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Freiheit und Recht!"

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J^ 19S» Wiesbaden. Dienstag, 21. August IGLN.

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â Ein Vorwurf und Entgegnung.

Ein geordneter Rückzug vermag den Feldherrn und die Armee für eine verlorne Schlacht einigermaßen zu trösten. Sind die Soldaten nicht entmutigt, md)t zerstreut und audein andergelaufen nod) allen 2ßilt- gegenden, so kann morgen gutgemacht werden, was heute verloren wurde. Wenn aber die Niederlage eme völlige Auflösung des geschlagenen Heeres bewirkte, wenn nur noch ein kleiner ^hkil der Besiegten sich unter der alten Fahne sammelt, während der größere Theil nach allen Winden auseinanderstiebt, und je nach Laune und Beschaffenheit der Umstände dem oder dem Panier zueilt, oder vielleicht gar sich ganz vom Kamps­schauplatz zurückzieht, und also dem jedesmaligen Sie­ger zur Beute anheimfällt, mit Einem Worte: wenn eine totale Desorganisation Antritt, so kann es lange, lange dauern, bevor die Parthei, nach und nach er­starkt, wieder ihre Anhänger zur Thätigkeit auffordern kann. Ja vielleicht ist sie dann nur einiger krampfhafter Todeszilckungen noch fähig. Einsam trauern ihre Tapfern auf dem Grabe ihres Ruhmes, und die Lor­beerblätter, mit denen ihre Führer geschmückt waren, welken rasch zusammen.

Also geschah es im Jahre des^Heils 1849. Eine Partei, gestern noch voll trunkener Siegesphrasen, findet sich plötzlich heute von den Armen des Absolutismus, wie von den Ringeln einer Boa, umstrickt. Sie hat sich noch nicht erholt von ihrem Erstaunen, sie hat im ersten Schrecken an ihrer Zukunft verzweifelt, und sich dem okiroyirten Konstitutionalismus oder den konstitu­tionellen Oktroyirern man verzeihe den Widerspruch, der in diesem Ausdrucke liegt: die ganze Parthei sel­ber ist ein fortgesetzter Widerspruch! in die Arme geworfen, nachdem sie noch kurz vorher auf den fchwcl- jenden Polstern des Vereinbarungs-Konstitutionallsmus geschwelgt. Die Feldherrn sind desperat, die Solda­ten sind zerstreut, und nur noch ein kleines Häuflein von Getreuen ist vorhanden, kurz: die Partei ist des- vraanisirt. Die Sieger zanken sich über die Beute, und sie behandeln die Beute, wie eine willenlose Masse mit Recht. Ja, sie haben jener Parthei den Wil­len genommen, sie haben dieselbe nied- und nagelfest an sich gekettet; aber die Demokraten, diesog. Anarchisten und Communisten, davor der Schrecken und die Furcht das Bindemittel gewesen, womit der Absolutismus die Konstitutionellen an sich zu fesseln wußte/ sind selbst­ständig und zuversichtlich, wie vorher; wenn auch der Troß, wie ihn jede Parthei mitschleppen muß, zum Theil weggelaufen ist, so ist der Kern geblieben, keine Verwirrung ist unter die Reihen gekommen, und die Einheit der d e m o k r a t i sch e n Parthei hat sich mitten durch die gewaltigsten Stürme und Niederlagen hin­durch auf das Trefflichste bewährt. ^ie gesteht cs freilich ein, daß der Absolutismus das Schlachtfeld be­hauptet hat, aber sie heftet sich nun nicht an seine

Fersen, ja sie ist einstweilen hinlänglich zufrieden da­mit, daß wir vor einem Louis-Philipp'schen Kothe, vor einem régime der schachernden und wuchernden Bourgeoisie bewahrt geblieben sind. Sie wird nicht müde, diese wahre und einzige Errungenschaft der Re­volution zu predigen, und sie läßt sich nicht täuschen und wird nicht irre an sich selber, wenn sie jetzt ein­mal zur Rolle des Nichtsthuns verdammt ist. Abwech­selnd erscheinen die Partheien auf dem Theater der Weltgeschichte nur die Bedienten des Schau­spiels bleiben dieselben. Seht da die Konstitutionellen, wie sie wedelnd zu den Füßen des Gebieters kriechen, wie der Hund zu den Füßen seines Herrn, von dem er Schläge bekommen hat!

Es kann sich nicht fehlen, daß nach einem verlor­nen Kampfe Führer und Heer mit Vorwürfen über­häuft werden. So geht es auch jetzt der Demokratie. Wir gehören nun keineswegs zu denen, welche nament­lich den Führern gar nichts vorzuwerfen hatten, aber wir wollen heute einen Vorwurf beleuchten, den man der demokratischen Parthei im Ganzen und Großen über ihr jüngstes Verhalten macht. Man hört jetzt gar zu oft also raisomren:ja wäret ihr da­mals in euern Forderungen bescheidener gewesen, hättet ihr nicht so AlI es rund her­aus gesagt, w ä r e t ihr stehen geblieben bei der Re ichsverfass» ng> so hättet ihr die kon­stitutionelle Parthei nicht von ench gesto­ßen; sie hätte ench unterstützt in euerm K a in p f e und der A u s g a n g wäre dann n i ch t z w e i f e h a f t gewesen!"

