e Zeitung.
„Freiheit und Leeht!"
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Wiesbaden. Sonntag, 26. August
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Zur nassauischen Verfassnngsfrage, insbesondere von der projektirten Codisskation.
Rückblick auf die Kammersitzung vom 8. August.
# Wiesbaden, den 24. August.
Als die Kammer nach ihrer letzten vierwöchentlichen Vertagung wieder sich versammelte, schrieben wir kurz vor ihrem Zusammentritt unter dem 10. Juli: „Mittlerweile sind der Kammer die Trauben sehr hoch gehängt worden und bei der Regulirung der Domänen- wie bei derjenigen der Verfassungsfrage: Angelegenheiten, welche zum größten Nachtheile des Landes bis heute noch nicht erledigt sind, und deren Erledigung zuerst, ohne Verzug und ohne Unterbrechung, von den Ständen bei ihrem Zusammentritt angcstrebt werden mußte, wird das Land vielleicht sehr bittere Erfahrungen machen müssen."
Diese Voraussage ist dann auch leider nur zu wörtlich in Erfüllung gegangen: von einer endgültigen Festsetzung der Civilliste ist gar keine Rede mehr, und eine Verfassung für unser Land wird nicht berathen, sondern nur das letztere mit einer Codifikation der „jetzt zu Recht bestehenden staatsrechtlichen Bestimmungen" abgespeist werden.
Daß unser Ministerium keine große Lust bezeigte, ernstlich auf die Festsetzung der nassauischen Verfassung einzugehen, ist ebenso verwerflich, als bei dem bekannten Charakter unseres dermaligen thatkräftigen, stets nach den hohen Winken, welche gnädigst an dem gottbegnadeten Berliner Hofe gegeben werden, blickenden Ministeriums, sehr begreiflich.
Finden wir nun das Verhalten der nassauischen Regierung ni Vcv >,.>ffe.«»sH«>» fpßr tadelnswert!) ; so dürfen wir doch auch keineswegs die Kammer selbst von aller Schuld an dem Nichtzustandekommen des nassauischen Verfassungswerks freisprechen.
Die Kammer, welche mit einigen Unterbrechungen schon seit dem 22. Mai des Jahres 1848 tagt, hätte viel früher, und wie gesagt, gleich bei ihrem Zusammentreten die Erledigung der Verfassnngsfrage aufnehmen müssen. Die Arbeiten der Frankfurter Nationalversammlung standen der Firirung der nassauischen Verfassung auch gar nicht im Wege: man durfte ja nur die rechtlichen Beziehungen Nassan's zu Deutschland als offene Fragen behandeln, oder diese letzter» Fragen, wo cs unumgänglich nöthig, provisorisch re- guliren. Der Dessauer Landtag und die preußische National-Versammlung haben auch zur? Zeit, als das Parlament die Verfassung von Deutschland zu gründen bemüht war, rüstig an den Verfassungen ihrer speziellen Staaten gearbeitet.
Das Verfahren derjenigen Volksboten nun gar, welche Hand in Hand mit dem Ministerium in allerneuester Zeit und zwar in der Sitzung vom 8. August
das Verfassungswerk vereitelten, ist nur geeignet, den nicht oft genug zu wiederholenden Satz:
„daß die gesetzgebenden und verfassunggebenden Versammlungen die Revolution scheinbar an den ConsiitutionalisinuS, in der That aber an den Absolutismus überliefert haben"
seiner ganzen Bedeutung nach, zu bestätigen.
Sehr charakteristisch für die Stellung, welche der nassauische Landtag, dem Lande gegenüber, einnimmt, ist es nun: daß das letztere, trotzdem daß sehr wichtige Landesangelegenheiten noch unerledigt sind, keinen sehnlicheren Wunsch hat, als den, der ewige Landtag möge sich endlich zur Ruhe begeben. Schon auf dem Idsteiner Landeskongreß hat sich die Meinung, welche im Lande über den jetzigen Landtag herrscht, sehr entschieden und sehr unverhohlen kund gegeben und man darf sich daher nicht sehr darüber wundern, daß, wie der Abgeordnete Lang in der Sitzung vom 10. August sagte, bei einem Theile der Versammlung ganz ernstlich die Frage aufgeworfen worden ist, aus tiefer Versammlung auszutretcu.
Die „praktische Mehrheit der Kammer" hat aber noch nicht Lust, von den süßen Wollsäcken der Volksvertreter endlich einmal herabzusteigen: sie will noch gerne einige Blümlein pflücken. Das mögen nun sehr magere und übelriechende Blümlein sein, welche die Säbel und Bajonette des weißen Czaren, des Wrangel und Windischgrätz nach ihrer großen Razzia gegen die blumenreichen Gefilde der ungekünstelten und uneingeengten Volksfreiheit noch verschont haben; doch das kümmert die zarten Blumenmännlein nicht:
„Sie wissens wie Diäten
Ost helfen aus den Nöthen
Nnd schmecken gar nicht dumm."
