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âeiheit und Neckt!"

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Wiesbaden. Freitag, 21. August ~ ,

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, an»* <» .............''" "'^ =g«^^-------- ,

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Umstände ändern die Sache" oder:das constitutionelle Princip."

Motto:Vorsicht ist der beste Bestand­theil der Tapferkeit." Falstaff.

/ Wiesbaden, 21. August. Wem der Ekel vor­der sich jetzt wieder überall so breit machenden Ge­meinheit die Lust zu einer politischen Betrachtung noch nicht vollständig benommen hat, den laden wir ein, seine Blicke der jetzt auf einmal sich constitutionell nen­nenden Partei zuzuwcuden. Unbegreiflich finden wir einestheils, daß jetzt hier und da Menschen sich consti­tutionell nennen, die noch vor wenigen Wochen eine ganz ander Sprache führten, und die auf die heutige Stunde noch nicht wissen, was constitutionell ist, an- derntheils aber, daß einige Männer, denen wir zu­trauen, daß sie es ehrlich meinen, sich von einigen Selbstsüchtigen als Deckmantel für deren so sehr be- mißtraute Thätigkeit gebrauchen lassen.

Als eine gewisse Versammlung zusammentrat, wa­ren fast alle Mitglieder mit wenigen Ausnahmen so sehr demokratisch, daß es kaum eine konstitutionelle Minorität in derselben gab. Dem damaligen Mi­nisterium dem viele Mitglieder persönlich sehr nahe standen und dein die jetzt sog. Constitutitiollen fort­während ihre Anhänglichkeit betheurten, wollte es nicht gelingen, eine zuverlässige Majorität zu erlange»; es mußte deshalb zurücktreten. Das folgende Ministerium begann bekanntlich seine Thätigkeit mit der famosen Vertagung dieser Versammlung, mit Absetzungen und Pensionirungen, mit politischen Untersuchungen rc. Und siehe da! was dem Einen in Güte nicht gelang, das gelang dem Andern durch Schrecken, und während das erstere fast keine Majorität mehr erlangen konnte, hat das zweite alsbald, nachdem es der Versammlung gnä­digst gestattete, wieder zusammenzutreten, eine durch Unterschrift erklärte Majorität, die seitdem, wenigstens in allen nachher von ihr abgestimmten Dingen, nicht mehr gewankt hat. Auf diese Weise ist eine Majori­tät zu Staude gekommen, und sie wird geduldet von denen, die stets Ehrenhaftigkeit, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit rc. im Munde führen!

Wir überlassen es der öffentlichen Meinung, da­rüber zu entscheiden, ob es unabhängig ist, seine Gesinnungen zu modisiziren, je nachdem es die Um- stände räthlich machen, ob es ehrenhaft ist, jed­weder Gewalt zu weichen und sich zu beugen, ob es selbstständig ist, unter anderen Umständen in derselben Sache anderer Meinung zu werden.

Die Herren Konstitutionellen scheinen indessen auch selbst recht wohl zu fühlen, welche Rolle sie spielen, und wie sehr sie dem Volke gegenüber einer Rechtfer­tigung bedürfen. So lange die Herren noch nicht wuß­ten, daß sie constitioneU seien, haben sie keinen sonder­lichen Versuch gemacht, die ihnen damals bekanntlich sehr abholde öffentliche Meinung für sich zu gewinnen.

Erst seitdem das constitutionelle Princip bei ihnen zum Durchbruch gekommen ist, suchen sie in dem von ihnen | gegründeten Blatt, vor dem sich noch weniger Jemand schützen kann, als vor dem rothen Adlerorden 4. Klasse, sich Boden im Volke zu gewinnen.