Der Vorwurf geht meist von Leuten aus, die zwi­schen beiden Partheien hin- und Herläviren, und die nun nach einem Entschuldigungsgrunde für ihre Un- thätigkeit suchen. Er ist auch im Stande, einen ober­flächlichen beurteilet zu tauschen! Wenn Jemand aber sich die Mühe nehmen will, Etwas genauer dar­über nachzudenken, so wird er alsbald erkennen, daß dieser Vorwurf nichts ist, als eine hinter einer Banal­phrase verkappte Beschönigung des Verhaltens der konstitutionellen Parthei. Also der Demokratie sagt man war es nicht Ernst um dwReichsvcrfassung; sie benutzte dieselbe nur als vorgeschobenen Posten. Gut; aber die Demokratie hat seiner Zeit gegen alle die Punkte in der Reichsverfaffuug angekämpft, die sie für volksfeindlich hielt, uno von denen sie glauben mußte, daß sie Vie Souveränität der Nation wieder in Frage stellten. Als jedoch die Verfassung von der Mehrheit des Parlaments als rechtsgültig verkündet wurde, da fügte sie sich diesem Beschlusse. Wahr ist es und bleibt es: diese Verfassung an lind für sich konnte die deutsche Revolution nicht zum Abschlusse bringen; sie enthielt, wenn man sich auch von allen Seiten einstweilen darauf eingelassen hätte, nur eine unbestimmte Verlängerung derselben. Aber eine durch die Fürsten vereinbarte Verfassung hätte offenbar die I systematische Contrerevolution enthalten; und

da wählte man doch lieber von beiden Dingen das minder schlechte. Kann aber außerdem Jemand der Demokratie im Ernste zumuthen, sich nicht für eine Verfassung zu schlagen, welche die Fürsten zu offen­kundigen Gegnern hatte, deren Durchführung also zu einem Kampfe zwischen den Prinzipien der De­mokratie und denen des Absolutismus führen mußte? Um in die nächste Vergangenheit zurückzu­greifen: die Demokratie hatte auch gegen die Wahl des unverantwortlichen Reichsverweseas proteftirt; aber sie stand schlagfertig auf Seite des Letzter», als da­mals ein Konflikt desselben mit den pursten eine Zeit- laiiß in Aussicht stand. Offenbar sonnte hier nichts Anderes den Ansschlag geben, als der revolutio­näre Ursprung der Sache; und so erinnerte man sich auch damals, daß das bedrohte Parlament sym­bolisch die Idee der deutschen Einheit und Freiheit, die Idee der deutschen Revolution oder Volkserhebung vertrat. Nach den einzelnen Personen hatte man nicht zu fragen; auf diese oder jene Bestimmung der Ver- fassung kam es nicht an: genug, die Könige wollten davon nichts wissen, und also war die Demokratie im Rechte, sich für diese Geburt der Revolution zu erheben.

Die Ablehnung des Königs von Preußen als deut­scher Kaiser war als eine Nichtanerkennung der Reichs- Verfassung zn betrachten. Die Mehrheit des Parla­ments verbrachte aber nun die Zeit mit unnützen Un­terhandlungen, anstatt eine provisorische Reichsregent­schaft zu ernennen. Das Volk erwartete ernstliche Thaten, uno man antwortete ihm mit hohlen Redens­arten. Das Volke wurde ungeduldig, und es erhob sich hier und da gegen die widerspenstigen Regierungen; von Frankfurt aus benahm man sich von vornherein zweideutig gegen diese Verfassungsbewegungen.

Gedrängt durch die Volksbewegung, vielleicht in dem Glauben, sie noch bemeistern zu können, ließ sich die Majorität einen Augenblick bewegen, daS Volk zur Durchführung der Verfassung aufzufor­dern. Doch das Ministerium Gagern hatte sich, wäh­rend dieses Konfliktes zwischen Volk und Fürsten, schon so regierungsfreundlich benommen, daß es abtreten mußte; die Mehrheit im Parlamente war ihm nicht mehr sicher. Da ernannte der Reichsverweser ein in. konstitutionelles Ministerium, Männer von der äußer­sten Rechten. Es wurde begrüßt mit einem Mißtrauens­votum. Unterdeß schwollen die Wogen der Volksbe­wegung mehr und mehr an; sie schien über das Par­lament hinausgehen zn wollen, und mindestens stand durch dieselbe eine Terrorisirung des letzteren zu er­warten. Der Kampf zwischen Volk und Fürsten schien unvermeidlich. Da begann» die Mehrheit des Par­laments den unerhörten Verrath, auszuscheiden ans der Versammlung, um derselben ihr moralisches An­sehen zu rauben, d. h. um dem natürlichen Cen­trum der Verfassungsbewegung den lega­len Charakter zu nehmen. Die Linke sah sich von ihrem vermeintlichen Bundesgenossen, und um den

Die beiden Studenten.

