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Freiheit und Neeht!"

Wiesbaden. Freitag, 17. August

1849

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. , , . .. durchaus ehrenhaften Politik in diesem Falle gehandelt.

Daè Lnndtagsvlatt der 9ied)tcn und Der leidenschaftliche Trieb, durch böse Nachrede zu

schaden, hat die Verfasser der Aufsätze in No. 6 des Landtagsblatts der Rechten über den Werth der miß- brauchten Aktenstücke zu diesem Zweck getäuscht. Der Herr Abgeordnete Wenckenbach hat bereits akten­müßig nachgewiesen, daß ein Diebstahl und Brand an dem ihm zum Debit übergebenen Stempelpapier blos die Rechtsfrage, wer diesen Schaden zu tragen habe, zwischen ihm und der Stempelpapierverwaltung streitig gemacht hat, daß also nicht entfernt von einem Kassen­defekt, wie sein aktenkundiger Kammer-College men­schenfreundlich in seinem Aufsätze glauben machen will, sondern blos von der offenbar unbilligen Ersatzforde­rung der Stempelverwaltungsbehörde die Rede ist, welche im besten Falle doch nur den Ersatz des allein ihr zugegangenen Schadens, nämlich des verbrannten und entwendeten Papiers, keineswegs aber die Stem- peltare, die sie nicht eingebüßt hat, von einem öffent­lichen Beamten fordern kann.

Derselbe Kammer-College findet mit frömmelnder Miene, daß ein dem neuernannten Minister am 6. December 1843 abgeplatteter Glückwunsch den Herzogl. Hofgerichts-Präsiventen Naht bis zum Bedauern der Redaktoren des Landtagsblatts entehre. Der College muß von ziemlich vernachlässigter Erziehung und jeden­falls mit Schicklichkeit und Conveuienz wenig vertraut sein, wenn er nicht fühlt und weiß, daß die in einem besonderen Verordnungsblatte dem Lande und in be­sonderen Ansfertigungen den Chefs aller Behörden verkündigte Ernennung eines neuen Ministers diesen Chefs als Forderung des Anstandes die Verbindlichkeit auferlegt, denn NeuErnannten dnrch einen Glückwunsch zu bekomplimentiren. Der Kollege, welcher, wie alle Denunzianten, gegen seine Neigung blos zur Vertilgung alles Unrechts diese Schandthat dem Volke des Land­tagsblattes zur Kunde bringt, kann versichert sein, daß sich alle Chefs der dem Ministerium unmittelbar unter­gebenen Behörden desselben Verbrechens und zwar in der noch mehr qualifizirenden Form einer persönli­chen Aufwartung schuldig gemacht haben. Ja bei wei­terer Untersuchung worden sich sogar noch weit mehr- Mitschuldige finden, welche nicht blos dem neuernann­ten Minister, sondern sogar jedem neuernannten Chef ihrer Behörde einen solchen Glückwunsch abgestattet haben, weil sie durch die Unterlassung dieses Gebrauchs entweder als Leute von schlechter Erziehung, oder als kopf- und zwecklose Opponenten gegen einen neuen Vorgesetzten, von dem man doch billig alles Gute er­warten muß, angesehen zu werden besorgten.

Dnrch die zum stillen Vorwurf bei. mehreren Wor­ten gewählte fette Schriften zeigt der denunzirende College, daß er mit dem feststehenden Styl solcher ceremoniöfer Gratulationsschreiben und selbst mit der für Eingaben an's Ministerium cdiktmäßig vorgeschrie­benen, mithin wohl auch bei Eingaben an den Mi­nister füglich nicht zu umgehenden Formen in Anrede

Mitglieder der Linken.

O Wiesbaden, 15. August. Das sogenannte Nassauische Laudtagsblatt", in welchem die sichcou- stitutionelle Partei" nennenden Mitgliederder rechten Seite der Abgeordnetenversammlung ihre Reden, nach­dem sie durch eine aus ihrer Mitte ernannte Redaktions- Commission zurcchtgesctzt worden sind, abdrucken lassen um sie dann den Leuten unentgeltlich ins Haus brin­gen, ja unter Vermittelung von Justizbeamten (!) durch die Gerichtsvollzieher Infinitiven zu lassen, hat in neue­rer Zeit zur Vervollständigung des Abbildes der gei­stigen und sittlichen Kraft der Mitarbeiter, seine Auf­gabe dahin erweitert, Verunglimpfungeu und Verläum- dungen von Kammermitgliedern der Linken, also der Collcgtn gegen College«, aufzunehmen. Gehört schon zu diesem Entschluß ein nicht zu beneidender Muth, so ist dieser in Nr. 6 desLandtagsblattes" der Rech­ten durch den Mißbrauch von Urkunden, die nur ent­weder aus öffentlichen Akten einer Behörde entnommen oder von Mitgliedern der Behörden mitgetheilt sein konnten, wirklich bis zum.Heroismus gesteigert.

