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wenn mau daS Recht ter Ausschließung eines Abge­ordneten einer Majorität zugesteben wolle, die Gesetze sprachen sich auch durchaus nicht dafür aus; jedenfalls müsse die Regierung ihre Zustimmung geben. In England habe das Parlament das fragliche Recht auch nicht, das ganze sei keine Prozeßfrage, als welche der Abgeordnete Kalt sie behandelt zu haben scheine, son­der eine sehr wichtige Frage des Staatsrcchts.

Großmann glaubt, der Kammer stehe das Recht der Ausschließung eines Abgeordneten als Strafe gar nicht zu; er sucht dies auf sehr langweilige Weise durch Analogien aus der parlamentarischen Geschichte Frankreichs und dem Staatsrechtslehrer Zachariä zu beweisen Braum Die schönen Theorien Großmanns sind wohl richtig aber passen nicht, da die Ausschlie­ßung Krämers weder Parteisache noch eine Strafe sei (Heydenreich zeignet sich während Brauns Rede in seiner gewöhnlichen Ungebundenheit so aus, daß er sich einen Ordnungsruf des Präsidenten zuzieht); der vorliegende Fall sei nur eine Prüfung der Legiti­mation, wenn man der Kammer das Recht über den Krämcr'scheu Fall abzuurtheilen, abspreche, so müsse man ihr auch cousequeut das Recht der Wahlprüfun­gen nehmen; allein das sei durchaus gegen das Wahl­gesetz. Wenn aber ein Abgeordneter während der Siz- zungen die Eigenschaft verliere, deren Verlust ihn vor­her wahlunfähig gemacht, so verstehe sich der Ausschluß des Abgeordneten von selbst. Uebrsgens trage er auf Verschiebung der Berathung an, da der Commissions- bericht so spät vorgetragen worden, Viele unvorberei­tet seien. Lang ist gegen Verschiebung, im Interesse der Kammer und des Abgeordneten Krämer, die Fort­setzung der Verhandlung wird gegen 15 Stimmen ab- gelehnt.

Wimpf erstattet Bericht über die Anforderung der Regierung zur Unterstützung von Gemeinden des Am­tes Weilburg und Runkel zum Zweck des Wegbaues. Der Weg sei nöthig und die Gemeinden arm. I u n g II. hat sich überzeugt von der Nothwendigkeit des fragli­chen Wegbaues, zugleich werde diese Anlage eventuell für eine Chaussee benutzt werden können. Snell cm- pfiehlt gleichfalls dringend der Versammlung die Be­willigung aus Gründen des Bergbaues. 3510 fl. wer­den fast einstimmig verwilligt.

Wimpf dankt dafür im Namen der armen Ge­meinden. Die Geschäftsordnung führt zur Besprechung der Regierungsvorlage wegen der Reisekosten der Ge­schworenen. Braun spricht für Verschiebung auf die nächste Sitzung, da die Sache noch nicht gehörig vor­bereitet sei. Blum glaubt, man müsse sich eilen. Braun erwidert ihm, daß auf Unkosten der Güte eines Gesetzes die Eile nicht erstrebt werden dürfe. B lu m's Antrag auf alsbaldige Vornahme wird an­genommen.

Kalt ist Berichterstatter und spricht für Bewilli­gung von 24 kr. für die Wegstunde, was zugleich durch die höher» Gerichte befürwortet wird. Blum bean­tragt 30 kr. für die Wegstunde, als einzig geügende Entschädigung. Snell stellt den Zusatzantrag zum Gesetzentwurf, auch einen Gulden tägliche Diäten den Geschwornen zu bewilligen, da er seine Ueberzeugung über Nacht nicht ändern könne, und die Kammer die­sem unwürdigen Spiel, was die Negierung mit ihr treibe, entgegentreten müsse. Naht glaubt, da die Diäten unmöglich geworden seien durch die Verweige­rung der herzoglichen Sanction, so müsse man wenig­stens die Reisevergütung als Abschlagszahlung hinuch- men. Wimpf glaubt auch, die Regierung, gestützt auf die Majorität, mache mit der Kammer, was sic wolle; sie habe die Gründe für Diäten nicht widerlegt, sie bleibe aber dennoch auf ihren vier Augen stehen. Born spricht für den B l u m'schcn Antrag, und greift die Regierung an, daß sie auf der Ausführung von Grundsätzen bestehe, die unausführbar seien. Der Mi­nisterpräsident beruft sich auf die Majorität, die ja für ihn sei. Schmidt sucht zu beweisen, daß die

Abgabe von Reisekosten ja weit gerechter sei, als die von Diäten. Snell's Antrag fällt gegen die bekannte Minorität durch (Heyl, Blum lind Remy stimmten nicht mehr dafür). Für Bewilligung von Reisekosten stimmten nun sämmtliche Herren der Rechten, trotz dem sie früher dagegen waren; allein die Regierungsvorlage verändert die Umstände. Blum's Antrag auf 30 fr. wird gegen zwei Stimmen angenommen.

