Kn'eqsresultate» in Ungarn wenig zufnedengestellt fein, „nd es ist vvrt auch dem Publikum fein Geheimmß mebr, daß die russische Armee bedeutend gelitten hat. Der Abgang an disponiblem Militär durch Schlachten- und Lazarcth-Tod, schwere Verwnnduug und Krauk- beitsfülgen wird von sachkundige» Personen auf 15 - 18 000 Mann geschätzt^ Man berechnet dabei den Verlust welchen die russ. Auriliar-Truppen durch die Cholera gehabt, auf 9—10,000 Soldaten. (Schl.Z.)
Krakau, 15. August. In Siebenbürgen stehen ungeachtet aller bisherigen Anstrengungen die Österreichischen Angelegenheiten sehr schlecht, indem ich ^hnen aan; gewiß berichten kann, daß der zur Organisation von Siebenbürgen entsendete F-Z-M. Wohlgemuth noch bis zur Stunde in Czernowitz weilt, das land demnach sich in den Händen der Insurgenten besindeu muß — In Krakau ftnbcit immer zwischen Ocstet'- reichern und Nüssen bedeutende Reibungen statt, fco saßen wir den 12. d. M. gegen Abend zwei beträchtliche Soldatschlägereien, die eine an der Brucke bet her alten Weichsel, die andere am Zwierzyinec. Bei der alten Weichsel nahmen sich die Krakauer der Ruf- sen und am Zwierzyinec die Russen der Krakauer gegen die Oestcrreicher an. Eben so gibt cs ärgerliche Auftritte zwischen Offizieren der alliirten Truppen. Der Slavenhaß tritt evident auf gegen das Deutschthum. (Brest. 3-)
Prag, 16. August. Heute erschien folgende Kundmachung: „So eben 5 Uhr Nachmittags ist folgende telegraphische Depesche des Hrn. Kriegsministers an den Commandirenden, Grafen KhcvenmüNcr, ciu- gelangt: Am 9. August hat die ëolonne des F-Z-M. Baron Hayn au das bei Klein-Beckerek vereinigt Rebellenheer nach einem heftigen 12stüudigeu Kampfe gänzlich geschlagen. Cs wurden allein bei 6000 Gefangene gemacht. Am Abend desselben Tages zog F-Z-M. Baron Haynau in Temesvar ein. Vom k. k. böhmischen Laudespräsidium. Mecsery, k. k. Gub. Vizepräsident." Wie bei allen amtlichen Nachrichten, Stiche wir bisher über den ungarischen Krieg erhielten, müssen wir auch hier die nähere Bestätigung erst noch abwarten. Schon mehr als einmal nämlich haben die schwarzgelben Berichte und Blätter über einen Sieg gejubelt, welcher sich später als eine sehr empfindliche Niederlage herausstellte.
Wien, 16. Aug. Der Wanderer enthält eine neue Proklamation Haynan's an das Landvolk an der Theiß, welche unter Anderem folgenden Passus enthält: „Hütet Euch, durch rebellische Erhebung meine Strafe auf Euer Haupt zu laden. Ich kann dann nicht den Einzelnen, der nicht herauszufinden ist, ich muß ganze Ortschaften züchtigen lassen. Wo im Bereiche oder im Rücken meines Heeres ein Frevel ausgeübt wird gegen meine Soldaten, Transporte in ihrem Fortkommen gehindert oder Courire ausgefallen werden, oder die Zufuhr der Lebensmittel gehemmt wird, dort wird unverzügliche Strafe das Loos des beteiligten Orts fein. Er wird den Flammen preisgegeben und der Erde gleicht gemacht werden, um den übrigen Einwohnern zum abschreckenden Beispiele zu dienen." Darf man sich hiernach noch wundern, daß ganz Ungarn trotz des immer weiteren Vordringens der kaiserlichen Heere, überall in hellen Flammen steht?
