er freiwillig ins Heer, ging 1799 mit dein von Cavallo zu stellenden Kontingent nach Aegypten, um gegen die Franzosen zu kämpfen und hatte bereits durch Tapferkeit und militärische Befähigung einen bedeutenden Ruf erlangt als die Franzosen 1801 Aegypten räumten. In den darauf folgenden Wirren, den Konflikten zwischen den türkischen Pascha's, den Mameku- ken, den Albanesen u. s. u. spielte er die wichtigste Rolle; keine Intrigue, keinen Verrath scheuend, an geistigen Fähigkeiten allen überlegen, hatte er endlich , 1806 das Ziel seiner Wünsche erreicht. Cairo rief ihn zum Vicekönig aus und die Pforte installirte ihn in dem Paschalik gegen die Zahlung von 4000 Beuteln (damals etwa 1% Mill. Thlr.). 1808 erhielt , er den Befehl, die fanatische Sekte der Wechabiten, 1 welche die heiligen Städte Mecca und Medina geplün- I dert hatten, zu unterwerfen. Er wagte aber seine Truppen nicht aus Aegypten zu ziehen, bevor nicht die Macht der Mameluken vollständig gebrochen war. Am ' 1. März 1811 wurden sie von ihm nach der Citadelle von Cairo eingeladen, um der Investitur seines Soh- I nes Tussun, als Chef der Erpedition gegen die We- ; chabiten, beizuwohnen. Als die Ceremonie vorüber war, wollten die Mameluken wieder heimreiten, aber i die Thore der Citadelle waren geschlossen und ein plötzliches Muskctenfcuer streckte sie nieder. Gegen 470 mit ihrem Haupte Ibrahim fielen hier; 1200 andere wurden in den Provinzen getödtet, das furchbare Corps, seit lange die Plage Aegyptens, war durch diesen Verrath vernichtet. Nachdem sich Mehemed Ali darauf zum Herrn Oberägyptens gemacht hatte, entsandte er , endlich 1811 seine Armee nach Arabien gegen die We- chabiteu. Der Krieg dauerte 6 Jahr und wurde erst nach großen Opfern an Menschen und Geld von I- brahim Pascha beendet. Die Eifersucht der Pforte gegen den mächtigen Vasallen war inzwischen schon lange 1 rege geworden; 1813, als Mehemed selbst nach den Hedschas gegangen war, um den Feldzug gegen die Wechabiten zu leiten, ernannte sie im Geheimen Latif
Pascha zum Vicekönig von Aegypten, mit dein Auftrage, Mehemed Ali zu verdrängen. Des letzter» Kriegsminister, Mohammed Bay, vereitelte indeß diesen Plan , indem er scheinbar darauf ciuging, Latif Pascha verleitete, sich offen als Vicekönig zu procla- miren und ihn dann enthaupten ließ. Der Aufstand der Griechen zwang dann später die Pforte, wieder die Hülfe ihres Paschas in Anspruch zu nehmen. Am 16. Juli 1824 segelte Mehmed's Flotte, 163 Schiffe stark, unter dem Befehl seines Sohnes Ibrahim nach Morea ab, das dieser bekanntlich 3 Hahre lang besetzt hielt, bis er sich in Folge der Slacht von Nava- rin (20. Okt. 1827) zurückziehen mußtr. 1830 er
hielt Mehemed Ali die Verwaltung Candias. Alle seine^Gedanken waren aber von nun an auf den Besitz Syriens gerichtet. Den Vorwand zum Bruch mit der Pforte gab die Auswanderung von 6000 Aegyp- tern nach Syrien. Mehemed Ali forderte von dem damaligen Gouverneur in Acre, Abdallah Pascha, ihre Auslieferung. Abdallah verweigerte sie, weil die Auswanderer in Syrien so gut wie in Aegypten in dem Reich des Sultans seien; Mehemed Ali ließ erwiedern, dann würdt er sich die 6000 und noch einen dazu holen , und am 2. Nov. 1831 brach das ägyptische Heer nach Syrien auf, welches in wenigen Monaten vollständig unterworfen ward, und, nachdem die türkischen Heere wiederholt geschlagen, Mehemed Ali für immer gesichert zu sein schien.