Zu den zarten Blumen, welche diese Herren noch Codifikation der jetzt in Nassau zu Recht bestehenden staatsrechtlichen Bestimmungen.
Bei dieser Codifikation, deren Wesen vielleicht vielfach ganz mißverstanden wird, wollen wir nun noch einige Zeit verweilen. ~
Die jetzt in unserem Staate zu Rechte bestehenden staatsrechtlichen Normen codifiziren, heißt aber, letztre, welche zerstreut und ungeordnet in verschiedenen Gesetzen nebeneinander liegen, sammeln, und in eine systematische und prinzipgerechte Reihenfolge bringen. So ist das alte und berühmte Corpus Juris civilis das Resultat einer von dem Kaiser Justinian veranstalteten Codifikation, d. h. einer von diesem Kaiser angcordneten Sammlung und systematischen Gliederung der zu seiner Zeit vorhandenen, zu einer ungeheuerlichen Menge angewachsenen Rechtsnormen, welche ohne Beihülfe einer klaren Zusammenstellung gar nicht mehr zu übersehen waren.
Uns ist es nun durchaus nicht zweifelhaft, daß die Herren, welche die Codifikation des jetzt zu Recht bestehenden nassauischen Staatsrechts beantragt haben
von dem Wesen und der Berechtigung einer Codifika- tion auch nicht die leiseste Ahnung haben.
Eine Codifikation setzt eben voraus: einen großen, schwer zu bewältigenden Vorrath ungeordneter Rechtsnormen, sie setzt voraus: eine an' fruchtbaren und wohlthätigen Gesetzen reiche Vergangenheit, und eine Gegenwart, welche eigner Schöpfungskraft selbst entbehrt und sich nur noch damit begnügen darf, die Ueberlieferungen dähingegangener Geschlechter zu sammeln.
Alle diese Voraussetzungen finden sich aber jetzt nicht vor: wiewol wir damit keineswegs gesagt haben wollen, daß gerade die Mehrzahl des gegenwärtigen nassauischen Landtags einen glänzenden Beruf zur Gesetzgebung habe.
Die wahren Gründe, welche die Herrn Antragsteller bei ihrem Projekt der Codifikation leiteten, sind in der That allbekannt: Das jetzige Ministerium hat gleich bei seinem Antritt wenig Lust gezeigt, auf eine nassauische Verfassung einzugehen; gleichwol hat dieß Ministerium bei der Steuerbewilligungsfrage zu verstehen gegeben, es werde sich gerade der Berathung und Festsetzung einer Verfassung nicht widersetzen; als nun die Steuern verbilligt waren, erklärte die Regierung, sie widersetze sich eigentlich nicht einer Berathung der Verfassung, aber sie halte dieselbe jetzt für eine zwecklose Arbeit, welche sie schwerlich genehmigen könne.
Offene und gerade Menschen werden aber ein solches Verhalten immer ein Widersetzen, und gewiß mit Recht, nennen. Die ministerielle Parthei der Kammer aber wurde nun in eine mißliche Lage versetzt: sie wollte weder mit dem Ministerium brechen, noch auch die Verfassung so ohne Weiteres aufgebcn, und damit den gerechten Wünschen des Volkes in allzuschroffer Weise Hohn sprechen.
Was geschah also? Man griff zu demAuskuufts- dssnA §dV^A^ einem Mtttcl, welches aller- theue Eintracht zwischen dem Ministerium und der Kammermajorität wieder herzustellen , durchaus aber nicht tauglich ist, den gerechten Wünschen des Volles in der Verfassungsfrage gebührende Rechnung zu tragen.
Denn vor allen Dingen ist dieser Weg der Codifikation, ein sowol des Volks als der Abgeordneten- versammlung durchaus unwürdiger. Nachdem das nassauische Volk über ein Jahr lang eine Verfassung erwartet hatte nachdem von dem jetzigen, wie dem abgetretenen Ministerium wiederholt die Versicherung gegeben worden, einer Firirung der Verfassung stünde nichts im Wege; nachdem endlich zwei Berfassungsentwürfe hinlänglich vorbereitet und alle Vorarbeiten bezüglich der Berathung des Verfassungswerks vollkommen zum Schluß gediehen waren: setzt das Ministerium, in einer zum Theil die Volksvertretung verletzenden Weise, der Vollendung der Verfassung die größten Schwierigkeiten entgegen.
Und die Kammer gibt sich dazu her, in ihrem Schooße einen Plan auszuhecken, welcher bezweckt, dem
Die beiden Studenten.
