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Stuttgart, 7. August. Das Ministerium Römer hat in Folge des Ausfalls der Wahlen seine Entlassung gegeben. Der König hat noch nicht verfügt.

Hamburg, 6. August. Die hiesige Commerz-De­putation hat Folgendes bekannt gemacht:Einem amt­lichen Schreiben aus Kopenhagen zufolge hat das kö­niglich dänische Marine-Ministerium Befehl gegeben, am 11. d. M. die Blokade der Elbe aufzu- heben."

Nach einem zuverlässigen Schreiben aus dem Haupt- quartier des Generals von Prittwitz ist die De- marcationslinie gezogen, und wird zwischen dem 8. und 10. eingenommen sein, wo dann diesseits das Nöthige zur unverzüglichen Aufhebung der Blokade erfüllt sein werde.

S ch w e i z.

Bern, 4. August. (K. 3.) General Dufour hat heute Bern mit folgenden Offizieren seines Sta­bes verlassen und sich in sein Hauptquartier nach Aa­rau begeben: v. Orelli, Commandant der Artillerie; Oberst-Lieutenant Gatschet, Commandant des Genies; den Oberst-Lieutenants Pfander, Frei und Funk; den Majors Herosee und Aeschmann; den Hauptleuten F. und E. V. Wattenwyl und den Ordonanz-Offizie- ren Latz und Schärer.

Italien.

DieGazzetta Piemontesa" vom 1. August ent- ; hält in folgender Weise die amtliche Widerlegung der Gerüchte von dem Abschlusse des Friedens:Einige Blätter haben vor Kurzem gemeldet, die Regierung Sr. Majestät habe ein von Hrn. v. Bruck den sar­dinischen Bevollmächtigten in Mailand überreichtes Ultimatum angenommen. Wir sind ermächtigt zu er­klären, daß kein Ultimatum angenommen worden ist; jedoch steht zu erwarten, daß eine endliche Ueberein- kunft in Kurzem den Abschluß des Friedens bringen wird." DerConstitutionnel" enthält eine Corre- spondenz aus Wien vom 30. Juli über den Stand der Friedens-Verhandlungen, der wir Folgendes ent­nehmen:Das einzige Hinderniß, welches der Rati­fication des Friedens-Vertrages mit Piemont noch im Wege stand, nämlich die Frage der Amnestie, steht auf dem Punkte, beseitigt zu werden. Das Wiener Kabi- net hat, wie es heißt, der englischen und der franzö­sischen Regierung privatim seine Absicht angezeigt, gleich nach der Üebergabe Venedigs für die Ereignisse in Italien eine Amnestie auf der breitesten Grundlage (?) eintreten zu lassen; es sei also über das Princip der Amnestie mit Piemont vollkommen einverstanden. Allein die Würde des kaiserlichen Cabinettes mache cd ihm zur Pflicht, das Verdienst dieser Versöhnungs­Maßregel als einer aus seinem freien Antriebe hervorge­gangenen für sich in Anspruch zu nehmen. Die sar­dinische Regierung ist von diesem Entschlusse in Kennt­niß gesetzt worden und wird ohne Zweifel keine ernst­liche Einwendung in Betreff dieses Punktes erheben, da die National-Ehre durch die bestimmte Zusicherung der Amnestie gerettet ist. Nichts ist unbegründeter, als was manche Journale von einer geheimen auf ein Schutz und Trutzbündniß und einen Zollverein zwi­schen Oesterreich und Piemont bezüglichen Clausel des Vertrages berichtet haben."