In dem unter Garantie der europäischen Mächte am 14. Mächte am 14. Mai 1833 geschlossenen Frieben ward ihm in der That Syrien nebst dem Distrikt Adana abgetreten, wogegen er sich als Vasall des Sultans besonnte. Bis 1839 blieb Mehemed Ali im ruhigen Besitz Syriens. Wie dann Sultan Muhamed Heer und Flotte zur Wiedereroberung der Provinz organi- sirte, das Vordringen Ibrahim Pascha's nach den Niederlagen der türkischen Armee unter Hafiz Pascha eine europäische Krisis herbeiznführen drohte und England, Oesterreich, Rußland und Preußen in Verbindung mit der Pforte den berühmten Vertrag vom 15. Zuli 1840 schlossen — die Blockade Alerandria's, das । Bombardement der syrischen Küsteustädte re. gehört der 1 neuesten Geschichte an. ' I
Frankreich ließ Mehemed Ali im Stich; er mußte sich in den Verlust Syriens ergeben und mit dem Paschalik von Aegypten begnügen. Die definitive Annahme der Bedingungen erfolgte von Seilen Mehemed Ali's am 10. Juni 1841. Seitdem ist Aegypten völlig in den Hintergrund getreten, aus dem es sein jetziger Herrscher, Abbas Pascha, nicht hervorziehen wird.
Nassauischer Landtag.
Sitzung vom 31. August.
Bei Eröffnung der heutigen Sitzung theilt der MinisterinlPräsident mit, daß das Gesetz über Abgabe von Diäten an die Geschwornen die Herzogliche Sanktion nicht erhalten habe, dahingegen brachte er einen Gesetzentwurf ein, nach dem die Geschwornen, die mehr als eine Stunde von dem Orte des Schwurgerichts wohnen, für jede Stunde des Hin- und Herwegs 24 kr. erhielten. W i m p f trägt darauf an, die Berichterstattung über den Mettauer Wegbau auf die nächste Tagesordnung zu setzen, welchem Antrag sich
Znug II. anschließt; erhält die Genehmigung der Kammer. Lang übergibt eine Petition der 'Wiesbadener Wehrmänuer. Darauf trägt v. Eck das Majoritäts- gutachtcn über den Haupt'schcn Antrag vor, der darauf hingeht, die Sache bis nach erfolgtem Spruch der Gerichte auf sich beruhen zu lassen. Das Specialvotum von Creutz beantragt eine Mißbilligung des Verfahrens des Ministerüims in der fraglichen Angelegenheit. Der Majoritätsantrag ging durch mit 18 Stimmen (Wirth, Bellinger, Keim, Tripp, Schmidt, Ilnzicker Schlemmer, Preiß, Blum, Remy, v. Eck, Leiste/ Bertram, Rau, Bollmann, Heydenreich, Müller L und Fresenius. Heyl und Großmann enthalten sich aus Großmuth der Abstimmung.) Für das Crentz'sche Specialvotum stimmen Jung II., Gergens, Braun, Jung I., Habel, Hehner, Born, Haupt, Wimpf, Wehr- friy, v. Gödecke, Creutz, Zusti, Lang. (Naht, Wencken- bach, Müller II und Snell hatten die Sitzung verlassen.) Es kommt jetzt eine Anforderung der Regierung zur Unterdrückung der Viehseuchen, und werden 8000 fl. bewilligt Darauf gelangt die Versammlung zurDis- cussion über die von der Regierung vorgeschlagenen Abänderungen des Gensd'armeriege^etzes. Heydenreich erstattet Bericht in seiner Manier. Gergens beantragt Aussetzung der Berathung und Zurückgabe der Reg^rungsvorschläge zur nähern Erwägung. Der Antrag fällt gegen 16 Stimmen durch. Die Kammer zieht daher die Regierungsvorschläge in Betracht, welche sämmtlich mit einer festen Majorität von 20 Stimmen angenommen werden. Haupt interpeUirt noch das Ministerium über das fernere zur Disposition Stellen der Truppen in Baden, und wer die Unkosten des länger« Aufenthalts trage; alsdann, warum der Entwurf zur Reorganisation der MeVicinalverfassung noch nicht veröffentlicht sei, damit das Publikum sich über denselben aussprechen könne.