Wenigstens mochte dies die ursprüngliche Absicht und der Köder sein, womit man einzelne jetzt sogenannte Constitutionelle zur Betheiligung bei Gründung dieses Blattes veranlaßte. Dasselbe ist indessen schon jetzt so vollständig in die Klauen einer bekannten Geuosseu- schaft von Kammermitgliedern gerathen, daß die Re­gierung sowohl, als einzelne Abgeordnete, namentlich v. Eck und sogar Kalt, sich gegen den Vorwurf ihrer Betheiligung bei Gemeinheiten dieses Blattes verwahren zu müssen glaubten. Das Blatt scheint lediglich dazu bestimmt, gewissen Herren zu der so sehr nöthigen Rechtfertigung bei ihren Wahlern, zur Revange für Mißtrauensvota, gegen die Demokratie und für die schonungslose Aufdeckung der Armuth dieser Herrn, ge­gen die Minorität in der Kammer behülflich zu sein. Die gemeinen Schimpfreden und Verdächtigungen des sogenannten Landtagsblattes überschreiten alle Grenzen; sie gehen über Alles, was von dieser Art bis jetzt die Nass. Allg. geliefert hat, weit hinaus, und wer die Allgemeine kennt, weiß was das sagen will. Man vergleiche nur wieder den in der neuesten Nummer eut- haltenen,,von einem schauerlichen Bourgeois Zerrührenden Artikel über die Wahl der Geschwornen. Den von Born und Unzicker gestellten Antrag auf Verwil- ligung von Taggeldern an die Geschwornen mit Grün­den zu bekämpfen, fiel den Herrn schwer, da sie die eigentlichen, etwas schauerlichen Gründe, wohlweislich nicht angeben mochten. Aber der Antrag muß besei­tigt werden, und daher greift man in Ermangelung von Gründe», zu dem den Herrn geläufigen Mittel der Verdächtigung. Die Antragsteller, sagt man, ha­ben Neigung zu Verbrechen, viele von der Partei sind schauerliche Verbrecher, sie waven auf dem Idsteiner Landescongreß und wollen deßhalb durch Verwilligung von Diäten an die Geschwornen dafür- sorgen, daß bloß Lumpen gewählt werden, welche sie freisprc- chen. Dieß ein Pröbchen von der Manier descon- stitutioneUen" Landtagsblattes. Es läßt sich daraus auf die Partei selbst schließen. Die sogenannten Con- stittttionellen, die im vorigen Jahre öffentlich versicher­ten, daß sie auf die Republik hinarbelteten, wie z. B. Herr Keim, die im Laufe des vorigen und zum Theil auch noch dieses Jahres fortwährend mit der Demo­kratie und der Linken in der Kammer liebäugelten, diese Herren haben den Sieg der Reaktion abgewartet, um sich zu verbünden. Gerade sie sind cs, die jetzt mit ekelhafter Keckheit ihre wahre Gesinnung zur Schau tragen, die sogar offen sich zu dem Satze bekennen: Umstände ändern die Sache.

Vielleicht aber weht in Kurzem doch einmal ein anderer Wind und dann werden wir sehen, wie tief in den neugebackenen Constitutionelle» das constitutio-

nette Prinzip sitzt! Dann werden vielleicht auch Herr- Heid enreich, Großmann und Consorten wieder mit demokratischen Redensarten ihre Wähler zu bewir­then suchen, und wir werden dann auch sehen, wie tief bei dem Volke die Demokratie sitzt.

j Die Sitzung des Landtags vom 2L. August.

^£ Wiesbaden, den 22. August. In der gestrigen Sitzung, in der über Abgabe von Diäten an die Ge­schwornen debattirt wurde, handelte es sich eigentlich nur um die Durchführung eines Gesetzes, das die Gleichberechtigung Aller ausgesprochen hatte, also um eine bloße Consequenz; allein Consegucnzeu lie­ben die Herrn auf der Rechten nicht. Um so mehr Inkonsequenzen kommen bei ihnen vor, oder war das vielleicht konsequent zu nennen, wenn sie früher der Gemeinderath als diejenige Behörde bezeichneten, die am geeignetsten sei, die Geschwornen zu ernennen, auf welcher Behauptung der Schmidt-Freseniuö'sche Zwitter- antrag basirte, und nun vorgeben, bei Zahlung von Diäten werde der Gemeinderat) die Vermögenden übergehen und nur Lumpen senden, also sich total un­fähig erweisen; war es vielleicht konsequent, wenn die Herrn in ihrem Separatvotum in der Verfaffungs- frage sagen, sie wollten Gleichberechtigung Aller, das Wohl des ganzen Volks, und nun mt dem ersten Recht, dem des Richters, nur die Vermögendsten be­gaben wollen, oder war das vielleicht konsequent, wenn die Herrn bis zum Ekel der Linken vorreiten, man müsse stets die Verhältnisse berücksichtigen, man müsse praktisch" sein, und nun, wo ihnen schlagend darge­than wurde, daß gerade die Verhältnisse unseres Her- zogthums eine Diätenabgabe geboten, wenn man nicht grade die Fähigsten, den ganzen Mittelstand ausschlie­ßen wolle, nun die eutscheivenve Thatsache außer Acht laßen, und sich an vermeintliche Prinzipien halten. Doch wozu brauche» die Herrn Consequenz? Sie wollten nun einmal unter jeder Bedingung diedemo­kratischen Lumpen" vom Geschwornenamt entfernen, und die Herrn Bourgeois auf den Richterstuhl setzen; eine Sorte Bürger, die alle Rechte und Freiheiten nur für sich besitzen wollen, die überhaupt Freiheit blos als einen Gegenstand der Spekulation betrachten, und sie nur so lange erstreben, als sie Vortheile durch diesel­be zu erzielen hoffen, die aber ebenso gerne Sklaven werden, wenn ihnen hierdurch ein größerer Gewinnst bevorsteht, eine Sorte von Bürgern, die in der Ein­heit Deutschlands nur einen großen Zollverein erbli­cken, wenn sie es fürpraktisch" halten, die wahrhaft fanatisch sind gegen Alle, welche ihnen ihre bisheiige Monopole entreißen, und auch andern einen £i;ctl Recht wollen zukommen lassen.

