glieder des Bundes von 1815 umfassen, eingesetzt; diese provisorische Buudeskommis- siou wird aus 3 Prinzen, den 3 mächtigsten deutschen Herricherfamilien angehörend, bestehen; der Prinz von Preußen und der Erzherzog Johann werden sich oder haben sich bereits nach Frankfurt a. M. begeben. Diese wichtigen Thatsachen erfahren wir aus der gestrigen Abendausgabe der „Deutschen Reform" und haben also keinen Grund, an der Richtigkeit zu zweifeln.
Der alte Bund von 1815, von dessen rechtlicher Fortdauer in allen Noten und Denkschriften und Reden die Rede war, worüber Preußen und Oesterreich immer einig gewesen sind, dem aber ein Organ fehlte, nachdem die Bundesversammlung aufgelöst war und die von der Natioualversammilm; herstammende, dem Erzherzog Johann als Reichsverweser übertragene Ccm- tralgewalt ihres Ursprungs wegen nicht mehr fortbe- steheu konnte, der alte Bund von 1815 hat nun wieder ein Organ erhalten.
Die Lösung der deutschen Frage beginnt mit Hcr- ftellung eines Organs des alten Bundes von 1815.
Triest, 27 August. Der hiesige Gemeinderath hat sich an den Hofrath Grafen Herbèrstein mit der Bitte gewendet, er möge den Verkehr mit Venedig nicht früher gestatten, als bis man ausgemittelt haben wird, welcher Natur die Epidemie sei, de in Venedig so viele Opfer hingcrafft hat Man spricht nämlich nicht nur von der Cholera — sondern auch vom Typhus, Fieber it. A. m. — M a n: n soll sich nach Griechenland begeben haben. — Heute schon wird das Innere der Stadt besetzt. Am 31. die Forts des Lido. Bis dahin wird Niemanden ohne besondere Erlaubniß des Militärcommandanten F-M-L. Standeyski gestattet, nach Venedig zu gehen. Die Militärpersonen die ihre Pflicht dahin ruft, sind ausgenommen. — Heute Abend dürfte der „Trieste" zurückkehren und uns Nachrichten mitbringen. — Gestern lief eine englische Kriegsfregatte, aus Ancona kommend, in unsern Hafen ein, und feierte heute das Gebnrts- fest des Prinzen Albert mit den üblichen Salven, die von unsern Geschützen erwidert wurden. (C.Bl.a.B.)
Mepr rbèik FrankreieZ).
Paris, 1. Sept. Tie „Nepubligue" bedauert in einem langen Artikel die Ausweisung der fremden Deutschen und erzählt, daß einer derselben, Karl Blind, dem Präsidenten einen sehr sarkastischen deutschen Brief geschrieben.
Das Evenement meldet, der Ministerrath habe sich hecete im Elysec versammelt, unter dem Vorsitz von Louis Napoleon. Od. Barrot fam zu diesem Zwecke von Laon. Man beschäftigte sich mit der italienischen Frage und dem reaktionären Widerstände der Kardinale. Die Regierung hat keine amtliche Mittheilung über den angeblichen Marsch der Russen gegen die Schweizergrenze. Fallour wird erst die nächste Woche in Paris erwartet. (Mz. Z.)
Ungarn.
Die Berliner National-Zeitung schreibt: Siebenbürgen ist noch nicht von den Insurgenten gesäubert; über Klausenburg, woselbst noch eine beträchtliche Sreitmacht derselben Posto gefaßt hat, erfährt man seit längerer Zeit nichts. In Großwardein wurden Kossuths Mutter und Schwester, dann dessen Schwa- ger Messeleny aufgegriffen und in Verwahrung genommen Die k. k. Generale Roth und Phillipovich, bekanntlich im September des v. 3 durch Perczel und Görgey abgeschnitten und mit 8000 Mann zur Nie- derlegegung der Waffen gezwungen, sind aus ihrer seitherigen Gefangenschaft befreit, jedoch unter Aufsicht gestellt worden , weil man sie im Verdachte eines begangenen Verrathes hat. In Hermannstadt ist nun das k. k. Generalkommando wieder in seine Funktionen getreten.
Der Präsident des Wechselgerichts und Vizepräsident des magyarischen Statarialgerichts, Molnar, hat sich in Arad durch eineu Pistolenschuß entleibt. Molnar war avohl ein Magyaromaue von edlem Charakter, von dem man weiß, daß während der^längereu Zeit, wo er an die Stelle des erkrankten Statarial-Präsi- denten den Vorsitz führte, kein einziges Todesurtheil ausgesprochen wurde. General Aulich soll ebenfalls
auf diese Art geendet haben. Ma» erzählt, daß (" ber Festung Arad 12,000 Eimer des besten Weines vorgefunden wurden, und auch der übrige Proviant war in Fülle vorhanden. Dainjanics, ein Serbe, viel- leicht der Tollkühnste unter den höheren Jnsurgeilten- ofsizieren, lag in letzter Zeit nicht in Sarkad an sei- nem kranken Fuße darnieder, sondern eben in der Festung Arad, wo er sich endlich zur Kapitulation hat 'herbellaffen muffen. Der bekannte Märzheld Vasvan' soll in bem Kampfe gegen die Wallachen geblieben sein; auch Petösi, der berühmte ungarische Lyriker ist einem Gerüchte zufolge auf dem Schlachtfelde ge-
Nach dem Lloyd hat das Oberkommando den Ju- bengemeinben im Banate die Lieferung von 100,030 kalbfellenen Tornistern, 10,000 Jnfanteriemäntel, 10,000 Paar ungarischen Schuhen und 5000 Paar Halbstiefeln auferlegt. Die Einlieferung hat an die Alt-Ofner Montours-Commission binnen vier Monate», vor» 19. August d. J. a» gerechnet, zu geschehen. Für jeden Tag der Ueberschreitung dieses Termines sind lOOO fl. Eonv.-M. Srafe gesetzt.