Ueber die Lage Venedig's enthält derWanderer" folgende Mittheilung, datirt Von der Adria, 1. August, welche viel Licht auf die innere Zustände der Stadt wirft:Wieder hörte man gestern und vorge­stern starken Kanonnendonner aus der Gegend von Venedig oder glaubt wenigstens ihn gehört zu haben. Während die' Sumpfsieber unbarmherzig unter den Landtruppen Hausen, lagert sich der Scirocco über die Fluten der Adria, und während er faul und ermat­tend an ihrer östlichen Küste brütet, ruft er Bran­dungen an Venedigs Gestaden hervor, welche die Blo- cadeschiffe wieder ins Weite treiben. Noch einen Mo­nat, und dann treten die Aequinoctial-Stürme allmäh­lich hervor. Was man da' zur See vermag, sahen wir im verflossenen Jahre an Albini. In Venedig selbst kommen keine Zeichen vor, die eine Veränderung der Dinge erwarten ließen. Manin und Pepe sind noch immer die Götzen der Venetianer, die, während man sie in allen Blättern halb verhungern läßt, bald der Musik der Freikorps unter den Procuratien, bald jener der Bürgergarde unter den Fenstern des Pala­stes Moncenigo, wo Pepe wohnt, lauschen. Die neue Recrutirung von 600 Mann für die Marine umfaßt alle Männer vom 18. bis 45. Jahre, welche nach dem Gesetze vom 25. Juli 1806 der Marine-Afsentirung unterworfen sind. Die Repräsentanten-Versammlung, welche zwischen 80 bis 90 Anwesende zählt, beschäf­tigt sich mit der Mobilmachung eines Theils der Guar­dia Civica, welche Verhandlung dadurch angeregt wor­den war, daß die Militär-Commission 1000 Infan­teristen zu ihrer Disposition verlangte, gleichzeitig aber die Artillerie der Guardia Civica selbst ihre Mobil­machung begehre. Aus dem Gange dieser Verhand­lung erklärt sich nun auch die Stellung der Militär- Commission. Sie ist eine Art Abtheilung der provi­sorischen Regierung und steht, wie diese selbst, unter dem Parlament. Hieraus erklärt sich weiter, warum die Decretc der Militär-Commission außer dieser spe­ciellen Benennung auch die FormelGoverno Pro- Visorio" an der Spitze führen, und es hebt sich die verschiedenerseits und auch von uns gehegte Vermu­

thung, daß Venedig unter einer Militär-Herrschaft stehe. Als man in Venedig erfuhr, daß die Oester­reicher ihren Versuch gegen Brondolo aufgegeben und auch von der Brenta sich zurückgezogen hätten, unter­nahm Oberst Nearo eine Nccognoscirung auf dem rechten Brenta-Ufer. Wir kennen kein österreichisches , Bulletin über diese Vorfälle, welche am 21., 22. und ' 23. Statt fanden, und bei welchen die Venetianer den Oesterreichern viel an ihren Arbeiten ruinirt und eine Menge Kriegs - Baumaterial davongeschleppt haben wollen. Auch geben die Venetianer an, daß bei dieser Gelegenheit wieder viele Lebensmittel von den Bauern der nächsten Gehöfte geliefert und nach Venedig ge­bracht worden seien. Die Oesterreicher hatten ihre Vorhut bei St. Anna gehabt und durch die Stau- chung des Canals di Valle die umliegende Gegend unter Wasser gesetzt. Einem Beschlusse der Reprä­sentanten -Versammlung vom 24. Juli zufolge muß jedes Civil- oder Criminal-Urtheil die Darstellung der Motive enthalten. Aus den Fertigungen jenes De- cretes ist die Zusammensetzung des Burean's der ve- netianischen Versammlung zu ersehen. Präsident ist: Ludwig Passini; Vieepräsidenten sind: Minotto und Var"; Secretär: G. Pasini, Ruffini, Somma und Talüsff

Nepublik Frankreich.

Paris, 6. August. Die Untersuchung wegen des Komplotts vom 13. Juni ist beendigt. Eine ziemlich große Zahl Angeschuldigter wurden letzten Sonnabend in Freiheit gesetzt, und nur etwa 70 werden vor Ge­richt erscheinen. Gegen die angeklagten Abgeordneten ist der Anklagezustand aufrecht erhalten, doch sind die meisten derselben flüchtig.

Paris, 6. August. (M.Z.) Die Tribunen sind in diesem Augenblicke, 1 y2 Uhr, stark besetzt. Die De- putirten sind am Eingänge der Kammer mit Bitten um Einlaßkarten behelligt. Alles ist auf die italieni­sche Debatte gespannt. Findet sie statt, so wird Herr Fallour und Montalembert das Wort ergreifen. Herr Jules Favres tritt mit einem großen Pack von Mo­niteuren herein; er rüstet sich also zu einem großen Kampfe.

