kleine Zuschläge, und will überhaupt dem Projekte so viel Reiz als möglich verschaffen.
Ueber die günstige Wendung, welche die Ereignisse auf dem ungarischen Kriegsschauplätze wieder in West, Süd und Ost zu nehmen beginnen, theilt die „Nat.- Ztg." nach ihren neuesten Berichten folgende Resultate mit: „Auf dem westlichen Kriegsschauplatz soll F.-Z.-M. Hayn au abberufen und durch den so eben zum Feldzeugmeister enannten G.-F.-L. Heß ersetzt werden; die Schlacht bei Waitzen, welche fast drei Tage dauerte, war selbst nach offiziellen russischen Bulletins ganz un- entscheidend, nach Privatberichten aber ein entschiedener Sieg der Ungarn, deren Armee unter Görgey und Dembinski die Operationslinie der russischen Haupt- Armee durchbrach; in Siebenbürgen, woher wir endlich auf dein einzigen noch offenen Weg aus Konstantinopel (über Paris) Nachrichten erhalten, wurden die Russen unter Luders in einer 36stüudigen mörderischen Schlacht bei Fogaras geschlagen, wurde Bistritz (am 26.) von Bem genommen, und das Korps Groten Helms bei Borgo eingeschlossen; im Süden endlich ist der Uebergang über die Theiß von den Ungarn bewerkstelligt, der „stets Siegreiche" bei St.-Thomas vollkommen geschlagen, so daß er nur mit den Trümmern seiner Armee sich in die Römerschanzen retten konnte, nach Andern gar über die Donau nach Semlitt flüchten mußte, und ist das lange bedrohte Peterwardein entsetzt. Dazu Nachrichten von einem in Türkisch-Bosnien ausgebrochenem Aufstande, von einer energischen Erklärung der Pfordte, rücksichtlich der Neutralität der Donaufürstenthümer, und der mit großer Wahrscheinlichkeit bevorstehende Ausbruch des Krieges mit Sardinien!"
Die Nachrichten der Nat.-Ztg. über Siebenbürgen, woher wir seit langer Zeit aus den russischen Bulletins und bucharester Berichten nur Schlimmes hörten, sind gleich erfreulich. Der Nat.-Z. wird aus Konstantinopel, 5. Juli gemeldet, daß die Pforte gegen russische Truppenzüge nach Siebenbürgen durch türkisches Gebiet nicht nur protestirt, sondern zugleich erklärt habe, sie werde die russische Arinee, falls sie sich in Folge von Niederlagen auf türkisches Gebiet zurückzuziehen genöthigt sehen sollte, entwaffnen lassen. Daß dieser Fall nicht so unmöglich sei, zeigt Folgendes: Am 21. Juni bemächtigte sich General Lüders Kronstadts, nachdem ihm ein dort zurückgelassener verlorner Posten von 400 Magyaren heldenmüthigen Widerstand geleistet hatte. Der Obrist Kiß, der dieselben komman- dirte, ist an seinen Wunden gestorben, und von den 400 Mann überlebten nur 85 die Einnahme Kronstadts. Von hier bewegten sich die Russen gegen Hermannstadt. Die Ungarn gingen ihnen bis Fogaras entgegen. Nach einer 36stüudigen mörderischen schlacht zog sich der vollkommen geschlagene Lüders in größter Unordnung nach Kronstadt zurück. Die Stadt ist von Verwundeten und Fliehenden überfüllt. Ein anderes russisches Korps, das bei Aydos den Uebergang aus der Moldau forciren wollte, hat ebenfalls sehr viel gelitten und wurde zurückgeworfen.
Wenn die Ungarn mit demselben Erfolge die Russen weiter verfolgen, so bleibt den Letzteren nichts übrig, als sich in die Walachei zurück:»,ziehen, wo sie von der Pforte entwaffnet werden, die das Princip ihrer Neutralität aufrecht erhalten muß und auch will, selbst auf die Gefahr hin, sich dem Zorne Rußlands auszusetzen. — Auch der Wiener Wanderer spricht von Haynaus Entfernung und der Uebernahme des Oberbefehls durch F.-Z.-M. Heß. — Laut den Berichten der Wiener Ztg. ans dem russischen Hauptquartier vom 19., soll der Feind sich mit seinem Gros bis A-Gu- dany zurückgezogen haben. Dem Lloyd wird aus dem nördlichen Mähren geschrieben, daß es dort allgemein heiße, Görgey wolle mit seinem Korps in drei Kolonnen bei Jablunka, Tesonuta und Wsetin nach Schlesien und Posen durchbrechen; dies sei der Grund, weßhalb Preußen an der schlesischen Grenze eine bedeutende Streitmacht zusammenziehe.