Mit der ganzen sittlichen Entrüstung, die ein sol­cher Versuch sie als Mitschuldige eines solchen Versto­ßes gegen Pflicht und Ehre erscheinen zu lassen, Her­vorrufen mußte, haben sich der fungirende, sowie auch der abgetretene Minister von jeder Mitschuld an dieser Verletzung des Akteneigenthums und Briefgeheimnisses (Strafgesetzbuch Art. 410) in der Sitzung der Abgeordneten-Versammlung vom 14. l. Mts. und in derNass. Allg. Ztg." feierlich losgesagt, und dieses Vergehen gegen die ersten Gesetze der Ehre, sowie ge­gen die Strafgesetze des Staats den Verfassern des Landtagsblattes hingewiesen. Dnrch diese zunächst zur Abwehr einer gehässiigen und gefährlichen Andeutung abgegebenen Erklärung ist nicht bloß der öffentlichen Moral, sondern auch der Volksvertretung ein wesent­licher Dienst erzeigt worden. Ein solches Vorgehen der Vertraulichkeit mit Regierungsmännern ist nämlich außer dem nächsten Zweck der Herabsetzung von Op­positionsmitgliedern , zugleich darauf berechnet, der Partei des Landtagsblattes, welche in gleicher Absicht das Organ der Regierung auch zu dem ihrigen gemacht hat, noch mehr als es hierdurch schon geschieht, das Ansehen einer Regierungspartei zu geben. Denn je eifriger man sich gegen diesen Namen verwahrt und stets nur das Volkswohl, freilich nach einer eigenthüm­lichen Auffassung, im Munde führt, um so gründlicher sucht man die Meinung zu verbreiten, welche offenbar bei weitem den größten, jedenfalls den allein thätigen Theil der Anhänger fesselt, daß man im Vertrauen der Negierung stehe. Richtig hat die Regierung die Gefahr einer solchen Solidarität erkannt und, selbst auf die Gefahr hin, die Stimmen einiger durch die offene Erklärung Entlarvten zu verlieren, nach einer

Die beiden Studenten.

(Aus denBöhmischen Dörfern" von Uffo Horn.)

I.

Der August war ungewöhnlich heiß alle Stirnen trieften, dagegen war alle Flur verdorrt. Bäche, die sonst rauschend zwischen Erlen und Weidicht dahinschvssen, waren nur an den dunkelgrünen Streifen erkennbar, den sie durch das gleißende dürre Stoppelfeld zogen; ihr Wasser lief mühesclig in einzelnen kleinen Tümpeln zu­sammen , und beinahe tropfenweise daraus ab. Die Luft schien zu zittern, wie lohcS Feuer am Tage, alle Bäume standen welklaubig und regungslos, wenn auch reich mit Früchten behängt, alle Hecken am Wege waren mit grauem Staube überschüttet, und wo ter Erdboden zn Tage lag, war er rissig und lechzend.

Wie keuchte das arme Pferd, das langsam und schweißglânzcnd eine Britschka den steilen Berg hinanf- schleppte die Räder zogen bunkelgraue Spuren auf dem heißen, harten Steinboden, und kreischten bei jedem Umschwünge lant auf!

Hinter dem Wägelchen gingen drei junge Männer zwei in städtischer Tracht, der Dritte ein Bauer. Sie waren am Fuße des Berges abgestiegen, um dem armen Gaul sein Geschäft zu erleichtern, aber sie dampften so wie dieser, und waren nicht minder erschöpft. Der

Bauer hatte den Rock abgelegt, die Stiefel bis unter die Wabe herabgeschlagen, und die Lederhosen an den Kniekehlen aufgeschnürt; der Zweite trug ein graues offenes Staubhemde und einen Strohhut; der Dritte aber plagte sich mit Rock und Tuchmüye den Berg hinauf.

WaS können diese Beiben Anderes sein, als Stn- denten, die auf die Ferien gehn? Der im Staubhcmde ist der Sohn eines reichen Bauers, der Fuhrmann fein Bruder. Der flinke stattliche Bursche ließ es sich nicht nehmen, den Bruder Johann auS der Hauptstadt abzu- hvlcn, zwar nur mit einem Pferde, denn daS andere muß zu Hause noch Grummet und Hafer ein führen, aber daS Roß ist, so wie er selbst, im großen WichS. Diese rothgestreifte Weste mit Perlmutter-knöpfen , die silberne Uhrkette und den reichbeschlagenen Ulmerkopf trug Wenzel nur an Sonntagen ; mit diesem messingbeschlagenen Geschirr, dessen Ringe bei jedem Schritte des Thieres klingelten, und von dessen Kummt ein pnrpurrother Tnchlappen herabhing, wurde nur bei festlichen Gelegen­heiten Staat gemacht. Die Brilfchka selbst war himmel­blau und grün angestrichen, die Plane roth unD weiß gestreift, das ganze Fahrzeug ein Prachtstück bäuerlicher Eleganz.