Die Interpellation über Italien beschäftigt heute mehrere Journale. Die Debats lassen die Antwort des Ministeriums ahnen: Wir unterhandeln. Sie geben die Ministerrede im Voraus.Wer hätte wis­sen können, wohin die römische Expedition führen wird. Hätte man es gewußt, sie wäre nicht unter­nommen worden. (Die Minister waren also kurzsich­tig.) Wir haben schon genug mit unsern Angelegen­heiten zu schaffen. Niemand traute der römischen Re­publik Leben zu; wir konnten nicht neutral bleiben, da die andern es nicht geblieben wären und die abso­lute Gewalt des Pabftes hergestellt hätten; wir woll­ten die Freiheit retten und wurden mit Flintenschüssen empfangen. Unsere militärische Ehre kam ins Spiel und wir wurden Sieger wider unsern Willen jetzt sind wir in Rom, aber wie fortkommen? Wir können nicht vom Papst verlangen, eine der Wesenheit seiner Würde widersprechende, ihm gleichberechtigte Gewalt einzusctzen, die ihn bald überflügeln würde. Der Papst wird seinem Volke keine Verwaltung vorenthalten, die allein seine Eristen; sichert, und damit er seine Thaten mit seinen Worten in Uebereinstimmung bringen kann, bleiben wir mit unserem Heere dort und unter­handeln inzwischen.

Paris, 6. August. Das Salut Public von Lyon schreibt, zwei Abtheilungen der Alpenarme ziehen an der Schweizergränze zusammen. Durch Chalons wer­den nächstens viele Truppen kommen.

Im Departement Haut-Rhin soll ein Lager gebil­det werden, an dem sich die fünfte Division der Al­penarmee betheiligt.

Spanien.

Madrid, 31. Juli. Man liest imClamor pu- blico", die Regierung sei entschlossen, alle Truppen ihrer Hecrabtheilung in Italien, zu welcher noch andere von der catalonischen Armee stoßen sollen, nach Afrika zu senden, um das marokkanische Reich mit Krieg zu überziehen und die Frechheit der Mauren zu züchtigen, welche beständig Melitta angreifen und der dortigen Besatzung keine Ruhe lassen.

Vom ungarisch-österreichischen Kriegs­schauplatz.

Wien, 3. August. Nachdem unsere Organe der standrechtlichen Bestialität gestern Lord Palmerston wegen seinen magyarischen Sympathien coram genom­men , schäumen sie heute gegen eine englische Zeitung, Eraminer" genannt, worin die Finanzblösen des öst­reichischen Staats-Wracks enthüllt sind. Die Wiener Ztg. zeichnet sich dabei durch ihre knirschende Hyänen­wuth ganz besonders aus, indem sie die ohnmächtige Faust namentlich wieder Pulsky erhebt, und ihn be­schuldigt, das Blutgeld zur Ermordung desedlen" Latour bezahlt zu haben. Es gewährt in der That einen eigenen Genuß, täglich das immer röchelnder werdende Schakalsgeheul unserer rachedurstigcn Höllenorgane zu verdauen. Die Nachrichten aus Ungarn sind der Art, daß aus dem Anlehen wieder nichts wird, obwohl die Lügen über die angeblichen siegreichen Fortschritte der Mordarmee in Ungarn zentnerweise in's Publikum und in die Zeitungen geschleudert werden, obwohl die Wiener Ztg. heute sogar einen Status der östreichischen

Nationalbank mittelst. Danach hat die Nationalbank ein Papiervermögen von nahe 258,030,000 Fl. C.-M. und nur 27,000,000 baares Geld. Ihre dem Staate gemachten^ Vorschüsse betragen allein mehr als 223 Million Fl. C -M. Macht also der Staat Bankrot, so muß die Bank nothwendig folgen. Ueber ihren Finanzzustand hätten unsere Blätter am liebsten das Ausland betrügen mögen, denn von dort muß das Geld kommen. Darum erschöpft man sich für's Aus­land täglich in Erfindungen über Siege in Ungarn, und jagt alle aus dem Lande, welche günstige Berichte über die Magyaren geben könnten! Daher die Wuth gegen Pulsky, weil er den östreichischen Finanz- zustand in England enthüllt hat. (W.Z.)'

Weiden ist wieder Gouverneur von Wien. Der Mangel an Militärärzten ist jetzt so groß, daß man auch Ausländer als solche anstellt. Der Unsinn, den man über eine Kontrerevolution in Szegedin hier standrechtlich debülirt, geht in's Unglaubliche. Man will mit all' diesen Manövern das Anlehn durchaus erzwingen, denn man hat absolut kein Geld mehr, die Blößen der Irmee zu decken. Auch soll eine neue Rekrutlrung stattfinden.

Die Stellung der vereinten kaiserlichen Truppen ist noch immer auf dem rechten Theißufer; zwar meldet man vom Vordringen von Paskikwicz über diesen Fluß bis Tisza Fürev; aber über die Stellung dessel­ben war man selbst in Pesth auf der Kriegskanzlei so in Ungewißheit, daß man einem an ihn dnrchpassircn- den Kurier nicht einmal die Richtung angeben konnte, welche er einzuschlagen habe und ihn deßhalb nach Miskolcz zu weiterer Erkundigung sandte.