Heute bringt uns auch endlich die Wiener litho- graphirte Korrespondenz die Bestätigung des schon vor mehreren Tagen von unserm Wiener Korrespondenten gemeldeten Sieges Bem's über den Banus. Mit 50,000 Mann hat er nach ihr die Verschanzungen des Banus gestürmt und Peterwardein entsetzt. Das Czakisten-Bataillon wird von ihm bedroht, während die Bacska schon aufgcgeben ist. In Essegg und Mit- rowitz langen zahlreiche Wagen mit Verwundeten und Schaaren von Flüchtlingen aus der Bacska an. Die Stärke der im Süden operirenden ungarischen Armee wird auf 100,000 Mann angegeben.
WUn, 22. Juli. (Fr. I.) Die Magyaren sind wirklich in der nördlichen Siidjtung durchgebrochen und behaupten den Jpoly-Uebergang bei Karos, wo die Straße einen leicht zu vertheidigenden Engpaß bildet. Ein Theil derselben hat sich gegen Jpoly-Sagh gewendet. Vor seinem Abzüge aus Waitzen hat F.-M. Paskicwicz die Stadt einer 2stündigen Plünderung preisgegebkn.
Aus dein Lager bei Comor» wird unterm 18. d. Mts. berichtet: Der Kampf, das Treffen, die Schlacht, das Gemetzel — Alles in Einem spielt von einem Platze zum andern und währt nun den dritten Tag; die westliche, nördliche und südliche Umfassung Comorns ist mit einer wcitgedchnteu Feuerlinie umgeben. Die Magyaren schlagen sich auf allen Seiten verzweifelt und schauerlich tollkühn, und ihr Fanatismus läßt sie
nicht ermüden. Unsere Truppen sind in 5 Colonnen getheilt und die Rußen rücken von Waitzen gegen den 1 Granfluß heran. In den Zwischenräumen unserer Colonnen bewegen sich die Magyaren.
^falten.
9toin, 14. Juli. Der „Contemporaneo" schreibt: „Unser Journal beginnt wieder seine Veröffentlichung. Das Waffenglück hat sich für die Franzosen entschie- 1 tcn. Die Begebenheiten, welche sich zugetragen, gehören von nun an dem unbestechlichen Urtheil der Geschichte an. Frei von Lobhudeleien und feigem Schimpfen, werden wir unsern Lesern das mittheilen, was sich ereignet. So lange der Belagerungszustand dauert, werden wir jede Polemik vermeiden, uns aber dennoch als ein Freund der Ordnung und des Fortschritts zeigen. Das Programm der französischen Besetzung erklärt, daß der „heilige Vater" in Rom einziehen wird, umgeben von konstitutionellen Einrichtungen. Wie wird dieses Ereigniß sich begeben? Das können wir nicht wissen, denn die Zukunft ist in dichten Nebel eingehüllt. Die drei Kommissäre für die Finanzen, die Justiz und die öffentlichen Bauten, Lunati, Piacentini und Cavaliere, sind Ehrenmänner; sie können nur Zutrauen einflößen, und wir hoffen, daß ein Blatt des Fortschritts und der Freiheit, wie es der „Con- temporaneo" stets war, unter solchen Männern seine Veröffentlichung ungehindert fortsetzen kann."
Nom. (N. Z. Ztg.) Die französischen Generäle setzen auch auf dem Lande Beamtete ein und ab. So hat der Brigadegeneral Morris in Viterbo einen Hrn. Polidori zum Präsidenten der Provinz erwählt. In einem Rapport dieses Generals vom 18. steht: „Wenn verborgene Waffen bei einem Bürger gefunden werden und derselbe kann sich über seine moralische Aufführung nicht ausweisen, so wird er sofort (sul mo- mento) erschossen. — Nach Berichten ans Perugia soll Garribaldi mit 3000 Mann und 2 Stücken Artillerie in Todi Posto gefaßt haben. Von Perugia aus sind 2000 Ocsterreicher gegen ihn aufgebrochen. Man spricht sogar von einem Gefecht und von Todten und Verwundeten.
Aus Mailand wird vom 22. Juli geschrieben: Heute ist das Ultimatum von Seite Oesterreichs nach Turin abgegangen. Wird dasselbe nicht angenommen, so sollen die Feindseligkeiten unverzüglich wieder beginnen. -- Der größere Theil der nach der Romagna abgesandten Truppen ist bereits wieder nach der Lombardei zurückgekehrt.