Wiesbaden, 30. August. Der hiesige Gemeinde- rath hat folgende Männer als Kandidaten, ans wel- chen die auf unsere Stadt fallenden Geschworenen er­nannt werden, aufgestellt: Adam Volz, Ober-Appell.- Ger.-Rath Strobel, Goldarbeiter Rohr, Seifen­sieder P o t h s, Nikolaus W e r » e r, Isaak L e V i, Gold­arbeiter Neuendorf, Dr. Greis, Kanzlist Stahl, Stadtrath Blum, Lorenz Petry, Hauptm. Malm, Stadtrath Götz, Gemcindcrath Dr. Braun, Heine. Thon, Wilh. Freinsheim (Biebrich), Kupferschm. Meckel, J. I. Möhler, Bauaccessist Fach, Maler Ernst L o t t ch ius, Oberlehrer L a n g, Medizinalrath Zais, Kaufmann Heinrich Ritzel, Heinrich Ham­melmann, Obrist Gerau, Gemeinderath Georg Thon, Karl Habel, Valentin Weygandt, Geo- m ter Balzer, Schreiner Linnekohl, Kaufmann Herrmann, Gärtner Fischer, Otto Schellen­berg, Gem.-Rth. Wörner, Gem.-Rth. Georg H a hn, Wilh. Fricdersdorf, Med.-Rath Müller, Kaufm. Matern, Wilh. Habel, Wilh. Knefeli, Schreiner Momberg er, Heinrich Löw, Gemeinderath Birk, Wilhelm Berger, Schreiner Wilhelm Löw, Tün­cher Philipp Schramm, Advokat Mühl, Eduard Abler, Geh.-Reg. -Rath Emmermann, Buchhändler- Karl Ritter, Gemeinderath Fritz Thon, Gemeinde- rath Walther, Gemeinderath Hofmann, Goldar- bciter Lugenbühl, Daniel Stuber, Wagner Louis Brenner, Kaufmann Albrecht Koch, Gemeinderath Zahn, Tüncher Fritz Schweisguth, Gastwirth Al­brecht Götz, Gemeinderath Bender, Schuhmacher Wilh. Frcid, Gemeinderath Fr. Hahn, Hutmacher M o n s, Bäcker Hildebrand, Krcisrath Bollman n, Professor Kirschbauin, Gastwirth Kögler, Dreher- Heinrich Barth, Schreiner Weychandt.

0 Diez, Ende August. Wie sich doch diese Men­schen gebehrden, als ob sie den Zeiger der Weltenuhr auch nur um eine Sekunde verrücken könnten! Der Geldbürger erblickt in jedem Demokraten einen Com­munisten, vulgo Dieb, der Spießbürger heult und ze­tert über die ewigen Unruhen, und der Pfaffe: nun, der ist immer am schlimmsten. Hier wird die Reli­gion vorgeschoben, um die Privilegien des geistlichen Ansehens, der Besoldung, der Herrschaft über den Leh­rer gegen die Angriffe der Demokratie zu vertheidigen. Hier ist jedes Wort eine scheinheilige Heuchelei, hier ist die lange schwarze Kutte eine Maske, hinter der die niedrigste Selbstsucht und der albernste Dünkel hervor­lugt. Hier ist die Kanzel nur ein Ort, von wo die gewöhnlichsten Heulerpredigte» von Stapel laufen, oder die gedankenlose Leere ihrer Theologie in den trivialsten Phrasen dem Volke vorgekaut wird. Wer mag sich da wundern, wenn das Volk weder vom ^Leib­haftigen", noch von den Nebrigen Etwas wissen will, wenn die Kirchen nur noch von Neugierigen und alten Betschwestern, oder von Leuten besucht werden, bei de­nen cs zumguten Tone" gehört, wer mag sich da wundern, wenn das Volk schaarenweise nach einem gewissen, vom blauen Himmel überwölbten Tempel strömt, so oft dort ein Prediger einer freien Gemeinde das Wort des Herrn verkündet? Also war es auch wieder an einem der letzten Sonntage. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien freundlich herab auf die Spaziergänger, die nach Freiendiez wandelten, und schien der Hoffnungen all Derer zu spotten, die heute