Wien, 17. August. Die Wiener Zeitung enthält folgende telegraphische Depesche:
Se. Erc. F.-Z.-M. Baron Haynau an Se. Maj. den Kaiser. „Se. Erc. F.-Z.-M. Baron Haynau zeigt mittelst Courier, welcher heute mit dem Abendzuge zu Schönbrunn eintreffen wird, Sr. Maj. bem Kaiser au, paß den 13. d. Mts. bet Vilagos der Rebellenhäupt
ling Görgey sammt einem großen Theile seiner Armee, 30 bis 40,000 Mann , die Waffen auf Gnade und Ungnade gestreckt hat. Wien, 17. Angnst 1849, Von der k. k. Stadtcommandantur."
Das System, daß die Ungarn in dem jetzigen Kriege befolgen, nennt Dembinski in seinem meister- baften strategischen Werke: „Mein Rückzug ans Lithauen^ das System der inneren Linien. ES ist nur zu befolgen in einem Lande, welches angegriffen und erobert werden soll ein einem Lande, wo die Insurrektion die tiefsten Wurzeln geschlagen und alle Klaffen der Gesellschaft mit sich fortgerissen hat; wo beim Vordringen des Feindes im Rücken desselben der Aufstand so organisirt ist, daß er, wenn nicht jede Stadt und jedes Dorf stark besetzt ist, alcbald auf gegebenes Zeichen wieder ausbricht, und endlich in einem Lande, in welchem die Heeresbewegnngen, bedingt durch die natürliche Beschaffenheit des Terrains und den Mangel an Straßen, nur in bestimmten Richtungen statt finden können. Diese Bedingungen waren zum Theil in Polen, sie sind in höherem Maße in Ungarn vorhanden.
An dreien Seiten von Gebirgen umgürtet, welche grade, weil sie nicht so überaus massenhaft und doch unendlich schluchtenreich sind, sich viel besser zum Guerillakrieg eignen als die Schweiz oder das pyrenäische Gebirge, und auf der vierten Seite von einem breiten Strome begränzt, geschützt än seinem westlichen Eingänge durch das jungfräuliche Komorn, und tin Süd ost durch das starke Peterwarvein, im Osten gedeckt durch die große natürliche Bergfeste Siebenbürgens, im Nordwesten durch das barrikadenförmig auf# gethürmte Tatragebirge , hat das Land im Innern, wo auf der rechten Flanke die sandigen Savannen von Kleinkumanie», in der Front die Sümpfe von Groß- kumanieu und der Hevesch, in der rechten Flanke daS Seen- und Morastennetz der oberen Theiß es als zweiten Gürtel umgeben, zwei feste Centralpositionen, Arad und Großwardein, welche beide stark befestigt und in deu Händen der Ungarn sind. Der Berggürtel, welcher den Westen, Norden unb Osten umgibt, ist der natürliche Sitz des Guerillakrieges, wenn der Feind sich weiter ins Innere des Landes wagt; die Seen und Sümpfe an der Theiß, untersäet mit zahllosen insel- und rasenartigen Strecken, welche Niemand kennt, als der landeskundige Hirte dieser Gegenden, bilven die Refugien, in welche ganze Hecresabtheilungen sich znrückziehen und vom Schauplatze des Krieges verschwinden, um chie durch Zauber plötzlich an einer andern Stelle zum Vorschein zu komme».
St a f f a u i f d) e r Landtag
Sitzung vom 21. August.
