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Freiheit und kecht!"

Wiesbaden. Sonntag, 12. August

IGLN.

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SM. Die Reaktion auf dem Gebiete der Schule.

II.

(Schluß.)

Charakteristisch für die Ansichten über die Schule von Oben ist neben den Klagen über zu hohe Bi'ldunqsansprüche an die Lehrer und neben der bis­herigen Vernachlässigung der Lehrerbildung ein Artikel in No. 180 derNass. Allg. Ztg.", welcher aus der Darmst. Ztg." entlehnt, also lautet:

Man ist nicht darüber im Zweifel, daß die durch Halbbildung in den Seminarien bei einem großen Theile der Schullehrer erzeugte Verwirrung und An­maßung unsägliches Unheil auf dem Lande gestiftet hat und viel zu der in manchen Gegenden eingerisse- nen Demoralisation und Zersetzung beigetragen hat. Cin verändertes System hinsichtlich der Ausbildung der Lehrer gehört zu den dringendsten Bedürfnissen, das seitherige hat eine zu große Anzahl verschrobener Köpfe geliefert."

Daß Halbbildung Verschrobenheit gibt, glauben wir auch. Aber wenn die Bildung der Lehrer bisher nur eine Halbheit war und diese Halbheit nachtheilig ist, so vervollständige man diese halbe zur ganzen Bildung. Das wäre wohl ein vernünftiger Schluß, aber so schließen die Darmstädter und Nass. Allg. Ztg. nicht, und eben weil sie anders schließen, als es die gesunde Regel des Verstandes verlangt, leiden die hohen Da­men selbst an Verschrobenheit.

Die bisher vom Staate gewährleistete Lehrerbildung wird indeß schwerlich von den Lehrern als eine halbe betrachtet, sondern durch einen viel geringern Bruch ausgedrückt. Sie würden indeß über diesen Bruch­werth keinen Streit beginnen, gewährte man ihnen nur Anstalten für eine ganze Bildung. Da indessen bis­her nur die Lehrer, welche die halbe Bildung zu er­gänzen strebten, das Mißfallen ihrer Oberen erregten, nicht aber jene, welche bei der Halbheit beharrten, so scheint der Tadel der Halbheit den zu großen Werth des Bruchs zu treffen, weil der wissensdurstige Jüngling durch diese Halbheit sich getrieben fühlt, mehr zu erstreben. Man muß also weniger, muß gar nichts geben, wie jene preußischen Seminardirektoren wollens welche von den Seminarien alle Bildung zu entfernen, dieselben nur zu Dressuranstalten umzuwan- deln suchen. Und da diese Ansicht auch bei uns von den Schülern des heiligen Ignatius am Taunus vertheidigt wird, da ein Seminarlehrer sogar behaup­tet, daß eine Seminarklaffe zu Weissenfels durch Krank­heit der Lehrer einst keinen Unterricht erhalten und deßhalb durch bloßes Schulhalten die besten Lehrer ge­liefert, so scheint man das Nachtheilige der Halbheit wirklich durch das schuldlose Garnichts verdrängen zu wollen. Im Anfang war das Nichts, und aus Nichts ist Alles erschaffen worden, also wird cs aus dem i Nichts auch recht beliebte Volksschullehrer geben. I

A Was bedeutet eigentlich Demokratie und was ist ihr Zweck?

Eine Auflösung für den Land- und Gcwâbsmann.

(Fortsetzung.)

Lasset Euch, Mitbürger nicht durch solche Tiraden vom Wege deS Rechts abbringen. Allerdings hat der Staat das Recht, gegen das Eigenthum gewisser Leute cinzusel,reiten, wenn sie nur dazu gebrauchen, das Eigenthum und das Lebe n Anderer i n Gefahr z u bringen, w c l ch c 6 u «zweifelhaft d u r ch die Ausübung des Wuchers g c s ch i e h t. Das Leben selbst ist das höchste und theuerste alles Eigenthums und doch kann es Dem Verbrecher ge= nommen werden, wenn er es dazu augewcndet hat, das Leben des Mitmenschen in Gefahr zu bringen : Der Wucher mit dem Leben des Andern kann also hier und zwar mit Recht gestraft werden.

Der Monarchismus bietet auch gewisse Mittel auf, der Armuth zu steuern, aber er behauptet, der Staat wäre niebt hierzu verbunden, da seien blos Unter« stüyungeu der Einzelnen aus W o h l th ä t i g ke i t S si u n anwendbar, aber nimmermehr könne die Regierung sich von Polizei wegen hiermit befassen, während der demo­kratische Staat diese wichtige Sache gerade umgekehrt auffaßt, und jeden theilhaftig am allgemeinen Wohlstand erklärt, und nicht wie der monarchische Staat blos deß­

Es liegt in den Verhältnissen, daß arme Jüng­linge, welche vom Wissensdurste getrieben, kein ande­res Mittel zur Bildung aber ergreifen können, sich dem Lehrerstande widmen. Und so ein unruhiger Geist wird nie gesättigt, ruft stets:Was habe ich, wenn ich nicht Alles habe!" und erwirbt sich trotz aller Hindernisse eine klare Anschauung der Welt durch eine volle Ausbildung seiner Kraft.

