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Wiesbaden. Dienstag, 7. August

Freiheit und »echt!«

18H9

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f *f Das Trauerspiel in Schleswig-Holstein.

Geht, laßt die Truppen schießen.

Sheakspeare.

Als wir unsre Hoffnungen zählten im März des vorigen Jahres, und als wir unsre Erfolge über­schauten, da waren es ihrer so viele, und sie waren so großartig, daß wir selber davor erschracken, und uns eine Grenze setzen zu müssen glaubten. Wo die Bewegung etwas heftig wurde, da geboten wir der­selben Halt, und waren besorgt, der Strudel der Re­volution möchte Alles mit sich fortreißen, nichts, gar nichts mehr bestehen lassen, und wir hatten Mitleid mit allen alten Sündern, wie sie bußfertig auf die Kniee sielen, und wir hielten gar ihre Sünden für Schwächen. Aber in Einem Punkte war Alles einig, von den Professoren herab bis zu den ärmsten Lite­raten von den höchsten Finanzmännern bis zu den Proletariern: das war der Kampf in Schleswig-Hol­stein. Es war ja so weit gekommen, daß man das meerumschlungen" aus dem Munde jedes Bänkel­sängers vernehmen konnte; das Ideal des freiheitbe- geisterten Jünglings tvar, zu kämpfen gegen die Dä­nen; die Sehnsucht des Soldaten war, nach so langer Ruhe sich in Schleswig-Holstein Lorbeeren zu holen. Gleich nach den Berliner Märztagen erschien die Pro­klamation der provisorischen Regierung der beiden Her- zogthümer; der Name schon zündete er ward zum ersten Male vernommen in Deutschland; noch mehr aber zündete die Sache selber. Man war bereit zu einem großen Kreuzzuge. Jung und Alt war kampfes- lustig. Die Herzogthümer brauchten nur den Kampf auf eigne Faust zu eröffnen, die provisorische Regie­rung nur einen begeisterten und energischen Zuruf an das deutsche Volk zu erlassen: und in wenigen Wochen stand ein Volksheer auf den Beinen, entschlossen, für die Ehre und Freiheit Deutschlands zu sterben, die alte Schmach abzuwajchen bis auf den letzten Flecken; ein Volksheer, schnell disziplinirt und bald gewohnt an die Schlacht. _Aber die provisorische Regierung bestand aus Professoren und Bourgeois und sie Verbat sich bald nach ihrem Entstehen alle Volkshülfe, mit Stolz hinweisend auf die Helme der Preußischen Garderegimenter. Was geschehen konnte, und zu unberechenbaren Erfolgen hätte hin- führen müssen, unterblieb; das Volk hatte sich nicht mehr zu bekümmern um die Leitung des Kriegs: sie war von nun an gewandert in die Hände der Kabi­nette. Noch einmal flammte der beleidigte National­stolz auf nach dem schmählichen Malmöer Waffenstill­stände aber sogar die Vertreter des Schleswig- Holsteinischen Volkes in Frankfurt, d. h. die Bour­geoisie gab zu dem letzteren ihre Einwilligung. Seit­dem hatten jene Herzogthümer oder wenigstens jener Krieg alle Sympathie von unsrer Seite verwirkt. Die Briefe und Artikel aus und über Schleswig waren

uns das Langweiligste in den Blättern. Und wir em­pfanden nur Mitleid über die armen Soldaten, die mit Freuden in jenen Kampf gegangen waren, und die zuletzt in der ganzen Kriegsführung eine Heuchelei von Patriotismus, eine offenbare Begünstigung des verhaßten Feindes, eine hinter scheinheilige Phrasen versteckte Verrätherei, eine nutzlose Hmopseruug von Menschenleben erblickten. Wir freuten uns über jeden Sieg, den sie errangen, doppelt schwer errangen bei der hinterlistigen Kriegsführung, wir freuten uns: weil wir unsern dort kämpfenden Brüdern von Herzen jene Freude gönnten. Uno es that nns weh, aus demsel- ben Grunde, so oft sie eine Niederlage erlitten. Aber für den Krieg selbst konnten wir uns nicht mehr be­geistern. Da tönt plötzlich die Kunde von dem Ueber- falle bei Fridericia an unser Ohr. Von neuem lodert der Haß empor gegen die offenen, wie die verkappten Feinde, Rache, Rache, hallt es ans Aller Munde, Rache aus dem Munde der verrathenen Schleswig-Holsteini­schen Armee: und ein von Preußen im Namen Deutschlands geschlossener Waffenstillstand, der die theuersten Rechte der Herzogthümer preisgiebt, ist die Antwort, Noch ist die Fortsetzung des Krieges mög­lich, noch hat die Armee, Gelegenheit, sich zu rächen, aber wie bald wird die Bourgeoisie absallen, wenn sie erst die Süßigkeiten des wieder freigegebenen Han­dels geschmeckt, wenn ihr erst der Preußische Adler seine Krallen gezeigt hat. Dann steht Volk und Armee allein, und sie büßen ihre Vaterlölandsliebe mit dem Einmarsch Preußischer Regimenter, von denen sie ent­waffnet, und wenn sie sich widersetzen, zusammen- geschossen werden. Denn also soll ein Artikel der ge­heimen mit Dänemark abgeschlossenen Eonventionen lauten. Die übrigen deutschen Regenten aber, die einst so begeistert waren für Schleswig-Holstein, die in ihrer Begeisterung zum Theil an die Spitze ihrer Soldaten auf den Kriegsschauplatz eilten, was werden sie thun? Sie werden sich fügen, während Preußen schon zittert vor ihrem Widerspruche, sie werden niedersinken vor­der preussischen Majestät, und ausrufen: Herr, dein Wille geschehe, wie zu Hause, so in Schleswig-Hol­stein! Uns fallen hier unwillkürlich jene Heldenge­stalten des Mittelalters ein, die sich, wenn auch wider­rechtlich, ihrem Kaiser trotzig widersetzten, ihrem Kai­ser, dessen pflicksstmaßige Vasallen sie waren. Unsre Fürstenaber, berechtigt, der preußischen Anmaßung gegenüberzutreten, begeben sich lieber frewillig in Preußens Botmäßigkeit, und werden nicht seine Va­sallen, nein seine Diener.