Zu diesem edlen Zwecke glaubten die bekannten Herrn die Majorität der Kammer gewohuterweisc für sich zu haben, doch wie er sch racken sie, wie wurden ihre

Die beiden Studenten

(Aus den

Die beiden Mädchem war

Böhmischen Dörfern" von Nffo Horn.)

(Fortsetzung.)

Jünglinge traten ein; außer den beiden Niemand in der Stube. Milada und

Jakob erröteten zugleich, ihr gefiel der hübsche Junge ' in seinem vorthcilhaften Anzuge viel besser, als der etwas stämmige und schlächtige Johann, er hingegen hatte sich noch nie einem so schönen Mädchen so nahe gefunden. Um ihre Verlegenheit zu verbergen, sprang Milada hinaus und rief ihre Eltern, die denn auch erschienen und den armen Jakob mit gutherziger Freundlich­keit begrüßten. Die Direktorin erzählte sogleich , daß ihre Tochter Milada sehr viel Talent zur Musik und eine schöne Stimme habe, und forderte das Mädchen auf, etwas zu singen. Milada weigerte sich anfangs, ließ sich aber endlich durch Johann bereden. Iakob horchte mit Entzücken der reinen, glockenhellen Stimme, mit der Milada ein altes schönes Volslied in böhmischer Sprache sang. Jakob setzte sich nun an daS schon etwas holztonige und abgespielte Clavier und spielte einige Stücke aus einer neuen Oper. Sein geistlicher Wüten in Prag war im Besitz eines ganz guten Instrumentes, und Iakob, dessen einzige Freude und Erholung Musik war, hatte sich viel darauf geübt. Sein Spiel erregte eben so viel Verwunderung, als gestern sein Gesang. Wie that es

dem armen Jungen wohl, sich so laut und so reichlich gelobt zu hören. Er betrachtete eS als den schönsten Lohn seines Fleißes und die wohlthnendste Anerkennung | die ihm nur nwTvn hum^ i">' ^">. <t^se*-» -'

die ihm nur werden konnte, daß der Direktor ihn er­suchte, nur recht oft zu kommen und mit seiner Tochter zu spielen.

Es ist halt zu schwer auf dem Lande," sagte der Direktor, die Kinder 'was ordentliches lernen zu lassen; der alte Schullehrer kann selber nichts, und meine Frau die einmal recht hübsch spielce, hat icyt schon alles ver­gessen! Wenn Sie mit dem Mädel recht oft spielen und singen möchten, wâr' uns sehr lieb, ich werde recht gern erkenntlich sein!"

Jakob hatte, ohne im mindesten zu crröthen, ober cs für unanständig zn halten, die Rangen seines Prager Schuhmachers für Geld unterrichtet, jetzt aber ging es ihm zweischneidig durch's Herz, als der Direktor von Erkenntlichkeit sprach. Er glaubte sich durch solches Anbot in Milada's Augen herabgewürdigt, und erklärte hastig und stotternd, daß er es sich für die größte Ehre rechne, mit dem Fräulein spielen zu dürfen, und daß sie bereits besser singe als er.

Die Alten gingen an ihre Geschäfte, Liduska erklärte, daß sie gehen nnd Kaffee brennen müsse, und Johann bot sich ihr znm Begleiter an. Jakob und Milada sahen sich nun allein in der Stube, und Keines hatte rechten Muth, das Andere anzusprechen. Endlich, nach

' einer langen Pause, fragte das Mädchen:Werden Sie lange hier bleiben, Herr Pischta?"

!So lange als der Hansi! wir wollen zusammen wieder nach Prag. Diesmal können wir nicht so lange bleiben, wie sonst, weil man sich früher zur Aufnahme melden muß, gar in das Seminarium! Da sind immer so Viele, die ausgenommen sein wollen!""

Also Sie möchten Geistlicher werden?"

Milada's Stimme zitterte etwas bei diesen Worten.

Was soll ich machen?"" antwortete, die Augcn niederschlagend, der arme Student,ich habe keine andere Aussicht. Aushalten kann ich es nicht so lange wie der Hansi, der einen reichen Vater hat; ich muß zusehen, daß ich mich so bald als möglich versorge, und etwas für meine Eltern thun kann.""

Milada hätte in diesem Augenblicke gewünscht, daß die große eiserne Kasse, in welcher der Rentmeister die obrigkeitlichen Gelder aufbewahrte, ihr eigen und bis zum Rande voll gewesen wäre, um mit beiden Händen hineingreifen und dem armen Jakob so viel geben zu können, daß er nicht nothwendig habe, Geistlicher zu werden.

Ä^kob ipictte nun unwillkürlich eines jener Lieder, welche unter den Studenten gang und gebe waren, und sang den Text halblaut vor sich hin. Es waren die Empfindungen eines patriotischen Mädchens, die ihr Herz und ihre Hand keinem Fremden, keinem Deutschen geben will.