Wien, 4. August. Das Eindringen Bèm^s in die Moldau kann verschiedene Absichten haben und dtirfte schwerlich als eine Flucht zu betrachten sein, da General Lüders und das schwache Corps Oester­reicher und Clam- Gallas noch zu geringe Vor­theile in Siebenbürgen errungen haben, um einen so gewandten Gegner zu veranlassen, diese gewaltige Veste des Ostens, die in ihren unzähligen Bergpässen und Schluchten die festesten Stellungen gegen einen achtfach überlegenen Feind darbietet, so fast fast ohne Wider­stand zu verlassen. Weit wahrscheinlcher ist es, daß Bem durch diese Diversion, da bei dem früher schlau eingeleiteten guten Einverständniß mit den türkischen Befehlshabern und den vielen Anknüpfungspunkten mit den Landesbewohnern ihm um so geringere Gefahr droht, als er bei der schwachen russischen Besatzung aus längere Zeit hin nicht zwischen zwei Feuer kom- men kann, und ihm durch das Szeklergebirge immer ein guter Rückzug bleibt, den Versuch macht, ob er nicht die Fürstenthümer insurgiren oder wenigstens durch Werbung seinen Heerhaufen vergrößern und Waf­fen und Munition sich zueignen kann. Nach Umstän­den kann er mit seinen Schaaren sogar nach Rußland einen Streifzug machen, um zu sehen, ob dort eine Schilderhebung der Polen möglich wäre. Kurz, Bem hat so manche Chance für sich, wenn cs nicht gelingt, ihm sehr bedeutende Streitkräfte bald entgegen zu stel­len. (D. Res)

Wien, 4. August. Am 30. Juli wurde die Bri­gade Pott in der Cernirungsstellung bei Heteny von der Komorner Besatzung in 3 Kolonnen heftig ange­griffen und mußte sich über Bajts und Neuhäusel zu­rückziehen, worauf sie hinter diesem Orte und der Neutra wieder Poffo faßte. Der Verlust der Bri­gade wird dabei als bedeutend geschildert.

Nach Berichten aus Gran befinden sich dieser Stadt gegenüber noch immer Jnsurgentenhaufen, welche auf dem linken Donauufer mit der Komorner Besatzung in Verbindung stehen. Bei Annäherung der k. f. Truppen flüchteten von Gran viele angesehene Bewoh­ner, darunter 2t Domherren des dortigen Erzstifts, und nur einer derselben blieb zurück. Der frühere Co- mitatsgeschworne Domby ließ bei Zeiten die Brücke anzünden, so daß die bei Parkany stehende 4000 M. starke Jnsurgententruppe nicht über die Donau nach Gran und von da nach Waitzen gelangen konnte.

Den Wiener Blättern zufolge ist Görgey wieder einmal umzingelt, vielleicht bald genöthigt, sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Nur die Hälfte sei­nes Korps sei über die Theiß gesetzt und habe den Weg gegen Poroßlo eingeschlagen, die andere Hälfte sei bis Schajo Kasintz von den Russen angegriffen worden, jedoch über Szendrö und Torna, bei Kaschau vorbei, nach Ujhely und Namenv nach der obern Theiß entkommen. Nachdem ein Reservekorps von Galizien her Kaschau wieder besetzt habe, sollen sich Saß und Paskiewitsch an die Theiß gewendet und dieselbe, der eine bei Lök, der andere bei Tissa Füred überschritten, der erstere dann das Görgey'sche Korps umgangen und gegen Paskiewitsch gedrückt haben, so daß Görgey, nun zwischen zwei Korps eingeengt, wie­der einen Durchweg suchen müsse, der, wie die Allg. Zeit. hinzusetzt, nicht (?) wahrscheinlich, aber immerhin möglich ist. Während die Wiener Blätter vom 2. d. M. schon Szegedin besetzt hatten, soll dessen Besetzung erst am 1. d. M. durch F.-M.-L. Namberg stattgefunven haben, und jetzt melden Briefe vom 2., die aus Kiß-Telek, dem Hauptquartier Hay-' nau's, eingegangen sind, daß erst an diesem Tage das V o r r ü den der Armee gegen Szegedin stattfinden solle.

Wiener Blätter und namentlich der Lloyd, wissen, daß ein sehr hitziges Treffen zwischen Felegyhaza und und Kiß-Telek stattgehabt habe; es ist, wenn diese