Deßhalb wurde man bei der bisherigen Halbheit der Lehrerbildung angeführt; denn als im Frühlinge 18-18 der Geist der Freiheit die Völker angeweht, da waren es zuerst die Lehrer, welche sich erhoben, und zeigten, wie die Freiheit nnd Wohlfahrt zu sichern sei.

Wie kamen diese Schulmeister, die man doch ge­hörig unter der Knute gehalten, zu dem Muthe, trotz aller Drohungen und Verfolgungen von Seiten der Geistlichen, sich zu versammeln und das Wohl der Schule zu berathen? wie kamen diese Schulmeister zu der Bildung, mit wissenschaftlichem Geiste und parla­mentarischem Takte zu berathen, daß man sich an manchen Orten schämte, es ihnen nicht gleich thun zu können?

Das kann nur in dem bisherigen System, in dem Prinzip Pestalozzi's liegen, denn dieses fußt auf der Entwicklung der natürlichen Kraft, und die Natur ist mächtig, wenn man ihr nicht im Keime entgegentritt!" so schlossen die Feinde der Schule, die Pharisäer und Schristgelehrten, und sie beschlossen daher das Sy­stem zu ändern. Nicht auf die Entwicklung, sondern auf die Erstickung der Kraft muß Unterricht und Er­ziehung gerichtet werden, auf daß der Jüngling ein Verdienst sucht im Ertödten seiner Kraft. Auf diesem Wege aber wird der Talentvollste am sichersten und raschesten in den Abgrund rennen, es ist der Weg der Pietisten.

Man ändere das System, heißt also: man gebe die Schule in die Hände der Pietisten nnd Jesuiten, wo­zu bereits der Anfang gemacht.

Aber wir glauben, auch dieses wird nichts nutzen. Könnt ihr das Prinzip Pestalozzi's, könnt ihr die ganze Literatur und das Bewußtsein des Geistes nicht ausrotten, so werdet ihr nimmerradikal helfen"; denn die moralische Welt dreht sich nicht um die pie- tischen und jesuitischen Seminare, und ihr könnt nim­mer den Geist hermetisch abschließen von dem Einfluß der allgemeinen Bildung.

Auch wir sind indeß insofern für Aenderung des bisherigen Systems, daß man nämlich nicht mehr nach den Wünschen gewisser Herrn, sondern nach der Tüch­tigkeit die Seminarlehrer auswählt; daß man nicht mehr durch die Fraubasenstraße in die Lehrerstellen gehe, daß man nicht ferner den kirchlichen Pedellen- dienst als die Hauptsache des Lehrerberufs betrachte, und daß die Seminarbildung nicht ferner im theolo­gischen Schulgezänk undconfessionellen Bewußtsein" gesucht wird, wie jetzt geschieht.

Wenn ferner die frommeDarmstädterin" und mit

wegen auf die Armuth Acht gibt, weil Verbrechen aus . ihr hervorgehen können sondern das Freibürgerthum will die Armuth vergüten, weil der Mangel au Wohl­stand von Der Bildung und von Kenntnissen abhält. Und Dennnch ist der monarchische Staat im Irrthum und in einem hohen Wahne, wenn er die aus der Armuth cntstehcuven Verbrechen, Durch eine gute Polizei zu unterdrücken glaubt: nein, Die Demokratie hält dieses für unmöglich, allen möglichen Störungen 1 und Verletzungen Des Rechts vorzukommen, wo die

Urquellen des Lasters d. h. Die Armuth, nicht schon I versiegt gemacht worden sind: Denn Noth kennt kein Gc- i bot und Noth bricht Eisen. Nur Bildung und Wohl- ! stand verhütet Die Verbrechen sonst keine polizei- ' liche A norvn ung: und Bildung und Wohlstand will die Demokratie einführen, denn sie weiß nur zu gut, daß da, wo Wohlhabenheit gepaart mit Sittlichkeit unv Rechtsgcfühl zu Hause ist Da ist der Keim Des Ver­brechens in seinen Hanptwurzeln abgedörrt, da lauert keine Gierde nach fremder Habe, da ist Kultur und An­stand, da ist Freundschaft, Eintracht und Duldsamkeit. Wenn die Polizei oder auf Deutsch:StaatsordnungS- pflege" ganz genau ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß, D. h. Den Bürger vor Rechtsverletzungen jeder Art zu bewahren, eingerichtet ist, dann strebt sie einem Ziele zu Das man Das Ziel Der Demokratie, tue mögliche Verwirklichung Des Mcnschcnglücks nennt. Die Ordnungspflege im Staate sorgt, wenn sie demokratisch

ihr dieNass. Allg." behauptet, daß die Halbbildung der Lehrer auf dem Lande viel beigetragen zu der Demoralisation, so stimmen wir ihr bei, indem die halbgebildeten Lehrer in die Piusvereine und zu den Pietisten liefen, und theologische Verwirrung in sich aufnahmen, mit den Zionswächtern und Jesuiten um­herrannten und Gesichter schnitten. Und überall, wo die Lehrer sich also benahmen , da ist die Demoralisa­tion des Volkes größer, denn sonst, wo die Lehrer den Reaktionären aller Farben entgegentraten. Daß aber die Anzahl der pietistischen und verschrobenen Lehrer so sehr groß nicht ist, beweist das Jammergeschrei der Pharisäer und das Entsetzen des Heyo- Verein, sowie die Schmähungen der Nassauischen und Darmstädter reaktionären Blätter.