Ans Anlaß dieser den Inden daselbst vom F.-M.-L. Schlick auferlegten Steuer sollen nun die christliche» Bewohner erklärt haben, daß sie stets in Freundschaft und Eintracht mit den Juden gelebt, daher auch brüderlich ihre Lasten tragen wollen. Dieser aufopfernden Theil- nähme glaubte die Judengemeinde nicht besser entsp e- chen zu können, als, indem sie den Beschluß faßte, sich nist der christlichen Gemeinde zu verschmelzen und zu ihrer Kirche überzligehen. In Folge davon sollen nun in ber That, nach Einigen sämmtliche, nach Andern die meisten in Arad seßhafte» jüdischen Fanlilien, Männer, Weiber inb Kinder, von den Pfarrern der Stadt und naheliegenden Dörfer die Taufe angenoin- lneu haben. Der Bericherstatter fügt hinzu, daß ber Arader Handelsstand sich insolvent erklärt hat, da seine ganze Baarschaft aus Kossuth-Noten besteht.
Wichtiger noch ist, was über Bekes- Csaba, c s größte ungarische Dorf, erzäh't wird. Kurz nachdem ein Melonenverkäufer daselbst eine Fünfzehnkreuzer- Nole aus der Koffüth-Presse als werthlos zurückwies, erschien ein Tambour auf dem Platze und machte im Namen der ungarischen Garnison bekannt, daß die im- garischen Noten in ihrem vollen Nennwerthe angenour- men werden müssen. Reisende berichten auch, daß d.e russischen Offiziere dakelbst blos mit ungarischen No- ten ihre Einkäufe machen. Ich würde diesen Aussagen kaum Glauben schenken, stünden sie nicht in Harmonie mit denen eines Arader Reisenden, denen zufolge die russischen Offiziere in den letzten Wochen bedeutende Stimmen Kossuth-Noten gegen Agio angekauft haben sollen. Hier hatten sie gestern, wie ich höre, den niedern Kurs von 25 pCt. Wann wird, diese zweifelhafte Finanzlage wohl ein Ende nehmen?.
In Pererwardein unterhandelte General Kiß mit dem russischen General Berg über die Bedingungen der llebergo.be. Es wurde der ungarische Major Toth an Görgey geschickt, um sich mit ihm zu berathen. Kossuth, Benr und Dembinski sind auf oem Wege nach Konstantinopel ; in der Quarantaine bei Semlin angehalten, wurde ihnen a6f besonderen Befehl des Pa- scha's die Weiterreise ohne die vorschriftsmäßige Ab- Haltling der Quarantaine gestattet.— In Pesth dauern die Hinrichtungen wegen Waffenverheimlichung fort; in Arad wurde außer dem Obersten Grafen Leiningen (von der Seitenlinie der Fürste» Leiningen, also verwandt mit der Königin von England) noch ein Literat rind ein Jude erschossen. Man sieht also, daß die von der französischen Presse angegebene KapitulationsBedingung der allgemeinen Amnestie faktisch von Hay- »au nicht anerkannt uno ihre Angabe thatsächlich widerlegt wirb.
Es wurde bereits gemeldet, daß die Russen, welche unter Lüders von Carlsburg gegen Deva vorgingen, das dortige Fort gesprengt fanden. Die A. Z. C. eiit- hält über dieses Ereignis; Schrecken erregende Details: „Dewa selbst wurde von beiläufig 300 Mann besetzt und bei Annäherung der russischen Truppen von den Insurgenten in die Luft gesprengt. Bei unserer Ankunft fanden wir ihre geschwärzten Leichname von der Erplosion den 4 bis 500 Fuß hohen Felsen hinabge- schleuvert. Kein einziger Mann war mit dem Leben entkommen, der über die Ursache der Erplosion Aus- funft hätte geben können. Das Fort war verschwunden. Wie man glaubt, hätte die Besatzung beabsichtigt, das Fort zu verlassen und dann erst in die Luft zu sprengen. Die Mine scheint sich aber zu früh ent- zilndet zu haben, oder es waren die dort gefangen gehaltenen Oesterreicher, welche aus Ursachen, die leider nie mehr bekannt werden können, sich mit ihren Feinden ein freiwilliges Grab bereiteten."
Das Abendblatt der Presse bringt uns folgende Nachricht, aus der wir schließe« müssen, daß Klapka, den Werth von Komor» erkennend, dasselbe ohne Be- l dingungen nicht übergeben zu wollen scheint: ! „Wien, 30. August. Die Unterhandlungen mit i dem Kommandanten in Komorn scheinen keinen guten l Fortgang zu haben. Den lltägigeii Waffenstillstand ; wissen die Jnsurgentenchefs Vortheilhaft zu benutzen; sie ließen von der 20,000 Mann starken Beiatzung 14,000 Mann nach Gran einschiffen und die Waffe,» strecken. 6000 Mann — meist Freiwillige, fmb in der Festung zurückgeblieben, und bereit den Platz bis auf v Aeußerste zu vertheidigen."