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âI»L. Wiesbaden. Donnerstag, 16. August IM®*

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AS. Die Volkskammer in Nassau paßt nicht mehr zur gegenwärtigen Lage der

Dinge.

Wenn das System einer Negierung wechselt, weil eben die Zeiten sich geändert haben, weil vielleicht ein trockener Ostwind über die Fluren weht, so pflegt man solche Männer ins Ministerium zu berufen, deren Ver­gangenheit Zeuge dafür ist, daß sie den gegenwärtigen Regienmgsgnmdsätzc» zugethau sind Männer, welche der Situation entsprechen. Um dies zu begrei­fen, braucht man nur auf die jüngste Geschichte Preu­ßens hinzublicke». Nach de» Marztagen hatte das Volk von seiner Kraft weiter keinen Gebrauch gemacht: man konnte ihm ohne Befürchtung einen Manu Camphausen zum Minister geben, der von der Revolution nichts wissen wollte, und den sogenannten Nechtsboden retten mußte. Des Mannes Vergangen­heit lag jedermann vor Augen; jeder wußte, was er von einem solchen Ministerium zu halten hatte. Als durch die Unthätigkeit und Feigheit der Bourgeoisie der Adel und das Beamtcuthum wieder erstarkt war, nahm man einen Mann zum Minister, der durch die Drohung der Bajonette regieren sollte Pfuel, einen preußi­schen Militär. Man ging schon soweit, zu regieren trotz des ausgesprochenen Mißtrauens der Kammer. Als Wien gefallen war, da konnte man auch endlich dazu schreiten, die Kammer selber aufzuloseu, und man gab dem Lande zu Ministern den Grafen Branden­burg und den Baron von Manteuffel d. h. Leute, die nie etwas Anderes gewesen waren, als Absolutisten vom reinsten Wasser. Das jeweilige Ministerium ent­sprach also auch genau der jedesmaligen Situation, cs bestand immer aus Männern, die, vermöge ihrer Ver­gangenheit, dafür bürgten, daß sie zu der jeweiligen Lage, zum Zustand der Dinge paßten. Aber auch die Kammer selber mußte der Situation entsprechen, und dies geschah dadurch, daß man sie erst verhöhnte, d. h. gegen ihren Willen that, was man wollte, und dann auflöste.

In Nassau war bis vor noch nicht langer Zeit das Ministerium Hergenhahn am Ruder. Nassau ist im Schlepptau der großen Staaten, weil es zi^ klein ist, um unabhängig und selbstständig zu sein. Schon aus dem Grunde wäre ein radikales Ministerium hier eine Anomalie gewesen. Das nasjauische Volk hatte am 4. März des vorigen Jahres den herzoglichen Thron nicht angetastet; es hatte damit seinen Willen ausge­sprochen, den Versuch mit der konstitutionellen Mo­narchie zu machen. Man gab ihm also einen Konsti­tutionellen zum Minister. Hergenhahn war in Frank­furt auf Seite der Rechten; diese Parthei hat die Reichsverfassung gemacht; sie hat auch Mittel und Wege angegeben, dieselbe durchzuführen. Diese Mittel und Wege müssen aber wohl verkehrt gewesen sein, denn man merkt jetzt von der Reichsvcrfassuug gar

