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Wiesbaden. Sonntag, 2. September

Freiheit und Nerht!"

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Die Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnaömc des Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 q. 45 fr auswärts bezogen mit verhälmißmaßigem Aufschläge. Inserate werven bereitwillig ausgenommen uns find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von tvirfsâmn.. lärfolgr. - Die ZnserationSgrbühren betragen für die vierspalttge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

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M. Georg h n in g.

Unter den durch die von den Zeitblättern angekün­digten , Betrübniß, Erbitterung und Entrüstung her- vorrufenden Blutgerichte als Opfer für Volksheil, für Freiheit und Recht gefallenen Helden ist nun auch der 61jährigeGeorg Bohni n g von Wiesbaden zum Märtyrer, zum Volksheiligen geprägt. Auch Er ent­ging nicht dem befulvelnden Giftrachen der Lästerung. Er wird von der einen Seite Hochverräther genannt, seine öffentlichen Tugenden als ein Knäuel von Tod- sünden Hingestellt, man zeiht ihn der Verbrechen eines wilden Raubsystems, ihm, sein preiswerten Anführer der sogenannten Schweizer-Flüchtlutgs-Legion, schreibt man Ungerechtigkeiten, eine diktatorische Harte, ein kommunistisches Umgreifen, Verstellung, Feigheit, Rohheit, Arglist, und jede Gattung von Gemeinheiten zu; noch sein Grab bewerfen erkaufte Lästerer mit dem Kothe der Verläumdung.

Wer jedoch diesen Böhning näher kannte, der erfreute sich an ihm, ja er war stolz darauf, diesen Ehren­mann Freund nennen zu dürfen. Den unsauber» Maskeutrügern, den Heimtückern, den gewissenlosen Gelbsackrutschern, den herzverknocherten Bürokraten, den gleisnerischen Jesuitenseelen war der edle Frei­müthige eine mißfällige Erscheinung; aber jeder Bie­dermann faßte Vertrauen zu ihm, er fand in ihm sei­nes Gleiches, erhielt Rath, Trost, lehrende Unterhal­tung und, nach Möglichkeit, Hülfe.

Der Fromm-RedUche hat mit einem glühenden Herzen, mit unerschütterlichem Muthe und festem Ver­trauen, ja mit Begeisterung seinen höher« Beruf da­rin erkannt, gegen gottverhaßte Anmaßung, gegen den sündhaften Aberglauben des erniedrigenden Oelgötzeu- thums die Lanze einzulegen, für seine unterdrückten Brüder Gut und Leben einzusetzeu. Die plötzlichen allgemeinen Revolutionsausbrüche in ganz Europa schienen ihm ein bedeutsamer Wink von Oben, auch Er hielt die Sache, für die er ritterlich, mit aner­kannter Auszeichnung, gefochten hat, für die gerechte, und er folgte seiner Berufsbahn mit Eifer und Keunt- , er wurde als der Anführer ohne Furcht und Tadel geehrt und geliebt von all seinen Untergebenen, denen er als ein edler Freiheitskämpfer gegolten hat. Da trat die schützende Gottheit von den Verfechtern der guten Sache zurück, übergab sie den Schlägen des blinden Schicksals, versteinerte die Herzen der Gegner unter dem wahnsinnigen Jubel des fluchwürdigen Philistertums. Böhning wurde Kriegsgefangener in Rastatt, am 16. August zum Tode verdammt und am 17. standrechtlich wie diese Barbarei nach dem Kanzleistyl genannt wird erschossen. Er ging mu- thig den TobeSgang, hielt noch auf dem Richtplatze eine scharfe Strafrebe gegen die Verworfenheit des frevelhaften Servilismus, verkündete seinen Todschlägern die zukünftige Rache, und sah dann mit unverbundenen

Augen in die Röhren, die sein edles Herz erstarren machten. Er hatte zwei Tage Au-schub verlangt, um seiner geliebten Gattin das letzte Lebewohl zu sagen, was ihm versagt wurde. Man bot ihm nach Brauch den Trost der Religion durch einen Priester an, aber er (Deutschkatholik) erklärte fest, er sei hinlänglich für die Ewigkeit bereitet. Also werden im christlichen Deutschland, im Jahre 1849, kriegsrechtliche Erkennt­nisse erequirt, so die edelsten Menschen, die mutigsten Volkshüter vernichtet, nachdem man sie vorher Wochen- und Monatelang, von der ganzen Welt abgeschieden, in feuchten, Kassematteu auf verfaultem drey hat schmachten lassen.