(Aus den „Böhmischen Dörfern" von Uffo Horn.)
(Fortsetzung.)
„Dammes Zeug!" rief ein anderer Student, „Du wirst noch zeitig genug ein Heiliger werden! er bereitet sich schon auf das Seminarium vor!"
„„Wenn die Mädeln im Schloß erfahren, daß Du den Spaß verdorben hast, so werden sie sich nicht sehr bei Dir bedanken! Meiner Seele, Iakob! wenn Du nicht mithälst, so sag' ich's morgen gradczn der Lidi und der Mila!""
Jakob erröthete bei diesen Namen und willigte ein — die Andern lachten und lärmten nun, ließen sich die Kurven und daß Rauchfleisch der alten Bäuerin, d e als Mutter eines Studenten, von allen auch „Mutter" genannt wurde, schmecken , und Wenzel war bis in die späte Nacht bemüht, aus seiner, seines Vaters und des Knechtes Garderobe das nöthige Musikantenkostüm herbeizuschaffen. Noch ehe die lustigen Vögel von der Streu aufsianden,
wurde bereits geklopft und Wenzel, der schon vor Sonnenaufgang auf dem Hügel Wacbc hielt, brachte einen der Erwarteten; ehe cs acht Uhr schlug, waren Alle beisammen. Ein tüchtiges Frühstück wurde nun aufgetragen und unter lautem Gelächter metamorphorfirte sich
die lustige Gesellschaft in eine Bande Dorfmusikantcn. Wenzel wurde als Paukentrâger mitgenommen , sein Glück war grenzenlos. Er putzte sich auf, wie ein Pfingstkalb und als ihm die Pauken auf den Rücken gebunden wurden, einer der Studenten mit den Schlägeln hinter ihn trat, und er nun an der Spitze des Zuges maschiren sollte, stolperte er bereits in der Thüre, die Freude hatte ihn blind und taub gemacht. Tas konnte er ja seinen Kin- deskindern noch mit Stolz erzählen, daß er mit den Studenten herumgezogen sei, um zu einer Meranda einzuladen. Welcher Bauernbnrschc in der ganzen Gegend konnte sich einer solchen Auszeichnung rühmen!
9?cbcn dem Paukenschläger schritt Johann, mit der Trompete , hinter ihm Jakob, mit bunten Tüchern nnd Bändern behängt, einen riesigen Blumenstrauß vorn an der Brust, einen grünen Zweig auf dem Hut, einen langen, gleichfalls bebänderten Stock in der Hand tragend. Den Schluß machten in feierlicher Ordnung die klebrigen, jeder ein Instrument in der Hand, welches er nach Möglichkeit lant, wenn auch nicht möglichst schön, zu spielen hatte.
Wenzel schritt nun, nachdem ihm sein Bruder gemüthlich versichert hatte, daß er ein ungeheurer Esel sei, mit etwas gespreizten Beinen ans dem Hofe auf den Fahrweg hinaus. Im Dorfe hatte sich das Gerücht die Studenten seien hier und würden herumziehen, blitzschnell verbreitet, und wie der Zug sich gegen das Schloß Die alten Bauern
bewegte, strömte Alles vor die Thüren.
zogen die grünen Kappen und riefen: „Wir grüßen, Ihr Herren! wir grüßen!" worauf Johann antwortete: „„Wir danken Euch, Landsleute!"" und Jakob schwenkte den Stock, wie eine Fahne. Die Mädchen sahen mit leuchtenden Angen dem dahinschwankenben Zuge nach, d e Bursche beneideten Wenzel, der nun würdevoll voran- marschirte, erröthend im stolzen Selbstgefühl. So langte der Zug vor dem Schlosse an — jeyt pauckte der Schläger darauf los, Johann blies, und die Bande hielt unter einer tollen kreischenden Musik, in die alsbald alle Hunde heulend einstimmten, ihren Einmarsch in den Hof. Hinter ihnen quoll die ganze Dorfjngcnd nach, selbst die alten Bauern keuchten, um das in Lhotta noch nie erlebte Schauspiel, das sie nur vom Hörensagen kannten, mit anzusehen.
Libuska und Mila liefen bei dem Lärm an die Fenster und schrieen beim Anblick des Zuges laut auf: „Mutter! Mutter! cS wird eine Meranda sein! die Stildenten kommen!"
Die Mädchen umarmten sich selig, und der alte Direktor, der den Rummel aus seiner eigenen Stnden- zeit kannte, kam eilfertig heraufgekcucht.
„Geschwind!" Mädle, Wein! Wciu! WaS hast Du denn, Alte, im Schrank?"
„„Braten von gestern!"" antwortete die Direktorin die Hände zusammeuschlagend, „„wcnn'S nur nicht zn wenig ist!""
„Sv gib nur her, was Du hast!" drängte der