ausnahmsweise einen tüchtigen Platzregen herabwünsch- teil. Es sollte ein Erndtefest gefeiert werden, die herr­lichen Früchte lächelten freundlich vom Altar und Herr Pfarrer Graf hielt wieder Eine jener bilderrei­chen Reden, die so eindringend, so ergreifend auf das Herz des Zuhörers wirken, weil sie so recht aus dem Herzen der Gegenwart herausgeschnitten sind. Er sprach über jene Bitte des Vaterunjer:unser tägliches Brod gieb uns heute!" Er gedachte der Millionen Lippen, die sie täglich, und wie viele vergebens, zum Himmel hinaufsenden.Aber der wiegelt die Armen gegen uns auf!" sprechen erschreckt die Geldmänner. Der predigt Communismus!" schreien die Spießbür­ger.Der ist ein Ungläubiger, denn er predigt un­ter freiem Himmel!" heulen die Pfaffen. Es wohnte aber bei tem Gottesdienste allerlei Volk. Darunter auch etwelche Schullehrer. Und sie halfen gar mitsin­gen das a-ge Lied:Gm' feste Burg ist unser Gott!" Und als die Geistlichen dies hörten, geriethen sie in grossen Zorn, und beschlossen, Einen jener Lehrer zu sich kommen zu lassen, und ihm eine Predigt zu lesen mit anderem Terte, und beriethen, wer von ihnen cs übernehmen sollte. Und wählten dazu aus ihrer Mitte einen im Gerüche großer Heiligkeit stehenden Gottes- künstler. Der ließ jenen Lehrer zu sich kommen, und redete ihn an und sprach:Es ist uns zu Ohren ge­kommen , Sie haben gestern den freien Prediger ver­nommen; haben auch mitgesungen zu Gottes Schänd' und Spott das ehrwürdige Lied:ein' feste Burg ist unser Gott!" Es darf dies geschehen mitnichten, und ich muß das nach Wiesbaden berichten! Auch ist uns turd) den Schulvorstand in B .... worden bekannt, Sie wären in einer demokratischen Vereinssitzung ge­wesen und hätten also gegen das Dienstreglcment ver­stoßen" Und aber ließ ihn ein And'eer zu sich be­scheiden, und heulete ihn an und sprach:wie wollen Sie die Kinder in der Religion unterrichten, wenn Sie treibe» solche gottlose Geschichte» ? Es ist schlimm, daß sich der Unglaube so vermehrt, denn noch drei andere Lehrer haben zugehört. Die Regierung sieht es nicht gern; darum halten Sie sich von solchen Dingen fern!" Und wie der Lehrer dies hörte, dachte er bei sich, wie sich wohl Jemand zum Herrn seines Glaubens aufpflan- zen könnte, und wie er nicht daran Schuld wäre, wenn er einen andern Glauben hätte, denn jene Prediger. Und er erkundigte sich auch beim Schulvorstande wegen des von demselben angeblich dennnzirten ihm vorge- haltenen Besuchs eines demokratischen Vereins. Der Schulvorstand aber erklärte diese Behauptung des Gottesfürchtigen" einstimmig für eine Lüge.

Was soll man dazu sagen, wenn solche Szenen sich noch jetzt ereignen können? Leute, die einst für die Grundrechte" schwärmten, können es nunmehr mit ihrem Charakter vereinbaren, ihre Stellung zu Ver­theidigung von Grundsätzen zu benutzen, die so wieder­holt schon in der Geschichte gebrandmarkt sind! Ein junger eingebildeter Mensch, dessen einziges Verdienst darin besteht, blind de» Lehren der Kathederhelde» zu- geschwore» zu habe», der vor noch nicht allzulanger Zeit den Glauben an einen persönlichen Gott, den Glauben an den Gott der Christenheit zertrümmern wollte, der nimmt stch heraus, einem Manne, der mit seiner religiösen Ueberzeugung schon längst abgeschlossen hat, im Rainen der Herrschaft der Kirche über die Schule den Besuch eines freichristlichen Gottesdienstes zu verbieten! Man sollte ein solches Benehmen nur mit Verachtung strafen; und doch, wenn man an die handelnden Personen denkt, wird man unwillkürlich zum Zorne gereizt. Welche kleine Menschen in dieser gro­ßen Gegenwart! Welche eitle Gespreiztheit in Vor- urtheileu, von denen man kaum glauben kann, daß sie selber ehrlich geglaubt werden! Dochwen die Götter vernichten wollen, den schlagen sie mit Blindheit!" Wir erinnern uns aber dabei noch der Worte, die ein berühmter Franzose, nur von den Wucherern, gebraucht hat: einst war es Christus, der die Pharisäer aus dem

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Die Andern hoben die Glaser aber der Tenorist rief!