lind die übrigen süddeutschen und norddeutschen Kammern, die Männer vonGut und Blut" von alter deutscher Treue und Biederkeit" was werden sie thun? Sie werden sich einen Augenblick erzürnt stellen, Schleswig-Holstein Beistand und Hülfe ver­sprechen, sie werden Krokodillsthränen weinen und ruhig zusehen, wie Prittwitz ihre Truppen nach Hause schickt. Wir kennen die deutsche Bourgeoisie.

So wird denn auch diese Gelegenheit, dem Könige von Preußen ein Halt auf seinem Wege zuzurufen, abermals scheitern an der Feigheit und Schwäche uns­rer Bourgeoisie. Unter dem Vorwande: wir allein können nichts rnachen! sällt einer der alten Freunde nach dem andern ab, bis Schleswig-Holstein allein steht, und dann allerdings gegen Dänemark und Preu­ßen wehrlos ist. Kömmt eine bessere Zeit, wir sind überzeugt, es wird den König von Preußen nicht zum zweiten Male um Hülfe anrufen.

Baiern hat seine Truppen zurückgezogen,weil es die- silben nicht nutzlos opfern, und am Ende gar gegen Schleswig-Holstein selber schicken wolle"; wir wissen nicht, ob dieser Vorwand ans ehrlichein Herzen ge­flossen ist, viel wahrscheinlicher, es hat seine Soldaten jetzt gern int eignen Lande, gern in der Nähe. Die nassauische Kammer hat auf Großmanns Antrag beschlossen, den Herzogthümern ihre Hülfe zuzusagen; aber dieselben Leute lassen das nassauische Regiment unter dem Oberbefehle des verhaßten Generals Pritt­witz, und lehnen hartnäckig jeden Antrag ab, der das­selbe direkt zur Verfügung der schleswig-holstein'schen Regierung stellen will.

Ein entschlossener Widerspruch sämmtlicher Fürsten und Kammern gegen die Gewaltanmaßung Preußens würde einen Wendepunkt in unsrer Geschichte bilden. Aber diese Leute verstehen es nicht, Geschichte zu ma­chen. Wie lange aber wird es dauern, bis des Vol­kes Majestät alle andern Autoritäten verdunkelt? Wie lange .... wir wissen es nicht; doch es wird und muß geschehen, wenn nur das Volk sich selber nicht aufgibt. Dann ist es nur ein kurzes Dunkel, das uns jetzt umgibt, dann wird auch bald der Freiheit Mor­genröthe wiederstrahlen; dann werden unsere begeister­ten Krieger auch wieder jubeln können, wie damals als sie gegen den dänischen Femd marschirten:

Und ein Frühling ist erstanden;

Wie die Welt noch keinen sah, Und es springen alle Banden, Und die Freiheit: sie ist da!"

8. Die Koste»» der Mediziiialpstege.

Man ist in der letzten Zeit unermüdlich, Klagen über die ungeheure Höhe unseres Budgets zu verbrei­ten über hohe Gehalte sich zu beschweren und über Vereinfachung des Verwaltungssystemö zu berathen. Wir wollen deshalb einen Stand herausgreifen, und sehen, wie hoch sich dessen Verwaltung belauft. Es ist dies der Stand der Mediziner, der sich schon so lange vergeblich abgemüht hat, um wahre Reformen zu Wege zu bringen. Als Norm der Besolvungln gilt es, daß das Medinin nicht überschritten werden soll. Das Medium für die Medizinalräthe ist 1500 f[ da sie von 12001800 fl. gesetzt sind, während das Maximum der Justizbeamten 2000 fl. beträgt. Das

Die Offici»» der Times zu London.