Das Volk aber und seine Vertreter mögen machen, daß man nicht die Schule zerstöre, sie mögen bedenken, daß die Feinde der Schule auch die Feinde des Volkes sind, daß sie nur deshalb die Schule hassen, weil diese dem Volke zur Freiheit verhelfen will. Das Volk wolle seine kurze Geschichte vom Mürz 1848 bis hierher studiren und so erkennen, wer es wohl mit ihm meint. Kaum daß der Odem,der Freiheit geweht, da erhoben sich die Lehrer, um das Ihrige zur Erzielung der Frei­heit und des Wohles des Volkes beizutragen. Die Männer, welche bisher, wie das Volk in der äußersten Dürftigkeit und unter mehr als barbarischer Willkühr geschmachtet, sie erhoben sich und scheuten weder Opfer an Geld noch Mühen, noch die Verfolgungen ihrer Feinde, um durch öffentliche Berathungen sich über eine gedeihliche Organisation der Schule zu verständi­gen; denn sie waren beseelt von dem Gedanken, daß die Freiheit nur durch Bildung gesichert werde und sie wollten das Volk deshalb erziehen zur Freiheit und Nationalität. Aber deshalb stellten sie auch an sich selbst die höchsten Forderungen, ja ihre erste For­derung an eine bessere Organisation der Schule lau­tete : Eine bessere Vorbildung zum Lehramte als bisher, weil nur durch gediegene Bildung die Be­fähigung und Charakterstärke, welche das Lehramt erfordert, erworben wird." Und die Charakter­stärke der Lehrer sollte in dieser Zeit die Probe bestehen. Von den Kanzeln wurde verkündet, daß die Lehrer die Religion abschaffen wollten, es wur­den auf Aktien von den Geistlichen eigene Schmäh­blätter gegen die Lehrer gegründet, Schmähbroschüren gegen dieselben unentgeldlich in die Hauser getragen, um die Lehrer dem Volke verhaßt und verächtlich zu machen."

Fetzt schien es ein Leichtes, die Gedrückten durch Schrecken zu beherrschen, man forderte die Lehrer auf, Petitionen um Belassung in der Sklaverei zu unter­zeichnen, man drohte, im Weigerungsfälle das Volk gegen die Lehrer aufzuhetzen und dieselben auszulrei- 'bcu, und man hetzte das Volk auf, zur Verfolgung der Lehrer und dennoch unterzeichneten diese nicht.

Das sind wahrscheinlich die Folgen der Halbbil-

eingerichtet ist für Alles was des Bürgers Existenz bewährt; sie steht ihm mit Rath und That in allen Angelegenheiten seines Lebens bei, beschützt ihn vor Gefahren nnd warnt ihn vor Hinterlisten. Sowie sie ihm Verwahrungsmittel gegen ansteckende Krankheiten an die Hand gibt, leibt sie auch ilym Schutzmittel gegen Verführung und Schlechtigkeit, sowie sie ihn vor Feuer und Wassergcfahr rettet, gibt sie ihm auch Bildung Die Bestrebungen, Die gegen sein Bestes gerichtet sind einsehen zu könne u. Nacbvem wir nun die OrDnnngSpflege nach ihren wich­tigsten Punkten, und wie sie in demokratischen Staaten geübt wird, betrachtet haben, bleibt uns noch Manches sehr wichtige übrig, welches alles übrigens nicht einzeln durchsprochen werden kann, wollen wir Die Grenze un­serer Qluèatbc'timg nicht weit überschreiten; wir werden deßwegen noch als Anhang über Die Mittel berathen, wie nnd auf welche Art am ft d' ersten für die Zukunft gewaltsame Revolutionen und Aufstände zu verhindern sind?

Mitbürger! Ihr habt im Frühjahr 1848 eine Re­volution , D. h. Ihr habt den Versuch gemacht, Jahr- hundertc-langcö Unrecht, durch einen gewaltsamen Ruck abznschaffcn. Was hatte Euch zu solchem Beg «neu veranlaßt, wie seid ihr auf diesen Gedanken gerathen? werden noch viele von Euch jetzt, zu einer Zeit, fragen, wo Ihr seht, daß Ihr gar nichts Durch Euren ver­suchten Umsturz gewonnen habt, wo Ihr nunmehr