nichts mehr. Die Parthei Gagern hat sie und sich nunmehr auch selber aufgegeben, und sich mit der Dreiköuigsverfassuug einverstanden erklärt. Damit hat sie zu den Absolutisten gesagt:wir sind zufrieden mit eurer Regierungsweise, wir wollen uns in eure Fittige begeben!" Weil also diese Parthei in die gegenwär­tige Lage der Dinge nicht mehr paßt, weil die Demo­kraten einen Versuch machten, die Reichsversassnng durchzusetzen, und dieser Versuch mißlang: aus all die­sen Gründen hat der Herzog dem Minister Hergen­hahn die Entlassung gegeben, und einen Mann zum Minister ernannt, dessen Vergangenheit zur Situation paßt. Jedermann begreift diesen natür­lichen Lauf der Dinge. Wie fiept es aber nun mit der Kammer? Die Kammer war einst die treue Stütze Hergenhahns; sie hat einst für das Frankfurter Parlament und für die Neichsverfassung geschwärmt, sie hat noch vor einigen Tagen sich gestellt, als ob sie für die Unabhängigkeit Schleswigs schwärme. Uno nun hat sie die Dreiköuigsverfassüng anerkannt. Wir gestehen nun freilich ein, wer Die Kammern, wer die Bourgeoisie kennt, wer namentlich die Vergangenheit der Nass. Kammer beobachtet hat, der wird sich darüber gar nicht wundern. Allein wenn es lauter solche Leute in Nassau gäbe, so hätten wir schon längst eine ganz andere Kammer und ein anderes Ministerium gehabt. Die Wahrheit ist die: das Volk sieht in dieser Aner­kennung der Dreikönigsverfaffung von Seiten der Kam­mer nichts, als eine erbärmliche Jucouscqucuz, einen Schritt, der zu ihren bisherigen nicht im mindesten paßt. In seinen Augen hat sich die Kammer überlebt. Und darum hat sich die Kammer mit diesem Beschlusse ihr Todesurtheil gesprochen. Sie hat- wenn auch nur formell, wenn auch nur in den Allgen des Volks mit ihrer Vergangenheit gebrochen; sie hat noch in den jüngsten Tagen Preußen wenn auch nur formell, wenn auch.nur zum Scheine auf eine auffallende Weise verletzt, indem sie ihre Sympa­thie mit den Herzogthümern uno der Fortsetzung des Kriegs erklärte: sie paßt nicht mehr zur Situa­tion. Es wäre also unklug von der Kammer selbst, noch lange mit ihrer Selbstauslösung zu zögern. Die Steuern sind bewilligt, die Drciköuigsverfayung ist an­erkannt, in Betreff der Zivilliste besteht der provisorische Zustand einstweilen fort: Herz, was verlangst du mehr? Sollte aber, gegen alle Gesetze der Vernunft, wie des natürlichen Laufes der Dinge, die Kammer ihr Leben ungebührlich verlängern, so würde daraus nichts reful- tiren, als eine Wiederholung im Kleinen von dem großen Bankerotte der konstitutionellen Monarchie.

Die Schlüsse, zu denen das Ministerium in Folge eines solche» Verhaltens cer Stammer, natürlicher Weise berechtigt ist, sind sehr einfach. Es wird die Kammer vorerst noch auf die famoseste Weise benutzen, und dann vielleicht der öffentlichen Meinung nachgeben und sie ohne Gnade selbst aufgeben. Das Volk sieht in solchen Vertretern doch nur Leute, die ohne Nutzen

Geld verzehren, und zu jedem Acte der Staatsgewalt Ja sagen. Was ist da schließlich noch länger nöthig, mit einer Kammer zu regieren ?

Die Demokratie aber folgert daraus nur einen ®ritnb für sich selber. Sie will weder ein schwarz- weißes Ministerium, noch will sie eine Kammer, die sich jeder Gewalt unterwirft, und keinen andern Zweck zu haben scheint, als den, der je­desmaligen Staatsgewalt die Steuern zu bewilligen. Sie wendet sich gegen den Absolutismus, wie gegen den Constitutionaltsmus, und es dürfte eine Zeit komme», wo die Situation auch einmal einem mirs« lich demokratische» Ministerium günstig ist.

DeuèfehâKZrH.

/ Wiesbaden, 14. August.Das sch a u e r l i ch e Wort Bourgeois" sagte neulich Herr Heiden re ich in seinem Bericht; wir möchten sagen:Ja wohl, schauerlich, diese Bourgeoisie!" Die Bourgeoisie in der Stammer ist es, die dermalen eine coinpalte Majorität bildet und wie macht sie von dieser ihrer Majorität Gebrauch! Nicht zufrieden damit, ihre An­träge durchzusetzen, überstürzt sie sich förmlich in tollem Jubel. Keine Gründe, keine Rücksichten eristiren für sie! Jeder Widerspruch reizt sie, nicht zu Widerlegun­gen ldenn darauf läßt sich die Bourgeoisie, wenn sie die Mehrheit hat, nicht ein,) sondern zu Schimpfrede» und Persönlichkeiten, und zu Verdächtigungen. Um ihr Gelüste recht befriedige» zu können, hat die Kam- mermajorität einen aus ihrer Mitte gewählten Aus­schuß mit der Redaktion eines sogenannten Laudtags­blattes beauftragt. Dieser Ausschuß entblödet sich nicht aus den ihm zur Disposition stehenden Regieruugs- akten aus dem Zusammenhang größere Aktenstücke, zum Theil ganz entstellt, zu veröffentlichen, um feiner Galle gegen die der Majorität lästige Minorität Luft zu machen. Dieser Ausschuß hat in Nro. 6 des sog. Landtagsblattes den Mißbrauch der ihm gestatteten Akteuemsicht so weit getrieben , daß das Ministerium sich veranlaßt gesehen hat, sich in öffentlicher Sitzung der ministeriellen Partei gegenüber gegen ein so miau» ständiges Benehmen feierlich zu verwahren, und sich derartige Mißbräuche für die Zukunft zu verbitten. Wie lange wird die deutsche Bourgeoisie noch fort­fahren, durch die Ekelhaftigkeit ihres Benehmens und die Gemeinheit ihrer Gesinnungen bem Adel Satis- faktio» zu verschaffen? Wie schlau hat unser Adel die dargebotcne Gelegenheit wahrgenommen, um die Un­anständigkeit der schauerliche» Bourgeoisie i»'s rechte Licht zu setze».

