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Wiesbaden. Mittwoch, 29. August

Freiheit und Neeht!"

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Monta----------------- ---------- - - _ _

durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Zuserä'we^n k-â"^ ^ogen. Der Ak»» ^- hh: , L - ---,

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CR. Derwahre Conftitutionalismus" der Kammermajorität.

Vom Taunus. Nachdem das Freiheits- und Ncchtsbewußtsein des deutschen Volkes in seiner Gel­tung so viele Stadien durchlaufen, ist endlich gleich­zeitig mit dem Stadium der preußischen Oktroyirung, mit dem renovirten historischen Rechtsboden, das Pro­gramm der konstitutionellen Partei der nassauischen Abgeordnetenversammlung und ein Landtagsblatt in die Welt getreten. Fast unbegreiflich ist es für uns, wie diese Männer im Bewußtsein ihres redlichen Willens so lange es haben über sich gewinnen können, dieses kräf­tige Mittel gegen die Verfälschung des gesunden Ur­theils durch eine unbesonnene, stets überstürzungslnstige, anarchische Partei dem Volke so lange vorzuenthalten. Wie wirksam und nothwendig wäre diese offizielle Ein­wirkung in der Zeit der lebhaftesten politischen Agita­tion, wo eben jene rührige Partei so viel Unheil an­richtete, gewesen, um so manches jetzt verlorne Schaf in dem Pferche der politischen Orthodoxie zu erhalten. Dies Programm enthält die Grundsätze, welche die Abgeordneten der Kammermajorität bisher befolgt haben und auch künftig zu befolgen Willens find. Wohl wird mancher darob erstaunen, dem es aus der Stellung der meisten ihrer Glieder den vielen bisher vorgelegten Fragen gegenüber unmöglich war, ein durchgebildetes, selbstbewußtes Urtheil bei diesen vor­anszusetzen, wenn er jetzt liest, daß die Majorität schon lang ein fest auf Grundsätze organifirtes Ganzes war.

Das Programm, welches auf den Beifall der be- sonnenern Mehrheit des Volkes rechnet, und selbst der Regierung ein imposantesBis hieher und nicht wei­tes entgrgruhält, behandelt als zweiten Theil die in­nern Angelegenheiten des Herzogthnms und stellt da­rin Grundsätze für die demnächst aufzustellende Landes­verfassung auf. Es ist für die Nassauer von großer Wichtigkeit, diese Grundsätze genauer anzusehen, um zu wissen, was es von der Mehrheit seiner Vertreter in jener hochwichtigen Angelegenheit zu erwarten hat. Sie spricht sich für den wahren Constitutiona- lismus aus, gestützt auf die Verhältnisse Englands, Belgiens rc., wo sich diese Staatsform als die beste bewährt habe. Als seine Kennzeichen bezeichnet sie eine strenge und gerechte Abgränzung der Rechte und Pflich­ten des Staatsoberhauptes und der Regierung, wie des Volks, eine starke Regierung in Uebereinstimmung mit der Volksvertretung, als seine Früchte die Herrschaft der vernünftigen Freiheit und eines geordneten Rechts- zustandes. Der Kern des politischen Elements, das neben dem socialen die Bewegung des Jahres 1848 erfüllte, ist doch unläugbar das Streben des Volks nach Selbstregierung. Das Resultat dieses durch das Recht der Gewalt gehemmten Strebens ist auf der Entwicklungsstufe des Augenblicks die Betheiligung des