Vorsitzender: Wirth. Schlemmer erhebt sich und übergibt — eine PeUon. Hehner fragt, ob das Präsidium für eine neue Wahl an die Stelle des wegen Concurs ausgetretenen Abgeordneten Krämer gesorgt habe. Wirth: Krämer hat die Anzeige nur mündlich geinacht, wir müssen eine schriftliche abwarten, sonst könnte die mündliche Anzeige geleugnet werden. Lang, Wenckenbach und Jung I. (von Rü- desheim, führen aus, daß entweder der Austritt des Abg. Krämer angenommen und dann neu gewählt werfen, oder daß, wenn er nicht ausgetreten sei, die Verhandlung über dessen Ansschluß wieder ausgenommen und auf die nächste Tagesordnung gesetzt werden müsse. Krämer verschleiss die Sache, indem er hoffe, sich zwischenzeitig mit seinen Gläubigern zu arrangiren. nachdem er früher schon fälschlich behauptet habe, sich mit denselben verglichen zu haben, während dies doch
bis jetzt noch nicht erfolgt sei. Großmann will erst noch einmal den Abg. Krämer um eine schriftliche Er- klärung gebeten haben, unter dem Rechtsnachtheile, daß ansonst die Verhandlung über seinen Ausschluß auf die nächste Tagesordnung komme. Snell: Wir können Krämer nicht zwingen, eine schriftliche Erklärung ab- zugeben. Will er sie eingeben, so kann er dies ja doch bis zur nächsten Sitzung. Großmann's An trag "wird mit 19 gegen 19 Stimmen abgelehnt. Eben so mit 19 gegen 19 Stimmen der Antrag Wenckenbach's, die Sache auf die nächste Tagesordnung^ zu setze». Die Sache kommt also noch einmal zur Abstimmung. Lang beantragt, zur Erledigung der Sache, die mündliche Austrittsanzeige als genügend anzusehen. S ch in tb ü Sie ist nicht genügend; denn sie könnte ja „geleugnet" werden. Bertram: Sie könnte nur „im Scherz" erfolgt sein. Braun: Eine solche Handlungsweise könne man doch bei einem Abgeordneten nicht voraussetzen. Lang's Antrag wird mit 20 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Präsident von Wintzingerode übergibt eine revidirte Landjägerorduung zur nochmaligen Berathung, da die aus der ft uferen Berathung femrgegangene Arbeit nicht genehmigt werden könne, sowohl wegen der allzu geringen Zahl, als auch wegen der Besinnungen über den Vollzug und die Disziplin. Sodann antwortet er auf die neuliche Anfrage von Müller II. wegen Vollzugs der Capitalsteuer, es sei überhaupt mißlich, eine Aenderung im Steuer- wesen zu machen; die Capitalisten möchten die Steuerlast auf die Schuldner abwälzen, die Capitalien möchten noch mehr verschwinden, als dies bisher schon der Fall ist. Müller II.: Das Gesetz ist publizirt, also muß eS, als zu Recht bestehend, vollzogen werden. Wintzingerode: Wenn die Kammer nicht die Sisti- rung des Gesetzes beschließt, so wird die Regierung das Gesetz vollziehen. Die Regierung wird aber einen Antrag auf Sistirmlg cinbringen.
Bertram und Großmann sprechen kur; für den Antrag des Ministers auf Nichtvollzug des Gesetzes. Müller II. Bei der Sistirung des Einkom- mensteuergesetzes ist von dem Capitalsteuergesetz keine Rede gewesen. Heydenreich bestätigt dies und ent- schulkigt die Commission.
Cs erfolgt nunmehr die Berathung des Antrags ■ von Born und Unzicker auf Tagegelder und Reise- kosteuvergütung für die Geschwornen.
Kalt trägt den Bericht der Mehrheit der Com- i Mission (Kalt, Bollmann und Wirth) vor, wel- ! cher auf Verwerfung des Antrages geht und sich darauf stützt: Es würden wohl keine schlecht bemittelten Geschwornen gewählt werden, oder wenn daS doch geschehe, würden sie nach Art. 51. des Gesetzes dispen- sirt. In der Regel werde man die besten Geschwornen in der besitzenden Klage finden. Eine Vergütung sei nicht vereinbar mit dem Begriff eines „Ehrenamtes." Sie bestehe auch sonst nirgends in Deutschland. Man müsse befürchten, daß die Vergütung von 1 fl. 30 fr. den Eigennutz anlocke und unreine Elemente in das Schwurgericht bringe. Sodann trägt er drei Gutachten des Oberappellations- Gerichtes und der beiden Hofgerichte vor, welche sich im Wesentlichen ans denselben Gründen, wie Kalt, gegen die Tagegelder, wohl aber für eine Vergütung der Reisekosten aussprechen. (Schluß f.)