Tief in der City, von sehr winkeligen Straßen, in denen sich zwei Wagen kaum ausweichen können, enge cingeschlossen , liegt ein kleiner Play, der Printing-Sguare. Die kleinen Gebäude, die ihn bilden, sind die Offnem des Journals, das an Einfluß und Reichthum seines Gleichen in der Welt nicht hat. Eine Marmortafel über dem Haupteingange, von einer Anzahl von Bankiers und Kaufleuten der City geschenkt, erinnert an die glück­liche Entdeckung eines großen Betruges, dessen Urheber dieTimes" mit bedeutenden Kosten heransfand und da­durch großen Verlust von der Kaufmannswelt abwandte. Tritt man ein, so erblickt man ein seltenes Schauspiel menschlicher Geschäftigkeit, die von in ihrer Art einzigen Maschinen unterstützt wird. DieTimes" macht in D?v Regel zwei Auflagen des Tages, ausnahmsweise, z. B. zur Zeit der Februarrevolution, wohl auch noch vier, ja fünf Auflagen. Jede Nummer ist wenigstens andert­halb Bogen stark, von denen der halbe Bogen und ein Theil des ganzen mit Annoncen ausgefüllt sind, durch­schnittlich 30 Spalten in Summa. In dieser Beziehung ist der Andrang so stark, daß immer ein Theil der In­serate zurückaclegt werden muß. DieTimes" hat gegen­wärtig ein Abonnement von 36,000 Exemplaren; an Tagen, an welchen interessante Parlamentssitzungen stattfinden, ist die Auflage um etwa 1000 Exemplare stärker; an

dem Tage, an welchem der Mörder Rush seine Ver­theidigungsrede hielt, zog dieTimes" 9000 Exemplare mehr ab. In der Officin arbeiten 200 Menschen. Der Seyer bekommt für 1000 Buchstaben 1 Shill. 9 Pence. Ist er fleißig, so kann er an einem Tage eine Spalte seyen und 15 Shill. (etwa 5 preuß. Thaler) verdienen. Das Papier wird von mehren Mühlen geschafft, der Lieferant ist Mitcigcnthümcr derTimes". Jeder Bogen wird zuerst in Sommcrfethousc gestempelt, wofür 1 Penny an den Staat bezahlt wird. Für diesen Stempel zahlt dieTimes" da sie täglich anderthalb Bogen gibt, 72,000 Pence, d. h. 300 Pfd. St. täglich, und 93,900 Pfd. St. (657,300 preuß. Thaler) im Jahre. Ein Vor­rath von 150 000 gestempelten Bogen liegt jederzeit in dein Papierkeller, mit deren Anfeuchtung 6 Menschen unablässig beschäftigt sind. Dieser Vorrath reicht immer für 4 bis 5 Tage aus. Außerdem bezahlt das Journal an den Staat für jede Annonce 1 Shill. Sixpeuce (etwa y2 preuß. Thaler). Man sieht, daß die Abgaben der Journale zu den einträglichsten Rcoenüeu gehören, die die brittische Regierung hat. Die Maschieneu derTimes" sind doppelter Art: die kleineren liefern in ter Stunde 4800 Bogen , die auf beiden Seiten bedruckt sind; in ihnen bewegt sich der Say horizontal. Außerdem ar­beiten noch zwei große Maschieneu, in denen der Say einen Cylinder bekleidet, der, indem er seine Bahn be­schreibt , 8 Bogcnseiten bedruckt. Jede dieser Maschinen von denen die zweite erst seit acht Tagen ausgestellt ist,

bedruckt 9600 Bogensciten in der Stunde, und könnte I "och mehr liefern, wenn es auf die Dauer möglich wäre, . sie so schnell mit Papier zu bedienen. Der Erbauer dieser ingeniösen Maschicne ist Hr. Apelgath; die Eigen­thümer derTimes" hatten keinen Contract mit ihm gemacht, sondern zahlten ihm was er forderte, wofür er die Herstellung und stete Vervollkommnung der am schnellsten arbeitenden Pressen übernahm. Sie werden von einer Dampfmaschine von 12 Pferdekraft in Be­wegung gesetzt, während für die kleineren eine Maschine von 4 Pferden hinreicht. Der Ansicht, die man in Deutschland öfters hört, daß die Cylindermaschine die Typen schneller abnutze, wird von den Factoren der Times" entschieden widersprochen ; sie finden im Gegen­theil , daß die horizontalen Maschieneu mehr Lettern con- sumireu. Es ist auch der Versuch gemacht, 12,000

Bogen in der Stunde auf den Cylindermaschinen zu drucken, aber dieser Versuch griff das Personal in hohem und die Maschine in gefährlichem Grade an. Das Bud­get derTimes" beträgt eine Summe, die genau zu bestimmen seine Schwierigkeiten hat, aber groy genug wird es sein, um, wie versichert wird, einen Correspor- denten in Aden am Eingang des rothen Meeres mit 1000 Psv. St. jährlich zu besolden und einen eigenen elcctr. Thelegraphen nach Liverpool zu bauen.