Auch Du, der Volksliebe, der Freiheit blutiges Opfer, auch Du trugst eine Hunmelsleuchte im Geiste, ein Herz in deiner Brust mehr werth als fünfzig aus- gespreizte Kamarillen, als hundert amphibialische Mi­nister. Georg Böhning so erprobten chn alle seine Freunde und Feinde war ein strenger Wayr- mund, Verstellung war ihm fremd, Lüge war ihm eine Verächtlichkeit, Verleumdung war ihm ^jiaub und Dieb­stahl, Schmeichler, Betrüger, Herrsch- und Habsüchtige waren ihm tief verhaßt, Plusmacher und Ketten chuuee , sie mochten hoch oder niedrig stehen, er griff sie an mit Tadel und Rüge. Er war in hohem Grade gast­freundlich, liebreich und gefällig, er gab ungefordert und ohne Säumniß, wie ohne alle Ostentation. Rie dachte und äußerte er sich trivial, nie brach er in Flüche auß, nie war er Polterer, nie tönte eine Sottise, nie eine Zote, nie ein Eidschwur von seinen Lippen, er haßte Spiel, Völlerei und Schwelgerei, er war durchaus ein wahrhafter Antwyniker. Was sein Aeu- ßer/ö betrifft, war er eine hohe, uupomrende Gestalt, mit einer Physiognomie, die an Fr. Schiller erinnerte. Obwohl ein genialer Mechckuikus und besonders ein Meister in der Uhrmachern, war er doch mit seinem Stande nicht zufrieden, es trieb ihn höher hinan. So eilte er schon im Jahre 1822, als der Schmerzensruf der Hellenen vom Olymp und Helikon ju uns herüber- schallte und alle Herzen mit Mitgefühl erfüllte, in den Befreiungskrieg nach Griechenland. Auf der Steife da­hin, wurde er in Marseille, wo er sich im September einschiffte, als Hauptmann bei der achten Erpeockwn von seinen Kampfgenossen auserkoren. Drei Jahre focht er in den meisten Schlachten mit und wohnte der Belagerung von Korinth unter Odysseus und der Schlacht von Tripolitza unter Kolokotroni bei. Spä­ter begab er sich nach Hydra und gründete daselbst die erste griechische Druckerei. Seine liebende Gattin, die ihm nach Griechenland nachgefolgt war, begleitete ihn im Jahr 1826 wieder in die Heimath. Als wahrem Vaterlanbsfreund zog ihm der thätliche Eifer für das Wohl seiner unterdrückten Brüder, bei jeder neuen Regung beS Volks, Verfolgung und Kerkerstrafe zu, bei welchen Unfällen die würdige Frau eine seltene , Geistesstärke und Liebestreue gezeigt hat. Böhning ; war auch ausübender Freund der himmlischen Musik.

Auch Dichter war er, und kein gewöhnlicher Brod­dichter. Alle seine poetischen Schöpfungen sind Aus­flüsse eines reinen Herzens, vorzüglich didaktischer Na­tur; keine Tändeleien, keine dithyrambischen Ausgelas­senheiten, keine Pasquille, und wo seine Satyre die Geisel erhob, da war es gegen Verräther. Seine Ge­legenheitsgedichte weihte er c em Verdienste, dein Wür­digen ; die gehaltvollsten Elegien gingen an seine Elise aus dem Gefängniß hervor. Die edle Wittwe ist kin­derlos, aber im Opfertobe des Gatten hat sie Kraft und Muth gewonnen, ihrem Schmerz die Glorie des Verklärten heilend und aufrichtend entgegen zu stellen! Nassau, Wiesbaden, ihm gebührt, ihm schuldet ihr ein Denkmahl des Dankes und der Erinnerung.

Di c h r e r e Freunde des Geopferte it.

5? a f s a u i f ch e r L a rr d t « g.

.Sitzung vom 1. September.

Herr M i n i st er i a l p r ä si d en t antwortet auf die Haüpr' scheu Interpellationen, ad 1) die Truppen seien in Folge deS Anschlusses au das Dreikönigsbüudniß in Baden verblieben, wurden aber bis September zurück­kehren, vielleicht ein Bataillon ausgenommen, das in Untersuchung wegen der Affaire bei Oos sei. Die Kosten trage vor der Hand Rassau, sie würden später repartirt werden. (Wenn sie nur nicht dasselbe Schick­sal haben, wie die frühern, für die wir jetzt noch bei­nahe 300,000 ft, an das selige Reich zn fordern ha­ben.) ad. 2. Die Medizinalverfassung sei im Druck und werde baldigst publizirt. Naht erinnert an seine Interpellation wegen der Wiedereröffnung der Spiel­bank. Herr Ministeri al Präsident sagt, dieß sei durch die Verhältuisse begründet, man habe deshalb Gutachten von Behörden eingefordert und es lägen die Akten zur Einsicht offen. Naht beklagt sehr, daß man ein Neichsgesetz nach dem andern so con amore verletze, es trage sehr zur Untergrabung der Morali­tät bei, und die Folgen, welche daraus entstünden, habe man sich selbst zuzuschreiben Er trage darauf an, daß die Kammer die Mißbilligung dieser ministeriellen Handlung ausspreche. Darauf kommt man zur Dis­kussion des Wenckenbach'schen Antrags, die Ausschlies­sung des bankerotten Abgeordneten Krämer betreffend. Der Ausschußbericht war auf einmal zum Spezialvo­tum des Abgeordneten Kalt geworden, in welchem derselbe gründlich auseinandergesrtzt, daß der Ausschluß eines Abgeordneteu jedenfalls durch dieselben Gründe erfolgen müsse, die dessen Wählbarkeit unmöglich ma­chen, mit Berufung auf H. 9 und 136 des Wahlge­setzes. Der übrige Theil des Ausschusses, der früher mit Kalt übereingestimmt hatte, ivar über Nacht an­derer Meinung geworden, und ließ durch Wirth den Bericht erstatten, der dahin ging, daß es gegen die Volösouverättität verstoße und es sehr gefährlich sei,

Die beiden Studenten.