Berichtigung.
In der Anmerkung des Artikels CL. Wiesbaden der gestrigen Nummer muß es heißen: „und die Aufnahme nicht verweigert hat."
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Verein pr Wahrung der Volksrechte.
(937) Mittwoch den 22. August Abends 8 Ufr, Sitzung des Vereins im Nerothal. — Nichtmitglieder können durch Mitglieder eingeführt werden.
Tagesordnung: „Geschichtlicher Vortrag über die Karlsbader Beschlüsse."
Der Vorstand.
Nachricht für Auswanderer nach Nord-Amerika.
Die Herzoglich Nassauische Landesregierung
hat auf den Grund gesetzlich bestimmter und ihr geleisteten Garantie die Unterzeichneten zu Haupt-Agenten für das Herzogthum Nassau für den gcwcrbmäßigcn Betrieb derVer- mittlung des Transports von Auswandernden bestätigt und diese Verfügung durch das Jntel- ligenzblatt Nr. 24 vom 16. Juni l. I. nicht allein zur öffentlichen Kenntniß gebracht, sondern auch insonderheit die Nassauischen Staatsangehörigen, welche zum Zweck der Auswanderung Ueberfahrtsvertrâge abfchlicßcn wollen, darauf aufmerksam gemacht, daß es ihrem Interesse entspricht, sich deßfallS an die im Herzogthum concessionirten Agenturen zu wenden.
Personen, welche nach Amerika auszuwandern gesonnen sind, können nunmehr mit aller Sicherheit für die Erfüllung contractmäßig eingegangener Verbindlichkeiten dahier eingeschrieben und mit ihnen UeberfahrtSverträge abgeschlossen werden.
Die Uebcrfahrtskvsten sind die billigsten bei monatlich mehrmal wiederholten Gelegenheit 3ur Abreise mit den Paquctschiffen über Havre oder über Rotterdam.
Nähere Auskunft ertheilen auf mündliche oder postfreie schriftliche Anfragen mit großer Bereitwilligkeit
Wiesbaden und Biebrich im Juni 1849.
j, er. Ituss Sohn, Nicolaus SchnMder,
Haupt-Agent Haupt-Agent
in Wiesbaden. in Biebrich.(773)
Druck und Verlag der E.
K (903) Indem ich hiermit zur Kenntniß bringe, daß ich in D
M dem Walther'schen Hause in der Kirchgasse eine Mehl- und M M Brodhandlung eröffnet habe, und daß ich durch meinen Schwie- M 8 gervater A. Fach von der Spelzmühle, von welchem ich mei-M neu Bedarf vorzugsweise beziehen werde, glaube in den Stand 2
M gesetzt zu sein stets gute und billige Waare liefern zu können, ^ M bitte ich unter Versicherung reelfter Bedienung um geneigten M E Zuspruch. Gottfried Nitzel. M
(935) Ein fküicr weißer Bulldogge mit kurzen etwas gelben Ohrcn und kurzem Schwänze, etwa ein halbes Jahr alt, hat sich verlaufen. Wem derselbe zugelaufen und bei der Erpedition d. Bl. zurückbringt, erhält eine angemessene Belohnung.
(928) Schöner Melis pr.Pfd. 18 fr.
bei Carl Cramer.
(939) Die Unterzeichneten erfüllen nunmehr ihr früher abgegebenes Versprechen und veröffentlichen, daß der Herr Revisor Dietrich durch Strafbeschluß Herzog! Landesregierung in der gegen denselben wegen Verläumvnng geführten Untersuchung mit 15 fl. Geldstrafe belegt worden ist.
Wiesbaden, Hochheim, Höchst
den 21. August 1849.
Obernheimer. Naht. Necken.
ßkitter'schcn Buchvruckcrel.