Halt! zu dem Salut gehört Champagner, Wenzel ! eine starke Gabel her, und die langen Gläser!"

Damit griff er mich dem Scitentisch, und brachte eine langhalsige, sorfälcig vcrpichtc Flasche zum Vorschein. Damals prangten die Champagnerbontcilleu noch nicht mit dem blitzenden Hclmcnschmuck von Staniol, und cs brauchte mehr Mühe und Zeit, den schäumenden Geist darinnen aus seiner Haft zu befreien. Jakob sah mit einer Neugierde, die tem lächelnden Regisseur nicht cnt= ging, auf das Manöver, das der Hausherr mit der Flasche vornahm. Das Pech bröselte herab, mit der Gabel wurde der Egenbraht abgednht, dann mit raschem öug die vier Bindfäden durchschnitten, und dem Kork ein kleiner Druck gegeben. 2Hu mm der Pfropfen knallend in die Höhe fuhr, folgte Jakob unwillkürlich mit den Augen, und wurde erst durch den lachenden Zuruf des Hausherrn aufgeschreckt, der ihm das Glas vollschenkte.

Schnell! hinter damit!"

Der weiße Schaum floß Jakob über die Finger, er stürbe Pas Glas hinab , und holte dann tief Athem. Die angenehm prickelnde Kohlensäure, die ihm bis in die Nase stieg, der süße weiche Geschmack, die mystische Weihe des Champagners, alles vereinigte sich, Jakob wie in ein Mährwe» einzuspinnen. Er blickte in das Glas, in dessen Neige noch immer die kleinen Perlen tanzten, er sah den weißen schäumenden Strom auö

dem engen dunklen Halse der Flasche stürzen, er trank noch ein zweites Glas, ein drittes wurde ihm vom Regisseur, der sich an dieser Naivetät höchlich ergötzte, anfgenöthigt, und nun löste sich erst seine beklemmte Stimmung, indem er tüchtig nieste was die beiden Schauspieler mit einem schallendenProsit" erwiederten.

Auf gutes Glück! lieber Freund!" rief ter Haus­herr ,sehen Sie, das ist die Quintessenz aller mensch­lichen Freuden! Mit diesem Göttertrank im Leibe fühlt der Künstler am besten, wie ihn sein Genius über diese miserable Erde weg in den Himmel trägt! Die Prosa begeistert sich ein Bier, die Kunst xmr an diesem ctku Getränk! Die Kunst soll leben!"

Besonders seit sie ihre Priester und Jünger nicht mehr dem Elende und der Armuth Preis gibt, wie sonst,"" fiel Herr Walter ein,sch'n Sic, lieber Herr! wir sind ein lustiges Völkchen, wir Künstler, aber wer die Welt erheitern und ergötzen , lie allen Sorgen dieses Lebens entrücken soll, der muß selbst heiter und sorgen­los sein!""

Jakob!" rief Johann nun, dem der Jaguesson ebenfalls warm machte,Du wärst rein ein Narr, wenn Du auf den Vorschlag ter Herren nicht eingingest. Wenn ich Deine Stimme hätte, ich ließe Alles liegen und stch'n , und wäre morgen schon über alle Berge!"

Jakob seufzte der Regisseur schenkte ihm das Glas wieder voll. Er dachte noch immer an Milada, aber nach und nach erschien ihm die düstere Zukunft heller,

ja sogar roscnfarbiger. Der Wein regt alle schlummern­den Geister zum brausenden Tanz in Kopf mit Busen ' auf Eitelkeit, Ehrgeiz, die Lust an Geld mit Ge­nuß , bisher lauter stumme mit niedergedrückte Gefühle wurden lebendig, mit das aufregende Gespräch, das ! die beiden Herren von Beifall, geworfenen Kränzen, lebenslänglichem Engagement, von ter Gunst der Könige ; und Fürsten führten, kam dem Champagner mächtig zu : Hülfe. Jakob fühlte sich bereits entrückt mit getragen, wie von den Schwingen des Genius; als der Tenorist von seinem Glücke bei teil Weibern sprach, und Jakob ein ählichcö in Aussicht stellte, da machte sogar 8er heidnische Cupido einen tüchtigen Salto mortale durch seine beiden Herzkammern , mit er hielt mit blitzenden hingen Johann sein Glas hin, und rief mit so lauter Stimme, daß Alle verwundert aufhorchlen:

Stoß an, Bruder Hans! sie soll leben!"

Ja! Ja!"" riefen die hindern anstoßend,wir wissen zwar nicht, wer diese sie ist, aber sie soll ! leben!""

Der dritte Pfropfen, der an die Decke stog, knallte wie ein Ehrenschuß in den klirrenden Toast.

(Fortsetzung folgt.)