(Aus denBöhmischen Dörfern" von Uno Horn.)

(Fortsetzung.)

Mein Herr!" nahm nun der Regisseur das Wort, ich bin wirklich erfreut, Sie kennen gelernt zu haben, und Dir, lieber Bruder! sehr verbunden dafür. Sie müssen allerdings noch sehr viel studiren, aber Fond ist da, und eine recht hübsche musikalische Vorbildung. Wenn Sie sich Mühe geben und fleißig studiren wollen, so bürge ich Ihnen dafür, daß Sie eine sehr gute Carriere machen!"

Jakob verneigte sich.

Sie müssen zum Theater Ihre Befangenheit werden Sie bald ablegen, dafür ist mir nicht bange, und wenn Sie erst das Lampenfieber überstanden haben, so werden Sie selbst über die Aengstlichkeil lächeln, welche Sie jetzt peinigt!"

Ich habe es ihm längst schon gesagt," fiel Johann ein, daß es das beste wäre, aber"

Du weißt ja, welchen Gruud ich habe,"" stotterte Jakob,was würden denn die in Lhotta sagen""

Herr Walter lächelte, indem er einen Blick auf Jakob'6 etwas schäbigen Anzug warf.

Sollten Sie vielleicht Familienrücksichten abhalten?

9hm dann treten Sie unter einem fremden Namen

auf, das geschieht ja beim Theater sehr häufig! Wären vicilecht ihre Eltern nicht einverstanden ? mein Gott, ich denke, doch, sie werden dem offenbaren Glücke ihres Sohnes nichts in den Weg legen wollen!"

Meine Eltern gerade nicht aber""

Doch nicht gar Standesvorurtheile ?" unterbrach ihn der Regisseur mit schneidendem Toneich dächte die exi stiren in unserer Zeit bei den Gebildeten nicht mehr, im Gegentheil, es ist eine Ehre, der Kunst an­zugehören , und der Künstler wird von aller Welt ausge­sucht und mit Aufmerksamkeiten überschüttet!"

Ich verkehre mit Leuten, die zur höchsten Gesell­schaft gehören," fiel der Tenorist ein,Sie sind mir ja gestern oegegnet, wie ich mit dem Prinzen Johann über den Graben ging; die Cavaliere, die vor einem Gubernialrath nicht an den Hut greifen, behandeln mich wie ihres Gleichen! Mein lieber Freund! das können Sie mir glauben, daß ein Künstler heut zu Tage eine Stellung hat, wie wenige Leute!"

Es ist ja auch nicht das,"" entschuldigte Johann den verlegen schweigenden Jakob,es ist eine ganz an­dere Ursache, die aber auch für nichts steht! Aber mit dem Paß ins Ausland wird es schwer gehen, ich glaube nicht, daß sie ihm einen geben!"

O, wcnn's weiter nichts ist." sagte Herr Walter lachend, so sein Sie nicht bange. Sie gehen ohne Paß, ich werde schon dafür sorgen, daß Sie unangefochten über die Grenze kommen! Meinen Sie, daß Sie der

; erste waren, den ich nach Sachsen geschwärzt habe? Ich bin einmal mit vier Choristen und einem Primgeigcr am hellen lichten Tag hinübcrgegangen!"

Aber wenn ich mich heimlich entferne, so darr ich dann Nicht wieder zurück, und mein Vaterland auf immer verlassen,"" Jakob's Stimme wurde weich dabeidas, das könnte ich nicht!""

Mein Gott! das ist auch gar nicht nöthig. Ich bin entzückt von Ihrem Patriotismus, solche Begeisterung ist bei einem darstellenden Künstler viel werth, aber Sie stellen sich das viel schlimmer vor, als es ist. Wenn Sie als ein ausgezeichneter Sänger wiederkommen, wird Ihnen kein Mensch den Eintritt verwehren! Im Gegen­theil wird man stolz aus Sie sein , und froh, daß man Sie wieder hat! Den Künstlern wird allenthalben etwas nachgesehen, und zum Glück haben wir nicht nöthig, uns wie die Schriftsteller mit Politik abznqebcn den Masa Niello auf, oder ihn außer der Bühne dar­stellen, ist ein himmelweiter Unterschied! Ueberlegcn Sie die Sache, wenn Sie gefallen, woran ich nicht zweifle, so sichere ich Ihnen ein dreijähriges Engagement mit fünfhundert Thalern jährlich zu Sie sind dann mit einemmale ein gemachter 9?huin. Ich bleibe hier bis Uebermorgen bis dahin haben Sie Zeit sich m be- sinnen. Aber nun zu etwas Anderem, meine Herren! wie hat Ihnen die heutige Oper gefallen? eine ven treff­liche Leistung , Du sollst leben, Bruder! ich habe Deinen Part noch nicht besser singen hören!"