B e r i cb t i ß k it g.
In einem Artikel Ihres gestrigen Blattes (** Wiesbaden) greift der Verfasser desselben auch meine Berichte über die laudständischen Verhandlungen im „Frankfurter Journal" an, indem er meine Worte: „auch noch einen Forststrafprozeß-Gesetzentwurf", worin das Wort Prozeß in Folge eines Druckfehlers ausgelassen war, dahin deutet, als wenn ich noch einen Forststrafgesetz- entwurf gemeint habe, da die Worte „noch einen" in großen Lettern gedruckt sind, während sie doch in Verbindung mit dein vorhergehenden „auch" ihren rechten Sinn merken ließen.
Ein Correspondent des Frankfurter Journals
Verantwortlicher Redakteur: I Oppermann.
Bekanntmachungen.
(«sw Kirchweihe zu Rumbuch.
Sonntag den 2., Montag den 3. und Sonntag den 9. September findet in Rambach Kirchweihe statt, wozu höflichst eingcladcn wird.
Ph. Fischer. L. Fritz. L. Häuser. C Merkel & L. Simon.
(887) Bei F. A. Brockhaus in Leipzig ist erschienen und durch alle Biichhandltmgcn zu beziehen:
Entwurf
zu einem allgemein deutschen Civilgesetzbuche n ebst Motive it
von Friedrich August Freiherrn von Preuschen-Liebenstein, Hos^erichtsrath zu Usingen.
Gr. 8. geh. (32 Bogen) Ladenpreis 2 Thlr.
(968) Bei Schreinermeister Dörr auf dem Hcidcnbcrg in Wiesbaden stehen 4 Aepfel- mühten zum Verkauf bereit.
Frankfurt. Cours der Staats Papiere. Schluß der Börse.
Den 30. August 1849.
pCt.
Papier
Geld
Den 30. August 1849.
pCt.
Papier
Geld
Oesterreich
Metalligues Obligationen ....
5
83%
83%
Darmstadt
Obligationen........
3’'2
89 %
80
ff
ff ff » • t t
4
66%
ff
4
893/b
88%
ff
3
49%
49 1
ff
Lotterie-Anlehen von 50 fl. . . .
—
72 38
71%
ff
ff v * '
2%
44%
44 %f
ff
25 st. Loose........
—
25
24%
ff
Wiener Bank-Actien.....
3
1230
Knrhesscu
Friedrich-WilhelmS-Nordbahn . .
4
45
44%
âOO fl. Loose........
—
1417,
141 1
ff
40 Thaler Loose bei Notlflchild . .
—
31
30%
ff
250 fl. Loose von 1839 ....
—
89%
89%'
Nassau
Obligationen........
5
101%
101
ff
Bethmännische Obligationen . . ,
4
69
687,
ff
Obligationen bei Rothschild . . .
3'/2
84%
83%
ff ff • • •
47,
79
78
ff
ditto 25 st. Lovze . .
—
23%
•23%
Preußen
50 Thaler Prämien-Scheine , . .
103
—
Frankfurt
Obligationen........
3
80%
79%
StaatS-Schnld-Scheine a 105 . .
3%
88
87%
ff
ditto von 1839 ....
3%
•'3%
93%
Bayern
Obligationen........
3%
8-2%
82%;
ff
ditto von 1816 ....
3' ,
< 0%
—
ff
Ludwig-Kanal-Actien incl. d. v. 6.
—
45
— 1
Tannus-Eisenbahn-Actien a 250 fl. .
—
ras
294
ff
Bexbacher Eisenbahn-Actien . , .
—
80%
80%
Holland
Jntcgr.-Obligatioucn.....
‘2%
53%
52%
Wurlcuib.
Obligationen........
4%
93%
93%'
Syndicats.........
3 7,
—
—
Baden
Obligationen........
Lotterie-Aulehen a 50 fl. von 1840
3% 5 3%
81%
96%
77% 50%
80%
96 ;
77%'
49%'
Spanien
Polen
Innere Schuld neue Obligationen .