Volks an der Regierung nach vorhergegangener Ver­einbarung oder vielmehr Oktroyirung. Diese Bethei­ligung wird durch die Kammer geübt, darum fühlt auch das Volk in ungeheurer Mehrheit die gewaltige Bedeutung des Wahlrechts, Darum hat das preußische Wahlgesetz jene großartige Nlchtbetheiligung, einen Akt passiven Widerstandes von höchster moralischer Bedeu­tung hervorgerufen. Je nach dem Wahlgesetz ist das Zusammenwirken von Volksvertretung und Regierung entweder höchst wichtig, oder rein illusorisch, da ja sonst beide Faktoren der Gesetzgebung durch Die herr­schende Gewalt einem und demselben geringen Ele­mente des Volks entnommen sein können und werden. Darum ist das erste Erzeugmß des Fortschritts in der Freiheit Die Erweiterung, des Rückschritts die Veren­gung der Grenzen des Wahlrechts. Wie also hier Die Art der Vertretung des Volks durch sein Organ, die Kammer, der Modus des Wahlrechts, so ist für die Wirksamkeit dieses Organs cS von der größten Bedeutung für das Volk, ob der Regierung ein abso­lutes oder suspensives oder kein Veto zugestanden sei. Deshalb muß Der besonnenere wie der unbesonne­nere Theil des Volks an ein Programm, welches ihm Betrauen einfloßen soll, die Anforderung stellen, daß klar und unumwunden ausgesprochen sei, welche Hal­tung Die Majorität diesen großen Fragen, Die im gan­zen denkenden Volke als Hauptfragpunkte des politi­schen Glaubensbekenntnisses eingewurzelt sind, gegen- über entnehmen wolle. Klar muß aber die Antwort sein, weil nach so vielen bittern Täuschungen Vertrauen ohne Die strengste Prüfung jetzt eine Verletzung der wahren Bürgerpflicht, für Die Die harte Strafe nie­mals ausbleibt. Wie antwortet nun Die Majorität in ihrem Programm in Bezug auf das Wahlrecht? Die deutliche Antwort sucht man vergeblich, man muß sie ent­lehnen aus dem Schlußsätze jenes zweiten Abschnittes: Sie will das am 4. März bewilligte allgemeine Wahl­recht durch den friedlichen Kampf des Geistes auf den constitntionellen Boden einführen. Heißt das etwa, man will jenes heilige Recht, das die Mehrheit des deutschen Volkes aus Dem Stande politischer Parias rettet und so die wahre Grundlage eines mächtigen und freien Staates, die allgemeine, bewußte Theil­nahme des Einzelnen am Ganzen, sichert, das die Nas­sauer als unantastbares Eigenthum im Kampfe für ihr Recht gewannen, entweder entziehen oder in fried­lichen Kammer de batten durch Spitzfindigkeiten verhunzen? Wird inan dem Volke vielleicht zutranen, das allgemeine Wahlrecht sei auch gewährleistet bei jenem preußischen System, wo der Mensch mit Dem Baron und Rentier beginnt? Glaubt man, es lege sich selbst die Schuld des Verlustes bei, weil es sich im Augenblicke der Begeisterung nicht gegen solche damals undenkbare Möglichkeiten durch juristische Klau­seln gesichert habe? Wenn man dies glauben und danach handeln sollte, dann muß man aber auch be­kennen, die Ideen, die Den 4. März hervorriefen, ver-

leugnet zu haben. Eine deutliche Erklärung über das Wahlgesetz, welches die Mehrheit der Kammer stützen wird, findet sich, wie gesagt, im Programme nirgends. Wie will nun aber der wahre Conftitutionalismus der Majorität die Stellung der Regierung zum Volke, dessen Organ Die Kammer ist, feststellen? Dnrch strenge und gerechte Abgrenzung der Pflichten des Staatsober­hauptes und der Regierung, wie des Volkes, als sicherste Bürgschaft für die vernünftige Freiheit durch einen gesetzlich geordneten Rechtszustand. Das ist die Antwort auf die Frage nach Berechtigung des Volks­willens. Lese man alle Thronreden vor Dem März 1848, es wird sich nicht eine finden, welche nicht dieselben Begriffe, wenn auch in an Derrn Wortlaute enthielte. Vernünftige Freiheit, Gesetzlichkeit, Liebe rc., das ist der permanente Schatz der dort heimischen Phrasen. Aber es ist doch ein Unterschied: die Fürsten, als Die Vertreter Der herrschenden Gewalt, suchen durch I diese Begriffe Manchen, der nicht hell sieht, zu ver- ! söhnen, Die Mehrheit einer Kammer aber, die aus i dem Volke hervorgegangen und diesem, wenn auch nur moralisch, verantwortlich ist, will durch solche banale Phrasen theils sich gegen dasselbe rechtfertigen, ja, was noch stärker ist, ihr Vertrauen im Volke erwei­tern. Wenn doch ein Wunder geschähe, und die schöne Idee: vernünftige Freiheit in der Gesinnung ent­sprechenden Lauten auf den Lippen Vieler nnwillkürlich ertönte, es würde be^er um das Urtheil eines so leicht verführbaren großen Theils des Volkes und um die Sache Der Freiheit stehen. Aber die Majorität ruft als Gewähr für ihren wahren Constitutionalismns Die Zustände in England, Norwegen Belgien rc. an Es ist unsere Aufgabe nicht, eine Kritik der Verfassungen jener Länder zu geben, besonders Vertretern des Landes gegenüber, die sie doch hoffentlich insge­sammt kennen werden (?). Aber so wenig wir den Werth der Vergleichung mit andern Staatsverfassun- gen verkennen, so unleugbar ist es, daß damit ein ju großer Mißbrauch getrieben wird. Haben jene Länder dieselben Elemente, dieselbe Vergangenheit wie Deutschland, reiht sich nicht in Der Geschichte im or­ganischen Zusammenhänge jedes Glied an das vorher­gehende und ist bei anderen Voranssetzniigen ein an­deres ? Darum hätte Die Majorität statt im Allge­meinen die Berechtigung ihres noch dazu so unbestimmt hingestellten Prinzips durch Hinweis auf die Namen jener Länder darzuthun, zeigen sollen, mit welchen Ver­änderungen jene Staatsverfassllngen auch bei uns nach ihrer Ansicht das wahre Volkswohl fördern Tomaten. Wenn man nun Die Majorität fragte: Wird Der Tisglische Consti- ttttionalismus uns das absolute Veto, das dem Buchstaben nach gilt, empfehlen, so sucht man die Antwort im Programm vergebens. Aber dagegen findet man an zwei Stellen eine Verwarnung vor den die thatsäch­lichen Verhältnisse nicht berücksichtigenden Ueberstür- zungen und fortwährenden Revolutionsgelüsteu. Jedem, der Die Berechtigung wahrer Ueberzeugung anzuerken-

Die beiden Studenten.