Wenzel war mit dieser Egnipage bis an daS col- legium clemcntiniun gefahren, um den zum letzten : Male hier versammelten Studenten zu zeigen, daß sein ' Bruder in einer eigenen Gelegenheit abgeholt werde, und wie er durch die Straßen rasselte, unterließ er nicht,

und Unterschrift (mit unterthänig) unbekannt ist, deren Unterlastnng nur Rohheit und Unkunde anzeigen würde.

Der College-Redakteur scheint aber nicht blos in diesen formellen Dingen, sondern auch in den konsti­tutionellen Grundsätzen verwahrlost zu sein, wenn er, wie der Eingaug und der offen bekannte Zweck seiner Denunziation anzeigt, eine redliche und offene Opposi­tion gegen das Ministerium als eine Art von Untreue oder Verrath gegen den Monarchen und die Beobach­tung des üblichen Ceremoniells gegen einen Minister für unvereinbar mit volksthümlicher Gesinnung an­sieht. Wie können die Patrone derNass. Allgem." solche grobe Verstöße gegen ihr eigenes Programm be- gehen und ihr großes Musterbild, England, so ganz vergehe«? Das läuft ja wohl wieder ganz unbewußt, wie auch der ganze neue Coustitutionalismus, auf die bekannte Hundetreue hinaus. Letztere wird be­kanntlich durch Treten nur befestigt und durch jedes freie und ernste Wort der Warnung vor Land und Leuten, Freiheit Recht und Ehre des Volks schäd­lichen Maßregeln, schon gebrochen!

Nassauischer Landtag.

Sitzung vom 16. August.

9iad) Uebergabe einiger Petitionen macht Regie- rungscommissär Bertram die Mittheilung, daß bie # Schulorganisation in diesem Jahre nicht mehr vorge- nomme« werden könne, und daß daher die früher ge­machte und damals ausgesetzte Anforderung von lOOOÖfl. zur Unterstützung der Elementarlehrer nunmehr aufs Neue der Kammer Vorgelegt werde. Wird dem Bud­get-Ausschuß, der das Schulwesen hat, überwiesen, v. Eck gibt mit Bezug auf die in der vorigen Sitzung von Seiten des Ministers Wintzingerode einge­legte Verwahrung wegen der vielbesprochenen Veröffent­lichung von Ministerialakten in zwei Artikeln des Land­tagsblattes, welche er nach dem Zwecke dieses Blat­tes nicht als Theile desselben wenigstens nicht für seine Person ansehen könne, im Namen der be­treffenden Commission (v. Eck, Nau, Preiß, Creutz, Wirth) die Erklärung, daß von dieser Commission jene Aktenstücke nicht eingefordert, noch weniger eingesehen, und noch viel weniger veröffentlicht worden seien. Neg.-Comm. Bertram erklärt, da Wintzingerode ab­wesend sei, keine nähere Auskunft geben zu können. Es wird sodann zur Vornähme der Präsidentenwahl geschritten und Wirth mit 19 gegen 16 Stimmen, die auf Gergens fielen, wiederum gewählt. Heh- ner erstattet Namens des Prioritätsausschusses Bericht. Die Majorität (Hehner, Lang, Creutz) erklärt sich für die sechs Punkte des Braun'schen Antrags (Vergl. un­sern Kammerbericht in Nro. 191 derFreien Ztg."); die Minderheit (Großmann und V. Eck) will noch die E r l c d i g n n g des S ch m i d t' s ch e n auf C o d i f i- kation des nassauischen Staats rechts, und

bei jeder Ecke zu rufen und mit der Peitsche zu knallen.

Johann hatte Prag nicht minder selbstzufrieden ver­lassen die Wahl des künftigen Standes beschwerte ihn nicht sehr, das war längst und mit Gewissheit ab- I gethan. Jurist, Beamter wollte er werden nichts Anderes! Die väterlichen Fleischtöpfe hielten sein Herz und seinen Magen aufrecht, er hatte ja nicht nöthig, mit Noth und Leiben auf die kümmerliche Unterstützung von 300 Gulden zu warten, mit denen der Staat seine halbverhnngcrden Aspiranten zn neuer Geduld ermuntert. Uebrigcns waren cs noch vier Jahre bis dahin, er hatte aber näher liegende Juteress n 9115 angehender Jurist war er schon so gut eine künftige Standcspcrson, wie als absolvirter eine riesenhafte Kluft that sich jetzt zwischen ihn und der übrigen Menschheit auf. Nnn mußten sich ihm die Psvi ten des Herl sebafllichen Schlosses öffnen, in dem der Herr Amtsdirektor mit seinen vier Töchtern hanßte; breit, stündlich und mit Gepränge mußten die bisher verschlossenen Flügel ansspringen, wenn er anklopfte, denn jetzt war er ein möglicher Bräutigam.

Schon im vorigen Jahre hatte Johann Versuche gemacht, die Aufmerksamkeit der Fräulein auf sich zu ziehen, die unter Amtsschrciberu, Gänsen und Jagb- hnnden, zwischen rothblühenben Bohnen und Gclbveige- ki» in idyllischer Einfachheit aufwuchsen. Die älteste der vier Schloßjungfraucn, die blondlockige Liduoka )

*) Ludmilla.