Y Vom Rhein. (Zur Charakteristik der geistlichen Schulaufsicht.) Unter den Lehrern einer größeren katholischen Gemeinde befindet sich auch ein solcher, der von seinem eignen Werthe aufgeblasen,

Erinnerung an die Linke der deutschen National - Versammlung.

Sprüche aus einem von derWestd. Ztg." mitgelheilten Album.

(Schluß.)'

Vertrauen habt ihr immer hinreichend besessen, Fomint endlich einmal zum Selbstvertrauen. Stark seid ihr, daS ist wahr, aber werdet endlich klug, damit ihr eure Stärke zweckmäßig verwendet.

Frankfurt, 24. November 1848.

91. Rühl, Abg. von Hanau.

Bocrue sagt, Sclaven könnten ihre Kettten brechen und freie Männer werden Bediente-Naturen aber gehorchten dem Herrn aus Instinkt. Wehe uns, wenn das deutsche Volk den ihm so oft gemachte» Vorwurf daß es zur Kathegorie der Bedienten gehöre, jetzt nicht durch die That zu Schanden macht.

Frankfurt, 24. April 1848.

Zi y. Titus. W erne r von Oberkirch.

Alles für das Volk, alles durch das Bolk, cs sei b//rd) siel) selbst, sei es durch verantwortliche wiederruf- liche Vertreter.

Dr. M ohr von Obcriugelheim.

Hoch die Wähler von Thiengen!

91. Wiesner, Abg für Feldsberg in Nieder-Oestreich.

Schroff, starr, unbeugsam und unnachgiebig zu sein ist der Minderheit Recht, Pflicht und Ehre.

Frankfurt, 11. Dezember 1848.

Z. Georg Günther, Reichtagsabg. aus Sachsen.

Untergang der Lügenbnü, die nichts lernt und nichts vergißt.

Frankfurt, 24. November 1848.

Ludwig Bogen aus dem hessischen Odenwald,

Abgeordneter d:s 4. Wahlbezirks von Rheinhessen.

Gott selber kommt im Säuseln nicht allein, Oft gürtet er den Sturm um seine Hüfte.

Was dann ihn irrt, das wirft er in die Grüfte, Und Sünder trifft er, hohe und gemeine.

(Deeg.)

Karl Hagen aus Heidelberg.

Sei wahr und mutlüg, taun bist du frei.

Frankfurt, 24. November 1848.

Reichard aus Speier, Abgeordneter für Kirchheim-Bolanbe» in der Pfalz.

Noch ist kein Fürst so hoch gefürstet,

Sv anserwählt kein irvscher Mann; Daß wenn das Volk nach Freiheit dürstet, Er es mit Freiheit tränken kann.

N. Schmitt ans Kaiserslautern, Abgeordneter des 4. pfälzischen Wahlbezirks.

Helle Köpfe und warme Herzen ! Eins allein thut's nicht!

Frankfurt, 11. Dezember 1848.

Rein stein auS Naumburg, Abg. für die Kreise Naumburg und Eckartsberga

(prenß. Sachsen.)

Warum, o Mensch! ruft Champ fort der große Jakobiner warum bist du nicht wie jenes edle Thier, daS cs verschmäht sich in der Sclavcrei zn vermehren?!

Der Politiker ohne Leidenschaft wäre wie der Chemist oder Alchymist, dem Oie Flamme erloschen und der nach einzelnen Persönlichkeiten die Welt beurtheilen wollte und die Geschichte, wäre wie der Astrolog, der ans einzelnen Sternen die Zukunft lesen will.

Frankfurt, 23. November 1848.

M vritz Hartman n.

Der Großen Hochmuth wird sich legen, Wen» Eure Kriecherei sich legt.

Frankfurt, 24. November 1848.

Wesendonk, Abgeordneter für Düsseldorf.

Das ist der Weisheit letzter Schluß:

Nur der verdient die Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie erobern muß.

Frankfurt, 11. Dezember 1848.

L. Simon, v. Trier.