(AuS denBöhmischen Dörfern", von Uffo Horn.)

(Fortsetzung.)

111.

Der nächste Tag war ein Sonntag.

Kurz nach Sonnenaufgang war Jakob, nachdem er sein besseres Gewand angethan hatte, aufgebrochen, um seine Eltern zu überraschen. Johann hatte ihn nur unter der Bedingung ziehen lassen, daß er Abends wieder zurück sei, und die Ferien bei ihm zubringen werde. Er war so sehr in seinen armen Freund gedrungen, daß dieser die erhobenen Einwendungen endlich aufgab, und zusagte. Er wußte, daß die Einladung aufrichtig ge­meint sei, und daß die Eltern seines Freundes geben konnten unO gerne gaben, was sie anboten. Noch immer ist Gastfreundschaft ein schöner Zug im Charakter der Slaven, und wird gegen Niemand lieber ausgeübt, als gegen den armen Studenten. Zudem sah Jakob ein, daß der Aufenthalt im Laterhause seinen Leuten selbst hin­derlich sein müsse; denn er hätte sie in dieser guten Jahreszeit vom Gewerbe abgehalten. So lange ihr Sohn, der Student, zu Hause war, hätten sich die Eltern nicht als Taglöhner verdingt, und seine Schwestern hätten

sich geschämt, verstreute Aehren aufzuklauben, und bei den Bauern zu dreschen. Zudem konnte ja Jakob sie von Lhotta aus besuchen, wenn er wollte. Johann kleidete sich, als er in die Kirche läuten hörte, sorg­fältig an. Seine. Mutter reichte ihm aus der Truhe, was er verlangte, und konnte sich an ihrem stattlichen Söhne gar nicht satt sehen. Endlich setzte sich die ganze Familie in Bewegung. Die Mutter prangte in einer Haube mit langer seidener Banbschleife , gestickter Schürze und einem Dukatenhalsbande ; der Vater und Wenzel waren im höchsten Staat, und während Johann mit der Mutter vorausging, schritten sie stolz, und innerlich vergnügt, hinterher.

Es war ein Triumphzug durch's ganze Dorf; aus allen Häusern wurde gegrüßt, in allen Stuben wurde gemunkelt; Wenzel grüßte freundlich, seine Eltern, würde­voll umherblickend, beobachteten genau, welchen Eindruck die Erscheinung ihres Sohnes hevörbringe. An der Kirchthüre verließ Johann Die Seinigen, um noch im Schlosse seine Aufwartung zu machen. Als kurz vor dem beginn der Messe Johann an der Seite des Amts­direktors und seiner festlich aufgeputzten Töchter Durch die Sakristei in die Kirche trat, als er in der rvthbe- hängten Bank neben den Repräsentanten der hohen Ob­rigkeit Play nahm, als ihn der nachkommende Herr Rentmeister mit einem Handschläge begrüßte, Da wurde der gesummten Familie Die Kirche fast zu eng Eltern und Bruder hätten vor Freude bald gemeint, und als

sie das verwunderte Geflüster rund umher vernahmen, war eS mit der Andacht vorbei, und sie gaben heute ihrem Sohn, statt Dem heiligen Cyriak Die Ehre, dem dieser Sonntag gewidmet war. Nach der Messe trat Johann zu seinen Eltern, um ihnen anzukündigen, daß er heute im Schlosse über Mittag bleiben werde, und beim Fortgehen erwiederte der ganze Zug Den respekt­vollen Gruß der Familie mit einer unerhörten Freund­lichkeit.

Johan» war vor Freude nicht minder außer sich. Liduska spritzte ihn beim Hinausgehen mit kaltem Weih­wasser an, und er merkte es nicht; als sie zurück ins Schloß gingen, trat er in eine Entcnpfüye, die er für grünes Gras hielt. Als ihm Die Mädchen vollends einen Spaziergang in Den Garten verschlugen , und Liduska ihren Arm in den seinigen legte, hätte es Noth gethan, ihn unter die große Pumpe im Schloßhofe zu führen, daß er mir wieder zur Besinnung käme.

Milada ging auf dem kicßbcstrcmeil Wege, den Spaliere von Stachel- und Johannisbeeren ein schlossen, neben dem Paare her. Johann wankte wie ein Halb- betrunkener, und gab die seltsamsten Antworten. Es war ein großes Glück für ihn, daß Liduska in ihrer Red- jclig keit mehr Iprach und fragte, als er auch bei ruhigem Blut hätte beantworten können, Milada aber an ganz andere Dinge dachte, als die ihre Schwester interessieren. Sie hörte die schöne, weiche Stimme von gestern Abend unausgesetzt im Ohre fortklingen; für ihr Leben gern