Ueber den tu neulich von der „Wiener Ztg." mit so vielen Pathos gemeldeten Ueberfall der Eisenbahn- brücken-Batterie vor Venedig berichtet die „Gazette von Genua" aus Vicenza, 9. Jnli: „Die Oesterreicher haben den Versuch gemalt, einen Posten der Venetianer auf der Brücke zu überfallen. Diese ließen sie heranrücken, indem sie nur ein sehr langsames Feuer gegen sie unterhielten; durch eine plötzliche Verstärkung desselben aber zwangen sie die Ocsterreicher zur eiligen Flucht: dieselben hatten sowohl Todte als Verwundete."
Die Berichte von der Opcrationsarmee gegen Venedig lauten sehr traurig. Die Lagunenfieber greifen immer mehr um fich, so daß schon bei 10,000 Kranke in den Spitälern liegen. Viele Regimenter sind ganz aufgelöst, besonders das zweite steirische Schützen-Bataillon, das 7. Jäger-Bataillon und das Prinz Emil Infanterie-Regiment. Die Belagerung wurde bereits eingestellt und in eine enge Cernirung verwandelt.
S ch w e è z.
Schaffhausen, 21. Juli. (Halb 8 Uhr Abends.) Von den heute früh in dem von unserm Gan ton umschlossenen badischen Orte Bissingen angekommenen Hessen heißt es, daß sie blos in der Absicht gekommen seien, das Dorf zu entwaffnen — welches sich übrigens immer ruhig verhalten und nie Theil an der Revolution genommen hatte — und Nachmittags wieder zurückzufahren, was aber bis vor etwa zwei Stunden nicht geschehen ist, und wohl nicht mehr geschehen kann, weil die Brückeujoche von Dießenhofen und Stein sogleich mit Schiffen rc. verrammelt oder versperrt, die Brücken selbst, sowie die Ufer und Umgebungen von Hüfingen mit Truppen besetzt find, so daß die I Hessen nicht mehr passiven können. — Da Hr. Oberst ! Gmür sich gegenwärtig in Basel befindet, ist vom Brigadecommändo Jemand nach Bilfingen gegangen, um Vie Hessen über ihre Lage aufzuklären, und sollten . sie wirklich wieder fortziehen wollen, so werden sie ; entweder entwaffnet oder eskortirt werden. Wir sind sehr gespannt auf den Ausgang dieses Vorfalls, welcher zu unangenehmen Conflikten führen könnte. (S.N.-Z.)
Basel, 23. Juli. Seitdem preußische Helme aus ; dem Badischen über den Nheinftrom zu und herüber blinken, ist für unsere Sonderbündler die Zeit des Wühlens wieder gekommen. Eilboten durchziehen tagtäglich den Kanton von einem Ende zum andern; i Versammlungen werden gehalten in allen Winkeln, bei ' Tage und bei Nacht und wem von ihnen die Freude nicht jetzt schon offen aus dem Gesichte glänzt, der weiß sie nur besser zu verbergen als ein Anderer. Eine Frucht dieses Treibens ist die kürzlich massenhaft unternommene Wallfahrt nach Einsiedeln. Andere Cr- scheinungen werden zu Tage treten, wenn die Siegte? rung auf die Aufwiegler nicht ein wachsames Auge bestellt. Daß die Hoffnung auf fremde Intervention,
p blödsinnig sie auch ist, selbst bei klugen Anhängern der Sonderbündelei Eingang findet, ist unschwer an der Sprache anzumerken, die diese Leute führen. Die Luzerner Zeitung, die wie eine keusche Nonne anfänglich kaum zu sprechen und ihre Augen aufzuschlagen wagte, und bis jetzt auch fein säuberlich den Fuchsschwanz unter einem geschleckten Jesuitengewande zu verbergen suchte, tritt in den letzten Nummern mit volle, Zuversicht auf. Wir machen wiederholt auf dies, Dinge aufmerksam, sagt der „Eidgenosse".
Zürich, 25. Juli. (N. Z. Z.) Es ist nun amtlich konstatirt, daß die Zahl der deutschen Flüchtlinge in der Schweiz sich auf 9000 beläuft. Dazu kommen noch 150 Polen ünd außerdem viele einzelne Ubeerge- tretene. Nach der Angabe von Genfer Blättern beherbergen wir auch noch einige Tausend flüchtige Franzosen und Italiener, deren wir in nächster Zeit noch mehrere von Rom erwarten.