(Aus denBöhmischen Dörfern" von Uffo Horn.)

(Fortsetzung.)

Johann war geschäftig durch das ganze HauS Linsen, hatte überall nachgesehen, und wartete nur

ge- an

der Treppe, um die Familie deS AmtsdirektorS nach Ge­bühr zu empfangen.

Die Alten, besonders die Mama, waren stattlich ausgcpuyt, aber so freundlich sie Johann begrüßten, waren sie gegen Jakob, der sie die letzten Tagen über nicht gesehen hatte, auffallend steif und förmlich. Auch Milada schien beklommen und gedrückt, aber ihr Dank war freund­lich und herzlich wie immer, und tröstete den erschrockenen Jakob, der in den verzogenen Gesichtern der Alten schon eine Bestätigung seiner Besvrgniß sand, daß der AmtS- schreiber Kirchel seine Drohung bereits ausgeführl habe. Einige Minuten später langte auch der Rentmeister an, und mit ihm die beiden Amtschreiber. Jakob sah zu seinem bittersten Verdröße, daß Kirchel, wie ein Hoch- zeitbittcr aufgeputzt, sogleich auf den AmtSdirektor geilte und von diesem ebenso freundlich, als Jakob vorhin förmlich und steif, empfangen wurde.

Johann flog geschäftig hin und her, überzählte die bereits Anwesenden und gab endlich der Musikbaiide das Zeichen, anzufangen. |

Auf einer Meranda fand stets eine zierliche Ver­einigung großstädtischer und lautlicher Sitte statt, fried­lich beüandcn Polonaise und Reydowak, Cottillo» und Pvlstertanz, Walzer und Winker neben einander. Er­öffnet wurde der Ball mit einer Polonaise , und aller Augen waren begierig, mit wem Johann, als Haupt- ordner des Festes, zum Tanz antreten werde. Es war dies heute ein bedenklicher Casus einegeprüfte Rät hin" zwei Oberamtmänninnen, drei Dircktorssranen, und sogar eine Gutsbesitzerin waren gegenwärtig. Wem nun den Vorrang zugestchen? Johann hatte in seinem Freuden- und Liebesrausche an diese ernsthafte Verwickelung nicht gedacht, und stand eine Weile befangen und nnent- schlossen. Die Damen, welche in sich das Bewußtsein ihrer Würde und des gerechten Anspruches auf diese Auszeichnung hatten, blieben hartnäckig sitzen, nud be­vor sich Johann nicht entschieden hatte, durfte auch kein Anderer sie auffordern. Johann war allerdings in böser Klemme, aber er faßte einen herzhaften Entschluß und, seine künftige Schwiegcrmama an der Hand, was mit einem halblautenAha" ausgenommen wurde, setzte er sich unmuthig und würdevoll an die Spitze des Zuges.

Die Frau Direktorin crrölhete holdselig, als sie da- hinschlcifte, ihr Busin schwoll jugendlich, als sie die Gutsbesitzerin, die Rath in, die Oberamtmäuninnen hinter sich husten, gackern und boshaft kichern hörte, dieselben Frauen, tenen sie sonst bescheiden nachgetreten war. Solche Auszeichnung hatte sie lange ersehnt; heute

war so zu sagen ihr zweiter Ehrentag, heute war sie 1 thatsächlich die Königin deS Festes, und hätte ihre Tochter LiduSka Den Johann nicht schon hinlänglich ge­liebt, von heute an hätte sie es bei Gefahr des mütter­lichen Zornes thun müssen.

Aber nicht alle Paare befanden sich so wohl und heiter, wie das erste; Milada tanzte mit schwerem Herzen und gerunzelter Stirne. Sie kam sich ebenso ungeschickt und häßlich vor an der Seite dcö Amtschrcibcrü Kirchel, der sie beim ersten Trompetenstoß zum Tanz anfgefvr- dert hatte, als sich ihre Mutter flott und jugendlich an Johanns Seite vorkam. Jakob tanzte gar nicht, er stand mit ernsthaftem Gesichte in einer Ecke und ver­folgte das geliebte Mädchen unausgesetzt dnich alle Win­dungen und Figuren deS Tanzes. Endlich gab Johann mit aufgehobener Hand das Zeichen, die Polonaise zu beendigen, die Musik schwieg, und die Paare zerstreuten sich. Der glückliche Vortänzer hatte nichts eilfertigeres zu thun, alS seine Geliebte anfzusuchcn, Die mit einem dicken Rentmeister getanzt hatte, und seiner mit Ungeduld wartete. Nachdem die ersten freudigen Gruße und Lob- sprüche vorüber waren, nahm Liduska Johanns Arm, und ging mit ihm durch den Saal. Sie duzten sieb be­reits in'S Geheim, und Johann war nicht wenig er­staunt, als LiduSka ihm leise zu flüsterte:

ES hätt' heute nicht viel gefehlt, Hansi! so wäre Die Schwester gar nicht auf die Meranda gekommen!"

Und warum denn?""