Ardoins incl. 14 Coup.....
Lotterie-Loose 300 ...... ditto 500 ......
3
21 %
107
78%
27
-
—
78
35 fl. Loose vom Jahr 1845 . . .
—
30%
30 l, Sardinien
36 Frs. Loose bei Gebr. Bethmann
—
30%
_ 29%
Cours der Wechsel.
Den 20. August.
Kurze Briefe
Sicht Geld
Zwei Briefe
Monat
Geld
Gold- und Silber-Sorten.
Neue Louisd'or............
Friedrichöd'or.............
20 Frank-Stücke ...........
Holländische 10 fl. Stücke........
Englische Souvcrains..........
Hochhaltiges Silber .........
Gering-mittelhaltiges Silber........
ft.
11
9
5
9
10
12
1
24
(Frk
kr.
6 53% 39 38
I
3
45
30
I.)
Amsterdam, 100 fl. Crt. . . , Augsburg, 109 st. Crt. . . . Berlin, 60 Thlr...... Bremen, 50 Rthlr. in Loulod'or. Hamburg, 100 Mrk. Leo. . . . Leipzig/60 Thlr. _.....
„ in der Messe ....
London, 10 Livr. St.....
Lyon, 200 Fr.......
Paris, 200 Fr.......
Mailand, 250 Lir. Austr. . . . Wien, in 20r 100 fl. C.-M. . . Diskonto ........
119%
105%
98%
105%
121
107%
100%
87%
120%
83'4 95%
87%
99%
1'20%
Druck und Verlag der E. Rttter'schcn Buchdrnckeret.
Steinkohle«.
In den Monaten Scptbr., Octbr., Nvbr. d. J. kommen Schiffe mit Steinkohlen von vorzüglicher Qualität für uns an, welche zu sehr billigen Preisen vom Schiffe wie aus dem Magazin nach preuß. Scheffelmaaß geliefert werden, für Kunden findet während des Winters keine Preiserhöhung statt. Anfragen und Bestellungen so wie auch Zahlungen können bei den, Agenten der Cölner Dampfschigfahrt-Gcsellschaft Hrn Carl Leyendecker in Wiesbaden gemacht werden.
Biebrich im August 1849. Jean JBlecs «§ Comp.
(965)
General - Versammlung
des Wiesbadener Lehrer-Vereins.
Samstag den 1. September, 5 Uhr Nachmittags, zu Wiesbaden in der „schönen Aussicht" am Dotzhcimcr Weg. Der Vorstand.
(967) Meine Wohnung ist gegenwärtig Untcrwebergaffe in der 3iestauration von Hrn. Kieme. D. Fay.
^ i l a n d a.
(969) Donnerstag, den 6. September des Abends wird die Filanda der Nassauischen Seidenzucht-Gesellschaft für dieses Jahr geschlossen.
Danksagtlinz.
(971) Meinen verbindlichsten Dank allen den edlen Menschenfreunden, die sich meiner während und nach dem mich so hart betroffenen Braudunglücke so gütig aunahmcn; nur der schnellen Hülfe im Augenblicke der Gefahr und der unmittelbar folgenden thätigen Fürsorge konnte cs gelingen, mich vor größerem Unglücke zu bewahren, meine Cristenz zu erhalten. Heinrich Joost, Friseur.
G e s ii ch.
(970) Gegen guie Hypothek werden zu leihen gesucht 1200 fl. Näheres bei Amts» scribent Bingel zu Nastätten.
(963) Ui terzeichneter erlaubt sich die verehrten Damen aufmerksam zu machen, daß die reichhaltige Auswahl in französischen Cor- sette» vieler fertigen Gegenständen, als Man- tiUcn-Ueberwürse, Chemisetten, Häubchen aller Arien, weißen Stickereien re. nur noch einige Tage in so großer Auswahl zu haben sind.
Wiesbaden, den 3o. August 1849.
Joh. Phil. Altstätter.
(957) In der Saalgasse Nro. 20 ist ein möblirteS Zimmer mit Kost zu vermiethen. (945) Ein Militär-Cinsteher, der bereits dient hat, wird gesucht. Näheres bei der Erpedition dieses Blattes.