Tessin. Der „Republikano" hat Frankreich mit zwei großen Strichen aus dem Völkerbande seines Blattes ausgestrichen.
Genf. Den 18. Juli Abends hat das Dampfschiff Helvetie den ersten Transport von 50 badischen Flüchtlingen hierher gebracht.
Basel, 24. Juli. (B. Z.) Der österreichische General-Major Eberle, der Erbauer der Festung Rastatt, ist hier durch nach Bern gereist, in einer besondern Mission als Abgeordneter der deutschen Reichs- gewalt an den Bundesrath.
Bern, 24. Juli. Die Regierung von Wallis wendet sich durch einen Abgeordneten wegen der am Simplon stattsindenden Anhäufung österreichischer Truppen an den Bundesrath. (B. Z.)
Mepublik Frankreich.
Paris, 23. Juli. (Mz. Z.) Der Moniteur enthält eine Kritik oder vielmehr eine Belobung des dritten Bandes der Schriften des Präsidenten von H. A. Prün. Letzterer will einen Muth darin sehen, daß der erste Magistrat Frankreichs sich nicht scheut, jetzt das nicht zu widerrufen, was er früher gedacht.
Obwohl alle republikanischen Vereine untersagt find, so dauert die Wirksamkeit der „vereinigten Freunde der Ordnung", einer monarchischen Gesellschaft, ungestört fort. Das wird durch einen Brief, der im National abgedruckt ist, bewiesen.
Herr Montalembett berief sich auf einen Artikel gegen den Marschall Bngeaud, der ihn als Feind der Demokratie bezeichnet, um die Verderbtheit der Presse nach- zuweisen. Ein Journal verweist den geehrten Herrn an ein Mitglied der Preßkommission, welches ihm interessante Aufschlüsse über einige Artikel gegen Bngeaud in den legitimistischen Blättern von 1832 geben kann. Der Kerkermeister der Herzogin wird nicht sehr zart in diesen Beurtheilungen behandelt.
Ein Brief vom 11. aus Rom im Nouvelliste meldet die Abhaltung des Te-Deum. Bon der Engelsburg wurde 101 mal mit Kanonen geschossen, die pabst- liche Flagge wurde aufgezogen: Die Korrespondenz fügt hinzu: „Oudinot und die Soldaten wurden mit Blumen überschüttet."
Paris, 23. Juli. (Köln. Ztg.) Im Lager der Le- gitimiste», wie in dem der Demokraten aller Schatti- rungen ist man seit acht Tagen von einer und derselben Sorge geplagt: Louis Napoleon beabsichtige, während der Abwesenheit der Kammer sich zum lebenslänglichen Cousul oder erblichen Kaiser zu proklamier». Was auf der äußersten Rechten derlei Besorgnisse rege gemalt, ist zuvörderst der unlaugbare allgemeine Enthusiasmus, mit welchem jüngst Louis Napoleon im Departement der Somme und besonders in Amiens bei Vertheilung der Fahnen an die Nationalgarde dieser Stadt empfangen ward. Dieser Jubel gilt allerdings weder dem Namen des Präsidenten, der seit 6 Monaten ungemein von seinem alten Zauber verloren hat, noch weniger der Person Louis Napoleons, sondern vorzugsweise dem Symbol der Ordnung , als welches der Präsident, besonders seit dem 13. Juni, der Bevölkerung erscheint. Allein wer steht dafür, fragen in Augst die Legitimisten, daß Louis Napoleon diese derOrdnng geltenden Aeußerungen nicht aus seine Person übertrage. Die Abwesenheit der Kammer wäre ein günstiger Augenblick zur Anssührung eines solchen Umschwunges der Dinge; daher sind auch die Legitimisten gesonnen, mit dem Berge gegen die Vertagung der Kammer zu stimmen, — eine Maßregel, die sie selber, vor der Reise nach der Picardie, beantragt haben.
GroßbritaNNie u.
London, 23. Juli. In der „London-Tavern" fand heute eine Versammlung statt, deren Zweck war, die Sympathie des britischen Publikums für das ungarische Volk im Kampfe für seine Unabhängigkeit auszudrücken. Der Saal war gedrängt voll. Unter den Anwesenden befand sich unter Anderen auch Herr Cobden.
T ü r k e L.
Dem „Globe" wird aus Constantinopel vom 25. Juni geschrieben: Der Sultan hat den Rathsbeschluß, die Verweigerung des Durchzuges der russischen ssnip- pen durch Serbien betreffend, genehmigt. Die Pforte protestirt gegen das Einrücken der Russen durch dw